Dauer
Die Dauer einer Weltreise – verschiedene Möglichkeiten
Bei den meisten Menschen geben die Lebensbedingungen die Dauer der Reise vor. Meist handelt es sich um maximal ein Jahr, das man unterwegs sein kann, ohne alles daheim aufzugeben. Manch aufgeschlossener Arbeitgeber gewährt ein Sabbatical für die Dauer zwischen drei und zehn Monaten. Ansonsten muss man jedoch ohne Anschluss-Job losziehen. Da dies vielen Menschen Angst macht, entscheiden sich die meisten für einen etwas kürzeren Zeitraum. Doch in nur zwei bis drei Monaten sollte man nicht in Stress kommen, nur um einmal um den Erdball zu fliegen.
Daher ist die Frage nach der Reisedauer eine existenzielle und sollte im Vorfeld geklärt sein, da die Planung ganz entscheidend davon abhängt. Wichtig ist, ob man die geplanten Ziele in der zur Verfügung stehenden Zeit erreichen kann und trotzdem Zeit hat, einen Ort auf sich wirken zu lassen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Ziele definiert und dann noch mal gekürzt werden müssen. Sonst hätten wir wahnsinnig viel gesehen, aber nichts davon richtig. Wer schon einmal als Backpacker unterwegs war, weiß, dass mehr nicht unbedingt besser ist.
Normalerweise, so weiß ich nun aus Erfahrungsberichten, dauert eine Weltreise zwischen vier Monaten und einem Jahr. Die meisten Menschen sind knapp ein Jahr unterwegs. Das hat unterschiedliche Gründe:
Meist wird die Reise durch die Gültigkeitsdauer von Flugtickets oder finanziellen Mitteln limitiert. Bei einer Reise, die länger als ein Jahr dauern soll, reist man ohne Rückflugticket, was vielen Menschen wohl unheimlich ist. Doch manchmal muss man die Reisedauer ein wenig verlängern, wenn etwa die Reisezeit für einige Länder sich überschneidet und man sowohl das eine, als auch das andere Ziel bereisen will. Wer Indien in einer Woche macht und dann noch drei Wochen für gesamt Südostasien, Australien und Südamerika einplant, wird die meiste Zeit in Flugzeug und Bus sitzen und eigentlich nichts sehen können. Außerdem ist so eine Reisegeschwindigkeit anstrengend und nach einer Zeit nervig. Dann wird die Reise mehr zum Stress und weniger zum Erlebnis.
Das Wichtigste also: Nicht zu viel in zu kurzer Zeit vornehmen! Die Reisegeschwindigkeit von einer normalen zwei- bis dreiwöchigen Urlaubsreise ist nicht über längere Zeit aufrechtzuerhalten ohne am Schluss völlig erschöpft zurückzukehren und sich die Sehenswürdigkeiten auf den Fotos anzuschauen, weil man kaum etwas mitbekommen hat vor lauter Hetze…
Doch es muss nicht immer ein Jahr sei. Auch in weniger Zeit ist eine (Welt-)Reise möglich. Und es gibt Alternativen, die sehr attraktiv sind:
Im Folgenden wollen wir verschiedene Reisemodelle vorstellen, die auch mit kleinem Budget oder weniger Reisezeit möglich sind:
Kurzreise ( 2 bis 6 Wochen)
Während dieser Zeit kann man zwar keine großen Sprünge machen, aber ein Land oder auch zwei benachbarte Länder lassen sich stresslos bereisen. Eine Kurzreise kann während den Ferien oder dem Jahresurlaub stattfinden, ohne dass man seinen Arbeitgeber um ein Sabbatical bitten muss. Auch das Tickes gestaltet sich relativ einfach. Ein normales Hin- und Rückflugticket zum und vom selben Ort ist meist ausreichend. Wer doch eine längere Strecke zurücklegen will, kann einen Gabelflug buchen.
Auch die Versicherung ist kein Problem, so gut wie alle Krankenversicherugen haften bis zu drei Monate im Ausland (bei Auslands-Zusatz-Schutz).
Die Reiseplanung sollte schon eine Route und vielleicht sogar Hotel oder Übernachtung beinhalten, da man nicht so viel Zeit auf Planen und Organisieren verwenden möchte, wenn man nur ein paar Wochen Zeit hat. Perfekt ist die Planung, wenn dazwischen noch einige Tage übrig bleiben, an denen man spontan Dinge besichtigen oder auch nur am Strand chillen kann.
Reise bis zu drei Monate
In drei Monaten schafft man bei mittlerem Reisetempo schon eine ganze Menge. Entweder ein großes Land, z.B. Australien oder eine überschaubare Region wie ein Teil Südostasiens sind machbar. Entweder man kann zwei Jahresurlaube zusammenlegen oder man bekommt einen unbezahlten Urlaub (Sabbatical) und bleibt somit bei dem Arbeitgeber. Am leichtesten ist diese Reisedauer für Studenten zu schaffen, die nutzen einfach die Semesterferien. Bei den Tickets sollte man darauf achten, dass die nur 90 Tage gültig sind (bei American Airlines), denn dann sind sie relativ günstig. Hier ist meist ein Gabelfug das sinnvollste. Mit diesem Ticket kommt man an einem andern Ort an, als man später wieder zurückfliegt. Somit lassen sich relativ große Strecken zurücklegen, ohne am Ende wieder zurück zu müssen. Schwieriger ist es mit den Versicherungen (Krankenversicherung, Unfallversicherung), denn die werden nicht für so lange Zeit gelten. Doch meist gibt es bei den Versicherungen kostengünstige Pakete, die man für maximal drei Monate zusätzlich abschließen kann. Es lohnt sich oft nicht, die Wohnung für eine so kurze Dauer aufzugeben. Sinnvoll ist es aber, sie unterzuvermieten, da man dadurch die fixen Kosten daheim schon um einen großen Teil senken kann. Die Reiseplanung kann, anders als bei einer kurzen Reise etwas lockerer sein. Mit einigen Fixpunkten und der Route ist man gut beraten.
Reisezeit 4 Monate bis 1 Jahr
Bei einem halben Jahr Reisedauer kann man sich schon einen Kontinent (oder Subkontinent) vornehmen. Eine solche Reisedauer lässt sich nur als unbezahlter Urlaub (bei einem sehr lockeren Arbeitgeber), als Freisemester oder zwischen zwei Jobs realisieren. Schwieriger ist die Auswahl des richtigen Tickets: Entweder man entscheidet sich für einen Gabelflug, ein Round-The-World-Ticket oder einen One-Way-Flug ohne Rückflugticket. Die Wahl des Tickets hängt entscheidend von der Route und der zeitlichen Begrenzung ab. Bei den Versicherungen muss man komplett umsteigen und sich eine Kranken- und Unfallversicherung zulegen, die im Ausland bis zu 12 Monaten gültig ist. Die Krankenversicherung daheim kann in dieser Zeit ausgesetzt und erst nach der Reise wieder aufgenommen werden. Die laufenden Kosten daheim sind bei einer solchen Reise das große Risiko und sollten möglichst minimiert werden. Das heißt Wohnung aufgeben oder untervermieten, Handy abmelden, Auto abmelden oder verkaufen, Mitgliedschaften kündigen etc. Auf der Reise sind die Lebenshaltungskosten der größte Kostenblock und sollten einigermaßen großzügig gerechnet werden, da man sich eine Reise auch kaputt sparen kann. Dann spart man an allem und sieht kaum etwas, da Ausflüge und Sport-Aktivitäten relativ viel Geld kosten. Hier sollte man zugunsten der Erlebnisse lieber das Zeitfenster enger machen. Das Reisetempo sollte langsam sein, damit zwischendurch auch Zeit für Erholung und das Verarbeiten der Erlebnisse bleibt. Auch bleibt dann Zeit, an den unerwartet schönen Plätzen länger als geplant zu bleiben. Das Motte hier ist: vorher gut informieren, aber möglichst wenig fix planen. Für diese Art der Reise sind unsere Tipps ausgelegt, da wir selbst zwischen zehn und 12 Monaten unterwegs sein werden.
Kleiner Hinweis für die Rückkehr: Vorher gut informieren über die Bestimmungen zum Arbeitslosengeld – bekommt nur, wer innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 12 Monate durchgehend gearbeitet hat!
XXL-Reise, 1 Jahr +
Wer keine Zeitbeschränkung hat oder sie negiert und über möglichst viel Kapital verfügt oder einen Sponsoren findet, der kann sich Zeit lassen und sich wirklich alle Regionen der Welt anschauen. Bei einer Reisedauer von drei Jahren ist es möglich, sich alle Regionen der Welt anzusehen und dabei die klimatischen Vorzüge mit einzuplanen. Wer sich dazu entschließt, eine XXL-Reise zu machen, der entscheidet wahrscheinlich damit für das restliche Leben, denn ein einfacher Einstieg zurück ist fast ausgeschlossen. Im Heimatland müssen alle Verbindungen gekappt werden, die Wohnung ist weg und auch der Job ist in weiter Ferne. Das Einleben nach etwa drei Jahren wird extrem schwer fallen. Auch das Arbeitslosengeld fällt dann weg, weil man nicht innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 12 Monate am Stück gearbeitet hat.
Beim Ticket ist nur ein One-Way möglich, da kein anderes Ticket eine so lange Gültigkeitsdauer besitzt. Die anderen Strecken müssen dann von unterwegs gemanagt werden. Wer nicht wirklich viel Geld hat, wird unterwegs arbeiten müssen, um die Lebenshaltungskosten bezahlen zu können. Schön ist, dass die Aufenthaltsdauer an einem Ort wirklich lang sein kann. Wenn es einem irgendwo gefällt, kann man auch mehrere Wochen bleiben, ohne auf ein anderes Ziel verzichten zu müssen. Meist bleiben XXL-Reisende an einem Ort, der für sie perfekt erscheint. Diese „Aussteiger“ sind in der gesamten Welt verstreut und bilden meist eine enge Gemeinschaft im jeweiligen Land. Eine Rückkehr ins kalte und bürokratische Deutschland ist hier fast immer ausgeschlossen.

