Welten Surfer

Friedl’s Blog

Der letzte Blog… Malaysia, Thailand, Kambodscha und München!

Mittwoch, November 5th, 2008

Malaysia – neues und altes Asien 

Kuala Lumpur ist eine Stadt, in der sich das Hochmoderne mit dem Traditionellen trifft. Nach einer Woche totaler Abgeschiedenheit in Pulau Weh in Sumatra sind wir direkt nach Kuala Lumpur geflogen und haben dort zwei Tage Großstadt-Programm gemacht. Besonders nach einiger Zeit in Ländern wie Sumatra und Java, in denen Technik noch keine sehr große Rolle spielt, ist diese Stadt schon eine Überraschung.

Die Hochhäuser sind aus Glas und Stahl, der Skytrain zieht sich über den Straßen hinweg, die Straßen sind voller gutgekleideter Yuppies und Touristen und jeder hat mindestens ein Handy in der Hand. Die Malayen und viele Chinesen spinnen wirklich total mit ihren technischen Spielzeugen! Ein Handy am Ohr, eines zum SMS schreiben in der Hand und noch einen PSP oder so was in der anderen Hand… Die können kaum darauf schauen, wohin sie laufen, weil sie so beschäftigt sind. Wir haben uns gleich auf eine kleine Entdeckungstour aufgemacht und mussten feststellen, dass die Hauptattraktionen dieser Stadt wirklich die Shopping-Möglichkeiten sind!

Die Kaufhäuser sind mindestens zehnstöckig, riesengroß und es gibt einfach alles! Ein ganzes Kaufhaus hatte auf acht Stockwerken nur Technik, alles vom Handy über Kameras bis zu Fernsehern und Computern. Ein kleines Paradies für Nino. Ich habe mich am meisten über den Erlebnis-Park im zehnten bis 13. Stock eines der größten Shopping-Tempel gefreut, die eine Achterbahn über drei Stockwerke hatte. Wir haben ehrlich gesagt nichts, gar nichts geschoppt, da wir erstens ein bisschen knapp bei Kasse sind (nach einem Jahr reisen nicht überraschend) und auch nichts mehr schleppen wollen. Mein Rucksack ist, obwohl er nur 35 Liter hat, trotzdem relativ schwer und mit einem Surfboard zu reisen macht die Sache nicht einfacher.

Als wir aus Malaysia ausgereist sind mussten wir etwa einen Kilometer zum Bahnhof laufen und da merkt man jedes Kilo! Oh mann, haben wir geschwitzt…Leider waren wir nicht so richtig entspannt in KL, da wir dort fast nicht geschlafen haben. Wir haben uns irgendein Hostel ausgesucht, das auch im Lonely Planet beschrieben war (Green Hut) und mussten dann leider ganz schnell feststellen, dass das Bett voller Bettwanzen war. Und die waren nicht etwa klein und nur ein paar, die man noch selber vernichten könnte, sondern die waren schon dick und rund und sehr zahlreich. Als die Maßnahmen der alarmierten Hostelangestellten nichts gebracht haben, sind wir nachts selber in einen Supermarkt und haben die giftigsten Keulen gekauft, die wir finden konnten. Nach einem Chemiekrieg zwischen den Matratzen und Auslüften haben wir uns dann doch ins Bett getraut – ein Fehler. Nach kurzer Zeit sind die wiederstandsfähigen Schei…. Viecher wieder hochgekrochen und haben mich dermaßen zerbissen, dass ich die kommenden Tage ausgesehen habe, als hätte ich Windpocken. Überall. Wir haben also mitten in der Nacht unsere Rucksäcke gepackt und sind durch die Straßen gezogen auf der Suche nach einem neuen Zimmer. Am nächsten Tag mussten wir leider den halben Tag lang unsere gesamten Sachen waschen lassen, Rucksäcke desinfizieren und alles reinigen. Denn die Viecher kriechen gerne in Taschen und Kleidung und reisen dann mit! Die andere Hälfte des Tages haben wir dann noch eine wenig Sightseeing gemacht, sind abends an die berühmten Petrona-Towers gefahren und haben aus dem Skytrain die vielen bunten Lichter der Stadt bewundert.

 Am nächsten Tag ging es dann weiter in die andere Technik-Stadt Asiens: Singapur.

Diesmal hatten wir ein Bett ohne Bettwanzen in Little India, dem indischen Viertel von Singapur, das wirklich aussieht wie in Indien – nur sauber. Überall werden goldene Armreifchen und Stoffe verkauft, die Inder tragen zum Teil traditionelle Kleidung und es gibt indisches Essen an jeder Ecke.

Nur ein paar U-Bahn-Stationen weiter, an der Orchard Road, ist das Business- und Shopping-Viertel von Singapur und eine andere Welt! Hier laufen gestylte Asiaten herum, kaufen teure Markenprodukte und an jeder Ecke ist ein Starbucks oder McDonald`s. Es sieht moderner aus als in europäischen Städten und nirgends liegt auch nur ein kleines Fitzelchen Papier am Boden. Es ist so sauber, dass man sich kaum traut, irgendetwas anzufassen. Das liegt an den vielen Verboten und hohen Strafen.

Mit dem Bus sind wir dann nach Chinatown gefahren, dem chinesischen Viertel von Singapur. Fast 80 % der Einwohner des Stadtstaates Singapur sind Chinesen und das chinesische Viertel dementsprechend groß. Es ist wie Little India, nur auf chinesisch. Alles ist in fremden Schriftzeichen geschrieben, es gibt kleine Essensstände an jeder Ecke und viel Kitsch zu kaufen. Ein großer Tempel ist der Mittelpunkt des Viertels, den wir uns natürlich noch anschauen, bevor wir nach nur einer Nacht wieder aus der Großstadt fliehen.

Mit dem Nachtbus geht es wieder aus dem Stadtstaat raus. Jedesmal wenn man hier die Stadt verlässt, muss man durch die Ein- oder Ausreise. Beim Einreisen haben wir so lange warten müssen, dass unser Bus, den wir von KL bis nach Singapur bezahlt hatten, nicht auf uns gewartet hat. Wir standen also mit unserem ganzen Zeug nach zwei Stunden Einreiseprozedur auf dem Busparkplatz und der Bus war weg! Beim Ausreisen ist uns das zum Glück nicht passiert.  

Wir sind in den Nordosten von Malaysia gefahren und wollten dort auf den Perhantian Islands ein paar Tage verbringen. Als uns der Bus morgens um fünf in einem kleinen Örtchen in der Nähe des Hafens rausgeschmissen hat, war tatsächlich ein Taxi da um uns ans Boot zu bringen. Mit kleinen Speedboats fährt man auf eine der beiden Inseln. Die größere Insel ist eher so ein Resort-Ort, die kleinere als Backpacker-Paradies bekannt. Allerdings waren wir in der Hauptsaison dort, hatten erst mal Schwierigkeiten ein Zimmer zu bekommen und auch abends im Restaurant am Strand musste man ziemlich schnell sein, um einen Platz und noch was zu Essen zu bekommen. Die kleine Insel ist einfach zu überlaufen und dafür zu klein. Es gibt nur noch so wenig Grundwasser, dass aus den Duschen schon Salzwasser kommt, denn das Grundwasser ist so weit abgesunken. Der Müll der Insel liegt auf einem Floß außerhalb der malerischen Bucht und wird von Zeit zu Zeit von einem der großen Fischerboote abgeholt.

Aber die Strände sind an beiden Seiten der Insel wunderschön, weiß und mit Palmen gesäumt. Über einen kleinen Weg durch den Dschungel kommt man von einer Seite der Insel auf die andere. Das Wasser ist so klar, dass man Fische ohne Taucherbrille sehen kann. Nino war ein paarmal tauchen, hat seinen Advanced-Schein dort gemacht und ich habe viel gelesen und war fast ständig im Wasser – so heiß war es.

Es war heißer als in Sumatra, je nördlicher wir wieder kamen, desto schwüler und feuchter wurde es wieder.  Als wir am letzten Tag noch zusammen schnorcheln waren, habe ich einen kleinen Hai entdeckt, der direkt vor meiner Nase rumgeschwommen ist und mich neugierig beobachtet hat. Ich habe das zweifelhafte Vergnügen, dass die Tiere mich immer mögen und nahe kommen. Ob es irgendwelche großen Echsen sind, Fische, Kriechtiere oder Strandhunde – ich bin wirklich nie allein. Am Strand habe ich immer sofort einen Freund. Die finden mich. Nino findets gut, denn beim Schnorcheln mit mir sieht man viel.  

Der Weg nach Thailand 

Nach ein paar Strandtagen in Malaysien sind wir in Sungai Kolok über die thailändische Grenze gelaufen und haben leider unseren Zug nach Surat Thani verpasst. Weil im Süden von Thailand in den letzten Jahren immer wieder Anschläge von Separatistengruppen verübt wurden und Ausländer dabei gekidnappt wurden, raten einem alle, erst ab Hat Yien mit dem öffentlichen Bus zu fahren und auf keinen Fall nachts. Der Zug sei sicherer – aber den hatten wir ja verpasst. Und da dieser Grenzort keine wirklich schöner Platz war, haben wir dann doch den öffentlichen Nachtbus genommen. Schlafen konnten wir mal wieder nicht, denn der Bus musste alle 500 Meter anhalten, weil Militär die Straßen gesperrt hatten und den Verkehr kontrollierten. Das Licht im Bus ging an und aus und an und aus…  Urlaub in Thailand Als wir mitten in der Nacht dann in Hat Yien ankamen, stürmten etwa 40 europäische Touristen den Bus und wir waren nicht länger die einzigen Ausländer unter vielen Einheimischen, sondern umgekehrt, es gab nur noch wenige Einheimische unter vielen Ausländern. Willkommen in der Touristen-Hauptzone von Asien!

Obwohl wir in Bali schon viele Touristen gesehen hatten, war ich doch wieder erschrocken über diese Ströme von verbrannten weißen Menschen!  Auf den Inseln ist alles so auf Touristen ausgerichtet, dass es ein Abenteurer darstellt, einen Thai wirklich zu sehen, der nicht Kellner im Restaurant ist oder das Touristenboot fährt. Anders als in den anderen asiatischen Ländern, die wir gesehen haben, sitzen hier absolut keine Einheimischen in Cafés oder Restaurants. Man muss kein Wort thai sprechen und kommt trotzdem problemlos durch. Thais treten nur als Diener der Tourismusindustrie auf, als Kellner, Bootsfahrer, Taxifahrer oder eben auch als „Begleitung“ für mittelmäßig wohlhabende und meist eher unattraktive europäische Männer mit Bauchansatz. Die Inseln sind absolut touristisches Gebiet und nach Reiseerfahrungen wie Java und Sumatra für uns ziemlich gewöhnungsbedürftig. Wäre ich direkt von Deutschland hierher gefahren, würde mir das wohl nicht so auffallen oder stören. Dann ist es ein ganz normales Reiseziel mit vielen Resorts, kleinen Hütten und Restaurants am Meer. Sicherlich ist der Norden von Thailand, der äußerste Süden und ein paar untouristische Flecken anders, aber die sehen wir leider nicht mehr.

 

In Koh Phangan angekommen haben wir uns dank eines Tipps von Bekannten ein Fleckchen im Nordosten ausgesucht, das noch sehr wenig bebaut und wunderschön ist. Das Hotel, in dem wir gewohnt haben, das Baan Panburi, hatte einen ganz schön hergerichteten tropischen Garten, kleine Hüttchen und ein super Restaurant direkt am Meer im weißen Sand.

Abends haben wir uns kleine Sundown-Cocktails gegönnt mit Fisch vom Grill und die Füße in den warmen Sand gegraben. Die jungen Leute, die wir bisher so kennengelernt haben, sind meistens nur für drei Wochen unterwegs und die Pärchen haben eher weniger Interesse an Bekanntschaft. Viele Familien mit Kindern und Pärchen sind zumindest im ruhigeren Teil der Insel. Es gibt dann noch die Partymeile, wo auch die Full Moon Party war. Aber dort ist 24 Stunden am Tag Action und Saufen, darauf hatten wir dann doch keine Lust. 

Und dann ist uns mit einem Schlag klar geworden, dass uns nur noch drei Wochen bleiben, bis wir zurück müssen. Weil drei Wochen im Vergleich zu einem Jahr reisen fast nichts sind, ist unsere Stimmung zwischen tiefer Trauer und Panik geschwankt. Wir freuen uns beide auf Daheim, so ist es nicht, auf die Familie, Freunde, München, den Ammersee und ein Ende des Rucksackpackens. Aber eigentlich wollen wir noch nicht heim. Es ist noch nicht an der Zeit, wo wir unbedingt nach Hause wollen und deshalb ist der Gedanke daran ein wenig bedauerlich. Daher haben wir angesichts der kurzen verbleibenden Zeit beschlossen, diese letzten drei Wochen als einen normalen „Urlaub“ zu deklarieren, denn wenn man von daheim für drei Wochen in Urlaub fährt ist das eine ganze Menge. Und so machen wir jetzt noch Urlaub in Thailand, damit wir auch entspannt und erholt wieder nach Hause kommen. Haben unsere Reiseaktivitäten so weit eingeschränkt, dass wir immer mindestens drei Tage an einem Ort sind, sonst sind wir gar nicht richtig erholt, wenn wir zurück kommen. Außerdem waren Java und Sumatra reisetechnisch ziemlich anstrengend und es ist auch schön, wieder länger an einem Ort zu bleiben anstatt alles zu sehen. Wollen noch mal voll auftanken, bevor es zurück in den deutschen Herbst geht – bald!

 

Die Ostseite von Kho Phangan, wo wir waren, ist super schön, weiße Sandstrände, hellblaues Wasser, hier kann man vom Strand aus weg Schnorcheln, Nino war schon tauchen und natürlich überall Palmen – so weit das Auge reicht! Außerdem ist es sehr günstig, wir wohnen für unter zehn Euro zusammen in einem kleinen Bungalow direkt am Meer, Essen ist so um die ein bis zwei Euro, es gibt super Sachen. Viel Fisch, Seafood, exotische Suppen und Gemüse. Alles scharf und mit Reis. Viele Früchte und leckere Shakes und Cocktails. Viele Restaurants sind direkt am Meer und man sitzt im weißen Sand davor auf Stühlen aus Bambus. Abends werden Lichterketten und Kerzen angemacht und beleuchten den Strand.  

Die Strände sind sehr unterschiedlich, aber alle mit weißem Sand, teilweise Korallensand und Palmen. Aber die sind voller Kokosnüsse, die auch manchmal runterfallen und man kann sich nicht darunter in den Schatten legen. Manche Strände sind super zum Baden und Schwimmen, andere sind mit Korallenriffen ausgestattet und man kann vom Strand weg schnorcheln. Da ich immer noch kein großer Schnorchler bin, verbringe ich die meiste Zeit mit lesen am Strand und chillen…

 

Sind von unserem Strand aus zur legendären Full Moon Party mit einem kleinen Bööterl gefahren. Die Party gibt es seit den 80er Jahren, als einige Leute bei Vollmond eine Geburtstagsparty am Strand gefeiert haben, die so ausgeartet ist, dass sie im nächsten Jahr wieder stattgefunden hat. Und in den 90er Jahren, als Massenparties im Trend lagen, ist diese kleine Institution zu einem riesigen Unternehmen angewachsen und hat einen Kult erreicht, der hier ungebrochen ist. Die Full Moon Party findet seit über fünfzehn Jahren jeden Monat statt und hat zwischen 5.000 und 30.000 Besucher.

In 45 Minuten haben die uns mit einem Longtail-Boat, einem traditionellen thailändischen Bööterl mit etwa zehn Leuten beladen an der steilen Küste entlang bis in den Süden gefahren. Die im August ist sicherlich eine der größten und es war auch wirklich der Hammer! Ich war wohl noch nie auf soo einer fetten Party! Der ganze Strand, der nicht gerade klein ist, ist bevölkert von Menschen, die entweder auf Podesten tanzen, auf Matten im Sand chillen oder dem Feuerwerk oder den Feuerakrobaten zusehen. Vier riesige Soundsystems beschallen das ganze und wenn man wie wir mit dem kleinen Boot vom Meer in die Bucht einfährt, sieht man erst mal nur Skybeamer, Raketen, tausende von Lichter und eine wabbelnde Menschenmasse. Die Leute sind eigentlich alle total dicht. Es gibt diese kleinen Sandkasten-Eimer als Trinkgefäße, in denen man Thai-Whiskey mit Cola und einer Art Red Bull mischt. Nur ist das Red Bull fünfmal so stark wie bei uns und mit ordentlich Amphetaminen versetzt… Die Leute gehen sooo krass ab dort. Jeder läuft barfuß und nur mit leichter Kleidung rum, es ist so eng, dass man kaum durchkommt und die Musik wechselt alle paar Meter. Zwischendrin jonglieren Leute, pennen am Boden oder gehen in der krassesten Dreckbrühe baden. Die Jungs stehen alle in Reih und Glied im seichten Wasser beim Pis… und die Mädels machen es zum Teil einfach nach, weil die Toiletten zu bevölkert sind.

 

Die Einfahrt in die Bucht war schon wirklich sehr beeindruckend und als wir durch seichte Wasser auf den Strand zugewatet sind, war ich fast ein wenig aufgeregt. Vom Wasser aus hat man einen Mix aus unterschiedlicher Musik gehört, hatte den gesamten Strand vor sich und konnte die Größe dieser Party einschätzen.

 

Als allererstes treffen wir natürlich unter etwa 30.000 Leuten das schottische Paar, mit dem wir in Java eine Zeitlang gereist sind, das war echt ein Zufall. Die beiden waren aber leider schon soo dicht, dass sie uns erst nicht erkannt haben und dann kaum mit uns reden konnten. Wir waren noch total fit, hatten nur ein paar Weg-Cocktails aus unserem Restaurant und wollten erst mal den Strand und das Ausmaß der Party erkunden. Nach ein paar Minuten hatte wir den ersten Eimer in der Hand und dann gings los. Als wir den Strand in einer ziemlich langen Zeit einmal abgeschritten hatten, haben wir uns einen Platz mit guter Musik ausgesucht und sind dann dort versackt… Wir sind am Ende bissl abgestürzt, hatten aber viel Spaß. Mit dem Boot-Taxi ging es dann mitten in der Nacht bei Vollmond um die halbe Insel wieder zurück zu unserem Hotel. Der Kater war ernsthaft und furchtbar bei der Hitze…

 In den kommenden drei Tagen haben wir uns erholt und am Strand gefaulenzt. Nino war nochmal tauchen und ich habe eigentlich gar nichts gemacht. Von dort aus sind wir dann auf die andere Seite der Insel umgezogen, haben uns einen kleinen Roller gemietet und sind mit dem gesamten Gepäck zu zweit auf die andere Seite gefahren. Unsere Surfboards hatten wir beim Rollerverleih gelassen und sind mit zwei großen und zwei kleinen Rucksäcken auf einem kleinen Roller zu zweit gefahren. Langsam sind wir so sehr an unser Gepäck gewöhnt, dass wir alles damit machen. Außerdem haben wir in Indonesien gesehen, was man noch alles auf einem Motorroller transportieren kann!

 Wir sind auf die Westseite der Insel in eine Bucht gefahren, die Salad heißt und gehen hier jeden Tag zum Yoga und machen ein paar kleine Ausflüge. Das Yoga Retreat, ein ganz kleines Yoga-Zentrum ist von einer ehemaligen Tänzerin und ihrem Mann hier aufgebaut worden, der Trainingsraum ist aus Holz und an einen Hang im Urwald gebaut, so dass man durch drei offene Seiten ins Grün schaut und tausende von Palmen sehen kann. Wir machen jeden Tag zwei Stunden intensiv Yoga und schwitzen ziemlich in dieser Temperatur. Aber es tut gut, wieder was zu machen, jetzt wo wir nicht mehr surfen können.

 

 

 

 

 

 

Tagsüber ist es dann so heiß, dass wir nur im Schatten am Strand hängen oder schnorcheln und schwimmen gehen. Das Wasser ist allerdings gerade so warm, dass es nicht mehr erfrischend ist. Auch das eigentlich kalte Wasser aus der Dusche ist so heiß in den Leitungen, dass man manchmal gar nicht damit duschen kann ohne sich zu verbrennen.

Hier ist gerade Regenzeit und daher ist die Temperatur so extrem hoch und das Klima so feucht. Aber geregnet hat es bisher nur einmal abends, ansonsten haben wir traumhaft gutes Wetter. Mir ist es tagsüber sogar zu heiß für Strand und Sonne, ich bleibe im Schatten und hoffe auf ein wenig Wind.

 

 

Nach vier Tagen in Salad (haha) sind wir mit dem Speedboat eine Stunde nach Kho Tao gefahren. Die Nachbarinsel ist in Sichtweite und wesentlich kleiner aber nicht weniger touristisch als Kho Phangan.

 

 

Wir haben uns wieder einen Roller ausgeliehen und uns mit unserem Gepäck auf die Suche nach einem schönen Platz gemacht. Und tatsächlich haben wir neben dem zugebauten Hauptstrand der Insel, dem Sairee Beach, einen kleinen versteckten Strand gefunden, den Haad Sai Daeng, ganz im Süden der Insel.

 

Allerdings ist die Straße hierher so steil und ungeteert, dass wir mit dem Roller nicht bis hierher fahren konnten. Ich habe mit den Rucksäcken einen Jeep angehalten, der mich und das Gepäck mit heruntergenommen hat, während Nino mit dem Roller irgendwie die Sandpiste runtergerutscht ist. Das war allerdings noch nicht das Schwierigste, sondern das hochfahren danach war noch abenteuerlicher. Dabei sagt die Landkarte, dass man mit einem Bike (vier Sterne und „adventurous“) herkommt. Haben uns am nächsten Tag ein Geländemotorrad ausgeliehen, Nino ist ganz verzückt und ich kralle mich irgendwie hinten fest. Aber es kommt den Berg hoch.

In der Bucht, in der wir sind, gibt es nur ein paar Hütten, ein Restaurant und weißen Sand. Von unserem Bungalow aus hat man einen wunderschönen Blick über die Bucht und den Strand. Nachmittags, wenn die Tide kommt, kann man super schwimmen und schnorcheln und dann einen Eiskaffee im Sand trinken – echter Urlaub eben!

 

 

 

Mit einem abenteuerlichen Nachtboot ging es dann zurück nach Suratthani und von dort nach Krabi. Dort sind wir nach Ray Leh Beach gefahren, einem Kletterparadies und weißem Sandstrand vor Kho Pi Pi, wo ja bekanntlich „The Beach“ gedreht wurde.

 

Der Strand hat eine West- und eine Ostseite, wobei die Westseite wirklich sehr schön mit steilen Felsen und weißem Sand ist, die Ostseite einen schlammigen Mangroven-Strand hat und damit nicht so schön ist. Leider sind an dem schönen Strand nur ein paar riesige Resorts, deren Zimmerpreise bei Weitem unser Budget übersteigen, und so müssen wir an den anderen Strand ziehen. Und der ist leider gar nicht schön. Überall ist Baustelle, es stinkt nach Abwässern und dem Schlamm und die Mücken lieben diesen Ort auch. Zu Fuß kommt man von dort aus an einen relativ einsamen Strand, der wiederum von Kletterern bevölkert ist und eine tolle Kulisse bietet. Dort haben wir einen verregneten Tag verbracht und sind nach nur einem Tag wieder weitergezogen. Die weite Fahrt hat sich leider nicht gelohnt, ich fand die Inseln auf der anderen Seite wesentlich schöner und auch für unser Budget realisierbar.

 

 

 

 

 

Von Krabi sind wir mit dem Nachtbus nach Bangkok und von dort direkt weiter nach Kambodscha, nach Angkor Wat gefahren. Nach 32 Stunden Busfahrt über am Schluss ungeteerte Staubpisten waren wir endlich da. Die Stadt Siem Reep, eine ehemalige Hochburg der französischen Kolonialisierung sieht mit ihren frisch renovierten französischen Stadthäusern sehr hübsch aus.

 

Wenn man in die Stadt hineinfährt, fallen einem zuerst die vielen großen Resorts auf, die die Straße schmücken. In den letzten Jahren hat dieser Ort durch den Tourismus einen solchen Boom erlebt, dass hier unheimlich viele große Resorts, Restaurants und Cafés aus dem Boden gestampft wurden. Es wirkt total unheimlich, diese riesigen schicken Hotels direkt neben Plastikplanen zu sehen, unter denen Menschen leben. Die Kluft zwischen Reich und Arm ist hier extrem groß, man wird ohne Unterbrechung von Kindern angebettelt und geht dabei an einem Spa vorbei, in dem die Massage über 40 Dollar kostet. Wir haben einen jungen Typen kennengelernt, der hier in einem Café arbeitet, der verdient nur 100 Dollar im Monat und muss davon sein Leben bestreiten, während im gleichen Ort ein Hotelzimmer schon so viel kosten kann.

 

 

Abends ist die Stadt voll von Bettlern, Prostituierten und Taxifahrern, die alle direkt von den Touristen leben. Und es sind auch genügend Leute hier. Die Restaurants sind voll, die Hotels haben keine freien Zimmer und im Ankor Wat, der Tempelanlage, ist es tagsüber gesteckt voll.

 

Die Tempel sind wirklich beeindruckend. In der Khmer-Zeit im 12. Jhd erbaut und gut erhalten oder renoviert, ragen sie mitten im Urwald in die Höhe und sind geschmückt von Buddhas, Zeichnungen im Stein und anderen Statuen. Wir sind schon morgens um fünf zum Sonnenaufgang aufgebrochen und haben uns vier der unzähligen Tempelanlagen angesehen. Eine der Tempelanlagen wird so langsam vom Urwald zurückerobert und es wachsen aus den Mauern und Gängen riesigen Urwaldbäume, die die Gebäude sowohl zerstören, als auch halten.

 Morgen ganz früh geht es wieder an die Grenze zu Thailand und dann nach Kho Samet. Unsere letzten Tage wollen wir dort verbringen, einer kleinen Insel im Osten von Thailand, ein letztes Mal Sonne tanken und unsere Reise dort dann für beendet erklären.

 Unser Rückflug ist jetzt auf den 10.09. festgelegt und damit waren wir dann genau elf Monate unterwegs.

 

 

 

Und es war GEIL!

Es war das ganze Geld, den Planungsaufwand, die Überzeugungsarbeit im Vorfeld, die Reisekrankheiten, die schlimmen Busfahrten, ekligen Klos, giftigen Tiere, schlaflosen Nächte und alles andere wert. Und ich würde es sofort wieder machen! Manchmal dachte ich zwar, dass ich sterben muss, andere Male, dass ich an einem Ort bleibe, und oft war alles anders als gedacht. Aber genau das hat diese Reise zu dem gemacht, was sie war und wer regelmäßig mitgelesen hat, hat hoffentlich  auch seinen Teil mitgenommen. Für mich eine große Erfahrung!

 

Zudem haben Nino und ich das ganze als Paar überlebt, was auch für mich erstaunlich ist, da man sich schon seeeehr viel sieht. Bestimmt kein schlechtes Zeichen.

 Letzte Woche hat das deutsche Pärchen, denen wir in Australien unseren Van überlassen haben, den glücklicherweise ganz gut verkauft und wir bekommen ein wenig Geld wieder. Damit hat alles super geklappt.

 Das ist mein letzter Blog, in ein paar Tagen bin ich wieder Daheim, das wird auch spannend aber wohl nicht interessant genug für einen Bericht.

Vielen Dank an alle, die regelmäßig virtuell mitgereist sind, ich hoffe, es hat Spaß gemacht. Vielen Dank vor allem an alle, die beim großen Gewinnspiel mitgemacht haben und alle, die Mails geschrieben haben, dass sie den Blog auch wirklich lesen.

 

 

Viele Grüße an alle, denen wir auf dem Weg begegnet sind und die diese Reise für uns zu dem gemacht haben, was sie war, eine tolle Erfahrung.

 

Zum letzen Mal also Bussi, bussi und bis bald!

 

Die F.

 

Der Nachtrag.

Unsere letzten Tage in Kho Samet und Bangkok waren noch ein schöner Abschluss. Obwohl wir auf der Insel Samet fast das einzige Touristenpaar waren, das nicht aus einem europäischen Mann und seiner thailändischen Begleitung bestand, haben wir uns noch ein paar schöne Tage dort gemacht und Abschied genommen vom Reise-Leben. Die Vorstellung schon in ein paar Tagen wieder zurück zu sein in Deutschland mit allen seinen Vor- und Nachteilen war so unwirklich, dass wir das Darauf-Einstellen weit weg geschoben haben. An unserem letzten Abend in Bangkok haben wir nach einem mittelschweren Shopping-Marathon genauso aufgehört wie wir damals in Mexiko City angefangen haben: Mit einem Bier auf der Terrasse zu zweit. Dann kam das Taxi und wir waren eigentlich schon weg.

 

 

 

 

Jetzt ist es schon wieder einige Zeit her, dass wir zurück sind, doch das Zurück-kommen dauert noch an. Jobsuche, Wohnungssuche, Herbstwetter und MVV haben uns so schnell eingeholt, dass mir schwer fällt zu glauben, dass ich noch vor so kurzer Zeit unterwegs war. Aber jeder Moment der Reise wird dadurch noch wertvoller, denn die Zeit verfliegt hier wieder ungeachtet und wir werden im Sog der allgemeinen Hektik einfach so mitgerissen. Hoffentlich können wir uns ein wenig von dem Gefühl der Reise bewahren, davon zehren und vielleicht beim Ansehen der Bilder und Lesen der Texte, die im letzten Jahr entstanden sind, uns immer wieder daran erinnern, dass wir diese tolle Erfahrung machen durften. Und ja, ich würde es immer noch immer wieder machen! Bussi, bussi.

             

Java und Sumatra – Indonesien hautnah…

Dienstag, August 12th, 2008

 Fehlerteufel… hehe, wie manch aufmerksamer Leser mit GoogleEarth vielleicht feststellen konnte, liegt der Mount Bromo, sowie Pandangaran natürlich nicht in Bali! Das ist schon immer Java gewesen… Wir sind also weiterhin in Java…  West-Java 

Da der Beachbreak in Panganderan nicht das halten wollte, was uns versprochen wurde, haben wir nach einem zweitägigen Wäsche-waschen- und Internet-Stopp diesen Ort wieder verlassen.

Dabei muss man sagen, dass das Essen in Panganderan von allen Orten an denen wir in Asien bisher waren, mit Abstand das Beste war. Und zwar in unterschiedlichen Restaurants. Schon die allgegenwärtige Noodle-Soup hatte einen wirklich vorzüglichen Geschmack, das morgendliche MieGoreng war ganz hervorragend und abends haben wir uns an den frischen Fisch im Restaurant „Steak Corner“ gewagt und waren wirklich begeistert. Nur des Essens willen hätte ich noch ein paar Tage bleiben können, aber ansonsten war dort nicht viel zu tun. Der gesamte Ort hat den verblichenen Glanz besserer Tage vorzuweisen und die Hotels und Resorts, die sich dort am Strand reihen, sind leer und wachsen langsam zu. Vor drei Jahren ist an diesem Küstenabschnitt eine zweite, kleinere und dennoch zerstörerische Tsunami auf das Land geprallt und hat noch einmal über 500 Menschen das Leben gekostet. Die meisten Häuser in Strandnähe wurden wieder zerstört und gerade aufgebaute Gebäude teilweise weggeschwemmt. Die Leute sind ein wenig Katastrophen-müde und daher hat der gesamte Ort so was staubiges, altes. Der Strand ist wunderschön und menschenleer, abends kann man die Fischer willkommen heißen, die dann direkt vom Strand weg frischen Fisch und Seafood für kaum Geld verkaufen.

Einen Abend sind wir auf den örtlichen Fischmarkt zum Essen gegangen. Dort stehen insgesamt mindestens acht Restaurants und außer uns waren nur noch fünf andere Leute dort zum Essen. Es wirkt wie eine Geisterstadt – nirgendwo sieht man andere Leute… Dort sucht man sich den frischen Fisch an einem Tisch mit unterschiedlichen Eimern selber aus, es gibt Schrimps, Hummer, Oktopus und viele verschiede Fischarten. Der ausgewählte Fisch kommt dann gleich daneben in den Wok oder auf eine heiße Platte. Dazu gibt’s einen Topf Reis und Tee. Das war wirklich hervorragend!

Die anderen fünf Touristen, die wir dort kennengelernt haben, wollten wie wir einen Ausflug zum nahe gelegenen Green Canyon machen, einer tiefen Schlucht mit glasklarem Wasser und Urwald-Überdachung. Mit einem kleinen Boot fährt man tief in die Schlucht hinein, bis man an ein steinernes Tor kommt, das mit einem großen Felsen versperrt ist. Von dort aus kann man nur noch zu Fuß und schwimmend tiefer in die Schlucht hinein. Am Ende der Schlucht macht das Blätterdach über einem noch einmal auf und lässt Sonne in die Schlucht hineinfallen. Das sieht einfach irre aus, wie das grün gefärbte Licht von hoch oben in das klare Wasser fällt.

 

Auf dem Rückweg sind wir nicht bis nach Pangandaran mitgefahren, sondern habe uns mit unserem Gepäck in einem Ort rauslassen lassen, der eigentlich gar kein richtiger Ort ist. Ein paar Fischer haben ihre Hütten in Meernähe, die Tsunami ist auch hier noch reingerauscht und hat die kleineren Hütten zerstört. Zwischen den Hütten wird Reis angebaut und es gibt ein so Hotel und ein paar Bungalows, selbst nicht mehr als ein paar Hüttchen. Internet oder Telefon gibt es nur im Nachbarort, den man nur über eine schmale Bambusbrücke erreicht. Die Brücke ist gerade breit genug für ein Motorroller und schwankt so dermaßen, dass man Angst hat, gleich mit der gesamten Ladung ins Wasser zu fallen.

 

Aber dieser Fleck hat einen Point-Break. Eine rechte Welle schmiegt sich in die Bucht hinein, meistens eher klein, aber an guten Tagen in der Früh kann sie schon einundhalbmal headhigh werden. Und dort waren wir die kommenden acht Tage. Mindestens zweimal am Tag sind wir für lange Sessions ins Wasser gegangen, haben uns mit den wenigen Touristen und Lokals angefreundet, die dort noch waren und haben neben dem Surfen eigentlich nichts gemacht.

Mit Danny und Sophie, zwei netten Berlinern sind wir abends in eines der kleinen Warungs am Strand gegangen und haben dort die sehr kleine Menukarte von oben nach unten durchprobiert. Das Abendprogramm bestand eigentlich fast immer aus einem kühlen Bier auf der Terrasse unseres Zimmers. Ansonsten war dort einfach nichts. Nur Strand, Wellen und Schlafen.

 

Eines Tages kam ein lustiger, dicker Indonesier zu unserer Terrasse, hat sich mit ein paar kleinen Sätzen Deutsch bei uns vorgestellt und sich dann zu uns gesetzt. Er war Lehrer in der Schule im nächsten Dorf und hat uns ein paar Worte Indonesisch beigebracht. Nach einiger Zeit hat er dann gefragt, ob wir nicht mit in seine Schule kommen wollen, als Besucher. Er hat gerne europäische Besucher dort und es sei gut für die Schüler, Europäer mal von nahem zu sehen. Also hat er uns am nächsten Tag morgens auf seinen Roller geladen, ist mit uns über die wackelige Bambusbrücke und durch den Dschungel ins nächste Dorf gefahren und hat uns auf einen Innenhof einer Mittelschule gestellt. Die Kids haben natürlich groß geschaut, sich aber nicht getraut, mit uns zu reden. Die ganze Schule war am Tag nach den Sommerferien auf dem Hof versammelt und bereit, für einen dreitägigen Treck durch den Dschungel aufzubrechen. Das veranstalten die jedes Jahr, damit die Kinder sich besser kennenlernen oder so. Da die Mehrzahl der Einwohner Indonesiens Moslems sind, müssen die Mädchen in der Schule natürlich Kopftuch tragen. Aber nicht nur das, sie haben auch lange schmale dicke Röcke und langärmlige Blusen an. Das Kopftuch ist lang und steckt manchmal im fest zugeschnürten Kragen der Blusen oder hängt über die Schultern. Es muss unglaublich heiß unter diesen langen Sachen sein. Und damit müssen die Mädels dann für drei Tage in den Dschungel. Nach meiner ersten und einzigen ernsthaften Dschungelerfahrung weiß ich, dass das auf jeden Fall sehr heiß und unangenehm und auch hinderlich sein muss. Einige Mädchen haben kurze Röcke, kurzärmelige Blusen und Halbschuhe an. Die langen schwarzen Haare sind zu Zöpfen geflochten und die braunen Gesichter ohne Schleier. Das sind die Christen oder Hindus, die sich aber in diesem Teil von Indonesien in der Minderheit befinden.

 

Das ist auch der ganz große Unterschied zwischen Bali und den anderen Inseln Java und Sumatra. In Bali gibt es auch schon viele Moslems, einige Moscheen stehen in den Dörfern, vor allem im Westen und Norden. Aber das sind keine geborenen Balinesen, sondern Auswanderer aus Java und Sumatra. Und sie sind zahlenmäßig noch weit in der Minderheit. Der größte Teil von Bali sind Hindus, die überall kleine schöne Tempel errichten, die Häuser und Straßen schmücken und ihre Opferschälchen vor die Eingänge legen. Wenn man dann nach Lombok oder Java kommt, fehlt dieses Geschmückte auf einmal und geht einem richtiggehend ab. Dafür stehen in jedem noch so kleinen und ärmlich wirkenden Dörfchen große glänzende Moscheen, die oftmals die einzigen Gebäude mit fließendem Wasser im ganzen Dorf sind. (Ich weiß das nur, weil die auch immer eine Toilette haben, die oft besser ist als die im einzigen Restaurant des Ortes…). Je weiter man Richtung Norden kommt, desto höher ist die Anzahl der Moslems unter der Bevölkerung. Obwohl es auch Teile mit weniger strengen Muslimen gibt, sind doch die meisten sehr strenggläubig, verhüllte Frauen und sogar schon Kinder sind auf der Straße sichtbar und fünfmal am Tag dröhnt der Allah-Gesang aus den Lautsprechern der örtlichen Moscheen. Seinen Ursprung hat der Islam in Indonesien in Banda Aceh, dem nördlichsten Punkt von Sumatra. Dorthin kamen die ersten Missionare, nachdem sie in Indien weitgehend gescheitert waren und haben ihren Glauben erfolgreich nach Indonesien gebracht. Damit ist auch diese Region immer noch die am stärksten vom Glauben gefärbte. Die Frauen sind so gut wie alle verschleiert, es ist verboten, mit kurzen Hosen oder im Bikini ins Dorf zu gehen und Freitag ist überall Ruhetag. Die Geschäfte haben dann geschlossen, der Markt fällt aus und es fährt keine Fähre. Banda Aceh war früher die Schleuse für alle indonesischen Moslems auf der Fahrt nach Mekka und damit ein wichtiger Handels- und Verkehrshafen.

 Die Schüler durften uns dann noch die Hand schütteln, was mal wieder begeistert aufgenommen wurde. Die haben einfach gerne Kontakt mit Weißen. Am Strand kommen die ganze Zeit Schüler mit ihren Handykameras und wollen Bilder machen, wollen Hände schütteln und gegrüßt werden auf das schallende „Hello Miss!“. Dabei wird immer viel gekichert und gelacht und nach einiger Zeit kommt man sich seltsam exotisch und beobachtet vor. Sophie, die auch blond ist und ich waren wie ein Magnet am Strand. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele halbwüchsige Jungs in Badehosen sich neben uns fotografiert haben lassen. Die Mädchen sind ein wenig schüchterner, grüßen einen und winken. Die müssen auch mit kompletter Kleidung und Kopftuch baden und schwimmen. Meistens schauen sie sehr neidisch auf die ganz wenigen Frauen in Badeanzügen. Meistens gehen die gar nicht richtig ins Wasser, da das mit der ganzen Kleidung kaum möglich wäre, sondern sitzen nur im Sand im knöcheltiefen Wasser und lassen sich umspülen. Und dann mit dem nassen und sandig-salzigen Zeug wieder zurück. Die ziehen sich dann oft nicht um, sondern lassen einfach alles so an. Oooh, mich juckt es schon beim Gedanken daran…

Während wir in diesem kleinen Örtchen waren, war auch ein Pfandfindercamp dort und die etwa 150 Jugendlichen haben am Strand getobt, Sport gemacht und sind durch den angrenzenden Dschungel gewandert. Da war auf jeden Fall am Strand immer einiges los.

Nach einer Woche sind Danny und Sophie nach Bali aufgebrochen, angestachelt durch unsere begeisterten Erzählungen, und wir sind Richtung Jakarta abgereist. Nach einer anstrengenden Nachtfahrt mit einem auf Kühlschranktemperaturen heruntergekühlen öffentlichen Bus sind wir morgens um drei in Jakarta angekommen und direkt zum Flughafen weitergefahren. Dort mussten wir noch einige Stunden warten, aber dann ging unser Flugzeug nach Medan wie geplant. Die Tickets hatten wir zwei Wochen vorher online bei AirAsia gekauft und dafür um die 35 Dollar bezahlt! Die Surfbretter mussten extra aufgegeben werden, aber nachdem wir die beiden Boardbags mit Klebeband aneinander festgeklebt hatten, mussten wir nur ein Stück bezahlen. Für 150.000 Rupiah, umgerechnet etwa zehn Euro sind die auch noch unversehrt mit ins Flugzeug und bis nach Sumatra gekommen.    

Sumatra Da wir unbedingt gutes Internet brauchten, sind wir eine Nacht in Medan geblieben, wohl eine der hässlichsten Städte überhaupt auf dem ganzen Trip! Es ist unglaublich heiß und schwül, Feinstaub ist dort kein Problem mehr, die kämpfen schon mit Grobstaub im Straßenverkehr, dementsprechend dreckig und grau ist die ganze Stadt. Es gibt nur wenige Hostels im Zentrum der Stadt, von denen wir uns die meisten angesehen haben und dann das am wenigsten schlimme ausgesucht haben. Als wir am nächsten Tag auf dem Weg aus der Stadt waren, war ich so erleichtert. Echt eine furchtbare Dreckhalde!  Lake Toba – Regen auf Wasser… Am nächsten Morgen sind wir zum Lake Toba aufgebrochen, einem See in einem Vulkankrater, der vor über 100000 Jahren ausgebrochen ist und im Hochland einen 500 Meter tiefen Krater zurückgelassen hat. In der Mitte des Sees befindet sich eine kleine Insel, auf der einige kleine Hotels und Restaurants stehen. Die Häuser sehen ganz witzig aus, die Dächer sind wie umgedrehte Boote geschwungen und lassen das ganze Dorf so ein wenig nach Puppenhäusern aussehen. Nach einer vierstündigen Busfahrt auf kurvigen Straßen in einem öffentlichen Bus voller Hühner, Kettenraucher und kotzender Kinder waren wir endlich am Boot, das uns nach TukTuk, dem Ort auf der Insel bringen sollte. Außer uns waren nur noch vier andere Touristen dort. Die Hotels sind fas alle leer und viele Restaurants haben geschlossen, obwohl gerade Hochsaison ist. Noch vor ein paar Jahren war der Lake Toba wohl von Touristen bevölkert, aber seit den Anschlägen in Bali haben die Touristenströme auf Java und Sumatra wohl merklich nachgelassen. Viele Einheimische kämpfen ums Überleben, weil die Touristen ausbleiben. Einheimischer Tourismus ist noch vorhanden, aber die lassen nicht so viel Geld da wie die ausländischen Touris.

Als wir gerade mit dem Boot losgefahren sind, änderte sich das Wetter und den Rest des Tages hatten wir Regen und Wind. Die Aussicht war grau in grau und das Wasser unruhig und wirkte kalt. Wir haben uns die folgenden zwei Tage in unserem Hotel verkrochen, die Aussicht vom Balkon genossen und sonst eigentlich nichts gemacht. Erst als wir wieder aufgebrochen sind um zurückzufahren, wurde das Wetter ein wenig besser und wir hatten zumindest noch eine schöne Bootsfahrt über den See.

Das Highlight von TukTuk war der Samstagabend, als eine einheimische Truppe aus Musikern, Sängern und Tänzerinnen im Hotel eine kleine Aufführung gemacht haben. Die Instrumente sind sehr einfach und erinnern stark an ein Orff-Orchester. Das wirkungsvollste Instrument war dennoch eine leere Bierflasche mit einer Gabel im Flaschenhals, auf die einer der Musiker rhythmisch mit einem Teelöffel eingeschlagen hat. Die Mädels haben getanzt und nach einer Weile mussten einige der Gäste mittanzen. Ich habe also eine Tuch um die Schulter bekommen und mein Bestes gegeben. Das Finale des Abends bestand dann daraus, dass alle Gäste im Hotel auf der Tanzfläche waren, die Sänger angefangen haben zu jodeln (kein Scherz!) und alle lachend miteinander getanzt haben.  Da wir beiden Medan so furchtbar fanden, haben wir es so eingerichtet, dass wir nach dem Lake Toba direkt weiterfahren können an unseren nächsten Zielpunkt. Als wir mittags in Medan ankamen, haben wir uns gleich mit einem Taxi zum zweiten Busbahnhof weiterfahren lassen und einen Bus nach Bukit Lawang genommen, einem kleinen Dörfchen mitten im Dschungel im Norden von Sumatra.   Bukit Lawang – Dschungelerfahrung. 

Nach einigen Stunden mehr als vorher vom Busfahrer angekündigt sind wir über Staubpisten im Dunkeln in Bukit Lawang angekommen, einem kleinen Ort am Rande eines großen Nationalparks im Dschungel. Als wir dort in ein Hotel kommen, sind alle Tische mit Touristen besetzt! Auf einmal waren wieder so viele dort, wir waren ganz erstaunt. Doch die Einheimische haben uns dann erzählt, dass im Vergleich zu vor ein paar Jahren immer noch wenige Touristen kommen.

Vor fünf Jahren ist dort das ganze Dorf überschwemmt worden und viele Menschen sind damals gestorben. Ein Fluss geht durch das Dorf, der aus dem Hochland kommt. Dort oben hatte sich über viele Jahrzehnte ein natürlicher Staudamm aus Holzabfällen und Steinen gebildet, der eines Tages einfach dem Druck nicht mehr standgehalten hat und gebrochen ist. Eine riesige Flutwelle kam damals direkt aus dem Dschungel durch das Dorf gerast und hat alles was ihr im Weg stand einfach mitgenommen. Viele Einwohner haben das Dröhnen rechtzeitig gehört und sind in den Dschungel einen Hügel hinauf geflohen, aber viele haben das nicht mehr geschafft. Ein ganzes Dort ist damals untergegangen und weggespült worden und heute wieder neu aufgerichtet. Aber viele Touristen fürchten genau solche Orte. Obwohl es doch danach weniger gefährlich ist als davor… sagt man immer. Allerdings stimmt das zum Beispiel auf Java auch nicht. Dort kam nur zwei Jahren nach der großen Tsunami noch eine kleinere hinterher, obwohl man immer sagt, dass die Erde ja erst mal ruhig steht, nachdem sich die Platten so enorm verschoben haben.

Langsam vergessen wohl viele wieder was dort geschehen ist und das Geschäft mit den Dschungeltouren läuft wieder an. Das Besondere an Bukit Lawang und dem angrenzenden Nationalpark ist nicht nur der schöne und ursprüngliche Dschungel, sondern auch dass man dort wilde Orang Utans sehen kann. Die Menschenaffen, die übersetzt aus dem Indonesischen nur Lebewesen im Urwald heißen, sind dort in großer Zahl zu Hause und an Menschen gewöhnt. Sie leben ursprünglich und wild, werden nicht gefüttert, aber sehen täglich Menschen durch den Wald laufen und lassen sie relativ nahe an sich heran. Wir sind am nächsten Tag in der Früh zu dritt mit noch einem Mädel und unserem Guide, den wir schon im Bus nach Bukit Lawang kennengelernt haben, in den Dschungel aufgebrochen. Schon morgens um neun war es dort unter dem Blätterdach so heiß und feucht, dass wir alle innerhalb von Sekunden total nass vom Schweiß waren. Und überall die Schwärme von Mücken und anderen Fliegetieren! Zum Glück hatte ich was Langärmeliges an und wurde dadurch nur wenig gestochen. Die beiden Guides, mit denen wir unterwegs waren haben immer so Locklaute ausgestoßen und nach  oben in das Blätterdach gestarrt und auf einmal hockt dort wirklich ein echter Affe, ein großes Orang-Utan-Weibchen mit Baby! Wir waren ziemlich nahe dran, so etwa fünf Meter vom Affen entfernt und konnten die Mama mit Kind von ganz nahem sehen. Die sind wirklich ziemlich groß, haben rote Haare am ganzen Körper und sehen uns irgendwie doch ähnlich… Auf diese Weise haben wir insgesamt drei Weibchen mit Babies, ein junges Weibchen und einen richtig dicken und großen Affen-Mann gesehen. Wir konnten zum Teil richtig nahe an die ran und Bilder schießen. Die hängen träge in den Ästen, schauen einen genauso interessiert an wie wir sie und lassen sich fotografieren.

Später, nachdem uns doch noch ein aufgebrachtes Weibchen etwa eine Stunde durch den Urwald verfolgt hat, was uns dazu veranlasst hat fast eine Stunde lang in einem Affentempo (haha..) durch den heißen und steilen Urwald zu hetzen, haben wir bei einer kleinen Verschnaufpause noch Gibbons gesehen. Das sind die, die man früher von Steiff als Kuscheltier hatte. Schwarz und ganz flauschig. Sehen total süß aus, sind unglaublich schnell zwischen den Bäumen und ziemlich frech. Einer hat sogar versucht, Nino die Kamera aus der Hand zu klauen…

Nach einem ziemlich steilen und rutschigen Abstieg kamen wir an den Fluss, der sich durch ein Tal im Urwald schlängelt und haben dort in Ufernähe unser Lager aufgeschlagen. Aus Ästen und Plastikplanen haben die Guides uns ein „Zelt“ gebaut, uns Isomatten reingelegt und ein Feuer angezündet. Dort haben wir noch drei andere kleine Gruppen getroffen, da es nachts im Dschungel doch einfach sicherer ist, mit mehreren Leuten unterwegs zu sein. Es gibt in Sumatra noch immer Tiger im Urwald, genauso wie wilde Elefanten. Beides sieht man äußerst selten, vor allem wenn man nicht so tief in den Wald hinein geht wie wir, aber es gibt sie halt…

Nach einem kühlen Bad im Fluss, aus dem ich gar nicht mehr raus wollte und einem frischen Tee war dann Relaxen am Flussufer angesagt. Die Guides haben über offenem Feuer gekocht und es hat nach Rauch und Wald gerochen und langsam ist die Sonne hinter der Flussbiegung untergegangen. Bevor es dunkel wurde haben wir gegessen, ganz traditionell aus Bananenblättern und mit den Händen. Und dann hat es auf einmal gekracht und der Himmel ist aufgerissen und ein riesiges Gewitter hat sich genau über uns ergossen! Es hat geregnet wie aus Kübeln und die Blitze waren so hell, dass man wirklich jedes Blatt am Baum sehen konnte um uns herum. Nach zwei Stunden hat es endlich wieder etwas nachgelassen und wir konnten zum Glück im Trockenen schlafen. Ich haben kaum schlafen können auf dem harten Waldboden und mit den ganzen ungewohnten Geräuschen um mich herum. Überall krabbelt und knirscht es. Der Urwald ist echt ziemlich laut nachts – und unheimlich.

Am nächsten Morgen sind wir alle früh aufgestanden, haben den Sonnenaufgang gesehen und dann hat die Sonne langsam den Nebel aus den Bäumen aufsteigen lassen und es wurde wieder heiß. Nach einem kleinen Frühstück haben wir unsere Sachen alle in Plastiktüten verstaut, LKW-Schläuche mit einfachen Seilen aneinandergehängt und sind mit je einem Guide auf dem vordersten und auf dem hintersten Schlauch den Fluss bis ins Dorf nach unten geraftet. Kein Boot, keine Helme, sondern nur zwei Stöcke zum Lenken und wir in der Mitte. Der Fluss hatte ganz schöne Stromschnellen und uns hat es ordentlich rumgehauen auf unseren Reifen. Mit Gekreische und lauten Lachen sind wir unten im Dorf angekommen und waren schön erfrischt für die Rückfahrt.

Ein richtiges Dschungelabenteuer! Und Nino war voll in seinem Element!

Banda Aceh und Pulau Weh – Tsunami und das Leben danach Mit dem Nachtbus sind wir dann von Medan nach Banda Aceh gefahren. Sumatra kann sich wirklich nicht mit Qualität von Bussen und Straßen rühmen. Diese Busfahrt war eine der schlimmsten, die wir überhaupt hatten. Obwohl die Straße für die Verhältnisse in Sumatra relativ gut war, hat es uns dermaßen rumgehauen, dass wir kaum schlafen konnten. Wäre dann doch einmal an Schlaf zu denken gewesen, gab es noch andere Schlaf-Abhalter. Der Bus hat nicht wie gedacht nur so viele Passagiere wie Sitze mitgenommen, sondern etwa doppelt so viele, so dass Nino eigentlich immer einer auf dem Schoß saß. Weil das Rauchen im klimatisierten Bus verboten ist, haben sich die kettenrauchenden Männer ins Busklo gequetscht, dessen Tür dann offen stehen musste, weil es einfach zu viele waren. Der Geruch von Klo hat sich dann mit dem Rauch von diesen Wurzel-Stängeln vermischt und ist durch das eiskalte Businnere gewabert. Damit man aber trotzdem auf keinen Fall Schlaf findet, haben der Busfahrer und sein Helfer in voller Lautstärke Karaoke-CDs in einem Player vorne abgespielt und einen großen Fernseher laufen lassen. Nach zwölf Stunden waren wir endlich in Banda Aceh. 

Banda Aceh war das Epizentrum des Erdbebens, das am 26.12.2004 zu der schlimmen Tsunami-Katastrophe geführt hat. Die Welle, die hier morgens um acht auf des Land gedonnert ist, war teilweise bis zu 25 Meter hoch! Das entspricht einem acht-stöckigen Haus! Allein in der Region Aceh sind damals über 200.000 Menschen gestorben. Jeder, der hier lebt, hat einige Familienangehörige und Freunde verloren. Manche sogar alle. Es ist wirklich unvorstellbar, was die Leute hier durchgemacht haben. Die ganze Stadt Banda Aceh war unter Wasser. Die Welle ist teilweise bis zu sieben Kilometer ins Landesinnere geschwappt und hat alles mitgerissen und unter seinem schwarzen Wasser begraben, was ihm im Weg war.

Als wir mit einem Moto-Taxi vom Busbahnhof zur Bootsanlegestelle gefahren sind, konnten wir auch sehen, warum es gerade hier so verheerend war. Das Land ist ganz flach. Nur ganz in der Ferne sieht man einige Berge. Es gab also für das Wasser einfach kein Hindernis auf seinem Weg und für die Menschen keine rettenden Hügel oder Berge.  

Die Menschen hier gehen auffallend offen mit der Katastrophe und ihren eigenen Erfahrungen um. In jedem zweiten Gespräch geht es um vor- und nach-Tsunami. Das sind für die Menschen hier zwei unterschiedliche Leben. Der Tsunami war ein so eingreifender Einschnitt in ihr Leben, dass sie ihr Leben in zwei Hälften teilen. Ein Tauchguide auf Pulau Weh, einer vorgelagerten Insel von Banda Aceh hat uns seine Erlebnisse erzählt. Er hat die drei Erdbeben, die dem Tsunami vorausgegangen waren mitbekommen (wie wohl fast alle Menschen hier) und hat bemerkt, dass das Wasser sich vom Strand weit zurückzieht. Er sagt, dass das Wasser etwa 15 Meter nach draußen gezogen wurde. Er als erfahrener Taucher wusste von dem Phänomen Tsunami und hat seinen Vater auf ein kleines Fischerboot gepackt, ist mit ihm mit Vollgas nach draußen gerast, hat die Welle kommen gespürt und dann gesehen, wie sich das schwarze Wasser auf das Land ergossen hat. Auf Pulau Weh war die Wellen nicht so stark wie auf dem Festland, weil sie schon ein wenig abgeschwächt wurde, dennoch waren viele Häuser in Strandnähe zerstört. Nur neun Menschen sind hier gestorben, wobei hier auch sehr wenige Menschen leben. Die Insel ist sehr bergig und viele Leute bauen ihre Häuser auf den Bergen, so dass sie in Sicherheit waren.

Aber das Boot von dem Tauchlehrer war das einzige, dass die Welle heil überlebt hat. Und als am kommenden Tag keine Neuigkeiten aus Banda Aceh kamen und auch die Fähre nicht angelegt hat, ist er mit einigen anderen Leuten, die Familie in Banda Acah haben, dort hingefahren. Und dann haben die das ganze Grauen der Katastrophe gesehen. Die Anlegestelle der Fähre gab es nicht mehr, auch keine Brücken oder Häuser. Alles war unter Wasser und es kamen ihnen schon weit vor dem Ufer Leichen entgegengeschwommen. Es muss so sehr gestunken haben schon, dass die Überlebenden auf dem Boot sich Masken und Handschuhe gewünscht haben. Sie haben als gläubige Muslime angefangen, den toten Menschen im Wasser die Augen zuzumachen, damit deren Seelen aus den Körpern weichen können. Je weiter sie Richtung ehemaliges Land kamen, desto mehr tote Körper waren im Wasser. Und sonst kein Ton. Niemand hat dort überlebt in Meernähe. Als sie zwischen Trümmern die Einfahrt zum großen Fluss gefunden haben, der durch die ganze Stadt geht, mussten zwei Leute vorne am Boot die toten Körper beiseite schieben, damit sich die Bootsschraube nicht in einem der Körper verheddert. Als er das erzählt hat, vor ein paar Tage abends in einem kleinen Restaurant hier, stand ihm wie uns auch das Grauen ins Gesicht geschrieben.

Sie haben das dann an den folgenden vier oder fünf Tagen gemacht, nach Überlebenden gesucht, den Toten die Augen zugedrückt und sind immer wieder mit dem einzigen intakten Boot, einem kleinen Fischerboot, zurück gefahren. Die gesamte Region war so zerstört, dass der Rest der Welt die ersten Tage nach der Katastrophe gar keine Meldungen von hier bekommen hat. Erst nach schier unendlichen fünf Tagen kamen Hubschrauber, ein Schiff der amerikanischen Marine aus dem Iran und die internationale Hilfe hat versucht, dort hinzukommen. Da aber das gesamte Gebiet von stinkendem und faulendem Schlamm überzogen war, konnte man mit Hubschraubern hier gar nicht landen. Bis wirklich Hilfe kam, sagt er, dauerte es ziemlich lange. Von seiner Familie in Banda Aceh hat niemand überlebt. Er war die erste Hilfe, die dort ankam.  Noch heftiger hat der Tsunami die Westküste von Sumatra, kurz unterhalb von Banda Aceh getroffen. Hier hatte der Tsunami die meiste Kraft, kam ungebremst aus dem Meer und hat dort vier von fünf Menschen getötet. Von einer Grundschule mit über 300 Schülern haben nur 35 die Katastrophe überlebt. Ganze Familienclans, eine ganze Generation ist hier ausgelöscht worden von einer einzigen Wand aus Wasser. Dort steht immer noch kaum etwas.  Banda Aceh dagegen sieht heute wie eine gewöhnliche asiatische Stadt aus, es ist dreckig, der Verkehr ist übermäßig, Menschen wuseln auf den Straßen, es wird alles mögliche in kleinen Shops verkauft, nur die Gebäude und die meisten Straßen wirken sehr gepflegt und neu. Kaum etwas hier ist älter als ein paar Jahre und mitten in der Stadt liegen riesige Massenfriedhöfe für tausende von nicht identifizierten Toten. Die Angehörigen gehen auf einen der drei großen Friedhöfe, um zu ihren Toten zu beten, niemand kann sagen, wer wo begraben liegt und wen das Meer wieder mit hinaus genommen hat. Aber für Muslime ist es wichtig, dass ihre Toten begraben werden und es einen Ort zum Trauern gibt, daher die großen anonymen Friedhöfe. Und das Thema Tsunami ist allgegenwärtig. Der Taxifahrer kann beschreiben, wie hoch das Wasser wo war und welches Gebäude das Grauen überlebt hat. Die Hauptschneise des Wassers, von der Bootsanlegestelle bis ins Land hinein, ist immer noch ein wüster Streifen Land, auf dem hektisch neue kastenförmige Häuser gebaut werden, damit die vielen tausend Menschen ohne Dach über dem Kopf ein neues Zuhause bekommen.  

Schätzungen zufolge war die internationale Hilfe überaus erfolgreich, obwohl der Wiederaufbau langsamer als geplant vorangeht. Die geplante Anzahl von neuen Häusern ist bei weitem nicht erreicht und trotzdem ziehen die meisten beteiligten Länder schon wieder viele Leute und Mittel ab. Auf Pulau Weh trifft man viele dieser Entwicklungs- und Katastrophenhelfer, die hier für ein Wochenende eine Pause einlegen. Die Amerikaner waren die ersten, die hier ankamen. Dennoch sind sie bei der lokalen Bevölkerung sehr unbeliebt. Wer Amerikaner ist, muss doppelte Preise im Restaurant zahlen, wird weniger herzlich empfangen und ist einfach unbeliebt. Ob es an den Vertretern der Katastrophenhilfe liegt oder an der allgemeinen Islamfeindlichkeit der Amerikaner kann ich nicht sagen. Wenn wir dagegen sagen, dass wir aus „Jerman“ kommen, werden wir mit offenen Armen und herzlichen Lächeln empfangen. Ob die Leute über Fussball oder unsere Freudlichkeit reden, wir sind beliebt wie kaum ein anderer Staatsbürger hier. Teilweise werden wir sogar beglückwünscht, aus einem so tollen Land wie Deutschland zu kommen! Wir waren total überrascht über diese Reaktionen, aber nicht unangenehm. Wenn kleine Hütten am Strand normalerweise um die zehn Euro kosten, bekommen wir sie für sieben – wir sind ja Deutsche! Auch hier weiß ich nicht genau woher diese Sympathie kommt, aber sie ist auf jeden Fall eine große Hilfe und schön.

 Wir waren nicht auf dem Festland, sondern auf Pulau Weh, einer kleinen Insel davor und haben die absolute Ruhe hier genossen. Hier gibt es einfach nichts! Nur Urwald, Meer und ein paar Hüttchen. Nino geht tauchen und ich schorchle so ein bisschen rum und schau mir Fischlein an. Das Wasser ist unglaublich klar und man kann tausende von bunten Fischen sehen. Die Korallen sind leider vom Tsunami stark mitgenommen, aber es gibt Stellen, an denen man noch viele sehen kann.

Wir wohnen in einer Art Badehütte, als Bad gibt es nur ein Loch im Boden und einen Gartenschlauch aber die Aussicht von der kleinen Terrasse ist hervorragend. Wir sind seit drei Tagen hier und haben schon einige Haustiere angelockt. Nachts jagen die Affen über das Dach, die Katzen schlafen auf unseren Stühlen draußen und tagsüber fressend die Ziegen die Wäsche auf der Leine.

Insgesamt sind nur so zehn Touristen auf der ganzen Insel und wir kennen natürlich schon jeden. Abends trifft man sich in einem der beiden „Restaurants“, also dort wo Frauen für einen mit kochen. Auch die Einheimischen gehen dorthin und man lacht und isst dort zusammen. Meistens sind dann um neun alle schon so müde, dass man früh ins Bett geht.

 Wir sind immer sehr müde abends, Nino vom Tauchen und wir beide von unserer Malaria-Prophylaxe, die wir hier zum allerersten Mal auf der gesamten Reise nehmen. Das Risiko hier ist mittel bis hoch und es gibt wohl öfters Fälle von Malaria. Naja, muss ja nicht sein. Ansonsten haben wir bisher immer die Standby-Medikamente mitgenommen und für den Notfall bereit gehalten, aber wenn das Risiko hoch ist, kann es nicht schaden. Wir haben zum Glück kaum Nebenwirkungen und müssen sie nicht lange nehmen.  Es gibt nichts zu tun außer zu schnorcheln, schlafen, lesen und eben einen Blog schreiben sowie endlich mal Emails zu beantworten. Rausschicken kann man von hier nichts, das Internet ist noch eine eher ferne Erfindung hier, aber der Handyempfang ist so gut wie kaum jemals vorher in Indonesien. Das scheint nach dem Tsunami sehr wichtig gewesen zu sein, Kontakt zur Außenwelt zu schaffen.  

In ein paar Tagen geht’s dann von hier aus weiter nach Malaysia in die Riesenstadt Kuala Lumpur, wo wir dann das Kontrastprogramm haben werden – Großstadt.

 Unsere Reise nähert sich dramatisch dem Ende, nur noch ein paar Wochen bis wir wieder den Rückweg antreten. Ein paar Wochen sind eigentlich lang, kommen uns aber gerade vor wie nichts – im Vergleich zu einem ganzen Jahr. Deshalb genieße ich die letzten Tage und Wochen noch in vollen Zügen und verabschiede mich bis zum nächsten mal! Bussi bussi und bis bald! 

EAT – SLEEP – SURF

Mittwoch, Juli 16th, 2008

Bali und Lombok

 

Eat – Sleep – Surf: Das war unser Motto in den letzten fast fünf Wochen! Daher auch erst jetzt ein verspäteter Bericht. Bali ist schön, quirlig, warm und sehr herzlich. Die erste Woche haben wir mitten drin, in Kuta, gewohnt, das Stadtleben und den Strand genossen, sind ausgegangen und haben uns massieren lassen. Jeden Tag waren wir surfen, am Strand und in den quirligen und lauten kleinen Sträßchen von Kuta mit unserem Roller unterwegs.

Die Surfbretter konnten wir in ein Rick stecken, das seitlich am Roller befestigt war und waren somit unabhängig. Getankt wird aus mit Benzin gefüllten Vodka-Flaschen, die überall in so kleinen Regalen stehen und mit einem Plastiktrichter in den Tank gegossen werden.  Zwei Tage haben wir längere Ausflüge an weiter entfernte Surfspots gemacht und uns ein wenig die Landschaft angesehen. In Dreamland, einem ehemaligen wunderschönen und einsamen Strand zwischen Felsen und Palmen, mussten wir leider feststellen, dass auch hier der Bauwahn der Balinesen zugeschlagen hat und ein fünfstöckiges kastenförmiges Hotel entsteht. Der gesamte Strand ist voller Bauschutt, die kleinen Warungs, kleine Restaurants, sind alle in Garagen verbannt worden und der Strand hat den ehemaligen Flair leider vollends verloren. Nur die Sicht aufs Meer und auf die schöne linke Welle lässt einen das Baugrauen kurze Zeit vergessen. Die Welle ist schön, kräftig, aber auch teilweise ziemlich heimtückisch und vor allem fett! Zumindest an den Tagen, an denen wir dort waren.

Die Strecke dorthin führt leider nicht mehr durch Reisfelder und an Bananenbäumen vorbei wie in anderen Teilen Balis, sondern die Straße wird gesäumt von Betonbauten, Läden, Hotels und Outlet-Stores. Um Kuta herum ist schon fast alles sehr zugebaut und städtisch. Die Bevölkerung von Bali hat sich in den letzten Jahren verdoppelt. Es gibt unglaublich viele Einwanderer aus Java und anderen indonesischen Inseln.

Es ist sehr eng und voll in den Städten. Erst wenn man ein wenig rauskommt, sieht man die traditionellen Häuser und kleine Dörfer. In und um Kuta wimmelt es überall von Verkäufern, Essensständen und Massage-Mädels, die eine Genzkörpermassage nach traditioneller balinesischer Art für 3,50 Euro anbieten. Kuta, Legian und Seminyak, vormals drei unterschiedliche Orte sind zusammengewachsen zu einem großen Stadt-Streifen entlang der Küste.

Die Legian-Street geht durch alle drei Gebiete und mit dem Roller braucht man schon mal eine Stunde hindurch. Also nichts mehr mit kleinen Hütten am Strand, sondern 5-Sterne-Resorts und Shopping-Malls.  

Und trotzdem ist es schön. Die kleinen Gassen sind noch sehr original, es wimmelt und das Leben der Leute spielt sich hier mittendrin ab, nicht hinter hohen Mauern oder in abgezirkelten Gärten. Kauft man zum zweiten Mal im gleichen kleinen Geschäft Wasser, wird man wiedererkannt und muss sofort einen Fragenkatalog beantworten. (Woher? Name? Beruf? Alter? Etc.)

Und die Asiaten haben einfach, im Gegensatz zu den Südamerikanern, einen Sinn für Ästhetik. Die Häuser, wenn sie auch einfach sind, sind geschmückt, es blühen Blumen, Bananenstauden vergrünen kleine Vorgärten, bunte Schirme beschatten die kleinen Tempelchen davor und am Himmel sieht man hunderte von bunten Drachen, die jeden Tag aufs Neue in den Himmel steigen. In den Straßen stehen kleine Statuen, die mit Blumen geschmückt werden und auf die Verkehrsteilnehmer aufpassen sollen. Alles ist sehr sauber, nur wenig Müll und Abfall liegt auf den Straßen und in den Gärten, bunte Tücher und Bambus machen die Häuser gemütlich und schön. Die Leute kümmern sich um ihre Häuser, lassen sie kaum verfallen und werkeln einfach viel rum. Auch die Menschen selber sind schön. Selbst arme Leute sind immer schön angezogen mit bunten einfachen Tüchern und haben Schmuck in den Haaren. Die Leute stinken nicht, sind sauber und achten sehr auf Kleidung und saubere Schuhe.

 

Fast jeder hat heute einen Roller, das Hauptverkehrsmittel überall in Indonesien, und die Helme sind schon fast Statussymbol. Die Rollerschwärme in Kuta und andern Städten wirken wie riesige Bienenschwärme. Bei Grün startet eine stinkende und surrende Armee von kleinen Rollern, teilweise mit bis zu vier Leuten darauf, ganzen Geschäften oder kleinen Restaurants. Auf Rollern wird alles (!) transportiert. Egal ob es nun draufpasst oder nicht. Sogar ganze Umzüge oder Läden kommen auf die kleinen Dinger. Roller dürfen alles. Gegen die Einbahnstraße, auf Gehsteige und am Strand. Der Roller hat das Fahrrad völlig ersetzt. Fahrräder sieht man in Java noch teilweise in kleinen Orten, aber in Städten gibt es kaum mehr die traditionellen Rikschas oder Radlfahrer, die sich durch den Verkehr zwängen.

Roller sind echt praktisch, aber die Abgase sind so dermaßen grausam auf den Straßen, dass viele Leute schon Mundschutz tragen und vermummt bei 35 Grad rumlaufen. Nach einem halben Tag Rollerfahren ist die Haut schwarz von Abgasen und in der Nase steckt der Staub. Aber es ist das billigste Verkehrsmittel und deshalb nutzt es fast jeder. Autos gibt es in Kuta und Umgebung schon auch viele, aber in einigen Städten von Java sieht man teilweise einen Verkehrsstau nur aus Rollern, ohne dass viele Autos dazwischenstehen.  

Für uns ist hier alles so günstig, dass wir uns mal richtigen „Luxus“  leisten können. Wir haben meistens ein schönes Zimmer, einen Roller zum Rumdüsen, gehen uns die Füße massieren und jeden Tag essen. Unser Bungalow in Kutakostete nur 14 Euro für beide mit Frühstück, war in einer kleinen Seitenstraße wo überall Götterstaturen und Tempelanlagen und so was rumsteht.

Die Balinesen sind sehr religiös, veranstalten ständig irgendwelche Zeremonien, mit denen sie den gesamten Straßenverkehr lahmlegen und legen immer kleine Opferschälchen aus Bambus an die Eingänge zu ihren Häusern oder auch mitten auf die Straße. In den Körbchen sind Blumen, Reis, Süßigkeiten, manchmal auch Geld und andere kleine Gaben für die Götter, damit sie die schlimmen Geister von Haus und Garten abhalten. Da muss man ganz schön aufpassen, dass man nicht drüberfährt oder -läuft – ist schlecht fürs Karma! Klar! 

Mit zwei netten Österreicherinnen, die wir in Australien kennengelernt  und hier wiedergetroffen haben, habe ich einen Beauty-Tag  in einem Spa eingelegt und wir haben uns fast fünf Stunden lang Massage, Gesichtsbehandlung, Peeling, Pediküre und und und…. gegönnt. Wahnsinn! Könnte ich Daheim niemals machen, aber hier haben wir diesen Damen-Tag so richtig zelebriert. Auch am Strand kommen sie immer und wollen „Massase!“ machen und nach dem Surfen lass ich mir dann manchmal den Nacken schön durchkneten. Schade, dass es das bei uns so nicht gibt.

Mit den Mädels waren wir noch eine Nacht ordentlich weg, haben erst am Strand mit einigen Einheimischen vorgeglüht und sind dann in die Clubs gegangen. Ein Club, das Bounty, gibt es schon seit vielen Jahren und ist immer noch der Renner. Es sieht von außen aus wie ein großes Segelschiff, in das man hineingeht und dort ist der Club. Die Leute hinter der Bar sind angezogen wie Matrosen und als Drinks gibt es Canon –Ball und andere lustige Mischungen. Man bekommt die dann in einem Glas, das wie eine Kugel oder ein Goldfischglas aussieht. Wir hatten glaub ich einen zu viel, als wie morgens um sechs wieder daheim waren.  Die Indonesier sind unglaublich nett und freundlich, lachen viel und sind sehr ehrlich. Jeder lässt mitten in der Stadt einfach seinen Helm am Roller hängen ohne den festzumachen, am Strand kann man einfach die Tasche liegen lassen und niemand nimmt dir was weg oder will dich übers Ohr hauen. Die feilschen wie die Weltmeister, aber wenn ein Preis steht würden sie nie wie die Südamerikaner einfach weniger rausgeben oder so. Deshalb sagt man ihnen so ein gutes Karma nach und man fühlt sich hier echt voll wohl. Und wir hatten auch schon einmal wirklich Glück damit, dass sie so ehrlich sind. Wir wollten Geld abheben und bemerken, dass die Kreditkarte weg ist! Horror!!! Zum Glück wussten wir noch, wann wir die letzte Million (72 Euro) abgehoben haben und sind sofort dorthin zurück gefahren. Als wir in den kleinen Laden reinkommen, in dem auch ein Geldautomat steht, grinst uns ein junger Typ von der Theke an und meint, dass er sich an uns erinnert, wir hätten vor zwei Tagen die Kreditkarte stecken lassen! Und dann holt er sie unter der Theke raus und gibt sie uns zurück! Bis jetzt ist noch nichts abgebucht worden, was wir nicht gewesen wären. Wo passiert einem denn so etwas? 

Der Strand in Kuta ist riesig und obwohl das Wasser leider dreckig ist, noch immer super schön. Anstrengend ist nur, dass sie alle was verkaufen wollen. Von Sarongs über kleine Buddha-Statuen bis hin zu Sonnenbrillen und natürlich die Massase! Und sie sind ausdauernd!

Und das Essen ist sooo gut. Die kochen mit viel Gemüse und Fisch und sehr scharf. Ich esse fast jeden Tag Meeresfrüchte oder Fisch und mit Reis und irgendwelchen exotischen Gemüsesorten. So ein Hauptgericht kostet meistens so ein bis zwei Dollar, also unter einem Euro! Dazu gibt’s frische Säfte und Früchte. Zum Frühstück gibt’s schon immer was Warmes, Mi Goreng, gebratene Nudeln mit Ei sind der absolute Renner bei mir gerade.   Und dann gab es noch die ganzen Surfshops und Outlets… wir waren mehr als einmal shoppen. Jetzt muss ich nur noch alte Sachen wegschmeißen, sonst platzt mein Rucksack! Einige der Sachen will ich auch gar nicht in meinem mittlerweile recht siffigen Rucksack mitschleppen und wir haben mal wieder ein Paket nach Hause geschickt.  

Nach einer Woche wilden Rumgefahrens mit dem Roller von Spot zu Spot haben wir eine Gruppe Surfer getroffen, die uns von einem Surfcamp erzählt haben, in dem sie sind. Die Erzählungen klangen so gut und richtig für uns, dass wir uns spontan am gleichen Tag noch erkundigt und dort eingecheckt haben. Da noch kein Zimmer frei war, mussten wir die ersten Tage in einem Hotel ganz in der Nähe schlafen und haben nur das Surfprogramm mitgemacht.

 Unter dem Motto EAT-SLEEP-SURF organisieren einheimische und europäische Guides jeden Tag unterschiedliche Sessions, bei denen man dann Transport hat und einen Guide, der den Spot kennt.

Morgens um sechs geht es meistens schon zur ersten Session los. Nach drei oder vier Stunden kommt man zurück ins Camp in Seminyak, frühstückt und zwischen eins und drei geht’s dann zur Nachmittagssession weiter. Abends um sechs ist man dann so tot, dass man meistens nach einem Bierchen sofort pennen geht. Wir mussten uns also um fast nichts mehr selber kümmern und kamen am Tag bis zu sechs Stunden zum Surfen. Man trägt sich im Camp selber in Listen ein, die die verschiedenen Spots auflisten, muss sich von einem Stern bis zu vier Sternen selber einschätzen und ist dann an mehr oder weniger anspruchsvollen Spots mit Leuten, die etwa gleich gut sind.

Die Guides surfen natürlich alle selber und geben Tipps im Wasser. Man kommt dadurch zu Spots, die eher unbekannt sind und sieht echt schöne Strände und einsame Flecken der Insel. Es ist echt genau das Richtige für uns gerade! Das Camp selber hat einen super schönen grünen Garten mit Pool, Zimmerchen mit viel Holz und Bambus und ein Außenbad, in dem einen Bananenstaude wächst. Richtig tropisch und ohne die ganzen giftigen Viecher, die es in Australien immer gegeben hat. Sonntags gab es Barbecue für alle im Camp, an einem riesigen Holztisch mit dreißig Leuten nach dem „Familientag“, an dem alle an den gleichen Spot fahren und Anfänger mit den Fortgeschrittene zusammen surfen.

Einmal die Woche war dann noch Yoga mit einem Lehrer von Außerhalb. Und dann noch Theorie, natürlich. Duck-diving im Pool, Take-off-Training im Garten und Wellenkunde an der Tafel. Wir haben alles mitgenommen!

Die Guides und viele der anderen Gäste waren wirklich nette Leute und wir haben am Ende einige Email-Adressen ausgetauscht. Wir haben uns dort echt wohl gefühlt zwischen diesen ganzen Leuten, die auch viel surfen wollten und dafür extra in so ein Camp gefahren sind. Es war zwar eine teure Angelegenheit, aber im Nachhinein hat sich das voll gelohnt für uns. Es war eigentlich das erste Mal überhaupt, dass wir jeden Tag zu einem Spot kamen, der für uns geeignet war und wo wir wirklich viel, also mehrere Stunden am Tag gesurft sind. Und das zwei Wochen lang! Meine Arme fühlen sich riesig an und so viel Muskelkater hatte ich lange nicht mehr!  Und in der gleichen Zeit waren ja auch noch die EM-Spiele. Leider kamen die mit Zeitverschiebung bei uns erst um drei Uhr nachts! Also sind wir um zehn ins Bett und dann um halb drei wieder aufgestanden und haben uns die Spiele angesehen. Leider haben wir die Tore fast alle nicht gesehen, weil der indonesischen Satellit immer mal ein paar Ausfälle hatte und wir nur über Handy von Leuten in Deutschland immer aktuell den Spielstand gesagt bekommen haben. Trotzdem wars spannend – das ist halt Asien! Das Endspiel haben wir uns dann in einer Sportsbar mitten in Kuta mit ein paar Leuten aus dem Camp zusammen angesehen, sind um ein Uhr nachts aufgestanden und dann dort reingefahren. Und auf einmal waren soo viele Deutsche da, unglaublich! 

Im Camp waren hauptsächlich Deutsche und Schweizer und echt ein paar nette Leute darunter. Samstags ist immer freier Tag und man kann sich eines der Autos ausleihen mit Fahrer und die Insel erkunden. Wir waren einen Tag mit ein paar Leuten an der Nordküste, in Lovina, zum Schnorcheln und Tempel anschauen. Wenn man ein bisschen aus dem Stadtgewühl rauskommt, ist Bali immer noch wunderschön.

 

Wir sind über die Berge im Inland gefahren, wo es nur ein paar kleine Dörfchen gibt, die Landschaft ist tropisch und satt grün und in der Ferne sieht man die Vulkane der Insel. Das Örtchen Lovina ist ziemlich verschlafen und nur ein paar Fischerboote bringen Touristen zum Schnorcheln nach draußen. Das Schnorcheln selber war leider gar kein Erlebnis. Das Riff ist total zerstört und tot. Alles ist grau und sieht aus wie eine schlimme Mondlandschaft. Das Dynamit-Fischen hat die gesamten Korallen abgetötet und das Riff ist einfach hässlich. Viele kleine Fische gab es zu sehen, aber sonst leider nix.

Auf der Rückfahrt haben wir an einem der zahlreichen Wasserfälle halt gemacht, der mitten im Dschungel kühl und versteckt rauscht. Den Tempel im Wasser haben wir dann noch besichtigt, der durch die Wasserknappheit auf Bali schon fast nicht mehr im Wasser steht. Diese wunderschöne Anlage wurde einst mitten in einem See hinein gebaut, ist nur mir Booten zugänglich und eine friedlicher Ort.

Nachdem aber die ganzen großen Hotels und Resorts das Wasser aus dem Boden ziehen, haben die Leute in Denpasar schon oft kein Wasser mehr. Und der Grundwasserspiegel sinkt rapide. Der See ist so weit zurückgegangen, dass das Fundament des Tempels schon aus dem Wasser schaut.  

Medewi

Das Camp macht manchmal noch Ausflüge zum Surfen über ein oder zwei Tage an ganz andere Spots. In unserer ersten Woche dort sind wir gleich mit nach Medewi gefahren, einem kleinen Fischerort im Norden von Kuta. Morgens um fünf ging es los mit zwei Jeeps, dicht mit Surfboards beladen, und nach zwei und halb Stunden Fahrt über holprige Straßen und schöne Landschaft waren wir endlich an der berühmten Links-Welle von Madewi. Und es war riesig!

Es war so fett, dass einige gar nicht reingegangen sind, ich bin am ersten Tag noch mit rein, aber am zweiten, noch größeren Tag, habe ich mich freiwillig bereit erklärt, ein paar Bilder zu machen. An diesem Tag ist mehr als ein Board dort drin gesnappt! Einige kamen raus und meinten nur, dass sie Angst hatten dort drin zu ertrinken. Die Sets waren einfach soo groß und stark, dass es oft das gesamte Line-up um mehrere hundert Meter verwaschen hat.

Gewohnt haben wir in einem Losmen, einem Home-stay bei der Familie eines Surfguides. Es war so basic, dass ein Mädel gleich wieder mit einem Taxi nach Hause gefahren ist. Es gab halt ein indonesisches „Bad“ und „Klo“, wenn man das Loch und den Schlauch so nennen kann. Daran muss man sich hier überall gewöhnen. Es gibt kein Papier, sondern nur einen kleinen Eimer mit Wasser und ein Loch im Boden. Nach einiger Zeit findet man es gar nicht merh sooo schlimm, aber ein schönes WC wie bei uns wäre schon mal wieder eine gute Sache…

Acht Stunden am Tag gab es gar kein Wasser und keinen Strom. Nur abends und morgens gab es Wasser. Aber es war dafür auch echt günstig. Wir haben dort zu zweit für zwei Tage mit „Vollpension“ sieben Euro bezahlt. Und das Abendessen war nicht etwa nur Reis, sondern Hummer und Fisch vom Grill und Früchte zum Dessert. Das Essen war wirklich hervorragend und interessant, die alten Leute saßen abends mit uns auf einer Ess-Decke am Boden und haben uns zahnlos angelächelt. Mit meinen fünf indonesischen Worten und den Zahlen habe ich versucht ein Gespräch zu führen, was leider nicht so gelang aber die mochten mich dafür, dass ich es versucht habe. Insgesamt war Medewi wirklich ein schöner Ausflug, mit netten Leuten und viel Spaß! Nach zwei Tagen Ausflug ins echte Bali gings dann wieder zurück in Camp und an Spots, die mich nicht sofort verwaschen haben.

Ein Spot in Bali war wirklich ein Erlebnis, man musste mit dem Boot zu einem vorgelagerten Riff fahren und mitten im glatten Meer baute sich dann plötzlich eine Welle auf. Leider war das Riff so nahe, dass man bei einem Sturz echt aufpassen musste, dass man ja nur die beschuhten Füße nach unten streckt und nicht mit anderen Körperteilen dort entlangschrappt. Wenn die Welle dann vorüber war, konnte man locker stehen, das Wasser ging einem nur bis zur Taille! Zum Glück hatten wir fast immer Surfschuhe an, die einen vor den scharfen Korallen schützen.

  Lombok

 

Im Camp haben wir die Bekanntschaft von Stefan gemacht, einem Kölner mit frecher Schnauze, mit dem wir nach zwei Wochen Camp nach Lombok gefahren sind. Nachts um vier sind wir in Bali aufgebrochen, um den Verkehr zu umgehen und waren bei Sonnenaufgang auf der uralten und verrosteten Fähre nach Lombok. Die Überfahrt dauert zwischen vier und fünf Stunden und ich habe mich schon beim Ablegen nach den Rettungsbooten umgesehen…

In Lombok angekommen haben wir uns ein Taxi nach Lombok-Kuta genommen, etwa ein und halb Stunden vom Hafen entfernt. Es ist der einzige Ort, an dem es Touristen gibt und wo man ein Hotel bekommt an der Küste unten.

 

Dort ist die Basis für alle Surfer, die dort hinkommen. Von dort aus hat man verschiedene Spots um sich herum. Wir sind meistens in die nächste Bucht von Gerupuk gefahren, haben dort einen Fischerjungen getroffen, der uns für ein paar Euro mit seinem kleinen schaukelnden Bööterl raus ans Innenriff gefahren hat. Dort war das Wasser noch hellblau, der Strand ist unbebaut und alles ist grün außenherum. Die Welle ist eine super Anfänger-Welle und wir hatten dort viel Spaß.

Obwohl es zwei Tage lang nicht so groß war, konnte man doch schön surfen und das Rauspaddeln war nicht soo schlimm. Die Jungs haben auf den Booten gewartet, bis man nach zwei oder drei Stunden wieder aus dem Wasser gekommen ist. Aber leider ist es auch dort schon ziemlich voll. Ein Tag waren wir mit fast 30 Leuten im Wasser. Und viele richtige Anfänger mit riesigen Brettern, die überall durch die Luft fliegen, wenn das Set kommt. Am letzten Tag hatte ich leider einen kleinen Zusammenstoß und eine Finne im Unterschenkel, was nicht so schön aussah und ziemlich weh getan hat. Noch immer ziert eine blaue Fläche die neue weiße Narbe am Bein! Damit war der Tag für mich beendet… Nino hat sogar eine Finne bei einem Zusammenstoß gelassen!

Gewohnt haben wir in einem Hotel, das Surfers Inn heißt und für die Verhältnisse auf Lombok echt gut ausgestattet war. In einem grünen Garten mit Pool und kleinen Terrassen vor den einfachen Zimmern. Nur heißes Wasser, das gibt es einfach nirgends. Dafür ist es ja immer draußen schön heiß.  Ansonsten ist Lombok wirklich wild. Die Menschen leben zum größten Teil in minikleinen Bambushütten, haben Wasserbüffel und Hühner im Garten stehen und keinen Strom oder fließendes Wasser. Die Insel ist in weiten Teilen unbesiedelt, vor allem der südwestliche Teil, wo auch Mawi, ein bekannter Spot liegt, ist total wild. Die Straßen sind teilweise nur noch Feldwege zwischen Feldern mit Gemüse und Reis und die geteerten Straßen sind so schlecht, dass man auf einem Roller sehr aufpassen muss. Mit zwei Rollern sind wir dort die Gegend abgefahren, haben uns die einsamen Strände angeschaut und waren dann immer überrascht, wie viele Leute doch bei den Spots im Wasser sind.

Die Menschen leben ganz einfach, sind unheimlich freundlich und freuen sich jedesmal, wenn man als Weißer an ihrer Hütte vorbeifährt. Die Kinder kommen dann auf die Straße rausgerannt und wollen unbedingt vom fahrenden Roller herunter abgeklatscht werden. Wenn sie es schaffen, deine Hand zu erwischen, freuen sie sich unheimlich und schreien Dir irgendwelche Sachen hinterher.

Um Kuta herum gibt es einige kleinen Hotels und Restaurants, nichts besonderes, aber nett. Abends ab acht oder so gibt es keinen Strom mehr und nur ein paar der Hotels und Restaurants haben einen kleinen Generator, der dann die Nacht hindurch rattert und ein paar Lampen leuchten lässt.

 

Der Strand dort ist riesig und leer. Ein paar Hütten stehen dort, es werden Wasser und Kekse verkauft, Benzin aus Wodka-Flaschen und einfache Gerichte gekocht. Überraschenderweise gibt es zwischendrin dann extrem gute und ausgebaute Straßen, so groß wie Autobahnen und ganz neu und gepflegt. Viele Landflächen am Meer sind abgerodet und umzäunt. Dort stehen keine Hüttchen mehr und keine wilden Wälder.

Denn 2010 kommt ein internationaler Flughafen nach Lombok, ganz in die Nähe von Kuta und dann werden dort auf dem schon verkauften Land am Strand zwischen den guten Straßen die 5-Sterne-Resorts hochgezogen. Lombok will neben Bali ganz oben mit dabei sein! Und es ist alles schon dafür vorbereitet! Die Einheimischen reden schon davon, dass dann Massen an Geld mit dem Massentourismus kommen wird – das das aber nicht zu ihnen sondern an die dicken Hotels geht, wollen sie glaub ich noch nicht so sehen. Taxifahrer und Sarongfrauen freuen sich auf jeden Fall schon. Und ich glaube wir hatten Glück, Lombok noch so ursprünglich und „unaufgeräumt“ gesehen zu haben. Vom Setting her sicherlich die schönste Welle der Reise!

 

 

Back to Bali und Java

 Nach knapp einer Woche Lombok ging es für uns drei wieder zurück nach Bali, wo aufgrund der indonesischen Sommerferien alles ausgebucht war und wir Schwierigkeiten hatten, ein kleines und billiges Hotel zu bekommen. Eine Nacht haben wir uns ein teures Zimmer geteilt und dann erst etwas gefunden. Nino und ich haben noch ein paar Sachen erledig, bevor wir nach Java aufgebrochen sind. Stefan musste schon wieder nach Hause und zurück in die Arbeit, der Arme. Servus, schee wars!

Wir sind dann mit dem öffentlichen Bus von Denpasar bis nach Mount Bromo gefahren, einem aktiven Vulkan im Süden von Java. Die Überfahrt von Bali nach Java war mal wieder ein Erlebnis. Die alten Fähren, die den Weg von Lombok nach Bali nicht mehr schaffen, werden hier eingesetzt. Teilweise sind die so verrostet, dass man sich einfach nicht vorstellen kann, dass die Klappe noch aufgeht. Aber da kennen die Indonesier nichts – da kommen die vollen Busse und LKWs mitten drauf.

Wir sind während der halbstündigen Überfahrt an Deck gegangen, wo laut indonesische Musik läuft, die Einheimischen Essen und Souvenirs kaufen und mit uns Fotos machen wollen. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich fotografiert worden bin! Die kommen lächelnd an, greifen nach meiner Hand oder meinem Arm und jemand anders macht dann das Bild. Ein weißes Mädel mit blonden Haaren wirkt dort wie ein Magnet für Handykameras. Und ganz ganz viele trauen sich nicht fragen und machen dann gaaanz heimlich Bilder! Ich kann echt nicht mal irgendwo sitzen, ohne dass jemand kommt und fotografiert.

Und die Kinder sind fasziniert von Weißen! Die kommen teilweise und stellen sich minutenlang vor mich hin und starren mich mit offenen Mündern an. Jedesmal wenn ich irgendwen zurückschaue und sogar lächele, dann brechen Männer wie Frauen in Kichern aus und freuen sich wie an Weihnachten. Ich weiß noch nicht so genau warum, aber es ist lustig, aber auch anstrengend. Als wir in Yogyakarta die Tempel besichtigt haben war es Sonntag und letzter Ferientag und die einheimischen Touristen haben teilweise mehr Bilder von mir gemacht als vom Tempel. Nino geht es genauso, nur nicht ganz so extrem, der ist wohl zu dunkel. Bromo

Unser erster Stopp in Java war also der Mount Bromo, ein aktiver Vulkan in einem der größten Nationalparks in Java und eine Touristenattraktion. Er liegt auf über 3000 Metern und innerhalb von einer Stunde schiebt sich ein hoffnungslos überladener Kleinbus mit Schneckengeschwindigkeit dort hoch. Oben ist es dann auf einmal richtig kalt! Wir haben gleich die langen Hosen, Mützen und Schals wieder rausgeholt, die wir zum Glück noch dabei hatten. Ein schottisches Pärchen, das wir im Bus kennengelernt haben, hatte nur kurze Hosen und keine richtigen Pullis dabei. Ich wäre ja blau angelaufen!

Morgens um vier ging es dann in der stockdunklen Nacht los auf den Krater, damit wir die Lava sehen können, die es allerdings schon seit Jarhzehnten dort nicht mehr gibt. Als wir um halb sechs bei Sonnenaufgang oben standen, war es saukalt und so bewölkt, dass wir außer ein bisschen Kraterrauch nichts gesehen haben. Es hat fürchterlich gestunken und die Wolken wollten sich auch in der gesamten kommenden Stunde einfach nicht verziehen, so dass wir enttäuscht wieder abgestiegen sind. Am Nachmittag ist es dann noch einmal kurz aufgeklart und wir hatten einen schönen Blick auf die unterschiedlichen Krater, aber statt am Nachmittag noch auf einen angrenzenden Berg zu steigen, von wo man eine schöne Sicht haben soll, haben wir Tee im Café getrunken und die Wolken angestarrt! Schade.

Aber dafür gab es keine Mücken! Die sind hier in Java und dann auch in Sumatra leider nicht so harmlos wie in Bali. Wenn man den Einheimischen und einigen Leuten, die gerade erst dort unterwegs waren Glauben schenken kann, dann ist das Malaria-Risiko doch relativ hoch. Ist ja wieder genau das Richtige für mich! Wo sie mich doch so mögen. Ich habe mir promt eine Batterie von Mückenmitteln gekauft, die ich immer griffbereit mit mir herumschleppe, sprühe mich ständig ein und ich glaube, langsam hat meine Haut den Geruch nach DEET schon angenommen. Wir schlafen immer unter unserem Mückennetz und bisher haben wir beide relativ wenige Stiche. Wenn es dann mal wirklich passieren sollte, sind wir glücklicherweise nahe an Singapur dran, wo man bei Malaria gut behandelt werden kann. Hoffentlich kommt es aber nicht so weit.  

Yogyakarta

Nach Bromo sind wir mit einem Nachtbus bis nach Yogyakarta gefahren, wo wir morgens um vier ankamen und nach kurzer Zimmersuche und einer schnellen Dusche gleich direkt zu den Tempeln Borobudur und Prambanan aufgebrochen sind. Es war erstaunlich, wie viele indonesische Touristen dort unterwegs waren. Wir haben dort kaum weiße Touris gesehen und waren somit mal wieder Hauptziel der Handyfoto-Mafia!

 

Die Tempel sind beide durch Erdbeben nach einem Vulkanausbruch vor vier Jahren erheblich beschädigt worden und gerade erst und nur teilweise wieder aufgebaut.

Leider schmücken noch Bambusgerüste die schönen Bauten und in einige Tempel darf man noch nicht wieder rein um die Shiva-Statuen zu sehen, weil sie einsturzgefährdet sind. Lange Risse und verschobene Steine zeugen von der Zerstörung und die jeweiligen Museen an den Stätten zeigen Vorher-Nachher-Bilder, auf denen man den Unterschied sehen kann. Trotzdem waren die Tempel schön und beeindruckend. Jeder einzelne Stein ist gemeißelt, erzählt eine Geschichte oder stellt eine Facette des Lebens dar. Die großen Buddha-Statuen ragen kerzengerade in die Höhe und von oben hat man einen tollen Blick bis zu den großen Vulkanen im Hintergrund und über das grüne Land.

Abends sind wir dann noch zu einer Ballettaufführung gegangen, ein ganz traditionelles indonesisches Theater mit Gong-Musik und Kostümen. Die Geschichte besteht aus vier Episoden, deren erste immer bei Vollmond vorgeführt wird. Die kommenden Tage werden dann die folgenden Episoden aufgeführt, es entsteht also so was wie eine Soap oder ein Festival. Es geht um Kampf, um Götter, um Ehre und natürlich die große Liebe. Die Kostüme sind wunderschön und glänzen, die Männer tragen Masken und großen Kopfschmuck und die Frauen lange fließende Gewänder.

Die „Band“ oder das Orchester sitzt mit auf der Bühne, spielt auf Xylophonen, Trommeln und so einer Art Glocken Musik, die beim ersten Hinhören eher nach einer Kindergartengruppe beim Elterntag klingt. Ältere Frauen singen dann klagend und heißer dazu. Nach einer Weile hat man sich eingehört und kann sogar einen Takt und eine Melodie erahnen. Die so genannte Gong-Musik ist die traditionelle Musik der Indonesier und existiert schon seit Jahrhunderten. Der Tanz dazu ist einfach aber graziös. Die Frauen überstrecken die Arme und Hände und bewegen sich ganz sanft und anmutig dazu. Die Männer haben auch überstreckte Arme und abgespreizte Hände und springen von einem Bein aufs andere und knicken den freien Fuß dabei in der Luft ab. Und dann gibt es noch den Kampf, bei dem die Männer tänzerisch gegeneinander antreten und sich mit Händen und Füßen bekämpfen.

 

Das Theater wirkte vor allem durch die tolle und im Dunkeln angestrahlte Kulisse des Tempels Prambanan im Hintergrund der Bühne. Ansonsten ist das Theater eher eintönig. Als Unwissender kann man die Geschichte nicht verstehen, weshalb die Fakten (wer gegen wen, warum, wo…) auf Leinwände an der Seite projiziert werden – übrigens auch auf indonesisch! Und nach 40 Minuten Kling Klang mit den gleichen vier Tanzschritten, überlegt man sich langsam, ob man auf den harten Steinbänken ohne Kissen noch länger aushält. Das Ganze geht dann zwei Stunden!

 Todmüde sind wir danach in unserem Losmen für vier Euro für beide (!) auf harte und dreckige Betten gefallen. Am nächsten Morgen gings gleich weiter nach Pangandaran, einem Ort an der Südküste von Bali, wo man noch einmal surfen kann. Die Strecke dorthin sieht nicht sehr lang aus, dauert aber über acht Stunden mit Minibus und öffentlichem Holperbus über schlechte Straßen, eine wunderschöne Landschaft und vorbei an schönen, gepflegten und urwaldbewachsenen Dörfern.  

In Pandangaran angekommen sind wir dann doch endlich mal in einer Fahrradrikscha bis zu einem kleinen netten Losmen gefahren und haben unsere geschundenen Surfbretter dort abgeladen. Der öffentliche Bus ist eher nicht so gut für die Bretter, die dort wenig pfleglich behandelt werden. Ninos Brett wurde beim Umsteigen so unsanft auf den Boden geschmettert, dass er hier erst mal sein Brett reparieren lassen musste.

 In Pandangaran bleiben wir voraussichtlich ein paar Tage, schauen, ob wir einen guten Spot finden und fahren vielleiht noch an einen kleinen Küstenort in der Nähe, zu dem man nur zu Fuß über eine uralten Bambusbrücke gelangt. Der Bus fährt nur bis zur Brücke, danach muss man laufen oder dann eine Rikscha nehmen. Wie und wohin es dann genau weitergeht, ist noch nicht ganz klar, aber ab dem 24 oder 25 Juli wollen wir in Sumatra sein.  

Bis dahin SELAMAT YALAN und bussi bussi von der Java-Insel!

   

  

Byron Bay bis Cairns – die letzte Zeit in Australien

Mittwoch, Mai 28th, 2008

Von Byron Bay bis zu Fraser Island

Wir sind von Byron Bay leider mit einem schlechten Erlebnis aufgebrochen. Wir haben beide für zwei Wochen für einen Reiseunternehmer dort gejobbt, um uns noch ein bisschen Travelmoney dazu zu verdienen, mit dem wir unsere kommenden Touren nach Fraser Island und einen Segelausflug in den Whitsunday Islands finanzieren wollten. Wir haben auch etwa 400 Dollar zusammenbekommen und als wir am Tag unserer Abreise die Touren buchen und das Geld dafür eintauschen wollten, mussten wir feststellen, dass das Büro geschlossen war.

Erst dachten wir, dass der Shopmanager, der gerne Party macht, einfach verschlafen hat, doch dann haben wir über verschiedene Leute hier erfahren, dass die Polizei den Shop zugemacht hat, das Management in Sydney verhört wird etc, weil die Ladenkette schon seit Monaten Pleite ist, mit Zahlen gespielt hat und kein „normaler“ Angestellter hatte eine Ahnung. An dem Tag haben also insgesamt vier Festangestellte auf Anhieb und ohne Vorwarnung ihre Jobs verloren und wir und noch andere Aushilfen bekamen nicht mal das Geld, das wir erarbeitet haben. Unsere 400 Dollar konnten wir uns abschminken, aber zum Glück haben wir am Vorabend nicht auch noch jeweils 200 Dollar für eine Tour bezahlt, die höchstwahrscheinlich nie stattfinden wird! Also eher noch Glück als Pech… Naja, jedenfalls war unser erarbeitetes Geld weg und wir haben keine Tour. Sind noch einen Tag in Byron geblieben, haben dort noch andere getroffen, die dort auch Geld gelassen haben und haben versucht, ob wir irgendwas zurückbekommen oder zumindest einen Teil in eine Tour bei einem anderen Anbieter mitrübernehmen können, aber es sah so aus, dass das Management in Sydney sitzt und andere Probleme hat. Also das ganze Geld weg und keine Tour, super!

Von Byron aus sind wir Richtung Norden gefahren und wieder in Coolangatta gelandet. Leider waren die Wellen auch hier nicht besonders und wir haben uns die Zeit mit Picknick und Chillen am Strand vertrieben. Nino ist ein bisschen krank geworden und wir haben uns abends früh in unseren Van gelegt und gepennt. Mitten in der Nacht klopft die Polizei am Fenster und wir mussten uns anhören, dass es ja verboten sei, hier zu schlafen und wir mit einer Strafe rechnen müssen, wenn wir nochmal in deren Gebiet erwischt werden. Wir mussten uns mit noch fünf anderen Schlafvans einen neuen Platz suchen und konnten erst eine Stunde später weiterschlafen. Das ist uns echt nur dort passiert! Normalerweise drücken die ein Auge zu und sagen einem am nächsten Morgen, dass man hier eigentlich nicht schlafen darf. Aber in dieser Nacht hatten wir Pech.

Auf dem Weg nach Harvey Beach, unserem Ausgangspunkt für Fraser Island sind wir mal wieder einen Tourist-Drive gefahren, eine Landstraße, die neben dem Highway durchs Hinterland geht und an Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Auf dem Weg zu den Glass-House-Mountains habe ich beinahe ein Känguru überfahren. Es ist auf einmal von rechts aus einem Busch auf die Straße gesprungen und direkt vor den Van. Zum Glück ging es gerade bergauf und ich war ziemlich langsam, aber die Vollbremsung, die ich eingelegt habe, hat den Bus ganz schön schwanken lassen. Das Känguru hat sich genauso erschrocken wie ich und noch einen Haken geschlagen kurz bevor ich es zamgefahren hätte. Aber es liegen so viel totgefahrene Kängurus am Straßenrand. Überall. Die sind einfach so blöd, die springen in der Dämmerung vor die riesigen Lastwägen, die hier überall mit mindestens 120 km/h über den einzigen Highway rasen und werden meterweit rumgehauen. Viele Autos haben vorne riesige Beulen und kaputte Lichter, weil mal wieder ein Känguru davorgehüpft ist. Die meisten größeren Autos haben auch so richtige Kuhfänger vor der Kühlerhaube.

Fraser Island

Die nächsten Tage haben wir an verschiedenen Stränden um Noosa herum verbracht, Nino hat sich erholt und ich war ein wenig surfen. Von Hervey Bay aus sind wir dann zu unserer Tour nach Fraser Island aufgebrochen.

Dort sind wir drei Tage lang mit einem Jeep über die riesige Sandinsel gefahren und haben wild gecampt. Mit insgesamt zehn Leuten sind wir gestartet. Leider hatten wir sechs englische Babies im Auto, zwischen achtzehn und zwanzig und so unselbstständig, dass die glatt verhungert wären ohne uns. Das einzige Gute an der Konstellation war, dass Nino und ich die einzige über 21 waren und somit als einzige den Jeep fahren durften, was auch richtig Spaß gemacht hat! Aber mit noch zwei anderen genervten Mädels mussten wir dafür unsere englischen Kids versorgen, aufwecken, Zelt auf- und abbauen und in den Jeep setzten.

Die Sandpisten im bewaldeten Teil der Insel waren teilweise ganz schön steil und aufregend zu fahren. Am ersten Tag sind wir zum Lake McKenzie gefahren, einem glasklaren Süßwassersee, der wie ein karibischer Strand aussieht. Das Wasser ist hellblau und der Sand strahlend weiß. Um den nicht allzu großen See herum ist dichter Wald. Die gesamte Insel ist Nationalpark und hat den Ruf, die meisten Spinnen pro Quadratmeter auf der ganzen Welt zu haben – also der perfekte Ort für mich! Nach einem erfrischenden Bad im See gings dann weiter Richtung Strand.

Wir sind erstmal ziemlich langsam vorangekommen, aber als es auf den „Highway“, den Strand ging, konnten wir es ein wenig krachen lassen. Die einzigen Hindernisse waren manchmal ein paar Felsen und die Auswaschungen, die bis zu 70 cm tief werden können, aber ansonsten ging es ewig weit schnurgeradeaus. Das Wetter war super und wir haben auf einem Campingplatz im Wald unser erstes Lager aufgeschlagen. Also es dunkel wurde, sind wir noch zum Strand runter gegangen und auf dem Weg dorthin habe ich gesehen, warum die Insel den Ruf mit den Spinnen hat. Überall hängen die rum, riesen Dinger, saueklig und teilweise gefährlich weil giftig! Oh mann, das war nicht mein Ort! Am Strand und auf dem Campingplatz musste man immer mindesten zu dritt rumlaufen, um „Dingo save“ zu sein. Dingos,  wilde gelb-orange Hunde leben dort in großer Zahl und es kommt immer wieder vor, dass sie Menschen angreifen und beißen. Man muss sehr sorgfältig das Essen und den Abfall verschließen, nichts rumliegen lassen und darf nicht alleine zum pinkeln gehen. Blöd für Nino, dass ich mitten in der Nacht musste…

Am zweiten Tag habne wir uns ein Schiffwrack angesehen, dass am Strand vor sich hinrostet und eine super Kulisse für schöne Fotos abgibt. Als wir im Norden der Insel mit unserem Jeep zu Indian Head kamen, einem großen Felsen am Strand, von dem aus man normalerweise viele Haie, Wale und Schildkröten sehen kann, haben wir versucht hinter dem Felsen durch den tiefen, weichen Sand zu fahren.

Als wir auch beim zehnten Versuch und ohne Passagiere hinten drin immer noch stecken geblieben sind und die Jungs uns ausgraben mussten, haben wir festgestellt, dass unser Vierradantrieb nicht funktioniert und wir die ganze Zeit nur mit 2WD rumfahren. Nach einigen Tests kam raus, dass unser 4WD nur im Rückwärtsgang funktioniert. Die folgenden Tage mussten wir die schwierigen Stellen also immer rückwärts fahren!

Leider haben wir auch keine Haie und sonstige Tiere gesehen, obwohl die dort überall leben. Die Bucht vor Fraser Island ist die größte Brutstätte für Tigerhaie in ganz Australien. Neben den gefährlichen Tigerhaien ist hier auch der Weiße Hai daheim und wenn man einen Rundflug über die Insel macht, sieht man die von oben wohl sehr gut und in großer Zahl. Von oben sehen die wohl erst klein aus, aber wenn man dann einen Jeep am Strand sieht, erkennt man, dass die Haie länger sind als diese 4WD Jeeps, in denen zehn Leute sitzen. Die kommen bis ins Weißwasser an den Strand und man darf auf gar keinen Fall ins Wasser gehen, sonst kann man eben mal gefressen werden. Ich wollte echt gerne wenigstens von weit weg und weit oben einen sehen, aber es war so stürmisch, als wir auf dem Felsen standen, dass die nicht nahe an den Strand gekommen sind.

In der zweiten Nacht haben wir dann wild in den Dünen gecampt, unsere Igluzelte im Sand aufgestellt, Nudeln für unsere englischen Kids gekocht, ein Bierchen am Strand getrunken und saßen danach noch ein wenig zusammen. Wir dachten, dass die bestimmt jetzt anfangen zu saufen und Party zu machen, aber um halb zehn saßen Nino und ich, die beiden „Alten“ ganz allein beim Bierchen draußen. Die anderen sind alle ins Bett gegangen! Solche Luschen!

Am letzten Tag haben wir uns noch einen anderen See angesehen, zu dem wir etwa eine halbe Stunde durch den Busch laufen mussten. Dort fällt eine riesige Sanddüne direkt ins Wasser ab und man kann sich wunderbar von oben runterrollen lassen! Auf dem Rückweg vom See latschen wir so durch den Wald, als der Nino auf einmal „Vorsicht Schlange!“ ruft. Ich habe mich total erschrocken und dann die echt große Python vor uns auf dem Weg gesehen. Die lag da einfach nur rum und hat sich gesonnt. Nach ein paar Minuten hat sie sich dann ganz langsam den Hügel rauf und ins Unterholz geschlängelt. Wir standen ganz still nur etwa einen Meter entfernt und haben sie aus nächster Nähe sehen können. Als wir auf der Fähre Richtung Festland waren, war ich irgendwie doch ganz froh, die ganzen Mini-Engländer wieder loszuwerden. Mit einer anderen Gruppe wäre der Ausflug sicherlich noch schöner gewesen, aber die kann man sich halt nicht aussuchen. Trotzdem war Fraser einen Ausflug wert und das Jeepfahren am Strand war schon super…

  Von Fraser ans Great Barrier Reef

Nach einer kostenlosen Nacht im Hostel (endlich mal warme Duschen und wieder Wäsche waschen) sind wir weiter nach Norden gefahren. Und auf einmal hört die Zivilisation auf. Wenn man aus dieser Touristen-Strecke um Surfers Paradise, Noosa etc. rauskommt, dann ist da auf einmal hunderte von Kilometern nichts mehr. Der Highway sieht aus wie bei uns eine Landstraße. Die LKW rasen mit ihren Anhängern mit mindestens 120 km/h entlang und wir tuchern immer dazwischen rum. Wenn es Abend wird, muss man auf die Kängurus aufpassen, die dann über die Straße springen. Wir haben irgendwo in einem minikleinen Ort angehalten und dort am Stranßenrand gecampt.

In Agnes Water, gleich beim Örtchen 1770 haben wir einen perfekten Parkplatz gefunden, direkt am Strand und mit BBQ und Waschhäusel, auf dem schon einige andere Vans standen. Wir sind gleich drei Nächte dort geblieben und haben mit einem französischen Pärchen und einigen Deutschen dort abends gekocht und waren tagsüber surfen. In unserem Wave-Finder, einem kleinen Büchlein in dem die Surfspots Australiens mit allen relevanten Details aufgelistet sind, stand der Spot als „sharky“ beschrieben. Und wenn die das schreiben, dann heißt das normalerweise, dass dort wirklich viele Haie zu finden sind. Wir sind trotzdem ins Wasser, die Wellen waren nicht super schön, aber wir haben unseren letzten Spot in Australien trotzdem genossen und keinen Hai gesehen. Aber das Gefühl, dass es dort Haie gibt und die direkt neben oder unter einem sein könnten, ist schon nicht so angenehm. Ich bin echt froh, dass ich nie einen gesehen habe, sonst wäre ich glaub ich nicht mehr gerne ins Wasser gegangen.

Von dort aus sind wir nach Airlie Beach gefahren und hatten einen Segeltrip um die Whitsunday Islands am Great Barrier Reef gebucht. Wir waren auf einem Racing-Segler, der Apollo, die in den 90er Jahren alle großen Rennen der Segelwelt gewonnen hat und somit eine echte Rennziege ist. Das Innenleben ist zwar nicht ganz so komfortabel wie bei einer Bavaria oder so, aber die Segelgröße und die Winschen sind einfach riesig!

Also wir frühmorgens in der Marina angekommen sind, waren die anderen 24 Mitsegler auch schon dort und wir erleichtert darüber, dass die alle ganz nett aussahen und nur wenige englische Kids dabei waren. Wir haben unsere Goons, den billigen Wein in Kanistern, an Bord gehieft und uns eine minikleine Doppelkoje ausgesucht. Die Besatzung bestand aus einem sehr jungen Skipper, einem Tauchmaster, einem Helfer und dem Koch. Der Koch war auch echt der wichtigste Mann in den kommenden drei Tagen, die Engländer waren wieder sehr hungrig und der hat wirklich zweimal am Tag in einer zwei Quadratmeter großen „Küche“ mit nur einer Gasherdplatte für 30 Leute richtig gut gekocht.

 

Am ersten Tag war ein kostenloser Schnuppertauchgang inklusive und Nino hat mich dann überredet, es endlich mal auszuprobieren. Also habe ich meinen ersten Tauchgang auch hinter mir. Wir waren vier Mädels und die anderen haben so rumgehühnert, dass wir nur kurz unten waren und nicht tiefer als vier oder fünf Meter. Die konnten einfach nicht untertauchen. Ich war dann immer unten und musste warten und dann wieder hoch und wieder runter und so weiter für 20 Minuten. Ich fands nicht so schlimm, aber auch nicht so super… die kommenden Tage bin ich nur beim Schnorcheln geblieben. Wir mussten leider jedes mal, wenn wir ins Wasser gegangen sind so Anzüge anziehen wir dünne Neoprenanzüge, die gegen die tödlichen Quallen in diesem Gebiet schützen. Das war nicht so richtig Segel-Feeling, wenn Du jedes mal erst in so ein Ganzkörperkondom schlüpfen musst. Aber das Wasser war dafür toll, schön warm und klar und das Great Barrier Reef, das ich dann erschnorchelt habe einfach wunderschön.

 

Sieht aus wie ein Aquarium, überall bunte Fischschwärme und auch große Fische. Und die ganzen Korallen sind so bunt, dass man denken könnte, sie seien angemalt. Leider ist das Riff an einigen Stellen schon ziemlich kaputt und abgestorben, weil einfach zu viel Touristen dort rumtauchen und Dinge anlangen und draufstehen.

Die Nacht haben wir ohne Wind oder nur die kleinste Welle in einer Bucht verbracht, die aussah wie ein norwegischer Fjord. Ich hatte mir das alles ein wenig „karibischer“ vorgestellt, aber die Nadelbäume ringsrum lassen nicht so ein Südsee-Feeling aufkommen. Nach ein paar Gläschen Goon sind wir in unsere Koje gesunken und mussten uns das unüberhörlich laute Schnarchen von einer der Engländerinnen wegdenken, damit wir schlafen konnten. Die hat wirklich soo laut geschnarcht, dass wir im Heck die aus dem Bug durch eine Stahltür durch laut und deutlich hören konnten. Die armen Leute, die mit ihr vorne geschlafen haben…

Am zweiten Tag sind wir zum berühmten Whitsunday Beach gefahren, ein schneeweißer Sandstrand mit ganz seichtem und pipi-warmen Wasser, der sich an die Hauptinsel der insgesamt 74 Inseln schmiegt. Von einem Aussichtspunkt auf einem Hügel konnte man unten im Wasser hundert von Stachelrochen schwimmen sehen. Wir sollten nicht so weit ins Wasser gehen, weil dort auch gerne Haie mal ein wenig auf die Jagd gehen, also bind wir nur im knietifen Wasser mit unseren Anzügen rumgepaddelt. 

 Der Sand war dort so weiß, dass man ohne Sonnenbrille gar nichts mehr sehen konnte. Nach einem weitern Tauch- und Schorchelstopp in einer schönen Bucht, in der wir wirklich unglaublich viele bunte Fische und riesige runde und exotische Korallen gesehen haben, sind wir wieder zurück in die gleiche Übernachtungsbucht gefahren, weil der Wetterbericht für den nächsten Tag starken Wind vorausgesagt hat und die Bucht gut geschützt ist.

Auf der Fahrt dorthin ist es dunkel geworden und der Mond ist aufgegangen, wir saßen an Deck und haben Goon getrunken und von unten kam schon der Abendessen-Geruch nach oben. Superschön. Da wusste ich wieder, warum ich das mit dem Segeln so gerne mag. Auch wenn es wirklich eng war bei uns. Mit 30 Leuten auf so einem Schiff, auch wenn es groß ist, ist einfach sehr eng.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen sind wir mit dem kleinen Dingi an Land der nächsten Insel gefahren worden, sind dort durch den Wald bis zu einer Höhle gelaufen und haben uns Höhlenzeichnungen von Aborigines angesehen. Die waren in der Gegend noch bevor sie dann systematisch vertrieben worden sind und haben dort gefischt. Weil so viele Fischen von Tigerhaien gefressen wurden, haben sie in einen Felsen über der Bucht zwei große Augen als Opfer für die Haie geschlagen. Der Legende nach haben die Attacken der Haie danach aufgehört. Na hoffentlich hält das noch an!

 

Von der Kultur der Aborigines bekommt man hier wirklich fast nichts mit. Außer ein paar bemalte Bumerangs oder Didgiridoos in den Läden sieht man die Ureinwohner fast nur als Penner auf der Straße. Es ist schlimm, wie diese Kultur systematisch ausgerottet wurde und es jetzt nicht schafft, sich in das moderne Leben neu zu integrieren oder sich davon zu emanzipieren. Die Nachkommen der Ureinwohner sind die sozial Schwachen, die Penner und Asozialen. Zumindest erscheinen sie so in der Öffentlichkeit. Es gibt eigentlich keine dunklen Familien, die an den Stränden sind, im Supermarkt einkaufen oder im Bus sitzen. Es gibt schlimme Geschichten über Kindesmissbrauch und Vergewaltigungen in den Dörfern der Aborigines und viele Gerichtsverfaheren deshalb. Viele Erwachsene seien Alkoholiker, was zu einem schlimmen Problem in den Dörfern geworden ist, da die Kinder zum großen Teil völlig ohne Aufsicht sind. Ein Ureinwohner oder deren Nachkommen bekommen vom Staat Häuser gestellt, monatliche Wiedergutmachungs-Zahlungen und freien und kostenlosen Zugang zu Schulen und Universitäten. Und trotzdem gibt es einfach keine Integration dieser Menschen. Eigentlich würden nur die Zahlungen angenommen, die Häuser seien leer und die Kinder kämen trotz Taschengeld vom Staat nicht in die Schule. Die blieben unter sich und fielen in der Öffentlichkeit nur negativ auf. Viele Leute hier sind sehr negativ gegenüber diesen Menschen, schon fast rassistisch und haben Angst vor ihnen.

 

Es gibt immer wieder Geschichten von Leuten, die viel in ihrem eigenen Land reisen, dass sich die Ureinwohner in deren Gebieten hier im Norden des Kontinents um nichts kümmern, ihre Häuser verfallen lassen, Kinder nicht zur Schule schicken und das gesamte Geld für Alkohol ausgeben. Viele Australier sind der Meinung, dass diese Kultur sich einfach nicht mit der importierten weißen Kultur der Engländer verträgt und nur daneben, aber nicht damit existieren kann. Deshalb gäbe es keinen Austausch und der Versuch, die Kulturen getrennt voneinander und nebeneinander existieren zu lassen sei noch nicht alt genug, dass die Aborigines sich erholen können. Ich versuche immer vorsichtig mit solchen Schilderungen von „Weißen“ zu sein, aber ich habe leider auch noch nichts anderes gesehen. Vielleicht haben wir in Darwin noch die Möglichkeit, uns unser eigenes Bild machen zu können. Ein besseres. Im Gegensatz zu Südamerika gibt es hier also bisher keine alte „Kultur“ zu sehen und zu erfahren. Alles ist sehr neu, jung und europäisch. Von der Kultur der Aborigines haben wir bisher gerade mal ein paar Steine und Malereien gesehen. Es gibt so genannte Kulturstätten der Aborigines, aber dort werden höchstens ein paar Bumerangs bemalt. Es gibt nicht wie in Südamerika Märkte mit Heilkräutern und Hexen, heilige Stätte überall und Geschichten. Die einzige wichtige Stätte ist der Ayers Rock, genannt Uluru, aber den werden wir nicht zu sehen bekommen, da ein Trip dorthin mindestens 500 Dollar kostet und das bei uns einfach nicht drin ist. Aber ich habe von Leuten gehört, die dort waren, dass es genau die gleiche Touristen-Abzocke ist wie überall an der Ostküste. Nix mit Aborigines-Kultur und Erfahrungen dieser alten und mystischen Kultur. Nur bemalte Bumerangs und Postkarten. Schade. Da freue ich mich wieder auf Asien mit ihren Tempeln und Bräuchen und Geschichten.

Am dritten Tag auf dem Segelschiff hatten wir dann endlich mal wieder ein bisschen Wind und Nino und ich durften helfen, die Segel zu setzen. Kurz habe ich auch ans Ruder gedurft und natürlich gleich Foto gemacht! Der große Wind, der vom Wetterbericht angekündigt worden war, ist leider ausgeblieben und wir sind eher gemütlich zurück zu Airlie Beach geschippert. Nach drei vollen Tagen und zwei Nächten waren wir also wieder zurück und es war echt eine super schöne Tour um die berühmten Inselchen.

 

Die letze Etappe bis Cairns – Angeln in Magnetic Island

Auf dem Schiff haben wir ein Pärchen vom Bodensee kennengelernt, die normalerweise immer in Hostels wohnen und mal campen gehen wollten. Wir haben die beiden in den Van geladen und sind auf die Magnetic Island gefahren. Von Townsville aus haben wir die Fähren genommen und sind mitsamt dem Van auf die kleine Insel gefahren.

Dort haben wir dann einen auf alternativen Selbstversorger gemacht, haben Cocosnüsse „geerntet“, waren Angeln und haben damit unser Abendessen (ausser dem Reis) selbst gefangen. Ich habe am zweiten Tag einen riesigen Fisch aus dem Wasser gezogen – mit einer ganz einfachen Handangel. Wir haben kleine Stücke Schrimps als Köder genommen und die Fische haben echt sagenhaft gut angebissen. Den allerersten „Fisch“, den wir an der Angel hatten, war ein Stachelrochen, den Nino an Land gezogen hat.

 

Zum Glück war gerade so ein alter skurriler Mann bei uns und hat uns ein wenig erklärt, wie wir das machen sollen mit dem Angeln, der den Stachelrochen dann vom Haken entfernt hat und ihn zurück ins Meer gelassen hat. Als nächstes hat Anja einen Kugelfisch an Land gezogen, den wir nicht mehr vom Haken bekommen haben. Am nächsten Tag sind wir auf einen Steg rausgegangen und auf einmal hat bei mir echt ein riesen Fisch angebissen! Ich konnte ihn kaum mit meiner kleinen Handangel rausholen! Der war unser Abendessen für vier Leute! Endcool… Insgesamt an drei Abenden hatten wir genügend Fisch für vier Leute zum Abendessen.

Das hat echt Spaß gemacht und nach dem ersten Fisch war unser Ehrgeiz geweckt. Wegen der Haie und tödlichen Quallen darf man hier oben nirgends mehr ins Wasser und so mussten wir uns eine neue Beschäftigung suchen.

Abends saßen wir dann auf einem Campingplatz mitten in einem Nationalpark vor unserm Van und die ganze Zeit sind kleine Opossums um uns herum gehüpft, weil es so gut nach Fisch gerochen hat. Auch die ganz kleinen Kängurus sind in den Büschen gehüpft und riesige Fledermäuse über unsere Köpfe gerauscht. Wie im Zoo! Die Opossums haben gar keine Angst und klauen echt frech alle, was sie in die Finger bekommen, auch wenns im Rucksack ist.

Nach einem weiteren Tag Camping in Mission Beach, wo es uns mal wieder eingeregnet hat, sind wir auf dem Weg nach Cairns auf eine Krokodil-Farm gefahren und haben dort  bei einer Fütterung zugesehen. Die sind wirklich groß die Dinger – und laufen teilweise hier frei herum. Sie werden bis zu fünf Meter lang und fressen alles, was sich in Wasser-Nähe, auch am Strand, bewegt! Und wir waren am Abend davor noch am Strand angeln – bis zu den Waden im Wasser – im Dunkeln! UUUUhhhh…..

Als die Krokodile satt waren, durften wir ein Baby-Krokodil in die Hand nehmen und uns eine echt fette Schlange um den Hals legen lassen. Fühlt sich schon komisch an, wenn so eine Würdeschlange dann mal ihre Muskeln anspannt und dabei um Deinen Hals liegt! Aber ich habe tapfer in die Kamera gelächelt…

 

 

Cairns – das Ende von Coco dem Van

Abend sind wir dann in Carins, unserer final destination angekommen und mussten unseren liebgewonnenen Van zum Verkauf herrichten. Wir haben in einem Hostel einen Stellplatz für den Van bekommen und pennen hier im Innenhof für Billig. Also wir abends losgegangen sind, haben wir gleich wieder Leute vom Segeltörn getroffen. Alle enden hier und fahren dann entweder heim oder suchen sich einen Job – manche in den Bergen von Australien, wo jetzt Schnee liegt – gell André? In Australien und dann im Schnee – nix für mich…

Als wir vorgestern angefangen haben unsere Verkaufszettel aufzuhängen, haben wir schnell gesehen, dass hier die genau falsche Zeit ist, einen Van zu verkaufen. Alle fahren heim, der Sommer ist noch zu weit weg und die Preise sind im Keller. Jeden, den wir gefragt haben, hat uns bestätigt, dass es im August wieder hoch hergeht und die Preise nach oben schießen. Als auch bei aggressiver Beflyerung wirklich niemand, kein einziger Interessent angerufen hat, haben wir einsehen müssen, dass wir einen Alternativplan brauchen, um den Van nicht für einen Dumpingpreis hergeben zu müssen. Dafür ist er einfach zu viel wert und uns zu sehr ans Herz gewachsen. Verzweifelte verkaufen ähnliche Vans für 1000 Dollar! Traurig.

 

Nach einigem ermüdenden Hin und Her haben wir uns entschlossen, dem deutschen Pärchen, das mit uns gereist ist ein wirklich gutes Angebot zu machen: Sie bekommen den Van von uns geliehen, ohne etwas dafür zahlen zu müssen und verkaufen ihn dafür im August für uns in Perth. Dort fängt dann er Sommer an, neue Traveller kommen und die Preise sind wieder oben – wurde uns von vielen Leuten gesagt. Dorthin wollen sie in den nächsten Monaten und hatten sich überlegt, einen Van zu mieten für die Zeit. So haben wir alle was davon. Wenn alles gutgeht. Falls die den Van zu Schrott fahren, bekommen wir nur einen Mini-Preis von ihnen gezahlt, in etwa das was wir auch hier bekommen würden, falls aber alles glatt geht, bekommen wir in einigen Monaten noch einmal in etwa das, was wir reingesteckt haben.

Nachdem diese Entscheidung gefällt war und Nathan und Anja sich auf ein paar Monate kostenlosen Van freuen können, ist die Stimmung wieder ein wenig entspannter und wir planen noch ein paar Tage am Kap Tribulation, ganz im Norden und wollen noch ein bisschen angeln gehen! Konnte ich mir nie vorstellen, dass ich das gut finde, aber das „Fische-verarschen“ macht echt so Spaß, vor allem wenn was anbeißt. Außerdem waren wir nun einige Tage in Cairns und haben eigentlich alles gesehen. Man kann nicht viel machen hier, abends ins Pub und Happy Hour trinken oder shoppen. Es hat immer noch geregnet die letzten Tage und heute ist der erste schöne Tag seit einer Woche.

In einer Woche fliegen wir von Cairns aus nach Darwin, machen noch eine Tour durch einen der Nationalparks dort und am 8.6. geht’s dann weiter zur letzten großen Etappe auf der Weltreise – Asien. Die erste Destination ist Bali, wo wir etwa vier Wochen bleiben wollen. Dafür mussten wir in den letzten Wochen noch ein verlängertes Visum beantragen, da man bei Einreise in Indonesien nur ein 30-Tages –Visum erhält. Man kann aber in der indonesischen Botschaft in Sydney ein 60-Tages –Visum beantragen, das kostet einen dann 60 Dollar und ist nicht ganz so leicht zu bekommen. Wir haben aus Byron Bay unsere ganzen Unterlagen hingeschickt, inklusive unserer Pässe! Als Adresse haben wir das Postamt in Cairns angegeben, um die Pässe mit den Visa dort abzuholen. Ist schon ein komisches Gefühl, auf einer Weltreise einige Zeit ganz ohne Pass zu sein, neben der Kreditkarte das wichtigste Stück überhaupt. Als wir vor einigen Tagen zur Post gegangen sind und unsere Pässe wirklich dort waren und das Visum drin war, war ich schon sehr erleichtert!

Unser Aufenthalt in Australien nähert sich also rasant dem Ende und ich finde es einerseits schade, weil damit ein weiterer Teil der Reise zu Ende geht, aber auch erleichtert, weil wir endlich wieder in ein günstiges Land kommen. Australien ist einfach zu teurer zum Backpacken. Das war vielleicht vor einigen Jahren mal so richtig Backpacker-freundlich, aber jetzt hat man oft nur das Gefühl, regelrecht ausgenommen zu werden. Auch basic ist teuer, in Supermärkten lässt man so viel Geld, dass sich auch Selberkochen oft nicht rechnet. Ein Bett im 10er Schlafsaal kostet bis zu 30 Dollar! Die Touren sollten den  Zusatz „luxus“ haben und sogar Bustickets sind so teuer, dass es sich teilweise sogar lohnt zu fliegen. Ich habe auf der ganzen Reise kein Land gesehen, dass fürs „Backpacken“ (also junge Leute mit Rucksack, die meistens lange Zeit reisen möchten und kein Vermögen im Rücken haben) eigentlich völlig ungeeignet ist. Das einzige, was dieses Land als Reiseland ausmacht, ist, dass es super schön ist, über Hostels überall verfügt und touristisch völlig erschlossen ist.

Ich würde nur noch einmal herfahren mit viel Kohle! Viele Dinge kann man nicht sehen und machen, weil es einfach zu teuer ist. Die meisten Leute, die wir treffen, müssen ihre Reisezeit verkürzen und fliegen schon nach wenigen Wochen wieder nach Hause – das kann einfach nicht der Sinn vom Reisen sein. Manche wenige bleiben die gesamte Zeit, müssen aber viele Jobs machen, die so schlecht bezahlt sind, dass nur die laufenden Kosten gedeckt werden und man nichts sparen kann für weitere Unternehmungen. Viele Farmer nehmen die armen Backpacker aus, bieten ihnen schlecht bezahlte Jobs an, aber die Leute müssen bei ihnen wohnen und bezahlen dafür so viel, dass sich das Arbeiten nicht lohnt. Da bleiben dann vielleicht 100 Dollar in der Woche übrig, damit kann man hier keine großen Sprünge machen. Wir haben hier in nur drei Monaten doppelt so viel Geld ausgegeben wie in sechs Monaten Zentral- und Südamerika. Und dort haben wir alle Touren gemacht, sind immer essen gegangen und haben uns auch sonst viel geleistet. Hier dagegen haben wir Leute im Van mitgenommen, um Sprit zu sparen, kostenlos übernachtet, immer selber gekocht und einige Dinge, die wir gerne gesehen oder gemacht hätten, ausgelassen.

Trotzdem war Australien eine schöne Zeit, wir haben viel gesehen, nette Leute kennengelernt und eine super Zeit beim Abenteuer-Campen in unserem geliebten Van gehabt. Byron Bay war mein absoluter Favorite-Spot, auch wenns viel geregnet hat, wir haben einen haufen Tiere gesehen und das Great Barrier Reef.  Das Segeln auf dem Rennschiff war richtig super und ich bin nicht von irgendeinem schlimmen Tier gebissen oder gestochen worden. Glück gehabt!

Jetzt freue ich mich auf Bali, gute Wellen, Sonne und ein wenig Luxus. Bis dahin Bussi, bussi und goodbye!

 

  

Byron Bay – Tschüß! Auf zu neuen Ufern…

Mittwoch, April 30th, 2008

Bildquelle: http://www.bbels.com.au/photos.html 

Nach fast einem Monat in Byron Bay werden wir in zwei Tagen von hier aufbrechen und uns weiter Richtung Norden und in die Wärme bewegen. Die Zeit in Byron Bay haben wir mit viel Surfen und Strandchillen verbracht, haben nette Leute kennengelernt und ein bisschen gearbeitet (nee, das macht immer noch nicht richtig Spaß…;)). Gewohnt haben wir bei Jo, einer jungen Mama mit ihrer Tochter Ella und ihrem brasilianischen Freund Diego, genannt „D“. Die haben unsere Zeit hier auf jeden Fall bereichert! Es ist immer interessant, in das Leben von fremden Leuten einzutauchen und deren Alltag mitzuerleben. Manchmal denke ich, dass man dabei ein Land viel besser kennenlernt als wenn man seine Sehenswürdigkeiten besichtigt.
Unsere kleine Madame im Haus, Ella, wird uns sicherlich vermissen. Die Fünfjährige hatte jede Menge Spaß daran, uns zu ärgern und unsere Kekse zu essen. Da ihre Mama gerade einen Laden mit Kinderkleidung hat, hat die Kleine mehr Fasion-Kleidung als jede meiner Freundinnen daheim! Ich konnte da mit meinem 35-Liter-Gepäck natürlich auch nicht mithalten… Jo hat mir ein paar ihrer alten Sachen vermacht, die ich liebend gerne genommen habe, von denen ich aber weiß, dass ich sie wieder hierlassen muss, weil das alles einfach nicht in den Rucksack passt.


Zwischenzeitlich musste Jo Paul, dem Papa der Kleinen, weichen, der getrennt von ihr ist, in Neuseeland lebt und seine Tochter für zehn Tage besucht hat. Er hat auch noch einen Sohn mitgebracht, der unser Haus-Gespann dann komplett gemacht hat. Ich kann nur sagen, es wurde nicht langweilig!

Das Haus ist wunderschön, ganz klein und relativ alt, ganz aus hellem Holz und mit einem Balkon, von dem man aus das das Meer sehen kann. Ich stehe jeden Morgen auf, mache die Zimmertüre auf, stelle mich auf den Balkon und schaue, wie Wetter und Wellen sind. Abends hat man einen super Sonnenuntergang vom Balkon und eine super Sicht. Wir machen oft BBQ am Abend und sitzen dann noch ein wenig dick eingemummelt dort und genießen die gute Sicht.
 


Vom Haus kann man zu Fuß in einer Viertelstunde zum „Pass“ laufen, dem nächsten Spot von hier aus und ich gehe oft auch nur für eine Stunde schnell runter, reihe mich in die auf Wellen wartende Menge ein, surfe wenn ich Glück habe ein bisschen und laufen dann klitschnass wieder nach oben. Der Spot ist wirklich fast immer gut, aber leider in Laufweite vom Dorfzentrum und daher meist voll. Eigentlich müsste man jeden Tag schon um acht dort sein, um ein wenig Ruhe zu haben, aber so früh schaffe ich es meistens nicht… Einen Tag haben wir uns das Longboard von D ausgeliehen und haben ein wenig das “cruisen” in kleinen Wellen genossen. Longboarden ist schon sehr gechillt, man muss kaum paddeln und bekommt trotzdem jede Welle. Wenn man dann auf dem Brett steht, kann man darauf vor und hinter laufen, ohne dann groß was passiert. Nur mit den Kurven, das klappt bei mir noch nicht so ganz auf dem riesen Ding. Teilweise war es knapp davor, dass ich andere Leute über den Haufen gefahren habe und mich und sie nur durch Abspringen und lautes Rufen vor einem harten Zusammenprall mit dem großen Brett retten konnte. Ich bin so klein im Gegensatz zu dem großen Brett, dass es eher mit mir fährt als ich mit ihm…

Da wir anfangs hier so Pech hatten mit dem Wetter und es einfach zwei Wochen mal geschüttet hat, konnte es nur noch  besser werden in den folgenden Wochen. Und das wurde es dann auch.

Nino hat sich bei der Tauchschule freie Tauchgänge erarbeitet, ich hatte kurzzeitig einen Job in einem Restaurant und dann sind wir beide doch bei Travel Bugs, einer Reiseagentur gelandet, wo wir uns gerade eine weitere Tour erarbeiten. Wir wollen uns das Great Barrier Reef noch genauer anschauen und eine Segeltour durch die Whitsunday Islands machen, uns Fraser Island anschauen und die schönen Strände dort oben. Wenn wir Glück und genügend Stunden Arbeit haben, dann bekommen wir das ganz umsonst. Das wäre ganz gut, denn mein Geld geht hier ziemlich schnell zu Neige. Australien ist unglaublich teuer und selbst bei sparsamem Lebensstil und Dazuverdienen rauscht mir das Geld so durch. Wir haben uns deshalb entschlossen, die Zeit in Australien ein wenig abzukürzen und dafür mehr Zeit in Asien zu haben. Wir fliegen daher schon gut einen Monat früher nach Bali als zunächst geplant, also im Juni. Dort ist es dann auch wieder ein wenig wärmer, hier wird es gerade Winter und wirklich  frisch. Ich habe nicht gedacht, dass ich meine Alpaka-Socken in Australien rausholen muss… Nachts ist es so frisch, dass man nicht mehr draußen sitzen kann ohne dicken Pulli. Trotzdem hat es tagsüber so um die 25 Grad, man kann am Strand liegen und das Wasser ist sogar wärmer als die Luft. Aber wir waren so verwöhnt, dass wir das schon als frisch empfinden… wie soll das nur wieder zurück in Deutschland werden?

Einen Abend haben wir mit Leuten von der Tauchschule am Strand verbracht und dabei ist unter anderem dieses unwirkliche Bild entstanden – hier schwenkt jemand diese Leuchtdinger bei Langzeitbelichtung…

Morgen Abend, an unserem letzten Abend, treffen wir nochmal die ganzen Leute aus der Reiseagentur, machen ein BBQ bei uns zu Hause und stürzen uns dann noch ein letztes Mal ins Byron Nachtleben – mit drei Clubs! Dieser Ort ist echt Wahnsinn, so klein und dafür aber richtig Nachtleben und Bars. Es gibt nur eine Straße, in der sich alle Geschäfte, Restaurants, etc. aneinanderreihen, dort trifft man jeden und jeder weiß gleich über alle Neuigkeiten Bescheid – wie in Schoni nur am Meer!

 Diesmal also keine aufregenden neuen Erlebnisse, außer vielleicht, dass wir vor vier Wochen den Van auf einmal nicht mehr starten konnten – die elektronische Wegfahrsperre war kaputt und deshalb konnte man einfach nicht mehr wegfahren! Wir haben zum Glück am Anfang hier eine Mitgliedschaft bei der NRMA, dem hiesigen ADAC, abgeschlossen und haben diese dann angerufen. Ein Mechaniker kam auch nach nur einer halben Stunde, konnte uns aber auch nicht helfen und wir mussten abgeschleppt werden. Zum Glück hat es genau dann auch noch zum Schütten angefangen und wir standen mit einem kaputten Van irgendwo in Byron Bay… Die haben uns dann zur Tankstelle geschleppt und wir mussten den Van über Nacht dalassen und als wir ihn am nächsten Tag abgeholt haben, hat uns das schlappe 200 Dollar gekostet! Das war Pech!

Hier drunter sind noch die Links für unsere letzten Bilder seit Silvester – einfach reinschauen!

Ich melde mich bald mit neuen Erlebnissen aus Australien, bis dahin Bussi, bussi und see ya!

Sonnenuntergang vom Balkon…

Pics von Peru bis Australien

Montag, April 14th, 2008

So und für alle, die noch nicht genug haben, gibts hier nochmal jede Menge Fotos ab Neujahr. Viel Spaß!

Von Punta Sal bis zum Titicacasee (Peru)
Bolivien & Chile
Australien bis Byron Bay

Gold Coast, Surfer’s Paradise und Sunshine Coast – Regen in Australien

Mittwoch, April 9th, 2008

 

Nach einem Check unseres gemeinsamen Reisekontos haben wir spontan entschieden, dass es jetzt allerhöchste Zeit wird, ein wenig zu arbeiten und Geld wieder rein zu schaffen. Aber dazu sollte es natürlich ein schöner Ort sein, an dem wir ein oder zwei Monate verbringen. Byron Bay hat uns schon sehr gut gefallen und wir haben beide gesagt, dass wir uns vorstellen könnten, hier einige Zeit zu bleiben. Allerdings haben wir auch so viel Gutes über den Teil nördlich von hier gehört, dass wir entschlossen haben, uns dort noch einige Orte anzusehen, bevor wir uns entscheiden, wo wir bleiben.

Wir sind von Byron Bay also aufgebrochen und erst mal ins Landesinnere, nach Nimbin, gefahren. Nimbin ist eine Hippie-Stadt in den Hügeln von Australien, die in den 70er Jahren nach einem Studententreffen mit dem Motto „Miteinander“ oder so einen riesen Aufschwung erlebt hat und in der das Konsumieren von Marihuana inoffiziell erlaubt ist. Es ist natürlich auch hier illegal, wird aber geduldet. Auch der Anbau und das Zur-schau-stellen von allem, was damit zu tun hat, sind hier nicht untersagt. Nimbin hat sich da so eine Lücke, eine Sonderstellung  bewahrt und ist zu einer Touristenattraktion damit geworden, so dass der Staat auch nicht wirklich was dagegen hat. Wir sind also mit unserem Retro-Bus dorthin getuckert (bergauf ist es wirklich nur ein leises Tuckern) und haben uns die Shops mit Hanf-Klamotten, Räucherstäbchen und dem größten Joint der Welt (an der Decke hängend) angeschaut. Neben sonnenverbrannten Touristen laufen noch fast echte Hippies rum und viele gescheiterte Existenzen. Überall wird einem Gras angeboten und es schient alles darauf ausgerichtet zu sein, möglichst dicht zu sein.  Nach einem Nachmittag dort sind wir ein kleines Stück durch Dirtroads (ungeteerte Straßen) in die Hügellandschaft reingefahren und haben eine Nacht auf einem Rastplatz bei den Minyon Falls verbracht.

Rastplätze sind in Australien nicht so wie in Deutschland geteerte Parkplätze mit greller Beleuchtung, sondern nett hergerichtete Campingplätze, die nichts kosten. Man hat immer Toiletten, manchmal sogar kalte Duschen (umsonst) und es gibt die Barbecue-Plätze. Das sind Klötze, die Metallplatten eingelassen haben, die man wie einen Grill nutzt. Die Platte wird auf Knopfdruck ganz heiß und man legt seine Würstel, Fleisch oder Fisch einfach auf die heiße Oberfläche.

Diese Dinger sind wirklich super praktisch und stehen einfach überall. Daneben gibt es meistens noch überdachte Bänke und Tische, auf denen man gemütlich essen kann. Selbst an den Strandanlagen, in abgelegenen Gebieten oder teilweise mitten in der Stadt stehen die und man muss manchmal Glück haben, wenn einer frei ist.

 Die Australier sind die Grill- und Camping-Könige! Sie bleiben überall stehen und machen mit der ganzen Familie und Freunden Barbecue. Auch beim Campen sind sie soo ausgerüstet, dass wir mit unserem kleinen Van manchmal ziemlich alt aussehen. Geschäfte für Campingequipment sind riesengroß und es gibt einfach alles! Die machen auch sehr viel Urlaub im eigenen Land. Aber in so einem großen Land ist das auch verständlich. Wir sind alleine in den letzten Wochen schon über 5000 km gefahren – wenn wir das von Deutschland aus machen würden, wären wir längst in Afrika oder so. Das nächste Ferienziel der Australier ist noch Bali, aber nach den Anschlägen dort will da gerade niemand mehr hin – also fahren sie einfach ihre Küste hoch oder runter und machen dort Urlaub.

Unser nächstes Ziel auf der Suche nach dem schönsten Ort hier war Tweeds Head, ein hervorragender Surfspot an der Goldcoast, aus dem Mick Fanning, der amtierende Weltmeister im Surfen kommt und der dadurch viel Popularität erfahren hat. Der Ort selber hat leider keinen richtigen Kern, besteht vielmehr aus vielen Hochhäusern am Strand entlang. Obwohl das noch schön gemacht ist, schöne Grünanlagen am Meer mit Picknickplätzen und viel Platz, wirkt der Ort doch steril durch die riesigen Hotels und FastFood-Ketten am Strip. Wir haben eine Nacht auf einem Parktplatz direkt am Kap verbracht und haben uns abends in den örtlichen Surf Life Saving Club auf ein Bierchen vor dem Dauerregen gerettet, der leider unsere ganze Fahrt angedauert hat. Als hier der Regen mal kurz aufgehört hat, sah die Bucht wirklich schön, aber halt sehr zugebaut aus.

Diese Clubs gibt es hier in jedem kleinen Örtchen und scheinen sehr wichtig zu sein. Als Nicht-Mitglied muss man sich registrieren und darf bestimmte Zonen nicht betreten. Das Life-Saving ist eine riesen Sache in Australien, es gibt Meisterschaften und man hat es in der Schule teilweise als Fach. Die Life-Saver paddeln auf den Knien mit einem extrem dicken Surfboard durch die Wellen nach draußen, retten dort eine Person und bringen die auf dem Brett in Sicherheit. Da es in Australien über 7000 Strände gibt, gibt es für die Jungs und Mädels einiges zu tun hier. Ich habe sie bisher nie im Einsatz, aber schon öfters beim Üben gesehen.

Nachdem wir uns bei Tageslicht noch ein wenig in Tweeds Head und im angrenzenden Coolangata umgesehen haben und keine der Wellen gut lief, haben wir entschlossen, gleich weiter Richtung Surfer’s Paradise zu fahren. Das ist DER Ort an der Küste, dort fahren alle Asiaten hin, dort ist immer Party und es ist der größte und belebteste Ort in der Region. Auf dem Weg dorthin sind wir schon an riesigen Shopping-Malls und vielen McDonalds vorbeigefahren. Unser nächster Stopp war Burleigh Heads, ein weiterer Surfspot auf der Strecke, wo wir an einem Barbecue Frühstück gemacht haben.

Und dann ist uns mal wieder so was typisch australisches passiert: Nino stand gerade noch im Van um das Frühstückszeug zusammenzusammeln, da hält ein Auto hinter dem Van, ein Typ redet Nino an, dass er ja Backpacking und Camping so cool findet und dass unser Van so toll ist. Dann fragt er uns, ob wir surfen oder boogie-boarden. Als Nino ihm sagt, dass wir surfen und keine Boogieboards haben, schenkt der Typ uns zwei fast neue Boogie-Boards, die er gerade aus seiner Garage aussortiert hat! Wir haben also neue Boogie Boards und wenn die Wellen nicht so gut sind, dann wird jetzt geboogieboardet. Wir konnten es erst gar nicht glauben, aber die sind wirklich so nett…

 Die Strände an der Gold Coast sind wunderschön,  einer geht in den anderen über, aber die Orte, die auch ineinander übergehen, sehen aus wie diese typischen Touristen-Retorten-Orte. Alles nur Hochhäuser, riesige bunte Schilder und kaum unbebaute Gebiete. Es läuft kaum einer auf der Straße, wenn er nicht joggen geht. Alle fahren Auto und alles hat einen Drive-In. In Surfer’s Paradies findet das dann alles seinen Höhepunkt. Hier gibt es eine Fußgängerzone, in der alle Touris gleichzeitig rumlaufen, der Strand ist direkt gegenüber und es sieht so aus, als ob dort niemand wirklich wohnt. Alles ist nur und zu 100% auf Touristen zugeschnitten, die sich dort zwei Wochen im Jahr in ihr Hotel hauen und sich die asiatische Haut am Strand verbrennen lassen. Es sind viele ganz junge und dann wieder viele ältere da. Kaum Leute in unserem Alter.

Der Altersdurchschnitt am Samstag Abend war sehr niedrig und als die Families heimgegangen waren, waren noch ein paar Plastik-Blondinen und ihre schulpflichtigen Boyfriends unterwegs. Wir haben uns trotz allem und trotz des besch… Wetters einen netten Abend gemacht. Als wir in der Fußgängerzone ankamen, hatte gerade die Miss-Bikini-irgendwas-Wahl begonnen und 40 Bikinimädels sind einen Laufsteg hoch und runter gelaufen. Später haben wir uns mit zwei Bierchen an die Strandstraße gesetzt, als es gerade mal nicht wie aus Kübeln geschüttet hat, und haben uns die Leute angesehen.  Nachts haben wir unseren Van einfach in eine Seitenstraße am Strand abgestellt und dort gepennt. Weil wir schon länger nicht mehr duschen konnten, habe ich mich auf einen Caravan-Park eingeschlichen und dort einfach die Duschen mitbenutzt. Das ist immer gar nicht so einfach, denn natürlich machen das viele Leute und wollen sich dadurch Geld sparen (diese Parks kosten immer so zwischen 30 und 50 Dollar, gar nicht wenig) und deshalb haben die Parks Codes für die Duschen und Klos. Wenn man den nicht weiß, kommt man auch nicht rein! Aber den kann man sehr leicht rausfinden oder man findet jemanden, der einem die Tür aufhält, dann ist man auch drin.

Von Surfer’s Paradise sind wir nach Noosa gefahren, dem nördlichen Begrenzungspunkt der Sunshine Coast und dem letzten Ort mit Wellen, bevor die Reefs anfangen. Als wir dort nachmittags ankamen, mussten wir feststellen, dass der nächste Campingplatz noch mal fast 20 Minuten mit dem Auto von Strand weg ist. Auf dem Kap, an das sich der große Main Beach schmiegt, gab es wohl mal einen Caravan-Park, aber der war nicht mehr da. Und dort wild campen ist keine gute Idee. Der schicke und mondäne Ort hat zwei Ranger, die nachts auf Jagt nach Vans gehen und wenn man erwischt wird, kostet das schlappe 700 Dollar. Also haben wir uns die Hauptstraße am Meer bei Tag angesehen (und bei Regen) und entschieden, dass das alles ein bisschen zu schicki für uns ist. Neben den Boss- und Ed Hardy-Läden sind gealterte Diven unter durchsichtigen Regenschirmen spaziert und es gab kaum ein Café oder Bar, in die wir uns gesetzt hätten – ganz zu schweigen von öffentlichen Barbecues, in denen Surfer auf den Swell warten. Dazu war der Ort zu schick und teuer.

Nach einer Nacht in der Nähe von Noosa (ohne Wellen und mit viel Regen) haben wir also entschieden, dass wir den richtigen Ort schon längst gefunden hatten – Byron Bay.  Dort hat es uns beiden am besten gefallen, es ist nicht zu groß, nicht zu klein, wir können am Meer campen und es sind nicht nur Touristen, sondern viele jugendliche Traveller, Hippies und Aussteiger hier. Da sind wir dreihundert Kilometer durch den Regen wieder zurückgefahren und sind wieder in Byron Bay – bei Regen. Aber wenigstens sicher, dass hier der richtige Ort für uns ist, an dem wir einige Zeit verbringen wollen.

Der Wetterbericht sagt zwar, dass es noch die kommenden vier Tage regnen soll, aber es wird schon wieder schön werden – hey wir sind in Australien! Und dann ist Byron der schönste Ort im weiten Umkreis – für uns. Na dann, bussi bussi und bis bald in Byron!

Dienstag, April 1st, 2008

Nicht verpassen: Gewinspiel auf der Pics & Blogs-Seite!

Eine Woche Byron

Dienstag, April 1st, 2008

Es gibt wieder Neuigkeiten – drei neue Blögge, also am besten von unten anfangen! Viel Spass!

 

Seit einer Woche sind wir nun in Byron Bay und können uns immer noch nicht aufraffen… heute haben wir von unserem Nachbar auf dem Campingplatz mit den vielen Kindern, die uns morgens immer neugierig mustern, ein Longboard ausgeliehen und wollten hier vor der Tür ein bisschen damit rumsurfen.

 

Nino hat seine Unterwasser-Kamera eingesteckt und wir sind den langen Paddel-Weg nach draußen gestartet. Als wir endlich draußen waren, wir lagen zusammen auf einem Board und haben im Gleichtakt gepaddelt, ist die Kamera weg. Er hatte wohl die Tasche von der Boardshort nicht ganz zugemacht und in einer der Wellen muss sie wohl raus sein.

Wir haben also angefangen, rumzusuchen. Aber das Gebiet war einfach zu groß und die Strömung zu stark. Selbst mit Taucherbrille und bei langsamen rumpaddeln haben wir sie nicht mehr gefunden. Nach fast zwei Stunden in der prallen Sonne haben wir dann aufgegeben und sind langsam wieder hoch zu unserm Van.

Als wir oben ankamen und das ausgeliehene Brett zurückgeben wollten, fragt uns die Frau Nachbarin, ob wir eine Kamera verloren hätten, ein Junge hätte eine gefunden und als seine Mutter die Bilder auf der Kamera angesehen hat, hat sie unsern Bus gesehen und sucht nun nach dem Van. Wir sind sofort hin und wirklich, der Junge hat die Kamera beim rumpaddeln mit seinem Bodyboard im Wasser treiben gesehen und sie mit zum Strand rausgenommen. Da hatten wir mal wieder Glück!

Also bis bald und bussi, bussi!

Der ganze Bericht – Australien von Süden nach Norden…

Dienstag, April 1st, 2008

Wombats und andere Tiere

 

Auf der Halbinsel von Wilson’s Promitory gibt es einen Campingplatz, der im Wald liegt und direkt an einen der schönsten Strände grenzt, die ich hier bisher gesehen habe. Die Plätze liegen ein wenig versteckt zwischen Bäumen und man fühlt sich wie beim wild Campen.

Die nächsten zwei Tage haben wir hauptsächlich im Wasser und am Strand verbracht. Der Strand war super schön, weißer Sand und hellblaues Wasser. die Wellen waren perfekt – für uns und wir hatten viel Spaß dort. Leider ist das Wasser nicht wirklich warm dort und so hatte ich nach einer Stunde immer solche Erfrierungen (ohne Wetsuit…), dass ich mich erst mal wieder aufwärmen musste. Der Südpol ist halt doch nicht so weit entfernt und das Wasser wird einfach nicht warm dort.

 

Abends saßen wir nach vor unserem Van und haben ein Gläschen Wein gezwitschert, als es auf einmal im Dunkeln hinter mir raschelt. Als wir die Taschenlampe rausgeholt haben, haben wir einen riesigen Wombats gesegeb, der sich da auf der Suche nach Essen rumgetrieben hat. Die sehen ganz gruselig aus so im Dunkeln. Sind etwa so groß wie Schweine und behaart und starren einen aus kleinen dunklen Augen an. Nachdem er bei uns nichts gefunden hat, hat er sich wieder auf den Weg zu anderen Plätzen gemacht und ist im Dunkeln verschwunden. Als ich nachts aufs Klo musste, hatte ich aber schon ein bisschen Angst, ihm im Dunkeln im Wald nochmal zu begegnen…

 

Überhaupt sehen wir so viele Tiere hier und müssen keine Touren dafür machen. Nach Koalas, Papageien, Wombats und Kängurus haben wir letzte Woche auch Delpfhine gesehen, die in einer Bucht geschwommen sind. Man konnte rausschwimmen und mit ihnen spielen.

Diese Woche dann waren wir beim Surfen und auf einmal kam eine graue Flosse aus dem Wasser. Erstmal dachten natürlich alle an einen Hai, aber dann ist ein Delphin in der Welle aus dem Wasser gesprungen und hat mit den Wellen gespielt. Er war genau vor uns und wir konnten ihn richtig gut sehen. Das ist schon irre, wenn die soo nahe vor einem im Wasser sind. Die surfen genauso wie wir auch.

  

Ulladulla – Bondi Beach – Boomerang Beach – Evans Head – Byron Bay

 

DER ROADTRIP

 

Nach zwei Tagen sind wir von Wilson’s Prom aufgebrochen Richtung Norden, da wir uns mit Stu, Mette und Cooter verabredet hatten, uns an Ostern für das Byron Bay Bluesfestival zu treffen.

Auf der Fahrt nach Ulladulla stand in einem sehr kleinen Örtchen ein Tramper mit Rucksack und Hippi-Hose am Straßenrand, den wir natürlich gerne mitgenommen haben. David ist erst 20 und schon seit über zwei Jahren in Australien und Neuseeland unterwegs, spielt hervorragend Gitarre und hat jetzt so Heimweh, dass er direkt weiter nach Sydney gefahren ist, als wir ihn abgeladen haben. Als wir abends irgendwo in einem Wald auf einem Rastplatz waren, hat er uns noch auf der Gitarre selbst geschriebenen Songs vorgespielt und gesungen als „Bezahlung“ für die Mitfahrt. Als wir ihn am nächsten Tag rausgelassen haben, wollte er uns seinen alten Schnorchel schenken als Dankeschön für Wein und Kaffe, weil er einfach gar kein Geld mehr hat. Wir haben dankend abgelehnt und ihn und sein kleines Zelt winkend zurückgelassen. Würde mich aber nicht wundern, wenn wir den nochmal treffen…

 Die Strecke an der Küste entlang im Süden ist sehr wenig besiedelt und es gibt Stunden ohne auch nur ein einziges Haus zu sehen. Ein Ort besteht hier schon aus drei oder vier Häusern und es ist alles Wald.  

Ulladulla

 Nach guten 800 Kilometern haben wir in Ulladulla einen Zwischenstopp gemacht und dort einen Tag am Strand mit den Delphinen verbracht. Abends standen wir auf einem Rastplatz in der Nähe des Hafens, als ein zweiter Van auf den Parkplatz kam, der genau wie unserer ausgesehen (und gestunken) hat. Zwei deutsche Jungs (wir treffen am laufenden Band Deutsche – die schienen auch gerne zu campen…) sind aus dem hellblauen Mobil ausgestiegen und wir haben uns wieder mal einen Abend auf der Gitarre vorgespielt. Viele Reisende, die wir so kennenlernen sind noch sehr jung, kurz nach dem Abi oder sogar noch jünger und bereisen für einige Zeit Australien. Aber es ist auch so einfach hier zu reisen. Die Leute sind sehr nett und es gibt genügend kostenlose Campingplätze oder billige Backpacker-Hostels. Viele Leute reisen mit Bussen, die die Ostküste hoch und runter fahren. Es gibt kaum etwas anderes zu sehen, als die Ostküste und daran führt nur ein Highway entlang. Hier oben im nörlichen Teil der Ostküste ist es sehr bevölkert, ein Ort schließt an den nächsten an und es ist sehr touristisch. Ganz im Norden kommt dann das Great Barrier Reef und dort sind die meisten Tauch- und Segeltouristen. Hier in der „Mitte“, in Byron Bay sind viele Surfer, aber auch Familien, die Camp-Urlaub machen und am Strand abhängen.

Aber zurück nach Ulladulla (viele Orte haben hier ziemlich lustige Namen wie Nimbin, Woolongong oder Waggawagga) und unserer Weiterfahrt nach Byron.

  

Bondi-Beach 

Nach Ulladulla sind wir nur ein kurzes Stück nach Sydney gefahren und haben dort direkt am berühmten Bondi-Beach, dem Spot der Stars und Sternchen und der Strand-Babes eine Nacht einfach in einer Wohnstraße gepennt und sind abends noch ein bisschen in die Bars gegangen.

Am nächsten Vormittag waren wir in der Crowd noch ein paar Stunden surfen, bis es uns zu voll wurde und wir über die Harbour-Bridge weiter nach Forster, einem Ort auf einer Halbinsel etwa 400 Kilometer nördlich von Sydney einen Schlafplatz gesucht haben.  

Boomerang-Beach

Als wir vom Highway auf die kleinen Landstraße bis zum Kap abgebogen sind war es schon dunkel und wir haben kaum die Straße zwischen dem dschungeligen Wald gesehen. In einer Kurve lag auf einmal eine ziemlich große Schlange auf der Straße. Nino konnte gerade noch ausweichen und wir haben das Tier zwischen die Räder genommen. Sie war bestimmt 1,5 Meter lang, relativ dick und hell. Wir haben im Dunkeln nicht angehalten und nachgesehen, aber ich glaube, die war schon tot. Aber auf jeden Fall wussten wir ab da, dass es hier also Schlangen gibt. Und es gibt ja in Australien auch einige giftige…

 

Auf einem Parkplatz direkt am Strand haben wir uns abgestellt und geschlafen und hatten am nächsten Morgen einen wunderschönen Blick auf einen leeren Strand mit netten Wellen.

 Nach einem kleinen Brekky (ja, so nenne die ihr Frühstück – ist bei uns ja was für Katzen…) waren wir noch am Boomerang Beach surfen, haben mal wieder ein paar deutsche Jungs kennengelernt und sind mittags nach Evans Head aufgebrochen.  Evans Head In Evans Head wohnt Dops, die Oma von Cooter, der dort gerade auf dem Weg nach Byron zum Festival einen kleinen Besuchs-Stopp gemacht hat und wir waren eingeladen, dort eine Nacht im Garten zu campen.

 

Dops und Les, die Oma und der Freund (zwei ihrer Männer hat sie schon überlebt) sind beide Ende 70 und noch so fit, dass man es ihnen nicht abnimmt, dass sie schon so alt sind. Sie wohnen in einem netten kleinen Haus, haben sich letztes Jahr nochmal ein neues Haus gekauft und richten das jetzt schön her, haben einen Wirlpool auf der Terrasse, in den sie jeden Tag 20 Minuten quirlen und sind Experten im Skypen mit ihren Kindern, die auf der ganzen Welt verteilt sind.

Dops hat gerade einen neuen Herzschrittmacher bekommen und ist stolz darauf, dass sie jetzt wieder radeln kann und sich fit fühlt. Wir haben unseren Van in den Garten gestellt und Dops ist sofort reingeklettert und wollte alles ansehen. Die beiden sind passionierte Camper und haben einen schönen großen CampingVan in der Garage, den wir dann natürlich auch besichtigt haben. 

Sie verreisen mehrmals jährlich in ihrem Van und tuckern durch ganz Australien. Dops hatte mal einen Van wie unseren und hat uns ihre Abenteuer erzählt, als wir im Pool lagen. Die beiden waren so lustig, haben sich vor neuen Jahren mit Anfang 70 kennengelernt und leben seitdem zusammen, renovieren Häuser und gehen Campen.

Heute kam eine SMS von Cooter aus Melbourne, dass Dops und Les letzten Freitag geheiratet (!) haben, ohne der Familie Bescheid zu geben und jetzt eine Party machen!!! Cooter, der eigentlich Anthony heißt und diesen Namen (Cooter ist ein kleines nerviges Küken) von seiner Großmutter Dops bekommen hat, meinte nur, dass das zu denen passt. Ja, stimmt. Wir haben sie zwar nur einen Abend und einen Vormittag gesehen, aber die beiden sind echt Originale!  Nachdem wir geschlagene 80 Minuten in ihrem Whirlpool verbraqcht haben, sind wir totmüde in den Van gefallen. Byron Bay – Blues and Roots Festival Wir haben Cooter also in Evans Head eingeladen und sind die letzten 40 Kilometer bis nach Byron Bay im Verkehrschaos gefahren. Alle waren unterwegs! Es war der erste Ferientag, kurz vor Ostern und in Byron war eines der größten Festivals in ganz Australien.  Wir hatten zum Glück einen Platz auf dem Campingplatz mitten in Byron reserviert, der zwar ziemlich teuer war, dafür aber direkt am Strand und in Gehweite bis zum Festival.

Dort haben wir Mette und Stu wiedergetroffen, die einen kleinen Van von Stus Vater ausgeliehen hatten und wir haben unsere Zelte aufgeschlagen. Die Leute vom Campingplatz waren ziemlich genervt von den ganze feierwütigen jungen Leuten und dadurch unfreundlich und genervt. Sie haben uns mit Rausschmiss gedroht, falls wir uns nicht an die ein-Van-ein-Zelt-Regel halten und nicht sehr kooperativ.

Am frühen Abend nach einem schönen Nachmittag zusammen am Strand sind wir dann auf das Gelände gelaufen, dass doch so 30 Minuten Gehstrecke weg war und haben uns die ersten Bands angesehen. Das Gelände war riesengroß und es sah auch wie das Tollwood in München, nur größer und mit mehr Musikzelten. Es gab draußen kleine Stände mit Batik-Shirts und Räucherstäbchen, Essenszelte und großen Wiesen zum Draufsitzen und Zuhören.  

Die vier großen Stages waren in riesigen Zelten an den verschiedenen Enden des Geländes und es haben ununterbrochen von Mittags um zwölf bis nachts um halb eins verschiedene Bands und Einzelinterpreten gesungen und Musik gemacht. Es war echt alles dabei, von ganz klassischen Blues-Akts über Sinnead O’Connor und japanische Trommler, mexikanische Gitarristen und englische Popbands. Meine Favoriten nach drei Tagen waren CatEmpire, Ozzomatli und die Mexikaner.

Die Zelten waren meisten gerammelt voll und man musste sich schon frühzeitig einen Platz reservieren oder von draußen zuhören. Abends haben die letzten zwei Bands immer richtig Party gemacht und wir haben gerockt.  Am Ostersonntag haben Nino und ich in der Früh für die anderen Schokohasen auf unserem Campingplatz versteckt und die anderen Eier suchen lassen. Nach zwei Stunden am Strand sind wir dann wieder aufs Festival und haben unseren letzten Tag miteinander ausklingen lassen, indem wir nach dem Festival noch in Byron weggegangen sind. Und dann sind alle wieder gefahren – nur wir nicht. Wir sind einfach dageblieben. Und sind es immer noch. Zwar auf einem andern Campingplatz, aber in Byron und wollen auch gerade nicht mehr weg.

Der Abschied von Mette und Stu war schon komisch, die hatten wir jetzt so oft und für längere Zeit gesehen, die kannten wir schon richtig und hatten uns gegenseitig ins Herz geschlossen. Die beiden gehen in vier Wochen zurück nach Dänemark und wir haben uns verabredet, uns in Europa wiederzutreffen, aber das wird noch dauern.  Cooter hat sich während des Festivals wieder mit seiner ehemaligen Ex-Freundin versöhnt und hat sich aus Melbourne mit den Neuigkeiten von Dops und Les gemeldet. 

Wir verbringen unsere Tage hier in Byron mit Surfen und Lesen, Kochen und einfach im Ort abhängen. Wir sind auf einem Campingplatz direkt am Strand, ein wenig außerhalb der Ortschaft auf dem Byron Cape, dem östlichsten Punkt von Australien. Von dort kann man morgens einen wunderschönen Sonnenaufgang sehen – wenn man so früh aufstehen würde!  Leider hat es die letzten Tage geregnet und es war so wolkig, dass wir uns nicht morgens aus dem Camper-Bett gequält haben, aber so haben wir noch was vor hier.

Um uns herum sind vier unterschiedliche Surfspots, die bei unterschiedlichen Swells laufen und wir schauen jeden Tag, wo es am besten ist und packen dann unsere Bretter und Badehosen ein. Es ist der perfekte Platz! Das Wetter wird wieder besser und ich bin am Überlegen, ob ich mir nicht hier einen Job suchen soll, um noch ein bisschen hier bleiben zu können. Denn dass ich einige Zeit arbeiten muss, das steht außer Frage, nur was und wo, das ist noch nicht klar.

Melbourne – heiße Stadt am Meer

Montag, März 31st, 2008

Wir haben uns in Melbourne auf einen schönen Parkplatz in Brighton Beach, direkt ans Meer gestellt und den Sonnenuntergang genossen. Die Skyline von Melbourne war hell erleuchtet vor uns und das Wasser ist leise ans Ufer geplätschert.

Als es dunkel wurde, haben wir unseren Gaskocher rausgeholt und gekocht. Nach und nach sind nur zwei Vans auf dem Parkplatz zurückgeblieben und wir hatten eine ruhige Nacht direkt am Meer.

Morgens wurden wir vom Klopfen an unser Fenster geweckt – die Bezirkspolizei. Sie haben uns darüber informiert, dass man hier nicht campen darf und dass wir bitte aufstehen sollen und wenn wir unsere Sachen zusammengepackt haben, dann sollen wir fahren.  Ganz anders als das bei uns ablaufen würde, haben sie gesagt, wir sollen uns bitte keinen Stress machen, was für einen tollen Van wir haben und dass wir gerne wiederkommen dürfen… Sie waren sehr nett und haben sich noch ein bisschen mit uns unterhalten und gar keinen Stress gemacht.

Offiziell ist es also nicht erlaubt, überall zu campen, aber es sagt niemand wirklich etwas. Denn am Abend, als wir noch gekocht haben und unser Dach schon ausgefahren war, kam zweimal die Polizei und hat uns nur gute Nacht gewünscht. Also alles nicht so wild. Seitdem haben wir nur positive Reaktionen auf unerlaubtes Campen bekommen. Oft kommen Leute, sagen uns, wo Duschen und Klos sind und dass wir uns wirklich einen schönen Platz ausgesucht haben. Ich habe jedesmal Angst, dass mal so ein Motzkopf kommt und wir fahren müssen, aber die schient es hier einfach nicht zu geben. An so viel Nettigkeit und Offenheit muss ich mich erst noch gewöhnen – aber das ist ja nicht schwer.

  Den Tag über haben wir uns Melbourne angesehen, uns mit Cooter getroffen, den wir aus dem Ferienhaus kennen und sind auf ein Hochhaus hochgefahren von wo wir uns die Stadt von oben angesehen haben. Melbourne ist eine sehr internationale und bunte Stadt, die Viertel am Meer wirken wie Feriendomizile und sind sehr schön hergerichtet und gepflegt. Nach viel Dreck, Wüste und Armut in Südamerika gefällt mir das gerade sehr gut. Die Häuser sind farbig gestrichen und haben kleine Gärten davor.

Außerdem ist es auch sicherer in Australien und ich werde wieder lockerer mit Sachen rumliegen lassen und so. Obwohl ich mich in Mittel- und Südamerika nie wirklich unsicher oder gefährdet gefühlt habe, sind doch ein paar Sachen geklaut worden und man musste schon sehr auf alles aufpassen. Hier lässt jeder sein Fahrrad einfach stehen, das Auto offen und die Tasche am Strand liegen. Das ist schon sehr angenehm, nicht immer so sehr aufpassen zu müssen und Angst haben zu müssen, als „Weißer“ so sehr nach Geld auszusehen. Hier sind wir nicht mehr die „Reichen“, sondern ganz im Gegenteil – die Camper, die im Van pennen und oft Nudeln essen.

Wir müssen hier wieder sehr sparen, schlafen nur manchmal auf Campingplätzen, kaufen Lebensmittel bei Aldi (ja, den gibt es hier überall!) und kochen immer selber. Das Benzin ist noch nicht so teuer wie in Deutschland, aber die alte Kiste schluckt so elf Liter auf 100 km und da kommt hier in einem soo großen Land schon einiges zusammen.

 

Auch machen wir kaum mehr so Touren oder Ausflüge, die bezahlt werden müssen. Wir verbringen viel Zeit im Wasser beim Surfen und am Strand. Abends sitzen wir vor dem Van und spielen Karten oder lesen.

  

Die Innenstadt von Melbourne ist sehr modern und hat ein kleines Chinatown, in dem es wimmelt und gut riecht. Hier wuseln alle möglichen Menschen durcheinander.

Der Hafen ist sehr neu und modern und fast ein wenig clean. An dem Tag, an dem wir dort waren, hatte es über 35 Grad und die Stadt hat geglüht. Wir haben eine Pause nach der anderen gemacht und den Schatten gesucht.

 Abends sind wir dann aus der Stadt raus und nach Phillips Island runtergefahren, wo man abends Pinguine auf den Strand kommen sehen kann. Nach einer Nacht dort sind wir nur ein kleines Stück weiter nach Wilson’s Promitory gefahren, einem Nationalpark an der südlichsten Stelle Australiens, der sich kilometerweit auf einer Halbinsel ins Meer erstreckt.

Deniliquin – Landleben in Australien

Montag, März 31st, 2008

Bei den Eltern von Stu haben wir drei „Landtage“ verbracht. Ich war mit Mette jeden Tag ausreiten und wir sind mit Pferden durch den australischen Busch galoppiert. Manchmal konnten wir sogar Kängurus dabei sehen, wie sie im Schatten von Bäumen der Tageshitze entkommen.

Es war wirklich sehr heiß, jeden Tag über 30 Grad und die australische Sonne backt alles, was nicht im Schatten ist. Auch jetzt am Strand müssen wir immer aufpassen, ich bin immer mit mindesten LSF 30 eingeschmiert – in einem Land, in dem jeder zweite Einwohner schon einmal Hautkrebs hatte eigentlich nur normal. An einem Abend gab es ein großes Barbecue bei Stus Eltern, an dem die gesamte Familie teilgenommen hat, alle Tanten und deren Kinder etc. Wir haben also die gesamte Familie kennengelernt und mussten von Deutschland und den Benzinpreisen und dem Schnee erzählen. Die Leute interessieren sich für die witzigsten Sachen. Am Tag darauf haben wir Lawn-Ball gespielt, eine Kombi zwischen Boules und Kegeln. Man hat eine große Kugel, die allerdings nicht ganz rund ist und an einer Seite ein Gewicht hat, damit sie in einem Bogen rollt. Mit dieser großen Kugel versucht man, möglichst nahe an eine kleine Kugel heranzukommen. Wer am nächsten ist, hat gewonnen. Etwas ungewöhnlich für uns, aber ganz lustig. Das scheint so eine Art Nationalsportart zu sein, denn auf dem Platz war das ganze Dorf versammelt. Also wir eine Woche später an einem Wochenende an einem dieser Rasenplätze vorbeikamen, war das ganze Feld voller älterer Damen und Herren, die lustige weiße Hüte getragen haben und dieses Spiel so richtig zelebriert haben. 

Am Morgen, bevor wir gefahren sind, hat uns Stus Mama früh geweckt und uns zu einem Freund Joe mitgenommen, der in seinem “Garten”, also ein riesen Areal hinter seinem Haus, etwa 200 Kängurus hat, die er aufgenommen hat, als sie angefahren wurden oder verwundet waren. Er sperrt sie nicht ein, gibt ihnen aber zu essen und sie bleiben alle.

Alle haben Namen und er kennt sie auseinander, wie das geht, weiß ich auch nicht, aber sie sind wie seine Kinder. Wir konnten also mit ihm in den Garten und die Kängurus kamen zu uns und waren neugierig. Wir konnten sie streicheln und von ganz Nahem anschauen. Die sind normalerweise so scheu, dass man sie nur aus der Ferne sieht, aber dort sind sie Menschen gewöhnt und kommen ganz nah.

In seinem Haus hatte er auf einem Sessel einen Kissenbezug mit einem Känguru-Baby! Ich durfte es in den Arm nehmen und rumtragen – das war so süß! Ganz klein noch und ganz ängstlich aber schon ein richtiges Känguru. Das war ein Erlebnis!

 

Am Nachmittag sind wir dann weitergefahren und waren abends in einem Vorort von Melbourne.

 

Südamerika ade — Australien wir kommen!

Montag, März 10th, 2008

Uiuiuiui, es ist lange her, dass ich mich mal wieder mit dem Berichten von unseren Erlebnissen beschäftigt habe, aber hier ist der volle Bericht! Ich war so damit beschäftigt, aufregende Dinge zu erleben, dass ich einfach nicht dazu gekommen bin, mich den ganzen Tag vor den Rechner zu setzen – jetzt habe ich es doch gemacht und hier kommt das Ergebnis.

Wir sind inzwischen in Australien gelandet und haben unsere erste Woche unter der glühenden Sonne verbracht – aber das ganz zum Schluss. Erst gibt’s noch die Erlebnisse aus Peru und Bolivien…

…der Bericht ist diesmal ziemlich lange, aber man kann ja auch mal überspringen oder sich vieeel Zeit nehmen.

Puno und der Titicacasee

 Von Cusco haben wir einen Bus genommen, der ausnahmsweise mal tagsüber ging und an verschiedenen Stellen auf dem Weg anhält, damit man ein wenig vom Weg sieht. Der erste Stopp an einer Kirche nahe Cusco war auch wirklich noch schön und interessant, aber der Rest der Fahrt hat sich leider nicht so gelohnt. Aber ein Gutes hatte die Fahrt trotzdem: Wir haben Bekanntschaft mit Bea gemacht, einer Schweizerin, mit der wir die kommende Woche danach verbracht haben und die unseren Wortschatz um einige lustige schweizer Wörter erweitert hat.

Mit ihr haben wir zum Beispiel in Arequipa „grilliertes Meersäuli“, eine peruanische Spezialität, gespeist. Wir fanden es nicht so toll, aber die Peruaner finden ein auf einen Spieß aufgespießtes ganzes Meerschwein, das mit weitaufgerissenem Maul seinem Schicksal als Speise engegen sieht super. Aber es schmeckt einfach greislig – nach altem und trockenem Fleisch und es ist außerdem auch fast nichts dran an den Viechern. Wir haben es nur einmal probiert und dann nie mehr. Wobei auch der sonstige Speiseplan nicht soo super ist: Immer Huhn mit Pommes oder Reis, oder mit beidem. Es gibt kaum Salat oder Obst mehr und die Hosen werden immer enger…

Von Puno aus sind wir zu dritt für zwei Tage zu einer Tour auf den Titicacasee aufgebrochen. Mit einem kleinen Böötli sind wir zu den schwimmenden Inseln in der Bucht vor Puno gefahren. Diese Inseln bestehen aus vielen Lagen getrocknetem Schilf und schwimmen auf dem Wasser. Durch Seile an im Boden verankerten Pflöcken bleiben sie an der gleichen Stelle und werden vom Wind nicht weggeweht. 

Auf den Inseln ist alles aus dem gleichen Material hergestellt, so dass die Inseln wie ein riesiger Heuhaufen aussehen. Die Menschen, die auf diesen Inseln leben, können sich nur mit Booten fortbewegen und die Kinder kommen bei Sturm nicht zur Schule. Wir haben an zwei dieser Inseln Halt gemacht und zugesehen, wie die Leute dort direkt auf dem getrockneten Schild kochen und schlafen. In einem kleinen Schilfboot sind wir zur nächsten kleinen Insel rübergeschippert und dann hat uns das Ausflugsboot wieder aufgenommen. Doch bevor das Boot zu uns rübergefahren kam, hat es noch einmal umgedreht: Bea war auf der Schilfinsel vergessen worden und hat glücklicherweise so laut gerufen, dass das Boot sie noch abgeholt hat.

Der Titicacasee ist 13 x so groß wie der Bodensee und wirkt wie ein Meer auf 3800 Metern Höhe. Zwei große Inseln sind Mittelpunkt des Sees und liegen noch auf der peruanischen Seite des Sees. Die Grenze zu Bolivien geht genau durch den See und somit ist der See ein berüchtigtes Schmuggel-Areal (dazu aber später…).

Wir sind bei herrlichem Wetter auf eine der Inseln geschippert und wurden dort von Frauen in traditionellen Kleidern empfangen und in deren Häuser geführt, wo wir die Nacht verbringen sollten. Unser Zimmer, das wir uns mit Bea geteilt haben, war sehr einfach und wir hatten keinen Strom oder Wasser. Das „Bad“ war ein kleines Häuserl außerhalb des Hauses und auch dort gab es nur das Mondlicht nachts. Nach einem leckeren Mittagessen sind wir auf den höchsten Punkt der Insel aufgestiegen und haben uns von dort aus den beeindruckenden Sonnenuntergang angesehen. Am Abend kam unsere Gastmutter dann ins Zimmer und hat uns mit traditionellen Kleidern ausgestattet. Ich habe erst eine Bluse, dann zwei riesige bunte Röcke und schließlich ein großes Umhängetuch bekommen. Die anderen Beiden haben sich schon fast totgelacht, als ich so im Zimmer stand, aber dann kam ihre „Verkleidung“. Nino hatte es einfacher. Nur ein Pocho und ein Mützerl und schon waren wir bereit. Wir sind in die Gemeindehalle gegangen und dort wurde zu traditioneller Musik getanzt – alles ziemlich strange, aber lustig.

Am nächsten Tag haben wir noch die andere Insel besichtigt und sind gegen Mittag dann zurück nach Puno gefahren. Auf dem Rückweg war das Wetter so gut und die Luft so warm, dass wir bei einem kleinen Stopp kurz in den Titicacasee gehüpft sind. Der war leider saukalt….

Arequipa und die SchmugglerfrauenVon Puno aus haben wir am gleichen Nachmittag den Bus nach Arequipa genommen, der eigentlich nur knappe fünf Stunden brauchen sollte. Aber als wir bei einem Stopp kurz nach Puno ein paar Frauen mit Kindern und etwa 200 verschlossenen Kartons einsteigen sehen haben, kam uns das schon ein klein bisschen komisch vor. Nach etwa einer halben Stunde Busfahrt schreit plötzlich jemand von hinten und alle Passagiere lehnen sich aus den Fenstern. Da ist unten ein Gepäckfach aufgegangen und die Koffer sind wild auf die Straße gefallen. Der Bus ist umgedreht und musste Koffer einsammeln bevor wir weiterfahren konnten. Als sich alle wieder von diesem kleinen Schrecken erholt hatten, kamen wir an einer Zoll-Stelle vorbei, die Beamten haben zielstrebig die Gepäckklappe mit den Kartons (angeblich Kekse…) aufgemacht und sich mindestens sechs der Kartons in ihr Büro genommen. Die beiden Frauen von vorher mussten aussteigen und haben sich beraten mit den Beamten.

Plötzlich hat der Busfahrer Gas gegeben und ist mit offener Tür und ohne die beiden Frauen losgerast. Nach ein paar Metern hat er nochmal angehalten und die rennenden Frauen wieder einsteigen lassen. Der Zoll ist uns im Auto gefolgt, aber hat uns lange nicht angehalten. Nach etwa einer Stunde hat er uns dann doch angehalten und die Frauen mussten wieder aussteigen. Also sich draußen waren haben sie die andern Passagiere dazu aufgefordert, Steine auf die Beamten zu schmeißen. Einige andere Passagiere sind auch wirklich ausgestiegen und haben Steine gesammelt – unglaublich für uns! Die Frauen haben abermals irgendwas bezahlt und der Bus konnte weiterfahren. Die eine der Frauen hat sich zum Fahrer nach vorne gesetzt und die ganze Fahrt über geschimpft – lauthals! Der wurde merklich wütend und ist gefahren wie ein Bekloppter! Und das im Dunkeln Serpentinen-Wege nach unten, die so schmal waren, dass wir fast mit den entgegenkommenden LKWs zusammengestoßen wären. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt und nur gehofft, dass wir nirgends über die Klippen nach unten fallen. Als wir an einem Buswrack vorbeigekommen sind, habe ich fast die Hoffnung verloren, dass wir noch heil ankommen.

Die Frau vorne hat weitergeschimpft bis wir an einem kleinen Haus irgendwo im Nirgendwo angehalten haben und die Frauen mit dem Busfahrer und dem Busbegleiter zusammen die ganzen Kartons in ein unbeleuchtetes Gebäude ausgeladen haben, während alle anderen Passagiere etwa eine Stunde im stockdunkelnen Bus warten mussten. Als es endlich weiterging, hat der Busfahrer versucht, die verlorene Zeit aufzuholen und ist noch schneller gerast. Die Frau hat weiter geschimpft und kurz bevor wir in Arequipa angekommen sind, ist der Bus urplötzlich angehalten, der Busbegleiter hat die zeternde Frau rausgeworfen und sie ist in die wartenden Hände von einigen Polizisten gefallen. Die Kinder der Frau, die restlichen Kartons und etwa acht volle Benzinkanister mit irgendwas sind im Bus geblieben. Dieses Land ist so korrupt! Alle wurden auf dem Weg bezahlt und wir konnten weiterfahren – unglaublich!

Kondore im Colca-Canyon

In Arequipa haben wir uns einen Tag von der Busfahrt erholt und haben uns diese lebhafte Stadt ein wenig angesehen. Weil am nächsten Tag mal wieder alle Busse voll waren, mussten wir die vier Stunden bis dorthin mit einem Taxi zurücklegen. Das war zwar relativ teuer, aber dafür konnten wir zwischendrin anhalten und die riesigen Lama- und Alpaka-Herden besichtigen. Manche der Tiere haben bunte Puschel in den Ohren und man erkennt sie von weitem als die Leittiere der Herden. Sehen aus wie mit Ohrringen geschmückt.In Chivay, einem kleinen Bergdorf in der Nähe des Canyons haben wir uns den südamerikanischen Karneval angesehen und vor allem gehört. Die buntgekleideten Menschen trinken auf der Straße und tanzen um Bäume herum, bis diese gefällt werden. Alle sind derart besoffen, dass sie teilweise auf dem Gehsteig einschlafen, während der Rest des Dorfes weiterfeiert. Am nächsten Morgen sind wir ganz früh und bei strahlendem Sonnenschein zum Canyon aufgebrochen und haben nach kurzem Warten an einem Aussichtspunkt wirklich die Kondore gesehen. Am Aussichtspunkt geht es über 1500 Metern steil nach unten in eine enorme Schlucht und die Sicht ist einfach großartig. Im Hintergrund sieht man schneebedeckte Bergspitzen und unter den Füßen geht es so weit runter.

Wenn es morgens warm wird, nutzten die Kondore die Thermalwinde aus und lassen sich ganz gechillt über tausende von Metern nach oben tragen. In dem Moment, in dem sie aus dem Canyon oben herauskommen sind sie direkt vor einem und man sieht sie aus nächster Nähe.

Mit fast vier Metern Spannbreite sind sie riesig und wirken fast unwirklich aus dieser Nähe. Sie sehen bisschen so aus wie riesige Hühnchen, nur dass sie nicht flattern sondern sich einfach nur gleiten lassen in der warmen Luft.

Auf der Rückfahrt hatten wir mal wieder Schwierigkeiten, einen Platz im Bus zu bekommen, da ganz Peru an Karneval zu reisen scheint. Bea hatte dann das Pech, neben einem verschwitzten und stinkenden Peruaner zu sitzen, so dass die kommenden Stunden wirklich kein Spaß waren.

Das ist einer der absoluten Vorteile, wenn man zu zweit reist: Man sitzt meistens nebeneinander im Bus und hat keine direkten Sitznachbarn. In Peru und Bolivien kann das nämlich ziemlich unangenehm sein. Die älteren Frauen tragen mindestens vier Röcke und brauchen immer mindestens den halben Nachbarsitz mit, um ihre ganzen Klamotten unterzubringen. Und es schient, als ob diese Röcke nicht gewaschen werden, denn der Geruch, der manchmal von diesen Frauen ausgeht, ist nicht zu ertragen!

In Mittelamerika achten die Leute viel mehr auf ihr Aussehen und sind immer sauber und gekämmt, die Frauen richten sich schön her, die Männer haben Gel im Haar und selbst wenn es richtig heiß wird und man schwitzt, ist der Geruch in einem vollbesetzten Bus auszuhalten. In den Bergregionen von Südamerika, in denen wir waren, tragen die meisten Männer nur Jogginganzüge oder Cordhosen, die selten gewaschen werden, die Frauen haben entweder die traditionellen bunten Röcke und Strickjacken an oder auch Joggingklamotten und Fleecepullis. Und sie riechen! Manchmal kann einem da echt schlecht werden. In Chile ist das wieder ganz anders. Dort sind die Menschen sehr gepflegt und achten auf Kleidung und Sauberkeit. 

Copacabana – Bolivien

Über Arequipa sind wir mit dem Nachtbus wieder nach „oben“ gefahren und haben die Grenze zu Bolivien überquert. Wir mussten mal wieder laufen und es war alles ziemlich chaotisch dort. Nach eineinhalb Monaten haben wir also Peru verlassen.

In Copacabana, dem ersten Ort in Bolivien am Titicacasee haben wir einen Tag verbracht, die beeindruckende Aussicht genossen, uns das bunten Karnevalstreiben angesehen und uns schließlich von Bea verabschiedet, die wieder ihre eigenen Wege gegangen ist. Bea, scheee wars mit Dir!Die Überfahrt nach La Paz war ziemlich aufregend, denn man überquert die schmalste Stelle des Titicacasees – der Bus auch, aber es gibt keine Brücke, sondern der Bus fährt auf eine Art Floß und wird dann übers Wasser geschippert! Die Passagiere müssen aussteigen und folgen dem Bus-Floß in einem kleinen wackeligen Motorboot über das unruhige Wasser. Auf der anderen Seite steigen dann alle wieder ein und die Fahrt geht weiter.  

La PazVon La Paz aus, der höchsten Hauptstadt der Welt, die auf 4000 Metern liegt, haben wir unsere Zeit in Bolivien geplant. In La Paz selber ist die Hölle los! Der Verkehr ist unglaublich (der Smog auch) und die Straßen sind voll von Marktständen und Verkäufern.

Der interessanteste Teil der Straßenmärkte ist der Witches-Market, der Hexenmarkt in der Altstadt. Dort bekommt man von verrunzelten Frauen mit hohen Hüten (die fast alle Frauen tragen) alles, was man verbrennen, salben, trinken, aufkochen oder opfern kann. Das Abwegigste, was es dort überall gibt sind getrocknete Lama-Föten, die man traditionellerweise unter das Fundament eines neuen Hauses eingräbt, damit sie böse Geister von Haus und Bewohnern fernhalten. Ich weiß immer noch nicht, wie sie die Föten aus den Lama-Mamas herausholen, aber die vertrockneten Mini-Lamas stinken unglaublich und hüllen den ganzen Markt in einen Dunst aus Verwesung.

Neben allen möglichen Coca-Produkten gibt es auch kleine Figuren aus verschiedenen Materialen, die für die verschiedenen Bereiche des Lebens stehen – zum Beispiel für eine gute Arbeit, glückliche Reise, Glück in der Liebe oder auch Erleuchtung des Lebensweges. Dazu gibt es dann die verschiedenen Kräuterlein, die die unterschiedlichsten Wirkungen haben sollen. Also was für echte Hexen    

Uyuni – Salzwüste

Von La Paz aus haben wir den öffentlichen Nachtbus nach Uyuni genommen, einem kleinen Wüstenort an der bekanntesten Salzwüste der Welt – der Salar Uyuni. Wir waren dort verabredet mit Mette und Stu, dem Pärchen, das wir das erste Mal in Nicaragua kennengelernt haben, als Stu beinahe mit seinem Surfbrett über Ninos Kopf gefahren wäre. Dort haben wir einen total netten Abend miteinander in deren Haus verbracht und uns für Südamerika verabredet. Also wir also abends an die Busstation in La Paz kamen, standen dort die beiden und hatten Tickets für den gleichen Bus wie wir.

Nach zwölf Stunden unruhiger Fahrt über Staubpisten kamen wir in Uyuni an und haben uns nach den Touren erkundigt. Für 60 Dollar pro Person sind wir am nächsten Tag auf eine dreitägige Wüsten-Tour gestartet. Am selben Morgen, kurz bevor wir losgefahren sind, haben Mette und Stu zufällig zwei Schweden auf der Straße getroffen, die sie schon vorher irgendwo kennengelernt haben, und die beiden haben sich dann ganz spontan dazu entschlossen, mit uns mitzukommen auf die Tour. So waren wir schließlich zu siebt im Jeep und sind Richtung Salzwüste aufgebrochen.

Der erste Stopp war dann auch gleich im Salz. Die Salzwüste ist wirklich ein riesengroßes Areal aus weißer Salzkruste so weit das Auge reicht. Zu der Jahreszeit, in der wir dort waren, regnet es relativ viel und auf dem Salz staut sich das hellblaue Wasser und macht aus der Salzwüste einen Salzsee. Mit dem Jeep sind wir durch das etwa 15 cm tiefe Wasser gefahren bis wir an eine kleine Insel kamen, auf der ein Salzhotel steht. Alles dort ist aus Salzbarren gemacht, die Wände, die Tische und Stühle im Inneren und auch die Betten.

Dort haben wir dann eine Menge Bilder gemacht und sind barfuß im Salz herumgelaufen. Die Haut an den Füßen und Beinen wird ganz weiß und total trocken durch das konzentrierte Salzwasser und wir hatten alle eine richtige Kruste auf der Haut. Durch die Reflexion der Sonne auf dem weißen Salz wird es nicht nur sehr warm, sondern es blendet vor allem unglaublich. Ohne Sonnenbrille und –creme geht da gar nichts. Zudem ist man noch auf über 3600 Metern Höhe und die Sonne hat eine unglaubliche Kraft! Wir waren mit LSF 50 eingeschmiert und hatten die ganze Zeit Caps auf, sonst wären wir verbrannt dort.

Nach diesem Stopp sind wir weiter Richtung Süden gefahren, in Richtung der verschiedenfarbigen Seen die sich in einem Nationalpark bis zur Atacama-Wüste in Chile hinzieht.

Dort haben wir die kommenden drei Tage dann verbracht, sind mit dem Jeep durch beeindruckende Landschaften gefahren, haben angehalten um Fotos von irre geformten Steinen, Flamingos und bunten Seen zu machen und haben auf über 4500 Metern Höhe in der Wüste übernachtet. Weil es davon so viele schöne Bilder gibt, die ich Euch einfach nicht vorenthalten will, kommen nun hier ein paar davon – ohne Text:

 

Tagsüber wurde es relativ warm, so um die 20 Grad, nachts war es dann so kalt, dass das Wasser in der Leitung gefroren ist. Wir waren in dicke Schlafsäcke gemummelt und hatten Mützen und Handschuhe zum Schlafen an. Am letzten Morgen sind wir schon um vier Uhr früh aufgestanden und zu dampfspeienden Löchern aufgebrochen. Als die Sonne aufgegangen ist, waren wir an heißen Quellen vor einem wunderschönen Panorama mitten in der Wüste. Es war noch immer so kalt, dass es eine riesige Überwindung war, sich auszuziehen und barfuß die paar Meter bis zur Quelle zu laufen. Aber als ich drin war, wars herrlich schön warm und entspannend. Vor allem nach drei Tagen ohne Dusche oder warmen Wasser!Am dritten Tag haben wir dann die Schweden und Mette und Stu an der Grenze zu Chile raus gelassen und wir sind wieder zurück nach Uyuni gefahren. Wir sollten eigentlich den schnellen Weg zurück nehmen, haben uns dann aber von zwei Brasilianern im Jeep überreden lassen, den schönen Weg zurück nach Uyuni zu nehmen. Da wir abends um acht ein Busticket nach La Paz hatten, wollten wir wirklich sichergehen, dass dieser andere Weg nicht länger dauert, als der geplante und haben zweimal nachgefragt. Aber der Weg hat es nicht gut gemeint mit uns und wir hatten erst einen höhenkranken Brasilianer, seine Frau, der beim Autofahren schlecht geworden ist im Jeep, dann ist der Jeep im Sand steckengeblieben und weil der Anlasser nicht mehr ging mussten wir ihn aus einer Sanddüne schieben. Schließlich haben wir einen liegengebliebenen Jeep auf der Strecke angefangen abzuschleppen und dann ist uns kurz vor acht auf einer Staubpiste mitten im Nichts auch noch das Benzin ausgegangen. Wir haben die Brasilianer verflucht, die unbedingt diesen Weg fahren wollten und sind per Anhalter mit einem LKW verbotenerweise bis zum Busterminal gefahren. Zum Glück war im Ort Uyuni gerade überall Stromausfall und der Bus hatte eine Stunde Verspätung, so dass wir noch unsere Rucksäcke holen konnten und den Bus erwischt haben. Der hat immer beim Anlassen so komische Geräusche gemacht und ich habe wirklich gehofft, dass er auf der 12-Stunden Fahrt durch die Wüste bis nach La Paz nicht nachts irgendwo stehen bleibt, aber wir sind morgens in La Paz angekommen, ohne Pannen. Als wir aber am Stadtrand waren, hat der Busfahrer uns gebeten, auszusteigen und mit einem anderen Bus weiter in die Stadt zu fahren, da der Bus kaputt ist und nicht in die Stadt runter fahren kann – also doch!    

La Paz – Abendteuer in luftiger HöheZurück in La Paz hatten wir noch einige Tage, bevor unser Flug nach Santiago de Chile ging. Eigentlich wollten wir noch in den Dschungel fahren, aber weil das Wetter so unsicher war, hat man uns abgeraten, da wir sonst vielleicht unseren Flug verpassen. Also haben wir uns für ein Abenteuer der besonderen Art entschieden – die Death Road, die gefährlichste Straße der Welt, mit dem Mountainbike runter. Es war echt ein Wahnsinns-Spaß!

Auf 70 Kilometern legt man über 3000 Höhenmeter zurück. Wir sind bei über 4000 Metern gestartet und es war so kalt, dass wir Jacken, Handschuhe, Mützen und lange Unterhosen anhatten. Die ersten Kilometer sind geteerte Straße und man startet sehr früh, damit noch kaum Verkehr ist. Nach ein paar Metern Eingewöhnung haben wir es dann krachen lassen und sind wirklich sehr schnell diese steile Straße nach unten gerast. Wir hatten einen Guide, der uns vorausgefahren ist und uns rechtzeitig gewarnt hat, wenn eine steile Kurve kam oder wir anhalten mussten und einen anderen, der Fotos gemacht hat. Man selber darf keine Bilder machen, weil vor ein paar Monaten genau dabei ein junger Israeli abgestürzt ist und in eine Schlucht gefallen ist. Man hat nur noch ein paar Teile von ihm gefunden, deshalb haben wir uns auch daran gehalten…

Wir waren insgesamt eine Gruppe von sieben Leuten und wir waren alle so schnell, dass wir eine Stunde früher als normalerweise unten waren. Der zweite Teil der Strecke ist dann die eigentliche Death Road (so genannt, weil pro Woche durchschnittlich ein Bus abstürzt…), die nicht geteert und nur einspurig direkt an ultrasteilen Abhängen entlangführt. Hier haben wir die guten Mountainbikes wirklich gebraucht. Kurz davor ging es nämlich ein paar Meter bergauf und die Räder sind einfach nicht zum Fahren gemacht. Sie sind sehr schwer, haben eine riesige Federung und man kann nicht aufrecht auf ihnen Treten und die Beine strecken. Wir haben alle so geschnauft auf diesen Rädern in fast 4000 Metern Höhe, dass wir sie schon verflucht haben. Aber als es dann ans weitere Abfahren über den Schotter ging, war mir klar, warum wir die Federungen brauchen. Wir sind durch Flüsse und Matschpfützen geheizt und auf dem letzten Stück ging es richtig über große Felsen und durch Felder.

Unten angekommen, war es so heiß, dass wir uns alle nur noch die warmen Sachen vom Körper gerissen haben, weil wir so geschwitzt haben. Nach einer Dusche und einem leckeren Mittagessen sind wir nach La Paz zurückgefahren. Der Van, der uns zurückgebracht hat, ist die ganze Zeit über hinter uns her über diese krasse Straße gefahren – ich war echt froh, dass ich ein Rad hatte – im Bus hätte ich dort Angst gehabt.

Nach der Death Road ging unser Abenteuer-Trip aber erst in die Vollen: Wir sind zu einer Bergtour auf einen 6088-Meter Gletscher aufgebrochen, den man mit Pickel und Steigeisen erklimmt! Am ersten Tag mussten wir unser ganzes Zeug auf ein Basislager raufschleppen (kein Esel mehr…!) und haben dort einen Teil der Nacht verbracht.

Am Nachmittag haben wir die ersten Steigübungen mit den Eisen und dem Pickel gemacht, unser Guide hat uns gezeigt, wie man an steilen Hängen läuft, wie man fällt und was man macht, wenn man abrutscht. Mitten in der Nacht um halb eins sind wir bei Sternenhimmel aufgestanden, haben unser ganzes Equipment angezogen und uns nach einem Mini-Frühstück auf den Weg ins ewige Eis  (haha, dramatisch, oder?) gemacht. Die ersten zwei Stunden sind wir super gut vorangekommen, der Guide vorne, ich in der Mitte und Nino hinten am Seil. Die Luft ist so dünn dort, dass man schon bei normalem Laufen ganz schön ins Schnaufen kommt, aber wir waren so lange in der Höhe, dass es uns nicht mehr allzu viel ausgemacht hat. Außerdem gabs zum Frühstück mal wieder Coca-Tee und wir hatten ein paar Blättchen im Mund zum Auslutschen, so dass wir eh so berauscht waren, dass unsere Körper das locker mitgemacht haben.

Nach den ersten zwei Stunden und etwa 600 Höhenmetern ist der Himmel plötzlich zugezogen und es hat in der Ferne angefangen zu blitzen. Ich war schon ein wenig beunruhigt und habe den Guide gefragt, ob das nicht ein eher schlechtes Zeichen sei, aber der war ganz ruhig und so sind wir weitergelaufen. Ich weiß nur, dass wenn es bei uns in den Bergen blitzt, dann gehe ich sofort runter oder suche mir eine Hütte, aber es kann ja dort anders sein…….war es aber nicht. Es hat angefangen zu stürmen, zu schneien, es war immer noch stockdunkel und wir waren nur noch eineinhalb Stunden und etwa 200 Höhenmeter vom Gipfel entfernt, als der Guide entschieden hat, dass wir umkehren. Da es aber so stark geschneit hat, haben wir unsere Spuren nicht mehr gesehen und durch den Neben und Schnee konnte man auch sonst nichts mehr sehen außer schwarz und im Schein der Lampen weiß. Es war schon ein bisschen beängstigend dort oben bei Sturm, aber ich habe mir immer noch eingeredet, dass wir ganz easy wieder absteigen können – ist ja nicht so weit.Doch irgendwann war klar, dass wir uns verlaufen haben und nicht mehr wussten, wohin. Es war da gerade mal halb vier und bis die Sonne aufgeht, sollten noch einige Stunden vergehen, als der Guide uns erklärte, was wir zu tun hätten, wenn wir in eine Gletscherspalte fallen oder wenn er fällt… Dass ich in dem Moment nicht heulend zu Boden gesunken bin, ist nur der Panikattacke zu verdanken, die mich anscheinend irgendwie mental gestärkt hat. Ich glaube, auch die beiden anderen hätten gerne geheult…

Wir sind also in eisiger Kälte auf über 5800 Metern Höhe um unsichtbare Gletscherspalten herumgeirrt und haben verzweifelt versucht, mit unseren Stirnlampen im Schneegestöber irgendwas zu erkennen. Der Guide ist immer wieder stehengeblieben und hat versucht, etwas zu erkennen, aber es war einfach unmöglich. Ich habe unglaublich gefroren und war total erschöpft und habe mir schon versucht einzureden, dass die bestimmt Rettungshubschrauber in Bolivien haben, als es endlich hell wurde. Wir standen also zusammengebunden an unserem Rettungsseil und haben um uns herumgestarrt, um irgendeinen weißen Hügel im weißen Rest zu erkennen.

Und auf einmal dreht sich der Guide um, zeigt in eine Richtung und läuft los. Innerhalb von einer knappen Stunde waren wir wieder unten und das Wetter wurde besser – als ob nichts gewesen wäre. Wir alle waren sehr froh, dass wir wieder heil und ohne Gletscherspalten-Erfahrung im Basislager angekommen waren. Nach einem kleinen Schläfchen sind wir am Nachmittag wieder abgestiegen und meine hochalpinen Erlebnisse sind damit wohl für lange Zeit abgeschlossen! Abenteuer dieser Art hatten wir jetzt genug, ich will wieder am Strand liegen und das größte Risiko einen Sonnenbrand sein lassen!

CHILE

Santiago de Chile

Wieder erholt vom Schrecken in Bolivien sind wir in Santiago de Chile angekommen und ich habe gedacht, ich bin direkt nach Europa gereist. Alles ist so europäisch und gar nicht zu vergleichen mit Peru und Bolivien. Die Busse sehen ganz normal aus, die Leute sehen sehr europäisch aus – ich war nach sechs Monaten endlich nicht mehr die einzige Blonde – die Straßen sind groß und sauber, es stehen Abfalleimer rum und niemand wirft den Müll auf die Straßen. Man kann Shoppen gehen und wenn die Ampel rot ist, dann bleiben alle stehen. Wir haben uns nicht wie in Südamerika gefühlt. Die Häuser erinnern an Madrid oder Paris im Stadtzentrum, es gibt Einkaufsstraßen und richtigen Espresso in den Cafés.

Und es gibt auch die entsprechenden Preise dazu. Für uns war es auf einmal wieder wahnsinnig teuer! Obwohl es im Gegensatz zu Deutschland nicht wirklich teuer war, aber wir haben wieder über 10 Euro für ein Bett im Schlafsaal im Hostal bezahlt, ein Essen kostete wieder mehr als fünf Euro und auch der chilenische Wein hat seinen Preis – den wir am ersten Abend gerne bezahlt haben… ich habe mich daraufhin aus Versehen aus dem Schlafsaal ausgeschlossen und musste erst mal zwei Stunden vor der Tür schlafen – kann ja mal passieren…Wir haben also in der Casa Rocha, dem bekanntesten Hostal in Santiago ein Bett bekommen und noch vier Tage in der Stadt verbracht. Endlich war es wieder warm und wir konnten die kurzen Hosen rausholen. Als wir nach unserem chilenischen Weinabend im Innenhof des Hostals sitzten brüllt plötzlich ein Typ in den Hof und wir erkennen einen der Schweden aus der Salzwüste wieder. Ganz zufälligerweise haben wir uns also zwei Wochen später wieder getroffen und haben ein wenig Zeit miteinander verbracht. So geht es uns nun immer öfter. Ja länger wir reisen, desto öfter treffen wir auf „alte Bekannte“, Leute, die den gleichen Weg reisen wie wir und die in den selben Hostals schlafen und die gleichen Busse nehmen. Manchmal ist es echt schön wenn man nette Leute wieder trifft und ein Stück des Weges zusammen reist, manchmal verstecken wir uns aber auch, wenn uns die Leute einfach nicht sehen sollen…Einen Tag sind wir von Santiago aus nach Valparaiso gefahren, ein Küstenort etwa zwei Stunden von Santiago entfernt, der einen riesigen Industriehafen hat. Wir sind mit traditionellen Cable-Cars aus den Zwanzigern durch die Stadt gefahren und haben Fisch zu Mittag gegessen. Auf dem Wochenmarkt gab es alles an Früchten und Gemüse und wir haben uns frische große Apfelsinen mit auf den Weg genommen – endlich wieder Vitamine nach dem fritierten Hühnchen-kampf in Bolivien! Nach vier Tagen Santiago haben wir uns aufgemacht zum Flughafen, um diesen Kontinent zu verlassen und nach Australien aufzubrechen.  Tschüss Südamerika!

                                                   AUSTRALIEN – DOWN UNDER WIR KOMMEN!!!Schon der Flug nach Australien, Sydney war für uns ziemlich aufregend. Wir sind am 24.02. losgeflogen und kamen am 26.02. dort an. Der 25.02. hat für uns nicht stattgefunden, weil wir über die Datumsgrenze geflogen sind und damit einen Tag verlieren.

Unser Problem war nur, dass Nino am 26.02. Geburtstag hat und wir gerne im Flugzeug reinfeiern wollten, uns aber niemand sagen konnte, wann genau der 26.02. anfängt! Es gibt also eine Linie, die man die Datumsgrenze nennt, aber fängt der 26. da dann auch wirklich an? Oder ist der eigentlich schon länger, weil er sonst drei Stunden weniger hätte? An der Datumsgrenze hätte nach australischer Zeit der nächste Tag schon vier Stunden alt sein müssen… auch Wikipedia hatte darauf keine gute Antwort! Wir waren also ein wenig verwirrt und haben dann einfach angestoßen, als wir über die Linie geflogen sind. Na Prost also in Australien!

Nach einem Zwischenstopp in Neuseeland sind wir dann um sieben Uhr morgens in Australien angekommen. Endlich Australien! Zur Feier des Tages und zur Feier von Ninos Geburtstag haben wir uns nach einigen Nächten in Schlafsälen ein schönes Hotel geleistet und sind Sushi essen gegangen. Ich habe den Nino mit Schweigen beschenkt (wer mich besser kennt, weiß, dass das rar ist), weil ich so einen Jetlag hatte, dass ich kurz nach dem Essen tief und fest gepennt habe.Tagsüber haben wir uns die Stadt ein wenig angeschaut. Sydney ist eine gute Mischung aus Alt und sehr Modern und wir sind zurück in der Zivilisation. Die Preise sind fast höher als in München und es ist wieder Sparen angesagt für uns. Wir sind bei wunderschönem Wetter an der berühmten Oper vorbeigeschlendert, haben die futuristischen Hallen bewundert, für Fotos vor der Harbour Brigde posiert und Geschäfte angeschaut.

Die Innenstadt ist ein richtiges Business-Viertel mit Anzug-Menschen und hippen Cafés und Bistros, in denen schöne Menschen mit teuren Klamotten guten Espresso trinken. Wir haben da mit unserem Backpacker-Outfit nicht so richtig reingepasst. Nino hat sich ein paar kleinere Geschenke in verschiedenen Surfshops gemacht und wir haben uns nach der Autoversicherung erkundigt, die wir für unseren Van brauchen werden…

Unser Hostel war im hippen Kings-Cross-Viertel, dem Viertel der Schwulen, der Nachtschwärmer und Flohmarkt-Käufer. Wir haben uns einen ruhigen Abend dort gemacht, sind ein wenig rumgeschländert und als wir von einem Regenschauer überrascht wurden, haben wir uns entschlossen, schon um fünf den Aperitif in einer kleinen Bar einzunehmen und direkt ins Abendprogramm zu starten.

Mir hat Sydney sehr gut gefallen, die Menschen sind unglaublich nett und offen. Niemand ist gestresst und rennt durch die Straßen, die Leute sind interessiert und freundschaftlich und wir haben von allen Leuten gute und hilfreiche Tipps und die passenden Geschichten und neidvollen Blicke bekommen.

Am nächsten Tag sind wir auf der Suche nach einem Camping-Van in eine Tiefgarage bei Kings Cross gegangen, weil wir gehört hatten, dass man dort günstig Autos privat aus zweiter Hand kaufen kann. Als wir dort ankamen waren auch wirklich ein paar Busse da und wir haben angefangen, uns dort umzuschauen. Die meisten Leute, die dort ihre Vans verkauft haben, waren Leute wie wir, die mit dem Van durch Australien gereist sind und nun nach Hause müssen und den Van daher wieder verkaufen. Einer der Vans hat uns gleich beiden gut gefallen und nach einer Probefahrt, langem Hin und Her und einem Check beim Mechaniker war die alte Lady unsere!

Wir haben schon an unserem zweiten Tag in Australien unser Traum-Mobil gekauft und waren damit bereit, den Roadtrip zu beginnen. Es ist ein Nissan, Baujahr so um Mitte der 80er, gold mit blauen Racingstreifen und einem Dach zum Rausklappen. Wir haben uns beide gleich in „Coco“ verliebt und sie direkt mitgenommen. Davor mussten wir allerdings noch über 5000 Australische Dollar in Bar bezahlen, die wir mit unterschiedlichen Karten am Automaten innerhalb von einer Stunde abgehoben haben.

                                                                                       Na, wie alt bin ich? Nach einer Nacht im Hostal am berühmten Bondi-Beach haben wir also unser neues Heim bezogen und haben schon eine Nacht in einem Vorort von Sydney in einem Wohngebiet bei strömendem Regen geschlafen. Das Fahren in Australien ist ja bekanntlich nicht so ganz einfach – für uns: Es herrscht Linksverkehr und wir mussten uns erstmal ganz schön umstellen.

Wir mussten noch die Papiere fertigmachen, eine Versicherung abschließen und das alles per Post verschicken, waren bei IKEA und haben uns die wichtigsten Utensilien für ein eigenes Bett besorgt. Wir haben das erste mal seit sechs Monaten wieder ein eigenes nicht stinkendes Kissen, eine richtige Bettdecke und schlafen in einem Bett, in dem sonst niemand anders liegt – herrlich! Die alte Lady ist schon so ein bisschen wie unser kleines Heim.

Nachdem wir das ganze Papierzeug erledigt hatten, haben wir uns auf den Weg Richtung Süden zur Great Ocean Road gemacht, etwa 800 Kilometer entfernt von Sydney, wo Mette und Stu, das Pärchen, das wir erst in Nicaragua und dann in Bolivien getroffen haben, uns in ein Strandhaus eingeladen haben, wo sie eine Woche mit Freunden verbringen.

Nach zwei Tagen Fahrt und einer Nacht irgendwo in der Pampa von Australien sind wir bei Dunkelheit dort angekommen und die Party war schon im vollen Gange. Wir haben noch eine Nacht im Bus geschlafen, weil alle Betten besetzt waren und sind erst am nächsten Tag mit ins Haus eingezogen.

Dieses Haus ist der absolute Hammer! Insgesamt können16 Leute darin schlafen, es hat eine riesige Küche mit einem großen Esstisch und einen Balkon, von dem man direkt auf die Bucht und das Meer schauen kann. Man kann von hier aus sehen, ob Wellen sind oder nicht – perfekt! In den Eukalyptus-Bäumen um das Haus herum saßen die Koalas mit ihren Babies und haben gefressen und gepennt und wir konnten sie von ganz nahem vom Balkon aus sehen. Die sind soo süß, ganz kuschelig und langsam und gemütlich. Und sie hatten keine Angst vor uns, haben uns ganz nahe herangelassen und sind manchmal über Äste geklettert, wie um uns eine Show zu bieten.

 

Auch Papageien und viele andere Vögel kamen auf den Balkon, wollten Chips oder Würstel und haben aus der Hand gefressen. Ich habe noch nie so nahen diese ganzen Tiere gesehen. Und die leben dort alle wild, nicht angekettet oder in Käfigen. Nur Kängurus haben wir bisher noch nicht lebendig gesehen – nur tot am Straßenrand, dort aber dafür sehr viele.

Es schient ein großes Problem zu sein, dass die auf die Straße hüpfen und vor Autos springen und dann werden sie überfahren. Hoffentlich passiert uns das nie.

Nachdem wir erst mal alles aus dem Bus raus geräumt haben, haben wir angefangen, ihn sauberzumachen. Der Vorbesitzer war nicht so ganz sauber und die Karre stand auch schon seit drei Monaten in einer Garage, also gab es genug zu tun für uns. Die Polster stinken leider ein wenig und wir müssen uns noch etwas einfallen lassen, um den Mief rauszubekommen. Aber ansonsten sieht das Innenleben jetzt schon ganz gut aus. Die Küche ist wieder einsatzfähig (Naja, wir haben einen Kühlschrank und Gasherd als Küche), die Fenster lassen Licht herein und die Vorhänge haben gewaschen eine ganz andere Farbe. Wir haben echt Glück, dass wir in einem Haus sind, in dem wir schlafen, damit wir aus dem Bus alles raus räumen können und schön herrichten – immerhin werden wir die kommenden vier Monate in dem Van wohnen! Schnell ist sie nicht, die alte, aber sie fährt gemütliche 90 km/h und damit kommen wir ganz gut voran.

An einem der Tage sind wir dann zu einem Surfshop in der Nähe gefahren, der gerade Ausverkauf hat und haben neue Surfbretter erstanden. Die hatten eine unglaubliche Auswahl und ich konnte mir wirklich genau das Brett raussuchen, das ich haben wollte. Und die waren alle Second Hand, so dass ich nicht mal ein Vermögen dafür hinlegen musste. Mein Board ist wunderschön (natürlich!)! Leider war das Wasser hier sooo kalt, dass ich nur so eine halbe Stunde am Stück ohne Wetsuit drinbleiben konnte bis meine Lippen blau waren. Die Wellen waren leider die ganze Woche nicht soo der Hammer und daher gab es noch keine richtigen ausgedehnten Sessions, aber es bleibt ja noch viel Zeit an der Küste.Den Rest der Woche haben wir mit Strandliegen, Boules spielen, Barbecue machen und kleineren Ausflügen verbracht. Zwei der Jungs sind zum Fallschirmspringen gegangen und wir standen alle darunter und haben gehofft, dass der Schirm aufgeht. Ich wäre auch gerne gesprungen, aber in Australien ist alles ein wenig teurer und von dem Geld für einen Sprung hätte ich in Südamerika einen Monat leben können. Hier muss ich ein bissl sparen, also kein Sprung für mich, nur zuschauen.  Wir haben uns noch die 12 Apostel angesehen, eine berühmte Felsformation an der Südküste von Australien, die dafür bekannt ist, dass dort 12 steil aufragende Felszähne nebeneinander in der Brandung stehen. (Obwohl es wohl nur noch 11 sind, aber ich konnte nur 10 sehen – ob da was nicht stimmt?) Das Meer ist dort azurblau und der Himmel ohne eine Wolke. Die Felsen sind gelb und rot und das Farbspiel dort ist einfach sehr beeindruckend.

Nachts sind wir mit Locki, einem der Jungs der in einem Nationalpark als Ranger arbeitet und jedes Tier in Australien kennt, in einen Nationalpark in der Nähe gefahren und haben uns die Glühwürmchen angesehen, die dort überall rumglühen und den Wald richtig erhellen. Auf dem Weg dorthin ist uns doch wirklich ein Fuchs über den Weg gelaufen und hat sich sogar fotografieren lassen, ohne Angst zu haben. Vielleicht sind die Tiere in Australien genauso nett wie die Menschen?

Aber ich habe auch schon ein paar meiner besonderen Freunde gesehen – Spinnen! Große Spinnen! Und die sind hier nicht immer so ungefährlich wie bei uns (ja, ja, die tun Dir doch nichts… die haben viel mehr Angst vor Dir als Du vor ihnen ..blablabla.) Doch! Die tun hier was und die Jungs haben sie schleunigst aus dem Haus getragen und weit weg in die Büsche geworfen. Ich will echt keine giftigen Schlangen oder Spinnen nahe bei mir, darauf kann ich hier gut verzichten. Bäh!

Jetzt sind wir bei Stus Eltern, in einem Landhaus in Deniliquin, einem Mini-Ort im Landesinneren und werden hier unsere Zeit mit Ausritten und Buschwanderungen verbringen, bis es in zwei Tagen weiter nach Melbourne und zurück ans Meer geht.  No worries, mate!

Bussi, bussi und bis bald vom sonnigen Land ganz unten!

Cusco und die Inkas – Machu Picchu und Blasen an den Fuessen…

Dienstag, Februar 5th, 2008

Peru, das Erlebnisland…

Die letzten zwei Wochen waren sehr aufregend, deshalb hat es ein wenig länger gedauert mit der Berichterstattung, aber hier nun der gesamte Bericht – aktuell und in Farbe, viel Spaß!

In Huaraz haben wir die Bergtour am nächsten Tag gestartet. Es ging mit Bus und Taxi in die Bergwelt über unbefestigte Straßen und durch urige Dörfer bis nach Chachapampa, dem Startpunkt der Tour. Unser Eseltreiber und sein Burro hatten erst wohl keine Lust loszulaufen, daher hat sich der Start ein wenig nach hinten verzögert. Nachdem Nino auf Spanisch ordentlich geflucht hat, ist der gute Mann doch aufgestanden und wir konnten starten.

Der erste Tag war sehr anstrengend. Fast fünf Stunden ging es steil bergauf bis wir abends an unserm Camp ankamen. Dabei sind wir immer an einem großen Fluss entlang gegangen, der teilweise zu einem steilen Wasserfall wurde. Die ersten zwei Stunden ging es noch durch Wälder und grüne Landschaft, danach wurde die Landschaft felsig und karg.

 

In einer Kuhweide, die von großen Steinen eingerahmt war, hat der Eseltreiber zwei kleine Iglu-Zelte aufgestellt und neben einem großen Stein auf einem kleinen Gaskocher Abendessen gekocht. Ständig sind Kühe und Esel neben unserem Zelt auf und ab gegangen und haben uns neugierig begutachtet. Und dann wurde es kalt. Ich habe alle meine Sachen angezogen und mich in den Daunenschlafsack gekuschelt. Wir waren so müde und kaputt von der Höhe (waren schon auf etwa 4000 Metern), dass wir gleich nach dem Essen geschlafen haben. Das war auch gut, denn am nächsten Morgen hat Felix, unser Guide, uns schon früh geweckt, damit wir früh am Morgen weiterlaufen.

Es ist gerade Regenzeit in den Bergen und es fängt meistens nachmittags an zu regnen, daher muss man sehen, dass da schon das Zelt steht und man im Nachtlager angekommen ist – sonst wird’s ungemütlich.

Wir sind weiter bergauf gelaufen, immer zwischen gigantischen und teilweise schneebedeckten Gipfeln entlang, durch Moor und an Bergseen entlang. Nach etwa zwei Stunden hat sich leider meine nicht auskurierte Erkältung bemerkbar gemacht und wurde wohl durch die Höhe verstärkt. Irgendwann konnte und wollte ich nicht mehr weiterlaufen und Nino musste mich die letzte Stunde bis ins Lager durch strömenden Regen und Eiseskälte im Nebel fast nach oben tragen. Dort angekommen hat sich bei mir die Höhe (wir haben auf 4200 Metern geschlafen…) erst richtig bemerkbar gemacht, so dass ich den Rest des Tages nur gepennt habe.

Als es am nächsten Tag nicht besser wurde hat Felix beschlossen, dass wir den Pass von fast 5000 Metern nicht mehr machen und stattdessen wieder weiter runter müssen. Also sind wir am dritten Tag alles wieder abgestiegen. Insgesamt waren wir fast acht Stunden unterwegs und sind dabei über 1000 Meter nach unten gegangen. Ich war sooo heilfroh, endlich wieder unten zu sein. Dort ging es mir auch gleich wieder besser, die Schmerzen waren weg und nach einem Tag im Bett, an dem wir uns nicht bewegt haben, war meine Gesundheit wieder hergestellt. Nächstes Mal also besser akklimatisieren und nicht krank loslaufen!

Felix und der Eseltreiber haben sich glaub ich gefreut über einen Tag weniger Tour und der Eseltreiber ist ganz glücklich in seinen Sandalen (ja! Sandalen – wir hatten Bergschuhe und haben gefroren – er läuft alles mit so ner Art Birkenstock und bekommt keine kalten Füße. Außerdem rennt er. Er war mindestens doppelt so schnell wie wir.) wieder nach Hause gekommen, ohne die gesamte Tour von vier Tagen allein und ohne Pausen innerhalb von 24 Stunden wieder zurücklaufen zu müssen. Die sind krass. Jetzt auch in Cusco – die tragen bis zu 25 Kilo auf Sandalen tausende von Meter hoch über die alten Inka-Pfade und schnaufen noch nicht mal richtig! Wir sind solche WEICHEIER!!! Und die haben keine Rucksäcke, sondern tragen riesige Säcke mit Zelten und Essen auf dem Nacken, nur durch ein buntes Tuch an den Schultern befestigt.

LIMA

Nach einem Tag Erholen und Wäsche waschen (ja, wir haben gescheit geschwitzt da hoch!) sind wir mit dem Luxusklasse-Bus nachts nach Lima, der Hauptstadt von Peru gefahren. Man kann die Sitze in diesen Bussen so weit umlegen, dass man richtig pennen kann. Ein Paradies für mich. Ich bin am überlegen, ob ich mir nicht ein Bett konzipiere, das das Fahrgeräusch und –bewegung eines Busses nachahmt, so gut schlafe ich!

Morgens um sechs sind wir in Lima angekommen und haben den ersten Tag mit einer kleinen Stadttour verbracht. Lima ist eine alte Küstenstadt mit 8 Millionen Einwohnern. Es ist riesig! Die meisten Häuser haben nicht mehr als zwei Stockwerke und so breitet sich die Stadt über hunderte von Kilometer weit in alle Richtungen aus. Es gibt viele schöne Häuser, koloniale Bauten und schön restaurierte Straßenabschnitte. Lima ist eine hektische und moderne Stadt, die sich so einen Touch Inka-kultur bewahrt hat. Obwohl man keine der traditionell gekleideten Frauen mit den bunten Tüchern sieht, ist die Andenkultur doch allgegenwärtig.

Der Abschnitt am Meer ist schön hergerichtet mit kleinen Parks und einem Fußgängerweg, den wir dann entlanggelaufen sind. Etwa 150 Meter unter dem Weg ist noch eine Küstenstraße und dann der Strand. Oder die Müllhalde! Es stinkt dermaßen nach oben vom Wasser, dass ich Angst hatte, mal ordentlich einzuatmen. Aber das Schlimmste: Das Wasser ist voll von Badenden und vor allem Surfern! Wenn alle halbe Stunde mal eine einzige kleine Welle kommt, stürzen sich alle darauf und glücklich ist derjenige, der sich im Getümmel durchsetzten kann.

Wenn die Welle dann an Land kommt, bleibt schöner braun-beiger Schaum zurück… Das Wasser ist entsetzlich dreckig. Wir waren nicht unten, der Blick von oben hat uns gereicht.

Zurück im Hostal haben wir abends ein paar Leute kennengelernt und sind später mit dem Besitzer des Hostals noch ins Lima Nachtleben aufgebrochen. Eigentlich wollten wir Salsa tanzen gehen, aber genau an diesem Abend gab es im „El Dragon“ leider nur elektronische Musik. Aber weil wir ein paar Leute waren und die Drinks relativ günstig war der Abend, der in einem andern Club geendet hat (?) doch ziemlich lustig.

Den nächsten Tag haben wir mit der Besichtigung der Altstadt verbracht, die leider ziemlich verkommen ist und kaum wirklich sehenswertes bietet. Die Plaza des Armas, der Hauptplatz mit Kathedrale ist schön und für Touristen hergerichtet, aber das Schlendern in den kleinen Gassen war nicht so richtig schön.

Davor haben wir uns im Museo del Arte einen Querschnitt der Inka-Kultur angeschaut. Dort waren Keramik, Waffen, Stoffe und Malerei von den Ursprüngen der Kulturen (ca. 500 v.Chr.) bis heute ausgestellt. Am Interessantesten waren Darstellungen der Hochzeit der Inkas, dieses riesigen und mächtigen Volkes in Peru, Bolivien, Chile und Ecuador. Die waren ganz schön clever und hatten einen riesigen, zentral regierten Staat, den sie schlussendlich zum Teil selbst vernichtet haben. Was noch bestand wurde im 16. Jhd. von den Spaniern plattgemacht. Der letzte Herrscher, Tupac (kein Scherz!), wird noch heute als König verehrt. Seine Statuen und Abbilder sind überall noch heute zu finden.

Diese Darstellung der Inka-Kultur und ihrer Lebensweise ist am stärksten in Cusco, der Hauptstadt der Inka-Kultur. Hier ist es überall! Es gibt tausende von Museen und Ausstellungen und natürlich die ganzen alten Ausgrabungen, Tempel und Wohnhäuser, Brücken und Terrassen. Das Beeindruckendste ist und bleibt aber der Machu Picchu, diese Anlage mitten auf einem freistehenden Felsen in den Anden auf 3000 Metern Höhe. Aber dazu später noch mehr.

Lima hat sich bei mir mit einem super Salsa-Abend verabschiedet. Ich war mit einer Dänin aus dem Hostal in einem Salsa-Club, in dem ab elf Uhr abends eine mindestens zehn-köpfige Liveband Salsa gespielt hat.  Erst mal wollte uns beiden Blondies niemand auffordern, wohl aus Angst, sich mit uns lächerlich zu machen, aber als der erste sich mal getraut hat, waren wir die Exoten. Wir haben durchgetanzt bis zwei Uhr morgens!

PISCO 

Danach haben wir uns aufgemacht nach Pisco, der Geburtsstadt des Schnapses Pisco (man trinkt eigentlich Pisco Sour, mit aufgeschäumtem Eiweiß und Limone, hmmmm…), in dem vor nicht einmal sechs Monaten ein furchtbares Erdbeben war.

 

Pisco war das Epizentrum eines Bebens mit dem Wert 7,9 auf der Richterskala und fast alle Häuser sind dabei in der Stadt zerstört worden. Als wir ankamen, waren wir erst mal ziemlich geschockt. Es sah aus wie im Krieg. Überall Schutt und halbe Häuser, manchmal nur noch ein paar Mauern und Häuser ohne Dächer. Die Leute haben sich unheimlich über uns gefreut, da seit der Katastrophe kaum noch Touristen kommen und die Menschen dort nicht mehr vom Tourismus leben können. Noch vor dem Beben war Pisco wohl eine belebte Stadt, Ausgangspunkt für eine sehr bekannte Tour, die Tour zu den kleinen Galapagos-Inseln.

Das sind die Islas Ballestas, die vor der Südküste Perus liegen wo das Wasser ziemlich kalt ist (zu kalt für mich zum surfen! Oder auch baden…). Etwa eine halbe Stunde mit dem Schnellboot vom Ufer weg liegen drei Felsen, die eine Insel bilden, die ein Paradies für Vögel, Pinguine und Seelöwen ist.

Doch davor muss man sich durch die Pauschaltouristen-Zone quälen. Der Anleger für die Schnellboote ist morgens um sieben von mindestens dreihundert Touris bevölkert, die frisch gestriegelt aus ihren schicken Touristenbussen aussteigen, kommen direkt aus Lima und machen „nur schnell die Tour“. Und genauso benehmen sie sich auch. Für uns war das ein Schock. Nach monatelangem Reisen auf den eher weniger touristischen Routen und mit anderen Travellern haben uns diese Ströme ziemlich erschreckt. Aber die Inseln haben uns entschädigt für ein vollbesetztes Schnellboot.

 

Dort haben wir tausende von verschiedenen Seevoegeln, Pinguine und Seeloewen gesehen. Das Beeindruckendste war eine Seelöwen-Mama mit ihrem ganz kleinen Baby, das sie gerade auf einen Felsen vom Schwimmen gewuchtet hat. Die sind enorm groß und machen wahnsinnig Lärm! Sie kommunizieren in komischen Schrei-Lauten und wenn dann etwa fünfhundert Löwen gleichzeitig schreien, dann hört man sein eigenes Wort nicht mehr. Sie sehen gerade ziemlich lustig aus, weil sie sich einen Fett-Nacken angefressen haben, von dem sie die kommenden Monate leben ohne essen zu müssen. 

Die Pinguine sind dagegen eher klein gewesen und haben gar keine Stunts gemacht oder so. Trotzdem waren sie super und haben uns mit ihren kleinen Äuglein angestarrt.

Und diese drei Felsen, die die Inseln darstellen sind so voller Scheiße von den Vögeln, dass man dort jedes Jahr Guano abbaut! Es hat also ziemlich gestunken… Wir sind mit dem Touri-Boot fast zwei Stunden durch ziemlich hohe Wellen zwischen den Felsen rumgeschippert und haben diese Tierwelt von allen Seiten aus besichtigt. Wir waren aber beide froh, als wir aus der Touristen-Zone wieder zurück nach Pisco kamen und uns wieder wie Indiuvidualreisende gefühlt haben. (Ja, noch! Bis wir nach Cusco kamen…)

HUACACHINA 

 

Der nächste Stopp war Huacachina, eine Oase mitten in der Wüste bei Ika, einem Ort südlich an der Küste. Dort ist wirklich nur eine Pfütze im Boden, darum riesige Dünen und vieeeel Sand. Wir haben dort zwei Nächte verbracht und waren am zweiten Tag mit einem Dune-Buggy in der Wüste unterwegs. Wir haben natürlich die Extreme-tour gebucht und sind mit diesem abenteuerlichen Gefährt die steilsten Dünen hoch und runter. Zweimal sind wir sogar ein bisschen abgehoben und in ein Sandtal runtergerauscht.

Das Beste aber war, dass wir uns Snowboards ausgeliehen haben und damit die höchsten Dünen nur in kurzen Hosen runtergefahren sind. Das Hochlaufen ist das Anstrengendste, was ich seit ganz langem gemacht habe! Oh Mann! Und oben hat es so gewindet, dass der ganze Sand in Augen, Ohren und Mund (der ja vom hektischen Atmen weit aufgerissen war) geweht ist und wir einfach nur noch paniert waren. Ich hatte Angst, dass ich eine Staublunge bekommen könnte und habe versucht, den Mund zu zumachen, aber mit dicken Snowboardboots eine Sanddüne hochzulaufen ist einfach tödlich. Ich musste mich also entscheiden zwischen Staublunge und ersticken und hab die Staublunge genommen…

Ist ganz anders als Snowboarden, aber super lustig. Der Sand bremst total und man hat echt Schwierigkeiten, überhaupt ins Gleiten zu kommen. Wir sind am Ende, als die Sonne gerade hinter den riesigen Sandbergen untergegangen ist, noch auf die höchste Düne hochgelaufen und haben dort eine ewige Abschiedsfahrt gemacht. Super!

NASCA 

Am Tag danach sind wir noch weiter südlich in einen Ort namens Nasca gefahren, wo es riesige Linien im Boden gibt, die die alten Inka (oder warens die Nascas? Verwechsle schon alles…) dort hinein geritzt haben. Man kann die vom Boden aus nicht sehen, weil sie zu groß sind.

 

Als in den 70er Jahren die ersten Flugzeuge über das Gebiet geflogen sind, hat man die erst entdeckt. Wir sind mit einem sehr kleinen Propeller-Flugzeug über diese Linien gefahren und konnten sie aus der Luft sehen. Sie stellen alle möglichen Tiere dar, zum Beispiel Kolibries (hab ich nicht erkannt, aber hatte Flügel), Hund und Vögel. Aus der Luft kann man die ziemlich gut sehen und kann die Größe der Figuren erahnen. Das war vielleicht aufregend.

Das Flugzeug war echt sehr klein und man konnte jeden Luftzug spüren. Nur sechs Leute haben reingequetscht reingepasst! Und es war krass laut… Einem von den Passagieren ist schlecht geworden, hat aber zum Glück alles Frühstück bei sich behalten.

Den Rest des Tages haben wir bei einem Pollo (Hühnchen)-Grill verbracht, wo wir ein halbes Hähnchen bestellt haben, das die Mutter aller Wies’n-Händel gewesen sein muss. Wir haben es kaum geschafft und mussten uns ordentlich Zeit lassen. Danach sind wir noch im Verdauungskoma in ein Internetcafé gerollt und haben mal wieder Kontakt zur Außenwelt aufgenommen. Am gleichen Abend haben wir den Nachtbus nach Cusco genommen.

CUSCO 

Cusco liegt mitten in den Anden auf 3300 Metern und die die mindesten 5000 Kurven haben uns ganz schön durchgeschüttelt.  Cusco ist die Touristen-Hochburg von Peru und wir sind mitten rein gefallen! Alles ist voll von Tour-Anbietern, Hotels und Restaurants. Aber es ist Nebensaison und außer uns kommen wenige Touris an. Auch sind die Restaurants fast alle leer und überall gibt es Sonderpreise. Also haben wir wohl Glück gehabt und erleben nicht den großen Touristenansturm auf den Machu Picchu. Ja, denkste…

 

Schon am Busbahnhof werden wir von mindestens fünf Schleppern angesprochen, die uns ihr Hotel anbieten – das zu Preisen, die für die Nebensaison sprechen. Wir entscheiden uns für ein kleines Hostal im Stadtteil San Blas in der Nähe des Plaza des Armas und sehr zentral. Dort akklimatisieren wir uns erst mal ein paar Tage, machen kleinere Ausflüge in die Umgebung und ich trinke vorsorglich ziemlich viel Coca-Tee, damit meine nicht vorhandene Höhenkrankheit behandelt wird. Der Tee wirkt für und gegen alles! Und macht lustig… Leider auch blöd – wie Wissenschaftler irgendwann mal festgestellt haben. 

Wir erkunden die Stadt auf eigene Faust (obwohl es überall natürlich die tollsten Stadttouren gibt!) und wollen in die Kathedrale. Aber 25 Sol (fast acht Dollar! Davon leben wir einen ganzen Tag.) Eintritt ist uns dann doch zu happig für eine Kirche wie sie in den meisten größeren bayerischen Ortschaften steht.

Wir gehen also ins Museum und schauen uns Sachen an, die man an den Inka-Stätten ausgegraben hat. Hier stehen auch Miniaturen von den wichtigsten Baumälern und Rekonstruktionen der Ruinen, was sehr interessant ist. Vor allem, weil wir uns die in echt auch noch anschauen werden. An einem Tag wollen wir uns ein paar Ruinen und alte Tempel in der Nähe anschauen und mieten dafür zwei Pferde, um eine Tour zu machen. Leider fängt es nach fünf Minuten an zu regnen, so dass wir klitschnass und fast erfroren wieder ins Hostal zurückkommen und uns erst mal aufwärmen müssen (ich sag doch, Coca-Tee! Schade, dass es das bei uns nicht gibt, aber gilt wohl als Droge oder so…).  

Wir genießen diese schön hergerichtete und bunte Stadt mit ihren bunten Bewohnern, den traditionell gekleideten Frauen und Kindern und den Lamas und Alpakas auf den Straßen ein paar Tage und planen unseren Treck zum Machu Picchu. Leider ist der Inka-Weg geschlossen diesen Monat und wir entscheiden uns daher für eine Alternativtour, die fünf Tage dauert und auch am Machu Picchu endet.

Wir kaufen Pillen, um das Flusswasser zum Trinken zu säubern, packen unsere warmen Sachen ein und der Guide kommt bei uns vorbei, um uns die Tour noch einmal zu beschreiben. Als wir am Abend davor ins Hostal kommen, teilt uns das Mädel vom Hostal mit, dass es leider einen großen Erdrutsch gab und der Weg, den wir gehen wollten leider unbegehbar ist. Es ist einfach zu gefährlich. Also wird unsere Tour kurzerhand abgesagt – so ein Pech! Das ist das Schlechte an der Nebensaison.

 Enttäuscht suchen wir hektisch nach einem Ersatzplan und müssen dann wohl doch das volle Touriprogramm in Kauf nehmen. Wir fahren also am nächsten Tag mit dem öffentlichen Bus nach Pisac, einem Ort, der auch eine große Ruinenstadt der Inkas hat und machen dort eine Tour auf den Berg und schauen uns die alten Steine an.   Die Fahrt dorthin ist fast unser Ende: Ich sitze ganz vorne beim Fahrer und merke, dass dieser immer wieder einschläft – während wir auf Serpentinen-Straßen den Berg runter brettern! Der pennt immer mal kurz ein und dann kommt der Bus dem Fahrbahnrand gefährlich nahe. Und da geht es ungefähr dreihundert Meter senkrecht nach unten! Hallo! Zweimal rast er fast in einen Baum, bis ich anfange hektisch zu husten, damit er die Augen bitte wieder aufmacht. Kurz bevor wir irgendwo dagegen knallen reißt er das Lenkrad rum und fährt zurück auf die Straße. Ich schwitze trotz der kalten Temperaturen und bin kurz davor auszusteigen. Nino muss dann die restliche Fahrt mit dem Typen reden, damit ich sicher bin, dass er nicht mehr einschläft. Wir hocken als neben dem Penner und weil Nino nicht weiß, was er sagen soll, spreche ich ihm vor und er übersetzt das dann in Spanisch. So halten wir den Fahrer die restliche Viertelstunden wach und ich bin einer Ohnmacht nahe, als wir endlich aussteigen. 

Pisac entschädigt mich dann für die Strapazen und den Fast-Absturz in den sicheren Tod. Es ist schon beeindruckend, was für schöne Plätze sich die Inkas da ausgesucht haben. Und dann haben sie die ganzen Steine aufeinandergesetzt, ohne Mörtel oder andere Verbundstoffe und diese Mauern stehen noch immer, 500 bis 1000 Jahre später. Die Steine sind so akkurat zugeklopft, dass sie genau aufeinander passen und kein Licht oder Wasser hindurch fällt. Die Städte waren insgesamt riesengroß.

Wir laufen alleine 1,5 Stunden den Berg runter entlang an Ruinen, alten Tempeln, Wohnhäusern und Terrassen für den Anbau von Mais und anderen Sachen. Unterwegs kommt uns niemand entgegen, obwohl es ein wunderschöner Tag ist und die Tour wirklich relativ einfach. Aber die Touris fahren halt alle nur nach Machu Picchu, das als Weltkulturerbe den höchsten Prestigefaktor hat. Sich diese Stätte nicht anzuschauen wäre in etwa so, wie nach Paris zu fahren und den Eiffelturm nicht zu sehen. Nur ein alter Peruaner mit Sandalen und einer Plastiktüte mit Coca-Blättern kommt uns schnaufend entgegen und will uns die Blätter andrehen.

 

 Von Pisac aus nehmen wir einen anderen öffentlichen Bus (ich hab mir die Augen des Fahrers angeschaut, bevor ich eingestiegen bin…) nach Urumbamba und von dort aus weiter nach Ollyantampo (oder ganz ähnlich). Die Orte liegen alle im „Heiligen Tal der Inkas“, durch das wir fahren und die steilen Bergwände links und rechts neben uns bewundern. In der Mitte fließt ein Fluss, der nach den starken Regenfällen der letzten Tage ungeheuer reißend ist und an einigen Stellen über die Ufer tritt. Von dem …tampo-Ort nehmen wir dann den berühmten Zug nach Aquas Calientes. Das ist der Ort, von dem aus man den Machu Picchu besichtigt und wo alle Inka-Trailer ankommen.   

AGUAS CALIENTES UND MACHU PICCHU

Zum Glück ist auch hier Nebensaison und wir haben ein nettes Hotel mitten im Ort. Naja, es gibt eigentlich nur eine Straße, die steil einen Hügel entlangführt und an der alle Restaurants und Bars sind. Ganz oben an der Straße ist ein heißes Thermalbad, auf das ich mich schon freue, als ich höre, dass es dies gibt.

 

 

Da unser Zug erst um acht Uhr abends losgeht und es schon dunkel ist, sehen wir vom Weg leider gar nichts. Auch der Ort Aquas Calientes ist dunkel und wir sind völlig unwissend darüber, dass sich direkt neben unserem Hotelzimmer ein Fünftausender in den Himmel erhebt!

Am nächsten Morgen machen wir uns um vier Uhr früh auf den Weg nach Machu Picchu. Wir treffen unseren Guide dort oben um sechs und der Weg nach oben dauert etwa zwei Stunden. Man hat uns auch gesagt, dass wir den gar nicht verpassen können, weil da ja sooo viele Leute morgens hochlaufen. Wir sind total allein, es ist stockdunkel und unsere einzige Stirnlampe kann das Dunkel auf dem Weg kaum erhellen. Neben uns muss der reißende Fluss sein, denn es ist so laut, dass wir uns kaum unterhalten können. Aber es muss der richtige Weg sein. Es gibt schließlich keinen anderen. Nach einer Viertelstunde haben wir keine Menschenseele gesehen und sind mitten im Wald, hören den krassen Fluss und denken daran, umzukehren.  Da kommen zwei Lichter auf uns zu und es stellt sich heraus, dass zwei Neuseeländer auch nach dem Touristenstrom nach Machu Picchu suchen. Die beiden haben auch so wenig Licht wie wir und wir sind alle froh, dass wir uns im Dunkeln gefunden haben. Also machen wir uns zu viert auf den Weg nach oben. Weil wir nichts sehen und nur den wilden Fluss hören, ist der Weg schon ein bisschen unheimlich. Es geht durch einen Urwald steil nach oben über steinerne Treppenstufen und schon nach ein paar Minuten sind wir alle ganz schön am Schnaufen und Schwitzen. Nach 1,5 Stunden sind wir endlich total verschwitzt oben angekommen und genießen erst mal das Frühstück vom Hotel, das wir in mitbekommen haben. Endlich wird es auch hell, aber außer Nebel sehen wir wenig.  Wir sind mit die ersten da oben und warten ungeduldig auf unseren Guide vor dem Haupteingang. Die Karten kosten 20, bzw. 40 Dollar, aber man muss noch sein Essen einschließen (darf man nicht mit reinnehmen) und auch Pipi kostet noch extra. Das ist einer der teuersten Tage der ganzen Reise! Hoffentlich gehen wenigstens die Wolken noch weg, sonst wird es auch der nebligste Tag der Reise. Als wir endlich nach oben kommen und der Blick auf die sagenumwobene und bekannteste Ruine der Welt frei wird, kommt auch die Sonne raus und der Nebel löst sich ganz langsam auf. Ich bin begeistert vom ersten Blick auf die Stätte. Sie liegt dicht gedrängt auf einem Plateau, das an allen Seiten steil nach unten abfällt. Etwa 500 Meter drunter ist der Fluss zu sehen und dazwischen sind nur ein paar kleine Wolkenfetzen und Luft – dünne Luft. 

Wir besichtigen die Ruinen mit Guide, der uns viel erzählt über die Stätte und die Götter (am wichtigsten ist natürlich die Pachamama, die Mutter Erde auf der alles wächst und steht) und laufen anschließend noch auf den Waynapicchu, einen Felszahn, der hinter dem Plateau aufragt. Auch hier gibt es wieder nur Steinstufen und ich bin mir sicher, dass ich mindestens im 120. Stock war gestern!

 

Das Laufen ist wahnsinnig anstrengend in dieser Höhe und wir schnaufen ganz schön. Aber uns geht es noch gut. Als wir wieder runter laufen kommen uns Menschen entgegen, die ziemlich sicher nicht oben ankommen werden. Zum Glück sind wir gut akklimatisiert und gesund, so dass uns das Laufen nicht so viel ausmacht.

  

Von dort oben hat man einen atemberaubenden Blick (wenn sich die Wolken unter einem kurz verziehen) auf die Stätte und die umgebende Landschaft. Es sieht echt beeindruckend aus. Die Berge ragen alle spitz und fast senkrecht aus dem Boden. Dazwischen hat nur die Bahnlinie Platz, so eng ist das Tal. Es gibt keine Straße und die Bahnschienen sind nur eingleisig.

 

Wir laufen noch ein Stück den traditionellen Inka-Weg zurück und schauen uns eine Brücke an. Der Weg ist teilweise so eng, dass man niemanden durchlassen kann, der einem entgegen kommt. Und er ist überhängend – darunter geht es fast 800 Meter senkrecht bergab. Uiuiuiuiui…Ich habe zwar keine Höhenangst, aber beim Blick da runter kann einem schon schwindlig werden. Ich beschließe, immer ganz nahe an der Felswand zu gehen, als ich sehe, dass der Weg, auf dem wir gerade laufen, an einer Stelle einfach runter gebrochen ist.

 

Nach 11 Stunden laufen und über 1000 Höhenmetern, die wir überwunden haben, legen wir uns am frühen Abend im Schwefelwasser der heißen Quellen ab und weichen so richtig auf. Es stinkt zwar grausam, ist aber sooo angenehm, dass wir über eine Stunde im Wasser bleiben. Die Becken liegen in einer Schlucht, in der neben uns ein Wasserfall runter rauscht und wir haben ein super Bergpanorama. Endlich sehen wir auch den Ort im Tageslicht und es ist schon beeindruckend, wie er sich zwischen die Bergriesen quetscht.

 Um viertel vor acht (!) sind wir im Bett und schlafen tief und fest. Ich habe Blasen an den Füßen und glaube, dass ich Muskelkater bekommen werde, aber es hat sich gelohnt! Nicht umsonst ist Machu Picchu die bekannteste Inka-Stätte der Welt. 

Heute sind wir zurück in Cusco und morgen geht es weiter nach Puno und zum Titicacasee. Ich hab Muskelkater bekommen, aber nicht so schlimm wie ich dachte. Alles wird super! Bussi bussi und bis bald am Titicaca!

  

Vier Tage Bergwelt

Donnerstag, Januar 17th, 2008

 Es gibt so viel zu erzählen…. am besten hinten anfangen! Ich habe fünf neue Blogeinträge online gestellt. Viel Spass!

 

Quelle Bild: www.aventoura.de

Das Wetter wird besser und wir starten morgen in eine viertägige Tour, die uns bis auf fast 5000 Metern führen wird. Glücklicherweise tragen ein paar Esel unser Gepäck und die Verpflegung, denn es ist soo kalt hier, dass man wirklich viel zum Anziehen braucht. Ich habe mich schon mit Alpaka-Wolle-Strümpfen, -Mütze  und –Handschuhen ausgestattet, damit ich nicht erfriere. Ich hoffe jetzt darauf, dass das Wetter hält und es am Vormittag schön bleibt. Wir starten immer schon um sechs Uhr früh und laufen dann täglich etwa sechs Stunden bis zum nächsten Camp. Dort bauen wir dann das Zelt auf und bleiben über Nacht. Wir haben neben den Eseln und dem Führer auch noch einen Koch dabei, der uns abends dann stärkt. Dazu gibt es natürlich, wie hier überall, Coca-Tee und Mate zum trinken. Bei meiner Erkältung und auch allgemein extrem gut natürlich. Und der Stimmung auch sehr zuträglich…

Ich verabschiede mich in die Berge, bis bald… bussi bussi.

Huaraz und der Regen…

Donnerstag, Januar 17th, 2008

Am nächsten Tag sind wir weiter nach Süden aufgebrochen.  Von Piura wollten wir einen Bus nach Huaraz, einer Stadt zwischen der Cordillera Blanca und der Cordillera Negra auf über 3000 Metern Höhe nehmen, doch weil Wochenende war, war mal wieder fast alles voll. Unsere einzige Möglichkeit war daher, einen Bus schon um fünf Uhr abends aus Piura zu nehmen, in Chimbote um zwei Uhr morgens anzukommen und dort an einem kalten (!) und verlassenen Busbahnhof bis sechs Uhr früh auf den ersten Bus in die Berge zu warten. Der fährt dann noch mal acht Stunden über unbefestigte Schlammpisten bis auf 4000 Meter hoch. Nach über 24 Stunden Fahrt sind wir also mal wieder total fertig und verdreckt im verregneten Huaraz angekommen. Ich hatte mir beim Warten auf den Anschlussbus so eine Erkältung geholt, dass ich in Huaraz erst mal zwei Tage mit Fieber im Bett verbracht habe.

Die Cordillera Negra und die Cordillera Blanca sind zwei parallel verlaufende Gebirgsketten, die mit meherern 5000ern und einigen 6000ern die höchsten Berge der Anden darstellen. Der Huascaran ist der höchste Berg mit 6768 Metern. Den werden wir nicht besteigen, aber sehen – von unten… Die Cordillera Blanca (weiß) hat ihren Namen von den schneebedeckten Gipfeln, die von hier aus gut sichtbar wären, wenn die Wolken mal weggehen würden. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, von hier aus zu trekken oder Eisklettern zu machen.Von hier aus wollen wir eine Bergtour machen. Es gibt von verschiedenen Anbietern unterschiedliche Touren, wir überlegen gerade, ob wir vielleicht sogar sieben Tage eine große Tour bis auf 5000 Meter hoch machen sollen. Mal sehen wie sich das Wetter entwickelt, bisher regnet es die ganze Zeit und ist ziemlich kalt. Wir brauchen noch ein oder zwei Tage, damit wir gut akklimatisiert sind und ich wieder fit genug bin, dann werden wir auf jeden Fall aufbrechen. Ob die große Tour oder doch was Kleineres, das sehen wir dann. Bis dahin auf jeden Fall Bussi bussi und Bergmanns Heil! Quelle Bild: http://www.swisseduc.ch/glaciers/glossary/icons/moraine-dammed-lake.jpg

Back to surf – Schwaben in Peru

Donnerstag, Januar 17th, 2008

Wir sind nach Mancora, einem Ort in der Nähe vom Strandhaus gefahren und haben uns dort ein billiges Hotelzimmer genommen. Als wir nachts gerade schlafen gehen wollten, hat die Disko, die etwa zehn Meter neben unseren Kopfkissen war, die Musik laut aufgedreht. Selbst mit Oropax und viel Bier war das Schlafen fast nicht möglich. Am nächsten Morgen waren wir total verknautscht und müde und da klopft es an der Tür – die Schwaben. Die haben wir in Nicaragua kennengelernt, in Costa Rica zufällig wiedergetroffen und hatten uns per Mail in Mancora verabredet. Die waren die ganze Nacht im Bus unterwegs und kamen gerade erst an, waren also genauso zerknautscht wie wir.

 

Eigentlich wollte niemand von uns so lange in Mancora bleiben, aber es konnte sich auch keiner wirklich aufraffen, weiter zu ziehen, die Gesellschaft war einfach zu nett. So haben wir uns dann mit Basti und Justus (der eigentlich Benedikt heißt) ein großes Zimmer genommen und auf Wellen gewartet. Zweimal sind wir auch an einen nahe gelegenen Strand gefahren, weil es hieß, dass dort Wellen sind, aber leider war das mit dem ersehnten Super-Swell eher eine Erfindung der Lokals, die jeden Tag Swell vorausgesagt haben. Mein Surflehrer (und Verehrer) Robby, der Robertor, hat uns zwar täglich gut zugeredet, aber es ist leider nicht so viel besser geworden.

Also sind wir täglich um sieben aufgestanden, haben die windfreie Zeit zum Surfen genutzt und danach den ganzen Tag an unserer Bräune gefeilt, die Jungs haben die knappen Bikinis der peruanischen und chilenischen Mädels begutachtet und Nino und ich haben versucht, am Strand Käufer für unsere Surfboards zu finden.  

Einen Abend sind wir dann nach ein wenig Vorglühen auf unserer Terrasse ins Nachtleben von Mancora aufgebrochen, das sich hauptsächlich mitten auf der Straße abspielt.

Allerdings nicht irgendeine Dorfstraße, sondern die Panamerikana, die wichtigste Straße in ganz Südamerika, die einmal von Norden nach Süden tausende von Kilometer an der Küste entlang führt. Also etwa so wie wenn wir auf der A8 zwischen München und Salzburg eine Glühweinparty machen würden. Immer wieder kamen riesige Reisebusse und große LKWs mit Anhängern durchgerauscht. Die Leute in den Bussen haben ungläubig und verschlafen aus den Fenstern geschaut und sich über hunderte junge Leute gewundert, die ihnen ihre Pisco-Sour Becher entgegengestreckt haben.

Wir sind dann noch vom peruanischen Fernsehen interviewt worden und Justus hat sein Herz an Rosario oder so verloren. Die wollte leider nicht mehr auf einen Absacker mitkommen, auch nicht mit Freundin, vielleicht weil wir zu gefährlich aussahen (?) oder aus irgendeinem anderen Grund. Irgendwo gab es dann noch einen Club im ersten Stock eines Gebäudes, das von außen eher nach Bruchbude aussah und wir haben noch getanzt, bis es hell wurde.

Der nächste, unser letzter Tag war dann enderstens (gell Justus!) im A…, will heißen, dass wir ziemlich fertig waren und eigentlich nur am Strand abgehangen sind. Basti hat Ninos Bräunungsvorsprung durch stetes Drehen und Einölen verkleinert. Nino und ich haben unsere Bretter schließlich zusammen für nur 150 Dollar an einen Surfshop verkauft und reisen seitdem wieder mit leichtem Gepäck.

 Und obwohl Mancora nicht der schönste Ort auf unserer Reise war und auch die Wellen nicht wirklich gut wurden, war doch die schwäbische Gesellschaft ausschlaggebend für einen einwöchigen Aufenthalt in diesem Ort. Servus nach Stuttgart an dieser Stelle und bis bald mal (Basti, vielleicht in Sevilla)!

Einmal Einöde bitte! Lobitos und sonst nix

Donnerstag, Januar 17th, 2008

Nach fünf Tagen Familien-„Idylle“ im Strandhaus, war es für uns alle Zeit, wieder alleine zu sein. Die Freundin von Frosti war nett, aber auch sehr koordinierend und das war für uns sehr anstrengend. Nachdem wir zusammen zurück nach Piura gefahren sind, haben wir unser restliches Zeug dort gepackt, uns schweren Herzens von unserer Weihnachtsfamilie verabschiedet, die uns auch nicht so leicht gehen lassen wollte und sind wieder aufgebrochen ans Meer.

 

Unser Ziel war Lobitos, eine Geisterstadt und ehemaliges Militär-Übungsgebiet mitten in der Stein-Staub-Wüste an der Küste von Peru. Hier stehen fast alle Häuser leer, überall streunen Hunde um die Ruinen und der Wind pfeift so laut, dass man sich manchmal sogar im Haus schlecht unterhalten kann. Es gibt eigentlich nur Öl hier. Daher sind einige Menschen dort extrem reich und alle anderen sehr arm. Das Meer ist voller Bohrinseln und an Land stehen überall diese nickenden Öl-Arme. Der Staub ist an manchen Stellen schwarz vom Öl und auch im Wasser treiben manchmal ein paar schwarze „Fetzen“.

Aber die Wellen sind (manchmal) einmalige Spitze. Es gibt an einem einzigen Strand zwei verschiedene Wellen, die weltklasse sind. Als wir ankamen, haben wir uns für eine der zwei Unterkünfte entschieden, die Albergue von Gustavo, einem dauerdichten Peruaner, der dort ohne Auto oder anderes Fortbewegungsmittel mit Frau und kleiner Tochter lebt und ein paar Zimmer vermietet. Er ist Koch und wenn man sich rechtzeitig zum Essen anmeldet, dann zaubert er herrliche Gerichte aus wenigen Zutaten. Wenn nichts da ist, dann gibt’s auch nichts. Dann kann man noch zu Don Lucho gehen, der hat entweder Fisch oder Huhn mit Reis.

Und sonst gibt es dort nichts, einfach gar nichts. Mit uns waren noch etwa sieben Jungs in der Albergue, einige Chilenen, Brasilianer und ein Portugiese, der schon seit drei Monaten dort war. Ich könnte das nicht aushalten. Es ist derart trostlos dort, dass ich schon nach ein paar Tagen deprimiert war. Es ist alles einfach grau-beige, nur Dreck und Wind und das Wasser ist unglaublich kalt. Selbst mit einem vollen Neoprenanzug, den wir uns von Gustavo ausgeliehen haben, konnte ich nicht länger als eine Stunde im Wasser bleiben. Es war einfach zu kalt. Und das nur ein paar Kilometer südlich von dem warmen Meer in Punta Sal. Aber der Spot hat einen Süd-Zufluss, der schon das kalte Wasser aus dem Süden mitbringt. Dort wird es noch kälter. Nichts für mich. Ich habe viel gefroren und mich vor dem Wind und Staub in Sicherheit gebracht. Nach zwei Tagen hats gereicht dort, zumal die Wellen immer schlechter wurden und nur noch Close-outs reinkamen. Wir haben entschieden, weiter nach Mancora zu fahren.

Ab ins Jahr 2008

Donnerstag, Januar 17th, 2008

Nach den Weihnachtsfeiertagen in der peruanischen Familie in Piura sind wir mit Frosti und seiner Freundin in deren Strandhaus ein Stück weiter im Norden von Peru aufgebrochen. Der Weg dahin dauert etwa drei Stunden mit dem Auto und ist gesäumt von Müll. Müll ist hier überall! Es gibt keine zentrale Müllabholung oder Müllhalden, so dass die Leute den Müll einfach in großen Plastiktüten irgendwo abstellen. Die streunenden Hunde und der andauernde Wind in der Gegend verteilen den Müll dann flächendeckend. Für uns war es wirklich schockierend, wie viel Zeug überall auf den Straßen und über die gesamte leere Fläche bis zur Küste verteilt ist. Die Landschaft ist schon von sich aus nicht besonders schön. Eigentlich kann sie nur als eine Stein- und Staubwüste bezeichnet werden. Ein paar Felsen lockern da schon fast auf… Es ist unglaublich windig die gesamte Zeit und innerhalb von Sekunden ist alles mit dem feinen rot-braunen Staub der Umgebung bedeckt. Bis nach Punta Sal, unserem Ziel, überquert man eine Hochebene, von der aus man die Umgebung ganz schön sehen kann. Der Wind pfeift ungehindert über die Straße, die von Zeit zu Zeit vom Staub so bedeckt ist, dass man sie nur noch erahnen kann. Aber am Schlimmsten ist der Gestank. Sobald nachts der Wind für ein paar Stunden nachlässt, riecht man den Müll und die nicht vorhandenen Kanalisationssysteme. Es stinkt bestialisch. Nach vermodernden Abfällen, Abwasser und verbranntem Plastik. Teilweise ist es mitten in einer Ortschaft so schlimm, dass es einem den Atem verschlägt. Ich weiß nicht, wie die Menschen damit leben können, ob sie schon so abgehärtet sind oder sie es einfach hinnehmen ohne zu kotz… Wir auf jeden Fall haben öfter als einmal schnell die Shirts vor Nase und Mund gehalten oder einfach die Luft angehalten, wenn der Bus mal wieder durch eine Geruchs-Attacken-Zone gefahren ist. Aber die Leute scheint auch der Müll nicht so sehr zu stören. Es gibt teilweise schon Mülltonnen (was die mit dem Müll dann machen, weiß ich auch nicht), aber die Leute schmeißen ihre leeren Verpackungen oder Plastikflaschen einfach direkt daneben auf den Boden. Und das bringen sie auch ihren Kindern bei. Wenn ein Kind etwas im Plastikbecher zum Trinken bekommt, soll es den leeren Becher bitte einfach fallen lassen. Für unsere Verhältnisse und unser Verständnis von Müllentsorgung und Umweltschutz einfach undenkbar und ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen. Man hat Angst, dass sie irgendwann im eigenen Müll einfach ersticken.

In Punta Sal angekommen war ich erstmal sprachlos. Dieses Haus war eine Luxus-Villa, direkt am Strand, einsam und ruhig mit einer riesigen Terrasse, auf der sich einige Sofas und ein kleiner Pool befanden. Der Blick aufs Meer war einfach gigantisch und hier sollten wir also ein paar Tage bleiben, um gut ins neue Jahr zu rutschen. Unsere Tage haben wir mit Strand, Sonnenbaden und Essen verbracht. Leider waren dort keine Wellen und selbst als wir etwa vierzig Minuten südlich an einen bekannten Spot gefahren sind, war das Wasser fast glatt.

Im Haus waren noch die Mutter der Freundin, der Bruder und seine Freundin. Im Nachbarhaus waren die Tante mit gesamter Familie, etwa zwölf Leute (so genau weiß ich das nicht mehr, da waren so viele Kinder…), mit denen wir eigentlich an Silvester zusammen essen sollten. Aber irgendwie haben die es nicht geschafft, vor zwölf Uhr nachts den Grill anzumachen, so dass wir halt auf nüchternen Magen angestoßen haben. Um zwölf waren wir barfuß am Strand, haben das Feuerwerk eines nahen Hotels gesehen und angestoßen (mit fast allen Familienangehörigen…).

Der Brauch in Peru will es, dass man eine lebensgroße Puppe bastelt und diese um zwölf Uhr nachts verbrennt. Alle Anwesenden können sich die Puppe als eine ungeliebte Person vorstellen und all deren ungeliebte Eigenschaften und diese symbolisch im alten Jahr verbrennen. Wen ich mir da vorgestellt habe, das wird mein Geheimnis bleiben. Anschließend mussten wir noch jeder zwölf Trauben unter einem Tisch essen und für jede Traube, die jeweils einen Monat des Jahres symbolisiert, einen Wunsch für das kommende Jahr formulieren. Außerdem trägt man hier gelbe Unterwäsche, soll Glück bringen, kann ja nicht schaden…

Danach sind die „Jungen“ dann in das nahe gelegene Hotel aufgebrochen, wo DIE Party stattgefunden hat. Wir mussten umgerechnet 30 Dollar für eine Eintrittskarte zur Party bezahlen, was für hier exorbitant viel ist und sich nur die Superreichen leisten können. Dafür durfte man die eigenen Getränke mit reinnehmen. Wir sind also dort mit unseren Flaschen aus dem Supermarkt anmarschiert und haben uns schöne Rum-Drinks gemischt. Die Party war wirklich riesig, die Tanzfläche etwa halb so groß wie ein Fußballfeld und voller Menschen.

Bis zum Strand runter standen überall Tische und Stühle und auf einer Terrasse über dem Strand waren dichtgedrängt Menschen. Die meisten Mädels hatten nicht mehr als einen Bikini an und waren ordentlich aufgestyled. Die Musik war hauptsächlich Salsa, Raggaton und Hip Hop.

Wir haben dort noch ein paar Freunde von Frosti getroffen und mit denen die Nacht durchgetanzt. Als es hell wurde, sind wir über den Strand zu Fuß nach Hause gelaufen. Nino hat noch eine Kokosnuss von einer Hotel-Palme geklaut und sie stolz heimgetragen.

Den nächsten Tag haben wir fast komplett verpennt. Irgendwann gab es dann DAS Katerfrühstück Cevice, eine regionale Spezialität aus rohem Fisch und Meeresfrüchten in Zitronen-Chili-Soße.

Ich konnte den Nino dann noch überreden, am menschenleeren Strand bei Sonnenuntergang Pferde zu mieten und einen abendlichen Ausritt zu machen. Ich kann zwar gar nicht reiten, aber mein Pferd hat glücklicherweise trotzdem das gemacht was ich wollte. Und so sind wir wie zwei Cowboys dem Sonnenuntergang entgegen geritten – bis der Pferdebesitzer uns zurückgeholt hat. Aber es war jedenfalls ein guter Start in ein neues und hoffentlich aufregendes Jahr.

Weihnachten auf peruanisch

Donnerstag, Dezember 27th, 2007

Bevor wir uns in die behagliche Bequemlichkeit einer peruanischen Familie fallenlassen konnten, mussten wir erst einen wirklich langen Weg dorthin hinter uns bringen.

 

Von San Carlos in Panama sind wir früh morgens nach Panama City aufgebrochen und waren mit einem Schlag wieder zurück in der westlichen Zivilisation. Die Skyline von Panama City ist beeindruckend und die Stadt ist schnell und laut. Das alte Viertel auf einer Landspitze wird gerade zu einer Touristenattraktion umgebaut und es entstehen viele schön renovierte Straßen. Von einem Beobachtungspunkt aus kann man die großen Frachter sehen, die auf den Einlass in den Panamakanal warten. Der Kanal ist enorm, wir hatten leider nicht die Zeit, uns die riesigen Schleusen anzuschauen, aber wir sind über eine der größten Brücken über den Kanal gefahren und haben die Einfahrt zu den Schleusen gesehen.

Nach unserer Ankunft in der Stadt sind wir erstmal zu einem Hostel gefahren, in dem wir Kevin, einen der Amerikaner wieder treffen wollten. Leider haben wir uns dort knapp verpasst und das Treffen hat ein wenig länger gedauert. Ich habe mit den beiden Jungs dann eine Stadtführung gemacht, weil ich die einzige war, die den Reiseführer gelesen hatte. Auf einer bevölkerten Straße gabs dann Einheimischen-Mittagessen und neue CDs auf dem Markt. Wir versuchen, in jedem Land mindestens eine CD zu kaufen und damit eine musikalische Reise zu machen. Hauptsächlich gibt es Reaggaton und Folklore zu kaufen.

Abends haben wir uns dann von einem Taxifahrer den originalsten Club der Stadt zeigen lassen und sind noch bis spät in der Nacht um die Häuser gezogen. In einem Club waren auffällig viele sehr aufreizend angezogene Mädels unterwegs und der arme Kevin wurde von den käuflichen Damen sehr strapaziert bis wir den Laden dann verlassen haben.

 

Reise nach Piura  

Am nächsten Morgen mussten wir schon um sieben mit dickem Kopf an den Flughafen, uns dort von Kevin verabschieden, der zurück nach Mexiko gefahren ist, um seine Familie dort über Weihnachten zu treffen und unseren Flug nach Ecuador zu bekommen. Nach einer Zwischenlandung in Bogota, Kolumbien sind wir nach guten zwölf Stunden in Quito, Ecuador angekommen. Normalerweise ist es kein Problem auch abends einen Übernachtbus zu bekommen, aber einen Tag vor Weihnachten waren alle Busse voll und wir kamen fast nicht mehr weg dort. Nach zweistündigem Rumsuchen haben wir dann zwei Plätze in einem Bus nach Guayaquil bekommen, einer Hafenstadt im Süden von Ecuador. Die Nacht war unbequem und laut und wir mit unserem Kater waren nicht die besten Reisegenossen. Morgens um sechs sind wir dort angekommen und nach weiteren Ermittlungen haben wir die letzten Plätze in einem Bus nach Piura bekommen. Nochmal elf Stunden! Ich war tot, genervt, müde, hungrig und noch viel mehr… Die Grenzüberquerung war glücklicherweise kein Problem und wir sind dann pünktlich abends um halb sieben in Piura, im Norden von Peru angekommen. Frosti, ein alter Freund von Nino, bei dessen Familie wir Weihnachten verbracht haben, hat uns vom Busbahnhof abgeholt und in das riesige Haus seiner Eltern gefahren. Ich war soo froh, endlich angekommen zu sein!

Ankunft bei Frosti Als wir beiden Stinkies nach unserer Marathontour endlich dort waren, haben uns schon alle Familienmitglieder freudig erwartet. Die Mamma hat uns in ihre Arme geschlossen und uns damit blitzartig in die Familie mitaufgenommen und Schwester und Bruder haben uns neugierig beäugt. Nach der langersehnten Dusche haben wir unser ganzen stinkenden Klamotten in die Waschmaschine geschmissen und sind erstmal mit allen zum Essen ausgegangen. Das peruanische Essen ist wirklich interessant und größtenteils sehr lecker. Wir haben uns unbekannte Getränke aus schwarzem Mais probiert, die ein bisschen nach Kinderpunsch schmecken und leckere Cocktails.

Die Familie wohnt in einem großen, offenen Haus am Stadtrand, wo die reichen Leute wohnen. Der Vater ist Neurologe und die Mutter arbeitet in einer Theatertruppe für Kinder und organisiert Kinderfeste und Theaterworkshops. Für die hiesigen Verhältnisse sind die Leute sehr reich. Das Haus steht hinter hohen Mauern, die oben mit Hochspannungsdrähten gesichert sind. Wir haben unser eigenes riesiges Zimmer bekommen mit eigenem Bad und täglich frischen Handtüchern.

Die Hausangestellten lassen uns nichts machen, was für mich erstmal sehr komisch und schon fast unangenehm war. In der Küche dürfen wir nichts anfassen, sie macht alles für uns. Zum Frühstück können wir sagen, was wir haben wollen und das kocht sie uns dann. Für mich ist das nichts, ich schleiche mich teilweise heimlich rein und mache mir einen Tee oder hole mir was aus dem Kühlschrank. Auch unsere Wäsche dürfen wir nur ablegen und dann trocken wieder abholen. Nach dem Essen stehen alle einfach auf und keiner räumt seinen Teller in die Küche, das muss die machen. Als ich am ersten Tag mein Zeug dann genommen habe und auf dem Weg Richtung Küche gemacht habe, haben mich die restlichen Familienmitglieder aufgefordert, doch bitte sofort damit aufzuhören.  Nur an Weihnachten selbst hatte die Frau frei und wir haben selber das Essen auf den Tisch getragen.

Weihnachten mal ganz anders 

Weihnachten war dann ganz anders, als ich es von Daheim kenne. Der 24. ist wie bei uns ein eher hektischer Tag. Alles wird gekocht, eingekauft und fertig gemacht für den Abend. Aber abends dann, Nino und ich waren so ein bisschen verloren, weil wir nicht so genau wussten, wie das jetzt ablaufen würde, gehen erst mal alle ins Bett. Wir waren ein bisschen verwirrt, weil wir eigentlich dachten, dass jetzt Weihnachten ist, aber alle anderen haben gepennt. Um halb zwölf Nachts dann regt sich das Haus auf einmal hektisch. Alle duschen noch, ziehen sich hübsch an und um punkt zwölf wird ein Countdown runtergezählt, wie bei uns an Silvester, und um zwölf ist dann auf einmal Weihnachten.

Alle wünschen sich frohe Weihnachten, wir haben dann Fotos gemacht und dann stürzen alle in die Küche, weil niemand Abendessen hatte, weil es ja jetzt, um ein Uhr nachts, das große Fressen gibt. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es wirklich enorm viel war. Es gab Truthahn mit Apfelmuss, Schweinelende mit einer süßen Honigsauce, süßen Reis mit getrockneten Pflaumen, verschiedene Salate, Kartoffelpüree und danach noch Pannetone mit heißer Schokolade. Nachdem wir fertig waren, sah der Tisch eigentlich genauso aus wie vor dem Essen. Es war nicht ersichtlich, dass hier sieben Leute richtig reingehauen hatten. Auch die nächsten Tage gab es das Essen also noch.

Nach dem Essen haben wir uns dann ins Wohnzimmer gesetzt (oder eher abgelegt), es war inzwischen halb drei, und die Geschenke aufgemacht. Der Baum war eine sehr kitschige Komposition von Plastikfiguren und einer „singenden“ Lichterkette. Das Gepiepe war wirklich so unerträglich, dass wir es ausgestellt haben. Auch Nino und ich haben kleine Geschenke bekommen und so saßen wir dort mit unserem aufgerissenen Geschenkpapier um uns herum nachts um drei zusammen und die Eltern sind irgendwann auf dem Sofa eingeschlafen. Frosti hat uns dann noch zu Freunden von sich mitgenommen, die sich an Weihnachten dann nachts treffen und bis in die Morgenstunden zusammensitzen. Ich war irgendwann so müde, dass ich auf dem fremden Sofa eingepennt bin und die Jungs mich nach Hause gebracht haben.

Die Weihnachtsfeiertage in PeruAm nächsten Tag habe ich ewig gepennt und der ganze Tag gestern war sehr luschig und gemütlich. Ja, das war unser Weihnachen, in der Wärme von Peru, es hat etwa 30 Grad tagsüber und nur nachts kühlt es ein wenig ab. Meine Familie habe ich am 24. tagsüber über Skype erreicht, habe den Baum gesehen und mir die Geschenke zeigen lassen. Da war es hier gerade Nachmittag und ich habe geschwitzt in unserem Zimmer. Irgendwie unwirklich, das vertraute Weihnachten so mitzuverfolgen und so weit eine ganz andere Art von Weihnachten zu feiern. Aber es war ein lustiges und aufregendes Erlebnis, in einer völlig fremden Familie, einer fremden Kultur und mit ganz andern Rithmen Weihnachten zu feiern. Zum Glück verstehe ich das meiste schon ganz gut auf Spanisch, kann ein bisschen was erzählen und sorge damit und mit meinem Vornamen immer wieder für Belustigung bei allen Anwesenden.

Die sind sehr nett zu uns, haben sich ehrlich gefreut, wenn wir ihnen von Weihnachten zu Hause erzählt haben und Fotos von den Eltern gezeigt haben. Sie schleppen uns überall mit hin, wir haben heute einen Auftritt der Mutter bei einem Kindergeburtstag gesehen. Wir sind in einen Ort in der Nähe von Piura gefahren, in dem man Silber und Handarbeiten kaufen kann, sind ein bisschen durch den Ort geschlendert und haben dann bei dem Kindergeburtstag vorbeigeschaut, den die Mutter organisiert hat. Aber zuvor mussten wir noch daheim Tüten für das Popcorn falten, das die Kids dort bekommen sollten. Einige von Frostis Freunden sind auch mitgekommen und wir sind mit einer ganzen Truppe dort eingelaufen.

Gestern haben wir dann eine Tour mit dem Auto gemacht (jeder fährt alles mit dem Auto, sehr amerikanisch…) und die Weihnachtskarten der Mutter verteilt. Dadurch haben wir schon große Teile der Stadt gesehen und einen ganz guten Überblick über diese kleine Stadt bekommen. So gemütlich werden wir hier noch ein paar Tage bleiben und dann mit Frosti (der eigentlich Carlos heißt, aber nur von seinem Vater so genannt wird) und seinen Freunden in ein Haus am Strand in der Nähe von hier fahren und dort Silvester feiern.

Landschaft und Armut 

Wir sind auf dem Weg hierher mit dem Bus schon an dem Ort vorbeigefahren und es sieht dort aus wie die Wüste am Meer. Alles ist kahl und sandig und die Luft flimmert über dem Boden. Die Häuser sind klein und sehen irgendwie alle ärmlich aus. Vielleicht macht der Staub alles so schmutzig oder das Klima lässt die Häuser altern, aber es sieht alles ein bisschen so aus wie Slums. Viel ärmer als in Costa Rica oder Panama. Das ist schon wieder eine ganz schöne Umstellung für uns, denn in Costa Rica und Panama ist alles sehr tropisch, viel Grün und alles voller Palmen. Teilweise wachsen dort Straßen einfach zu, wenn das Gebüsch nicht regelmäßig geschnitten wird. Ganz anders hier. Es ist unglaublich trocken und staubig und nur bewässerte Flächen sind ein bisschen grün.

Die Leute sind viel ärmer und leben in einfacheren Verhältnissen. Die Kluft zwischen sehr reich und sehr arm ist hier enorm. Wir leben im absoluten Luxus, also wie Europäer in einem großen Haus mit Garten und das einzige Problem ist die Wahl der richtigen Klamotten. Aber wenn man irgendwo hinfährt, um im Supermarkt oder in einem Klamottenladen etwas einzukaufen, kommen mindestens vier oder fünf Kinder und betteln einen an. Sie sehen entsetzlich aus, dreckig und mit abgerissenen Kleidern. Kommt man zurück zu seinem Auto, muss man einen der Jungs bezahlen dafür, dass er auf das Auto „aufgepasst“ hat. Viele Frauen mit Säuglingen sitzen auf der Straße und betteln, die Kinder sind unglaublich dreckig und wir fahren mit dem schicken Auto durch. Und dann fahren wir zu einem Kindergeburtstag, der bestimmt 1000 Dollar gekostet hat, mit Theatergruppe, Geschenken für alle, Zelt auf der Straße und so weiter! Für die Reichen, die hier leben ganz normal, für mich sehr gewöhnungsbedürftig und schockierend. Irgendwie wird alles Luxuriöse dadurch so relativiert und als unwichtig degradiert. Und gleichzeitig noch wertvoller und wichtiger, um nicht in solcher Armut zu leben.

Entlang der gesamten Strecke von Quito bis nach Piura (19 Std. Busfahrt) sieht man eigentlich kaum schöne Häuser oder nette Städte. Ich bin mal gespannt, ob es in den Bergen anders ist. Ich könnte mir vorstellen, dass die Städte und die Natur dort ganz anders sind. Mal sehen. Bis es zum Strand geht, verbleibe ich mit einem weihnachtlichen Bussi, bussi und Feliz Navidad!

Bild: Panama City

Oh wie schön ist Panama…

Dienstag, Dezember 25th, 2007

…leider haben wir hier nur zwei Tage. Von Dominical sind wir mit dem Bus sehr früh morgens um halb sieben aufgebrochen und nach dreimaligem Umsteigen und dem Überqueren der Grenze mussten wir feststellen, dass es uns viel mehr Zeit kostet, als wir gedacht haben. Gestern Nacht sind wir erst gegen Mitternacht angekommen. Aber auch nicht richtig angekommen. Der Busbegleiter unseres Busses hat uns irgendwann aus einem unruhigen und kalten Schlaf im Bus geweckt und gesagt, wir wären da. In San Carlos. Genauer gesagt sind wir irgendwo auf der Panamerikana ausgestiegen. Es gab kein Ort, kein Taxi und auch sonst nicht viel. Nur wir beide, völlig übermüdet nach fast 18 Stunden Busfahrt mitten im Nirgendwo mit Rucksack und Surfbrettern.

 

Also haben wir das einzig Vernünftige gemacht, sind zur Polizei – nein ehrlich. Es gab zufälligerweise eine Polizeistation an der Straße ganz in der Nähe und als wir dort unsere Situation erklärt haben, dass es eben kein Taxi gibt, haben uns die netten Männer kurzerhand in ihren Truck eingeladen und mit uns eine nächtliche Hotel-Such-Tour gestartet. Das erste war uns zu teuer, dann haben uns die beiden zu einem andern gefahren. Als der Besitzer nicht gleich nach dem ersten Hupen aus dem Bett gesprungen ist, hat einer der Polizisten den Lautsprecher des Autos angemacht und ihn aus dem Bett zitiert, damit wir endlich in eines kommen. Als wir die Jungs nach einem Foto gefragt haben, waren sie sichtlich gerührt. Heute abend sind sie dann noch einmal bei unserem Hotel vorbeigekommen und haben sich erkundigt, ob uns alles dort gefällt und wollten schon beinahe eine Partie Billard mit uns spielen. Die sind jetzt unsere Freunde…

Den heutigen Tag haben wir mit der Suche nach der perfekten Welle verbracht, haben direkt am Strand für nur 1, 20 Dollar zwei große Fische gekauft für das Abendessen und das Weihnachtsfoto geschossen. Der Jodelbär ist natürlich auch schon in Weihnachtsstimmung, mehr davon unter seiner eigenen Rubrik hier…

Panama ist wirklich schön. Ein bisschen teurer als der Rest der Zentralamerikanischen Länder, aber die Leute sind wirklich alle sehr nett und hilfsbereit. Die Strände sind leer und man fühlt sich sehr sicher hier. Und es weihnachtet hier sehr, überall stellen die Leute Christbäume auf, schmücken ihre Häuser und Gärten und es blinkt nachts überall. Für mich irgendwie komisch, denn es ist dazu sehr heiß und irgendwie will das einfach nicht zusammenpassen…

Morgen früh geht es nach Panama City. Es wird uns wohl ein Zivilisations-Schock treffen, wenn die Stadt wirklich so aussieht wie auf den Postkarten. Eine sehr, sehr amerikanische und moderne Stadt, ganz anders als alles, was wir die letzten zwei und halb Monate gesehen haben. Dort treffen wir Kevin wieder, der auch einen Flug am 22. hat und werden nochmal so richtig Party machen, um Zentralamerika gebührend zu verabschieden. Komisch, dass jetzt schon ein großer Teil, fast ein Erdteil der Reise vorbei ist. Damit ist es jetzt unwiederruflich so weit, dass wir nicht mehr sagen können, die Reise gerade erst begonnen zu haben, sondern wir sind offiziell und unwiederruflich mittendrin. Und wirklich fühle ich mich gerade auch als mittendrin. Es gibt gerade wenig, das mich noch wirklich erstaunen könnte in diesen Ländern. Das mit den Freunden und Helfern gestern Nacht war ein Erlebnis, aber ich habe endlich das Gefühl, auf der Reise richtig angekommen zu sein. Also nicht in einem speziellen Land oder auf einem Kontinent, sondern das Gefühl, wirklich diese lange Reise zu machen, das Glück zu haben, einen solchen Traum echt zu erfüllen, ist endlich angekommen. Schön. Jetzt kann Weihnachten kommen.

Es ist mein erstes Weihnachten ohne Familie und ich bin mir nicht sicher, ob die peruanische Ersatzfamilie meine von Daheim irgendwie ersetzen kann, aber ich freue mich dennoch auf ein ganz anderes Weihnachten, als ich es von zu Hause kenne. Was mir schon jetzt wirklich abgeht, sind Lebkuchen! Es ist echt komisch, ich bin niemand, der Heimweh hat, aber Weihnachten macht einem so sichtbar, dass man eben nicht daheim ist. In diesem Sinne, fröhliche Weihnachten und ein weihnachtliches Bussi bussi nach Daheim!

Von Mal Pais und Dominical

Dienstag, Dezember 25th, 2007

 

Mal Pais, ein kleiner Ort auf der Nicoya-Halbinsel, den wir schon bei unserer ersten Reise nach Costa Rica vor drei Jahren besucht haben, war wieder wunderschön. Der Ort besteht eigentlich nur aus einer ungeteerten Straße an der Küste entlang und einigen Häusern zwischen Palmen und tropischem Gebüsch. Der Strand ist wunderschön, es ist kein einziges Gebäude direkt am Strand gebaut und der Strand wirkt dadurch absolut einsam und ruhig. Nur abends, wenn die Sonne spektakulär am Horizont untergeht, kommen die Leute alle zwischen den Sträuchern hervor und bevölkern den Strand. Dann hat man auf einmal das Gefühl, das sehr viele Leute dort sind.

 

Das Wasser ist bevölkert von Surfern und am Strand kommen alle Einheimischen mit Kindern und Hunden und alle Touristen zusammen, um in den letzten Sonnenstrahlen des Tages das erste Bierchen zu trinken. Wir waren insgesamt eine ganze Woche an diesem Ort. Die erste Nacht haben wir in Santa Teresa verbracht, dem Nachbarort, der nur drei Kilometer die einzige Straße entlang entfernt liegt. Dort hat es uns nicht ganz so gut gefallen. Es hat sich dort in den letzten drei Jahren unheimlich viel verändert. Anstatt von kleinen Hütten mit Palmendächern findet man dort viele hohe Häuser mit schicken Restaurants, teuren Hotels und Souvenirshops. Auch die Leute, die dort sind, haben sich verändert. Das meiste Geschäft machen dort Amerikaner, Israelis und Italiener mit teuren Restaurants und Hotels, die Einheimischen schließen mehr und mehr ihre kleinen Kneipen, weil sie dort nicht mehr überleben können. Auch die Besucher sind andere.

 

Wo früher hauptsächlich Surfer, Traveller und Hippies waren, bevölkern nun Pauschaltouristen und reiche Amerikaner die Straße, rasen mit Jeeps über die ungeteerte und staubige Straße und zahlen jeden überteurten Preis. Da konnten und wollten wir einfach nicht mithalten. Also haben wir uns wieder nach Mal Pais verzogen, wo das Leben noch viel langsamer und beschaulicher abläuft. Wir hatten dort ein kleines Zimmer mit Familienanschluß – die kleine Tochter der Vermieter kam täglich vorbei, um zu sehen ob sie einen Keks bekommt.

Die Woche war sehr ruhig und wir sind eigentlich nur gesurft und haben abgehangen. Ich habe die letzten Auswirkungen meines Dengue-Fiebers auskuriert und viel geschlafen.

Zufälligerweise haben wir drei Schwaben wiedergetroffen, die wir schon in Nicaragua kennengelernt haben und uns einige Male abends mit ihnen getroffen. Die Jungs hatten sich einen vierten Mitreisenden gesucht und sich für eine Woche Costa Rica ein Auto gemietet. Sie waren ganz glücklich über diese Entscheidung und wir ziemlich neidisch. Das Busfahren ist unglaublich anstrengend hier, ganz anders als in Mexiko, wo es diese super schnellen Busse überall gibt. Hier wartet man schon auch mal zwei Stunden auf einen Bus, in dem man dann keinen Sitzplatz hat und steht. Und dann viermal umsteigen am Tag dauert einfach ewig. Die meisten Straßen sind so schlecht, dass es ein einziges Geholper und Geschüttele ist und man abends bei der Ankunft erstmal seine Gliedmaßen wieder ordnen muss.

Die Schwaben-Jungs haben uns dann sehr netterweise angeboten, uns ihren Jeep einen Tag auszuleihen, damit wir einen Ausflug machen können. Wir haben den Jeep also am Morgen abgeholt und waren ganz aufgeregt, mal wieder mit einem „eigenen“ Auto unterwegs und unabhängig zu sein. Es ging dann auch erstmal über die absoluten Abenteuer-Straßen durch den Dschungel, steile Hänge rauf und runter und durch Flüsse durch. Wir mussten uns alle paar Meter abwechseln mit Fahren, weil wir beide so Spaß am Adventure-Fahren hatten.

Bei einem nahe gelegenen Nationalpark haben wir gestoppt und sind eine Stunde durch den Urwald gelaufen, haben Brüllaffen gehört und einen riesigen Iguana gesehen. Danach sind wir nach Montezuma, einem kleinen Hippie-Dorf auf der anderen Seite der Halbinsel gefahren und sind dort zu einem schönen Wasserfall mitten im Urwald gewandert. Es gibt keinen richtigen Weg, sondern nur so einen Pfad, der durchs Wasser, über Steine und durch den Wald führt. Man muss genau Ausschau halten nach so roten Pfeilen, die an Steinen und Wurzeln gemalt sind, dann findet man einen Weg nach oben. Das Wasser ist wunderbar klar und kühl und man kann von einem Felsen etwa zehn Meter nach unten den Wasserfall entlang springen. Ich habe mich wirklich getraut zu springen, aber nicht von ganz oben. Trotzdem spannend!

Nach zwei Stunden dort haben wir in Montezuma Mittag gegessen. Das Nationalgericht sind Reis und Bohnen mit irgendwas dazu. Das ganze heißt dann Casado und ist immer das billigste Gericht auf der Karte. Aber immer Reis und Bohnen!? Ich kann bald nicht mehr. Nino scheint da kein Problem zu haben, der isst das zweimal am Tag. Jeden Tag. Seit fast zwei Wochen nun.

Unsere Abende haben wir zumeist ziemlich ruhig mit Kniffeln verbracht. Einen Abend sind wir in das Surfcamp der Schwaben gegangen und haben uns gemütlich mit denen dort an den Pool gesetzt und eine Flasche geleert. Es war ziemlich dunkel und wolkenlos und wir haben andauernd Sternschnuppen gesehen. Ich wusste am Ende schon gar nicht mehr, was ich mir wünschen sollte. Ich habe auch ehrlich gesagt nicht so viele Wünsche gerade, es ist alles ziemlich perfekt…

Vor drei Tagen dann sind wir (ich schweren Herzens) von Mal Pais aufgebrochen und haben uns auf den Weg nach Dominical gemacht, einem kleinen Küstenort weiter südlich in Costa Rica. Um ein wenig Zeit zu sparen haben wir uns ein Boot geleistet von Montezuma nach Jaco. Man spart damit drei Busstrecken und eine Strecke mit der Fähre. Wir hatten auch wirklich Glück, denn das Wetter war super und wir haben auf der Fahrt Delphine und Rochen gesehen. Nur hat uns der Bootsführer nicht wie vereinbart in Jaco raus gelassen, sondern in einem 10 Kilometer entfernten Strand, an dem keine Bus fährt. Wahrscheinlich war sein Cousin der ansässige Taxifahrer, denn das war dann die einzige Möglichkeit, von dort aus weiterzukommen. Auf dem Boot war auch noch ein anderes deutsches Pärchen, mit denen wir uns dann ein Taxi geteilt haben, um nach Jaco zu kommen. Es hat sich später beim Warten auf den richtigen Bus und im Bus herausgestellt, dass die beiden, Todd und Evelyn, aus München kommen. Zusammen haben wir den Umsteige-Marathon bis nach Dominical gemeistert und sind erst nach fast zwölf Stunden Reise ziemlich kaputt angekommen. Die beiden reisen eigentlich mit einem weiteren befreundeten Pärchen und haben sich nur für ein paar Tage getrennt. In Dominical haben sie sich eher zufällig wiedergetroffen und als wir einander vorgestellt wurden, stellt sich heraus, dass Nino das befreundete Mädel aus München kennt. Die beiden haben sich vor 13 Jahren in München kennengelernt, aber keinen Kontakt mehr gehabt. So ein Zufall! Ingo und Bianca sind dann doch in Dominical geblieben und wir haben mit den vieren einen lustigen Abend verbracht.

Der zweite Abend war leider verregnet (ja, auch hier regnet es gelegentlich, aber es ist eher eine Wohltat, damit die Hitze kurz ein wenig abkühlt) und wir haben unseren Abend zusammen an der überdachten Bar unseres Hostals verbracht. Todd ist ein ziemlicher Football-Fan und wir haben etwa zwei Stunden versucht, die Regeln zu lernen, während sein Team gespielt hat. Glücklicherweise hat sein Team, die Redskins aus Washington gewonnen und der Abend war gerettet. Ursprünglich sind wir nach Dominical gefahren, weil Tati und Fabian, Freunde aus Costa Rica, die wir schon vor drei Jahren besucht haben und die inzwischen schon zu dritt sind, dort ein paar Tage verbringen und wir sie dort treffen sollten. Sie waren in einem richtig schicken Hotel einquartiert und wir haben sie dort zum Mittagessen getroffen. Der kleine Santiago war ein bissl knatschig und ist gleich schlafen gegangen, aber das Wiedersehen war trotzdem schön. Gestern Abend haben wir noch zusammengesessen und ewig lange geratscht. Als wir gegangen sind, war es schon so spät, dass wir die heutige Abreise spontan einen Tag nach hinten verschoben haben. Wir hatten noch nicht gepackt und obwohl wir nicht wirklich viel dabei haben, dauert das doch immer relativ lange, da wir uns gerne schön ausbreiten, wenn wir länger als eine Nacht an einem Ort sind. Wir wollten ein Taxi für den Heimweg rufen, da der Weg von deren Hotel bis in den Ort, in dem wir gewohnt haben doch mindestens 20 Minuten Fußweg waren und es auf dem ungeteerten Waldweg keine Beleuchtung gibt. Allerdings gab es keine Möglichkeit, ein Taxi zu rufen, da es einfach zu spät war. Wir mussten also laufen und das nur mit einer mini kleinen Taschenlampe an Ninos Schlüsselbund. Unsere Augen hatten sich gerade einigermaßen an die undurchdringliche Dunkelheit des Dschungels gewöhnt, als auf einmal ein gleißend helles Licht das Dunkel durchdringt und uns direkt anscheint. Wir waren gerade auf einer kleinen unbefestigten Brücke über einen Zufluss zu einem Fluss, in dem auch Krokodile leben und direkt unter der Brücke haben ein paar Männer irgendetwas in ein Schlauchboot ein- oder ausgeladen. Säcke oder so. Und das mitten in der Nacht. Im Nirgendwo. Mir sind natürlich gleich die ganzen Geschichten von Drogen-Schmuggel von Panama oder Südamerika eingefallen… die haben uns sicherlich gesehen, wir standen blöderweise direkt über denen, als die Scheinwerfer angingen. Ich habe nur Ninos Arm gepackt und ihn genötigt, so schnell wie möglich im Dunkel des Waldes zu verschwinden. Wer weiß was die machen da…Den Rest des Weges haben wir stolpernd und laut auftretend (wegen der Tiere) bis nach Hause geschafft und ich war echt froh, als wir in unserem beleuchteten Hostal ankamen.

Der Surf hier war super, der schwarze Strand ist nicht sehr lang, aber es gibt insgesamt zwei Spots. Bis heute ist es immer größer geworden und es ist ein Swell angesagt für übermorgen, den man heute schon spüren konnte. Morgens nach dem surfen musste ich dann immer erstmal in den Schatten. Es ist unglaublich heiß gerade. Schon vormittags hat es über 30 Grad und die Sonne brennt wirklich richtig runter. Obwohl ich nun schon über zwei Monate in der Sonne war, habe ich noch einmal Sonnenbrand bekommen, obwohl ich eingeschmiert war. Nachts lassen wir immer den Ventilator an, damit wir überhaupt schlafen können. Meine Garderobe besteht größtenteils aus Bikini und Flip Flops. Selbst abends habe ich nur kurze Hosen uns Shirts an. Meine Pullis brauche ich nur für die Busfahrten, wenn die Klimaanlage mal wieder Minustemperaturen produziert.

Hier haben wir ein schönes Hotel erwischt, mit Pool und tropischem Garten. Diesen Luxus können wir uns normalerweise nicht leisten, aber als wir hier zu viert ankamen und sagten, dass wir länger als zwei Nächte bleiben, ist unsere Señora noch  einmal ein bisschen runter gegangen, damit wir unser Tagesbudget nicht übersteigen müssen. Das Beste ist aber, dass wir vom gegenüberliegenden Internetcafe kostenloses Wireless-Internet rein bekommen und täglich kostenlos Emails checken und unsere rituellfen Wikipedia-Recherchen machen. Das ist so ein neuer Sport geworden. Wir sind ja nun schon einige Zeit unterwegs und irgendwann ist fast alles geredet, wenn man sich 24 Stunden am Tag sieht und fast immer alles gemeinsam macht. Nicht dass uns langweilig wäre, aber nach ein paar Stunden Busfahrt fängt man dann halt an, sich über unübliche Dinge zu unterhalten. Und dann kommen manchmal Fragen auf, die man sich daheim nicht stellt. Entweder, weil sie dort nicht wichtig sind oder aber weil man einfach keine Zeit hat, sich wirklich damit zu beschäftigen. Die letzte Recherche galt der Bohne. Warum ist die so gesund? Wir wissen jetzt warum… Oder wie giftig ist das DEET in den Mückensprays hier? Welche Haarfarbe hatte unsere Angie als sie jung war? Wirklich Fragen, die die Welt bewegen…Auch unser Bücherkonsum ist Ausdruck der vielen Zeit, die wir mit uns selber verbringen. Ich glaube, ich habe schon sieben Bücher gelesen, seitdem wir aufgebrochen sind. Und darunter war keines unter vierhundert Seiten, denn dünne Bücher lohnen sich nicht. Jedesmal, wenn wir eines fertig haben, suchen wir uns eine Möglichkeit, dieses einzutauschen und dafür ein neues gebrauchtes zu bekommen. Die meisten Hostals und Surfcamps haben eine Büchersammlung zum Tauschen und man findet manchmal sogar ganz gute deutsche Bücher, die man vielleicht immer schon mal lesen wollte. Einer der Schwaben hat mir ein ganz neues Buch zum Tausch gegeben und ich bin überglücklich, mal ein Buch zu lesen, das nicht schimmelt. Vielleicht kann ich es ihm zurückgeben, denn wir haben ausgemacht, uns in Peru wiederzutreffen und dort zusammen zu einem schönen Surfstrand zu fahren. Langsam geht das mit dem Surfen schon ganz gut, ich werde noch manchmal sauber gewaschen und dann läuft mir den ganzen restlichen Tag das Salzwasser aus der Nase, aber langsam ist es kein Weißwassergerutsche mehr, sondern macht schon richtig Spaß. Nino ist mir ein bisschen voraus, was ich natürlich dem Kraftunterschied zwischen uns beiden zumesse. Meine Arme sind manchmal abends echt total kaputt. Es kostet schon viel Kraft und Ausdauer. Aber langsam bekomme ich die richtigen Muskeln und kann mich ganz gut behaupten. Morgen früh geht’s ganz früh um halb sieben weiter nach Panama. Dort bleiben wir einen Tag in einem Ort an der Küste am Strand und fahren am 21. dann nach Panama City. Dort treffen wir einen der beiden Amis wieder, mit denen wir in Mexiko so lange gereist sind, machen noch eine kleine „Weihnachtsfeier“ mit ihm und fliegen dann alle am 22. weiter. Wir haben einen Flug nach Quito in Ecuador, von wo aus wir nach Piura, Peru, reisen und dort Weihnachten im Kreise einer uns gänzlich unbekannten Familie verbringen werden. Ein ehemaliger Kommilitone von Nino in Spanien hat uns zu sich nach Hause eingeladen und wir sind irgendwie doch ein bisschen froh, dass wir Weihnachten nicht so ganz allein feiern, sondern so ein bisschen Ritual haben mit Baum und so… denn hier weihnachtet es gar nicht. Die Leute schmücken zwar alles, was nur rumsteht weihnachtlich-kitschig, aber es ist einfach zu tropisch und heiß, damit Weihnachtsstimmung aufkommt. Andererseits auch schön, weil es überhaupt keinen Vorweihnachtsstress gibt. Keine Geschenke, keine Karten schreiben, keine Besuche, nix… schön. Da haben wir nächstes Jahr dann wieder mehr Energie für solche Sachen. Bussi, bussi und Prost!

 

Chillin Costa Rica – Pura Vida!

Montag, Dezember 10th, 2007

Lang ist es her, dass es Neuigkeiten gab, aber ich habe mir diesmal Mühe gegeben, es gibt zwei neue Einträge, also am besten unten anfangen, sonst wirds konfus…

 

Bild oben: Nicaragua, Sonnenuntergang

Bild unten: Nicaragua, Blick aus unserem Zimmer…

Wir sind gerade in Mal Pais, in Costa Rica auf der Nicoya-Halbinsel, wo wir schon vor zwei Jahren waren und obwohl sich seitdem hier viel verändert hat, gefällt es uns immer noch sehr gut.

Mein Dengue-Fieber, das wirklich unangenehm war, ist schon am Abklingen. In Monteverde musste ich insgesamt viermal ins Krankenhaus um mein Blut untersuchen zu lassen. Die Werte wurden jeden Tag besser, aber waren noch kritisch. Wenn die Werte der Blutplättchen stark absinken, dann muss man an den Tropf, deshalb die ständige Kontrolle. Am Samstag war das Krankenhaus dort geschlossen und ich musst in eine 2 1/2 Stunden entfernte Stadt fahren, um die Werte kontrollieren zu lassen. Mit einem schlimmen Ausschlag am ganzen Körper, der typisch ist für Dengue, habe ich mich in einen heissen Bus gequetscht und bin nach Puntarenas ins Krankenhaus gefahren. Glücklicherweise waren meine Werte aus der kritischen Zone raus und der Arzt hat mir erlaubt zu reisen. Wir sind am gleichen Tag mit der Fähre nach Nicoya übergesetzt, haben uns hier ein schönes Zimmer gesucht und ich verbringe meine Tage zwischen Bett und Hängematte. Leider kann ich noch nicht surfen und am Strand abhängen, aber es geht schon jeden Tag besser, der Ausschlag ist fast weg und ich erhole mich schnell. Allemal besser als der sonst übliche Weihnachtsstress, den wir uns dieses Jahr mal ganz lässig sparen!

Geniesst die schönen Fotos aus Nicaragua, die wir mit einem Unterwasser-Gehäuse für die Kamera direkt im Wasser gemacht haben und ich verbleibe mit einem genesenen Bussi bussi und adios!

Nicaragua – das Meer und die Mücken…

Montag, Dezember 10th, 2007

Am Morgen sind wir weiter mit einem Chicken-Bus nach San Juan del Sur gefahren, ein kleiner Ort am Pazifik, über den wir gehört hatten, dass er klein und schön sei und man dort gut surfen könne. Außerdem ist er über die einzige geteerte Straße befahrbar, die von der Panamerikana entlang der Küste ans Meer führt.

Obwohl die Straße für unsere Verhältnisse kaum als geteert anerkannt würde, ist der Bus mit ziemlichem Speed die Straße entlanggerauscht und wir waren innerhalb von einer Stunde da. Von dem Ort selber waren wir ziemlich enttäuscht. Es war ein richtiger Touri-Ort mit tausenden von Souvenir-Shops und Restaurants und so. Der Strand war gar nicht schön, hat nach Abwasser gestunken und es gab nicht die Andeutung einer Welle. Weil wir so viel unterwegs waren, haben wir uns einen Tag in ein Schimmel-Zimmer eingemietet und einen ruhigen Tag gemacht. Mit unterschiedlichen Anbietern konnte man per Bus an einen nahegelegenen Strand fahren und dort einen Tag bleiben. Weil wir unbedingt wieder ans Meer wollten, haben wir uns am nächsten Tag auf einen umgebauten Laster gesetzt, die Ladefläche war mit zwei Bierbänken ausgestattet und hatte einen Sonnenschutz drüber und sind mit weiteren dreißig Leuten über einen total schlechten Weg durch den Wald an den Strand Madeira geschaukelt. Als wir dort waren, war ich ganz entzückt über die Wellen und das saubere und schöne Wasser.  

Der Strand war riesig und mit Felsen immer wieder unterbrochen. Man konnte etwa 15 Min den Strand entlang laufen und kam zu einer zweiten Bucht, die mehr zum Baden eingeladen hat. Dort gab es auch ein kleines Guesthaus direkt am Strand mit einem ganz schönen kleinen Garten mit Bänken zum Ausruhen, einer Außenküche und alles im Schatten von großen Bäumen. Dort haben wir uns ein Zimmer reserviert für den kommenden Tag und sind am nächsten Tag dort eingezogen, um endlich wieder am Meer zu sein. Die kommenden drei Tage waren super. Wir sind morgens meistens früh aufgestanden, haben die Surfbretter genommen und sind zehn Minuten über Strand und Felsen geklettert zum Surfspot. Nach einer Morgensession und nachdem die Busse ankamen und es voller wurde, sind wir wieder zurück zu unserem Guesthaus, haben uns Frühstück gemacht und den Nachmittag in der Hängematte oder am Strand beim Chillen und Lesen verbracht. Dort war wirklich nichts los. Nur ein paar Backpacker, ein Restaurant, in dem man abends jeden getroffen hat, der auch am Strand übernachtet hat und sonst nichts. Wir hatten uns ein paar Sachen zum Kochen mitgenommen und haben uns meistens selber versorgt an einem Herd, den man mit am Strand zusammen gesammeltem Holz geheizt hat. Um halb vier sind wir dann meist wieder zurück an den Surfspot und haben eine Sundown-Session gesurft. Die Busse nach San Juan sind schon um fünf zurückgefahren und dann waren der Strand und der Spot fast menschenleer. Die Sonnenuntergänge dort sind unbeschreiblich. Wir haben jeden Tag wieder mit offenen Mündern gestaunt!

Wenn es dunkel geworden ist, sind wir zurückgegangen und haben uns dem Abendessen zugewandt. Einmal waren wir dabei auch in dem einzigen Restaurant und haben alle unsere Nachbarn kennengelernt. Eines Morgens, also wir in der Früh zum Surfen gefahren sind, haben wir unsere Flip Flops auf den Felsen liegenlassen und als wir zurückgehen wollten, waren sie weg. Jemand hatte wirklich unsere Flip Flops geklaut! Meine waren bestimmt drei Jahre alt, ehemals weiß und total dreckig und kaputt schon. Ich kann es mir nur dadurch erklären, dass jemand dort dringend ein Weihnachtsgeschenk gebraucht hat. Das hat man uns erzählt in Managua, dass vor Weihnachten mehr geklaut wird.

Nicaragua ist eines der ärmsten Länder der Welt und das sieht man auch hin und wieder. Insgesamt sind mir auf dieser Reise schon einige Dinge geklaut worden, und ich bin eigentlich schon vorsichtig mit meinen Sachen. In Mexiko mussten mein Boardshirt und die –short dran glauben. Ich nehme an, dass ein paar Kids die Sachen mitgenommen haben. Die waren dort unterwegs und sonst war das ganze Zeug von uns und noch ein paar andern Leuten noch da. Und jetzt halt die Flip Flops. Eigentlich ist es um die ja auch nicht schade, aber wir sind mit kleinem Gepäck gereist, das heißt unsere großen Rucksäcke waren in einem Hotel in San Juan und wir hatten nur den kleinen Rucksack mit den nötigsten Sachen dabei und damit war es mein einziges Paar Schuhe. Und dort konnte man auch nichts kaufen.

Also musste ich die kommenden Tage immer barfuß laufen. Und das ist dort, vor allem nachts nicht immer so angenehm. Ich weiß gar nicht, auf wie viele Krebse ich gestiegen bin und was für andere Tierchen. Einmal bin ich so blöd in ein Stück Treibholz am Strand getreten, dass ich ein richtiges Loch in der Ferse hatte. Auch im Dunkeln über die zum Teil glitschigen Felsen war eher ein Abendteuer. Aber nach ein paar Tagen habe ich gescheit Hornhaut bekommen und mich ans barfußlaufen gewöhnt.

Einen Abend gab es ein Feuer am Strand und einige Jungs haben auf der Gitarre ein paar Liedchen geträllert. Dort haben sich dann alle versammelt, die noch nicht ins Bett gehen wollten. Toby, ein Engländer, der ziemlich fies auf Drogen war, hat dann unfreiwilliger Weise eine lustige Show geliefert und uns alle köstlich unterhalten. Wir hatten am Nachmittag schon ein Pärchen kennengelernt von dem er ein Australier und sie eine Dänin war und die haben wir dort dann wiedergetroffen. Getroffen haben sie uns im wahrsten Sinne des Wortes am Nachmittag auf dem Wasser, als Stew, der Australier Nino beinahe überfahren hat mit seinem Brett. Zufälligerweise hat Mette, die Freundin von Stew gerade in diesem Moment ein Foto von ihm gemacht und die Szene ist damit festgehalten. Die beiden waren für einige Wochen in Nicaragua und haben unter der Woche vormittags einen Spanischkurs in San Juan gemacht und nachmittags und am Wochenende sind sie immer zum Surfen gefahren. Sie haben uns eingeladen, unsere letzte Nacht in San Juan in ihrem Haus zu verbringen, dass sie sich dort gemietet hatten. Das Häuschen war wirklich sehr schön, ganz aus Holz gebaut, sah so ein bisschen wie eine Skihütte aus und hatte eine große Terrasse davor. Als wir ankamen haben die beiden schon am Strand Fisch eingekauft gehabt und wir haben Fisch und Tintenfisch auf den Grill geschmissen. Das Essen war wirklich super und der Abend mit den beiden sehr lustig. Wir sind in Australien eingeladen, hoffentlich schaffen wir es, uns auch wirklich zu treffen.

In San Juan haben wir also unsere großen Rucksäcke geholt, die Nacht bei Stew und Mette verbracht und sind am nächsten Morgen aufgebrochen Richtung Costa Rica. Wir mussten viermal umsteigen und am Ende dann ein Taxi nach Monteverde hoch nehmen, da wir den letzten Bus verpasst hatten. Monteverde ist ein kleiner Ort im Hochland von Costa Rica, umgeben von Nebelwald, von wo aus man schöne Touren durch den Nebelwald und Canopy machen kann. Canopy ist das Entlangrasen an Stahlseilen, die im Urwald gespannt sind und man kann bis zu einigen hundert Metern an diesem Seil gesichert über das Dach der Bäume entlangrauschen. Leider war das für mich nicht drin. Schon auf der Busfahrt nach Monteverde habe ich mich so schlapp und fiebrig gefühlt und die ganze Zeit geschlafen. Irgendwann hatte ich schlimme Kopf- und Gliederschmerzen und als wir abends endlich angekommen sind, konnte ich mich nur noch hinlegen und schlafen. Auch mein Bauch hat wieder rebelliert und ich habe mich so schlecht gefühlt, dass wir ins örtliche Krankenhaus gefahren sind. Dort bin ich erstmal durchgecheckt worden und es wurde festgestellt, dass ich wohl in Nicaragua eine böse Mücke erwischt habe und mir Dengue-Fieber geholt habe. Meine Blutwerte waren so schlecht, dass ich die kommenden drei Tage jeden Tag ins Krankenhaus musste, um Blut abnehmen zu lassen und die Werte checken zu lassen. Ich habe eigentlich nur gepennt und schlapp abgehangen die letzten Tage. Glücklicherweise hatte ich nur eine relativ leichte Form davon und bin schon auf dem Weg der Besserung. Zum Glück hatten wir ein ganz schönes Zimmer und ein gutes Bett hier und ich konnte mich ganz gut erholen. Nino hat an einem Tag das Canopy gemacht und ist einmal in den Nebelwald gegangen. Ansonsten hat er mich gepflegt, gekocht und ist mit mir zwischen unserem Hostel und dem Krankenhaus hin und her gefahren. Zum Glück spricht er so gut Spanisch, sonst hätte ich da nichts verstanden. Trotzdem nervig, auf der Reise so krank zu sein. Wenn das so weitergeht, kann ich bald einen Kranken-Blog schreiben! Haha.Monteverde war also für mich eher nicht so spannend und ich hoffe, es geht mir nun schnell wieder besser, damit wir endlich nach Mal Pais können. Eigentlich wollten wir schon vor drei Tagen dorthin, aber jetzt ist der Plan ein wenig durcheinandergekommen und wir müssen mal schauen, wie es jetzt weitergeht. Also verbleibe ich mit einem verknautschten Bussi bussi und hütet Euch vor den bösen Mücken!

Der lange Weg nach Nicaragua

Montag, Dezember 10th, 2007

Aus Puerto Cortés in Honduras, wohin wir mit dem Boot gefahren sind, haben wir den ganzen Weg bis in den äußersten Süden Nicaraguas mit dem Bus zurückgelegt, was ziemlich viel ist. Den Abend nach der schrecklichen Bootsüberfahrt haben wir mit einem englischen Pärchen verbracht, die auch die Bootsfahrt überlebt haben und diese Tatsache mit ein paar Bierchen begossen. Wir sind dann am kommenden Tag mit dem Chicken-Bus nach Süd-westen gefahren, ins Landesinnere von Honduras und haben an einem idyllischen See mitten im Nirgendwo Halt gemacht.  

Als wir beim Aussteigen dort die einzigen waren, die ausgestiegen sind, haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, aber als wir am nächsten Tag wieder einen Bus nehmen wollten und dafür etwa eine Stunde an der Straße standen und gewartet haben, ist uns aufgefallen, dass außer uns nun wirklich kein einziger Tourist dort unterwegs ist. Aber der kleine Ausflug war schön, wir sind abends noch den See abgefahren, waren in einem kleinen Örtchen am anderen Ufer des Sees und haben ein wenig rumgeschaut. Doch für die Dorfbewohner waren wir ohne Zweifel die Attraktion des Tages dort. Das Busfahren funktioniert dort ganz einfach: Auf der Frontscheibe der Busse ist in möglichst schnörkeliger Schrift der Ort genannt,  zu dem der Bus fährt. Kommt nun der richtige Bus auf der einzigen Straße angerauscht (die Straßen in Honduras machen einer deutschen Autobahn Konkurrenz. In keinem anderen Land habe ich solch gute und große Straßen gesehen – dementsprechende rasen auch die Busse) hebt man einfach die rechte Hand und winkt. Normalerweise steigt der Fahrer dann voll in die Eisen und man steigt einfach von der Straße aus ein. Das funktioniert nicht nur mit den lokalen Bussen an der Straße so, sondern auch mit den Überlandbussen, bei denen sich die Fahrer neben den regulär verkauften Tickets noch etwas dazuverdienen. Auch auf einem Busbahnhof gibt es keine Anzeige oder Ticketschalter, sondern die Busse stehen in einem wilden Chaos nebeneinander und jeder Bus hat seinen eigenen Schlepper dabei. Die brüllen aus Leibeskräften den Zielort, der auf der Frontscheibe geschrieben ist. Und leider erzählen die einem auch allzu oft, dass ihr Bus natürlich genau dorthin fährt, wo man hinwill, obwohl das gar nicht stimmt – nur um europäische Fahrgäste zu haben und den doppelten Einheimischenpreis verlangen zu können. Da muss man schon ein bissl vorsichtig sein und viel selber schauen und vor allem viiiieeel Zeit haben. Bisher hatten wir immer Glück und haben die richtigen Busse erwischt. Sitzt man dann an einem Busbahnhof erstmal in einem Bus und verspürt vielleicht ein ganz klein wenig Hunger, muss man definitiv keine Angst haben, zu verhungern.

 

Ständig quetscht sich jemand mit undefinierbarem oder köstlichen Essen oder Trinken an einem vorbei durch den gesamten Bus. Meistens gibt es irgendwelche frittierten Sachen (Empanadas oder Burritos) , ganze Teller mit Hühnchenbein, Reis und Bohnen und Salat, Chips und Kekse, Fruchtsäfte und Softdrinks. Und die Einheimischen kaufen auch immer was – immer! Die schmatzen die gesamte Busfahrt vor sich hin und stellen ihre Kinder ständig mit irgendwelchen Sachen still. Denn auch wenn der Bus einmal losgefahren ist, hält der Fahrer von Zeit zu Zeit kurz an, dann springen in einem Ort, durch den man gerade fährt drei oder vier Leute, meist Frauen, ein und verkaufen wieder etwas Neues zu Essen, damit man ja nicht hungrig wird. Nach ein paar Kilometern springen die dann wieder raus und fahren wahrscheinlich mit dem nächsten Bus zurück. Vielleicht weil die Leute so viel essen, oder weil die Straße so kurvig war, ist auf dem Weg durch Honduras vielen Kindern und auch Erwachsenen im Bus schlecht geworden. Der ganze Boden war schon mit Kotze bedeckt und die Fahrer haben Plastiktüten verteilt. Die Kinder haben allerdings trotzdem ziemlich unkontrolliert gespuckt und so hat es Nino am Ende dann doch noch erwischt: Er hat eine ordentliche Ladung auf die Hose abbekommen und es hat ziemlich gestunken.Also wir also so am Ufer dieses Sees stehen und wieder zurück zu unserem Hotel wollen, winken wir dem nächsten Bus und denken schon, dass er eine Vollbremsung macht, da schreit der Schlepper des Busses, der sich bei voller Fahrt aus der offenen Tür hängt uns zu, dass sie voll sind. Und wirklich, der Bus ist nach unseren Maßstäben nicht einfach nur voll (dann hätte er noch mindestens vierzig Leute einsteigen lassen), sondern proppenvoll. Die Menschen quetschts schon aus den Fenstern raus. Also bleiben wir stehen und erfahren so irgendwann, dass dies vorerst der letzte Bus für heute war. Das ist natürlich ärgerlich, denn unser Hotel ist einige Kilometer entfernt, das nächste Taxi etwa dreihundert Kilometer in der nächsten großen Stadt zu rufen und trampen geht auch nicht, da es schon dunkel wird und niemand einen mitnimmt aus Angst, überfallen zu werden (haha…). Also stehen wir da und ich hoffe inständig, dass irgendwann noch einmal ein Bus um die Ecke donnert. Nur zwanzig Meter neben uns hat jemand einen Hund auf der Straße überfahren und niemand nimmt den Körper von der Straße, da er in einer Kurve liegt und es viel zu gefährlich wäre, dort auf die Straße zu gehen. Die ganze Straße färbt sich rot und jedes zweite Auto sieht den toten Hund zu spät, so dass dauernd jemand nochmal drüberfährt. Das Geräusch ist furchtbar und so starren wir verbissen weiter in die andere Richtung, aus der hoffentlich noch ein Bus kommt. Nach schier ewig langen 45 Minuten kommt auch schließlich ein Langstreckenbus um die Kurve geschossen, der, obwohl für unsere Verhältnisse voll, noch einmal ein paar Leute und uns einsteigen lässt. Nach ein paar Kilometern, die wir kaum im Gang stehen können, da so viele Leute im Inneren des Busses sind, kommen wir endlich an unser Hotel an und sind so totmüde, dass wir sofort ins Bett gehen. Am nächsten Morgen warten wir direkt vor dem Hotel mit dem gesamten Gepäck und den Surfbrettern auf den Langstreckenbus nach Tegucigualpa, der Hauptstadt von Honduras, unserem nächsten Etappenziel. Nach nur einer halben Stunde kommt einer und wir haben sogar nach einiger Zeit Sitzplätze. Komfortabel rauschen wir in einem Affenzahn die honduresischen Autobahnen Richtung Hauptstadt entgegen. Dort angekommen, suchen wir uns diesmal ein schönes Hotel aus, da wir die letzten zwei Nächte in absoluten Bruchbuden verbracht haben.  

Die richtig billigen Zimmer in Honduras sind wirklich billig und kosten nur etwa zwei oder drei Dollar pro Person. Aber zum Teil sind sie wirklich ekelhaft… Der Schimmel beschränkt sich dort nicht auf das, was man im Allgemeinen als Bad bezeichnet, sondern macht schöne Formen an die Wände und auf das Kopfkissen. Die Betten stinken dermaßen, dass wir abends Mückenräucherstäbchen anmachen, um den Mief zu vergessen. Die Duschen sind nur ein nacktes Rohr aus der Wand und es kommt, wenn man Glück hat, ein einziger kalter Strahl irgendwo raus. Und vor allem die schimmeligen Matratzen sind so weich und durchgelegen, dass man nachts immer zusammen in einer Kuhle in der Mitte liegt und sich nicht mehr bewegen kann. Zum Glück waren wir meistens so müde vom Stehen im Bus, dass wir trotzdem schlafen konnten. Aber in Tegucigualpa wollten wir mal wieder richtig duschen und schlafen und haben uns ein richtig schönes Zimmer mitten in der Altstadt geleistet. Die Stadt im Allgemeinen hat uns gut gefallen.

Die Leute waren sehr nett und lustig, wir waren auf dem Markt ein bisschen Einkaufen und haben uns die außergewöhnlich hässlichen Weihnachtsdekorationen angeschaut, die dort gerade sehr aktuell sind. Auf dem Markt kann man Unmengen von frischem Obst und Gemüse kaufen und das sieht alles sehr lecker und frisch aus. Ich frage mich immer, warum man überall nur so ungesundes und frittiertes Essen kaufen kann, wenn ausgefallene Obstsorten und bestes Gemüse so billig und in einem solchen Überfluss zur Verfügung stehen. Aber man sieht in den Straßen auch, dass die Menschen arm sind. Manche sind richtig arm und betteln einen an, andere versuchen irgendwelches Zeug zu verkaufen, dass man am liebsten nicht anlangen will oder vervierfachen den Preis, sobald man eingewilligt hat zu kaufen. Und trotzdem waren die Leute nett, meistens zurückhaltend und haben uns nur mit großen Augen angeschaut. Ich glaube nicht, dass viele der schon sehr wenigen Touristen dort auf den Markt gehen und so waren wir mal wieder die Exoten. Vor allem die Kamera zieht oft Kinder magisch an. Dann schwänzeln sie um einen herum und wollen „Foto!“. Wenn man sie fotografiert sind sie meistens ganz stolz. Aber diese Stadt hat auch eine echt eklige Seite gehabt. Der Markt war auf einer Art Insel inmitten eines Flussdeltas, auf die man über verschiedene Brücken gelangt. Und der Fluss dient leider auch als Kläranlage und Abwasserkanal. Es stinkt so schlimm, dass man fast nicht atmen kann. Es war an manchen Stellen wirklich unerträglich. Der gesamte Müll, von dem die unglaublich viel produzieren mit den ganzen kleinen Chipstüten und den Plastikflaschen und Dosen der Softdrinks landet direkt dort unten und riesige Adler kreisen über den Flussufern und suchen nach Beute da unten. Da musste man schon schnell gehen…

Am nächsten Tag haben wir den Tica-Bus, einen schnellen Langstreckenbus nach Nicaragua genommen und sind abends in Managua, der im Süden gelegenen Hauptstadt von Nicaragua angekommen. Man hatte uns schon erzählt, dass es eine gefährliche Stadt sei und man dort besser als Tourist nicht vor die Tür gehe, also haben wir uns in unserem Zimmer verkrochen und das Fernsehprogramm durchprobiert. Es war das erste Mal, dass wir einen Fernseher hatte und wir waren überrascht, wie viele Programme es in Nicaragua gibt. Wir haben durchgehalten bis etwas über neunzig, dann sind wir an einem deutschen Nachrichtensender hängengeblieben und haben uns mal wieder nach zwei Monaten ein paar deutsche Nachrichten angeschaut. Aber nur, bis der Strom ausgefallen ist, dann mussten wir mal wieder die Kerze anmachen und es gab kein Fernseher, keinen Ventilator und kein Licht mehr. Das passiert hier öfters. Manchmal sogar geplant. Damit wird einfach Strom gespart. Bleibt dran, es geht weiter nach Nicaragua! Bussi bussi, bis bald…

Ohne Fotos…

Montag, November 26th, 2007

…ja, es gibt wirklich einen Tag, an dem wir kein einziges Foto gemacht haben. Und zwar deshalb, weil es nicht ging schlicht und ergreifend. Es war der allererste Tag auf dieser Reise, an dem ich mich an einem gewissen Moment gefragt habe, warum ich das hier alles mache. Ich koennte doch so schoen daheim in meiner schoenen Wohnung sein, mich schon mal mental auf Weihnachten vorbereiten und moeglichst allen Gefahren aus dem Weg gehen. Aber das habe ich nicht gemacht und so bin ich auf ein kleines Boot gelangt, das uns von Placencia nach Honduras fahren sollte, mit etwa 20 Passagieren an Board. Urspruenglich sollen wir um neun Uhr morgens starten, doch das Wetter war so schlecht, dass wir erstmal eine Stunde warten mussten. Als sich der Kapitaen dann doch entschlossen hat, loszufahren, fingen schon nach etwa 15 Minuten die ersten beiden Passagiere neben mir an zu kotzen, weil wir etwa vier Meter Welle zwischendruch hatten und das kleine Booterl sich eher wie eine Nussschale angefuehlt hat. Als dann auch Kotzkandidat vier und fuenf alles gegeben hatten und wir schon zweimal kurz davor waren zu kentern, habe ich auf einmal trotz oder ebend wegen aller Erfahrung auf Schiffen, Angst bekommen. Es hiess, es wuerde noch etwa zwei weitere Stunden dauern, doch das ganze hat sich anstatt ueber zwei, ueber sieben Stunden hingezogen. Auf einmal war ein ohrenbetaeubender Laerm am Bug des Schiffes zu hoeren, so dass alle Passagiere anstvoll aufgeschrieen haben. Wir haben dann in dem Rumpf des Schiffes nachgeschaut, ob Wasser eintritt, was ziemlich schlecht gewesen waere, denn wir waren irgendwo in einem grau-blauen tobenden Meer ohne Blick auf irgendein Ufer am Rumschlingern und die Haelfte der Noch-nicht-Kotzer hielt sich Tueten vor den Mund. Irgendwann haben wir dann Schwimmwesten bekommen und die Stimmung war sichtlich angespannt. Auf einmal kam eine riesige Welle direkt von der Seite auf uns zu, hat das Boot um ein Haar umgeschmissen und sich ins Innere des Passagierraumes ergossen. Das war der Moment, an dem ich irgenwie wieder im Buero sein wollte…

Ich habe dann zum ersten Mal in meinem Leben (und nach vielen Segeltoerns) Angst gehabt, auch Seekrank zu werden. Das Duftgemisch aus Dieselabgasen und schon einmal gegessenem Huehnchen war einfach auch fuer mich eine Herausforderung. Vier lange Stunden habe ich an einem einzigen Kaugummi gekaut und versucht, den sich immer wieder von riesigen Wellenbergen verdeckten Horizont anzustarren. Irgendwie habe ich das dann mit einer fast panische Sitznachbarin ueberstanden, indem ich ihr die ganze Zeit erzaehlt habe, das alles sei halb so schlimm, obwohl ich da ganz anderer Meinung war… Abend um sieben kamen wir in Honduras an und ich konnte an diesem Abend kein Huehnchen essen.

Zum Glueck vergeht jeder Schock ziemlich schnell und nach ein paar Bierchen am Abend war alles wieder gut. Nachdem Nino seine (sauteure und neue) Regenjacke in der ganzen Aufregung auf dem Boot vergessen hatte, haben wir uns in einem Taxi auf die Suche nach dem Bootsbesitzer gemacht, sind irgendwann nach stetem Rumgefrage in einem Teil der Stadt Puerto Cortes angelangt, in dem ich niemals alleine aus dem Auto gestiegen waere und zwei alte hilfsbereite Honduresen habe uns in ein Wohnzimmer geschleppt, in dem auch wirklich Ninos Jacke lag. Ich kann bis jetzt nicht so richtig glauben, dass das echt so passiert ist, aber die Jacke ist da. Der Abend war also gerettet und wir mit Honduras schon jetzt versoehnt.

Noch am naechsten Tag haben wir uns aufgemacht Richtung Hauptstadt und auf dem Weg dorthin an einem Bergsee, mitten im Nichts in Honduras eine Nacht verbracht.

Doch davon bald mehr, sonst gehts uns gut und ich verbleibe mit einem herzlichen Bussi bussi und hasta manana aus Honduras!

Hier gibts noch mehr Bilder der letzten Wochen, viel Spass!

Von San Cristobal (Mexiko) bis Placencia (Belize)

Back to Belize und Placencia, das Ende der Strasse…

Montag, November 26th, 2007

Obwohl wir von Belize nach unserem Trip nach Caye Caulker nicht so besonders begeistert waren, sind wir dann wieder zurückgefahren. Wieder mussten wir an der Grenze aussteigen und zu Fuß durch den Staub und die Hitze auf die andere Seite des Zaunes laufen. Wenigstens haben die Guatemalesen nicht so wie die Belizianer eine ziemlich happige Ausreisegebühr von 20 US Dollar berechnet. Nur um rauszukommen! Von Flores sind wir mit den wackeligsten und vollsten Bussen seit langem bis nach Dangriga, etwas südlich von Belize City gefahren und waren am Abend so kaputt von dieser Fahrt, auf der wir keine eigenen Sitzplätze ergattern konnten auf einer zweistündigen Busfahrt, dass wir das Nationalfest der schwarzen Bevölkerung in Belize nicht mehr richtig mitfeiern konnten. Wir sind noch wie die Zombies durch die Straßen von Dangriga gelaufen, haben uns die Straßenstände und Trommler angeschaut, waren kurz beim Event des Abend, einem Bandauftritt am Strand und sind dann totmüde ins Bett gefallen. An diesem Tag hat auch die Glovers-Reef Diskussion angefangen, die uns alle ein wenig ermüdet hat. Glovers Reef ist eine Insel im Süden von Belize, die als ein wunderschönes Tauchgebiet gilt. Man kann dort nur einmal pro Woche mit dem Schiff rüberfahren, bleibt dann eine Woche und nimmt am nächsten Wochenende das Boot zurück. Andernfalls zahlt man für ein Boot um die 350 US Dollar und das war einfach unerschwinglich. Aber wir hätten uns noch an dem Abend auf den Weg machen müssen zu einem Ort etwas südlich von Dangriga, um von dort am nächsten Morgen aufzubrechen. Es fuhren keine Busse mehr und wir hatten noch nichts eingekauft. Denn auf der Insel gibt es entweder ein teures Resort, oder einen Campingplatz mit festen Zelten und Küche. Allerdings gibt es auf der ganzen Insel keinen Strom, somit kein Licht und auch keinen Kühlschrank. Irgendwie hatte niemand mehr die Energie, das noch nachts durchzuziehen und so haben wir uns dazu entschlossen, am kommenden Tag den Bus in den Süden, nach Placencia zu nehmen und uns dort für einige Tage am Strand niederzulassen und das Meer zu genießen. Wir haben das letzte Hotelzimmer in der ganzen Stadt bekommen, denn alle Landbewohner waren für das Feiertags-Wochenende in die Stadt gekommen und die Hotels waren alle voll. Glücklicherweise haben wir noch ein 4-er Zimmer mitten im Zentrum bekommen, von wo wir die Party, die auf den Straßen stattgefunden hat, wirklich gut hören konnten. Doch irgendwie haben die einen anderen Begriff von Party als wir das so kennen. Die Leute stehen meist nur gelangweilt irgendwo rum und die Musik ist zu laut. Und dann gehen alle heim. Komisch…Dangriga hat nicht zum Bleiben eingeladen. Das einzige, was uns allen wirklich gut gefallen hat, war das Frühstück! Schön Eier und Schinken mit Bohnen oder gleich Hühnchen! Und alles mit scharfer Soße! Danach ging‘s dann aber weiter nach Süden.

Von Dangriga aus haben wir dann den Chicken-Bus (so genannt, weil die Einheimischen mit ihrem vollem Gepäck, inklusive den Hühnern auch damit fahren) nach Placencia genommen und entgegen allen Erwartungen ist er nicht alle drei bis zehn Meter stehengeblieben, um irgendjemanden auszuladen oder aufzusammeln und wir waren relativ schnell an dem Ort am Ende der Straße. Und das ist nicht nur eine Redensart, der Ort liegt wirklich am Ende der Straße auf einer Halbinsel, die auf der einen Seite von Mangroven, auf der andern Seite vom Meer eingerahmt ist. Der Strand ist lang, weiß und mit Palmen gesäumt, aber kein Vergleich zu Tulum! Das Wasser ist warm und daher schon kaum mehr erfrischend bei einer Durchschnittstemperatur von 31 Grad. Ja, während ich höre, dass es in München schneit und die Leute alle zum Skifahren gehen, schwitzen wir in unserm Zimmerchen vor dem Ventilator! Und es ist toll!

Wir haben in einem schönen Hotel, direkt am Strand ein kleines Zimmerchen genommen, S. und M. mussten nochmal umziehen, aber dann hatten sie auch ein schönes, meernahes Zimmer am Strand und wir konnten uns ganz der Entspannung widmen. Auf einer kleinen Terrasse, nur zehn Meter vom Meer weg und im Schatten von Kokospalmen, haben wir die selbst gepflückten Kokosnüsse mit der Machete geschlachtet und den Saft mit Rum verdünnt.

 

 

Auch hier wurde die Landung der schwarzen Ahnen der heutigen schwarzen Bevölkerung gefeiert und in einer Strandbar hat eine Band gespielt und es wurde wild getanzt. Leider haben wir auch die vier Schwaben wieder getroffen, die uns schon in Tulum unangenehm aufgefallen sind und wir haben versucht, uns so gut wie möglich vor denen zu verstecken. Das ging ganz gut, denn die Tanzfläche war brechend voll mit tanzenden Paaren. Es wird hier so ein Popo-Wackel-Tanz getanzt, der zu der schnellen creolischen Musik passt. Die Jungs mussten anscheinend bei dem Tanzstil an etwas ganz anderes denken und so heißt die Art zu tanzen nur Bums-Tanz!

Als es irgendwann nachts angefangen hat zu regnen, haben wir die Bums-Party über den Strand wieder verlassen und sind mal richtig spät ins Bett für unsere hiesigen Verhältnisse.

 

Normalerweise gehen wir relativ früh schlafen, so wie auch alle anderen Leute hier, denn es wird punkt sechs stockdunkel und dann ist auch wirklich Nacht. Es gibt keinen Abend, an dem es langsam dunkel wird und man noch im letzten Licht draußen sitzen kann. Und morgens um punkt sechs ist es hell, und zwar richtig hell. Meistens stehen wir auch schon so gegen sieben auf, da es dann zu heiß zum Schlafen wird. Aber so ein kleiner Nap am Strand ist ja eh die beste Erholung!

Unsere Zeit in Placencia haben wir hauptsächlich mit Strandchillen und Nino mit Computer-Installieren zugebracht. Vorgestern haben wir dann Dr. S‘s Geburtstag gefeiert. Wir hatten uns für diesen Tag einen Ausflug vorgenommen, zu einem Reef hier in der Nähe. Nach dem Singen sind wir dann auch gleich aufgebrochen, als es mal wieder zu regnen angefangen hat. Da haben wir irgendwie Pech: wenn wir nichts machen und nur abhängen, am Strand rumlungern und Kokosnüsse killen, ist das Wetter meistens hervorragend. Aber wenn wir uns einen Tag aussuchen, an dem das Wetter eine Rolle spielen würde, ist es meistens echt besch…

Wir sind trotzdem Richtung Laughing Bird Caye aufgebrochen, mit insgesamt zehn Leuten an Board und es hat auch wirklich aufgehört zu regnen. Wir waren insgesamt sechs Schnorcheler auf dem Boot und ich habe mich aus Angst vor Gefahren aus dem Meer immer an unsere Tauch-Masterin gehalten, damit ich nicht verloren gehe. Und das war eine gute Idee: Ich habe wirklich viele Tiere gesehen. Wir sind durch ein völlig intaktes Korallenriff geschwommen, das in den unglaublichsten Farben geleuchtet hat und manchmal hat man sich in einem Schwarm bunter Fische wiedergefunden. Die Masterin hat uns dann immer auf die besonderen Sachen aufmerksam gemacht und ich habe riesige Hummer aus ihren Höhlen krabbeln sehen (warum denke ich da immer an Fran’s Grill???), eine große Krabbe auf der Suche nach Futter, Baracudas, riesige bunte Muscheln, alle möglichen verschiedenen Arten von Snapper (die kannte ich bis dahin nur gegrillt) und tausende von bunten Korallenfischen, die ganz nach an mich herangeschwommen sind. Die Fische hatten gar keine Angst. Sie leben in einem Naturschutzreservat und kennen keine Fischer und Netze.

Der absolute Höhepunkt aber war gegen Ende der Schnorcheltour: Die Masterin hat mir bedeutet ganz leise zu sein und auf einen Felsen am Boden, etwa 1,5 Meter unter uns gezeigt. Und da war der Hai. Ganz nah und hat unter dem Felsen geschlafen. Man konnte nur seine Schwanzflosse sehen von oben. Ich wollte versuchen, ein wenig mehr von ihm zu sehen und bin über die Höhle geschwommen, ganz langsam, damit er nicht erschrickt. Und auf einmal hat sich die Flosse bewegt und der Hai ist genau unter meinem Bauch aus seinem Versteck heraus geschwommen. Er war keinen Meter von mir entfernt und ich war wie versteinert da oben. Der Hai hat sich dann kurz orientiert, meinen Schatten gesehen und ist davon geschwommen. Aber ich habe ihn bestimmt zehn Sekunden aus nächster Nähe gesehen! Zur Beruhigung für alle, die jetzt denken, dass ich ja in Lebensgefahr war: Nein, das war nur ein Ammenhai, die haben keine Zähne! Sonst hätte ich mir bestimmt in den Neo gemacht… Aber es war schon sehr aufregend. Ich hatte wirklich Glück, denn normalerweise muss man lange tauchen, bis man einen Hai aus solcher Nähe sieht. Wir haben noch große Quallen gesehen und sie an der ungefährlichen Seite gestreichelt und einen großen Stachelrochen, der leider ziemlich schreckhaft war und schnell verschwunden ist. Und obwohl ich sicherlich nie ein großer Fan von Schnorcheln und den Fischen werde, hat es mich doch sehr beeindruckt, dass ich in so kurzer Zeit so viele von den eigentlich scheuen Meeresbewohnern gesehen haben. Zum Ende hin hat es mir dann richtig Spaß gemacht, schwerelos rumzuschwimmen und zu schauen, was ich noch entdecken kann. Wenn sich die Gelegenheit mal wieder ergibt, dann werde ich sicherlich nochmal untertauchen. Am Nachmittag haben wir einen schön großen Kuchen für Dr. S. abgeholt, mit „Happy Birthday“-Aufschrift aus Schoko und haben erstmal Kaffe-Kuchen-Geburtstags-Klatsch gemacht. Zur Feier des Tages hat uns Dr. S. zum Essen ausgeführt und wir haben all die leckeren Tiere gespeist, die wir noch am Vormittag bewundern konnten: Suppe mit dem Inneren dieser wunderschönen pinken großen Muscheln (deren Inneres ein bisschen schweinisch aussieht), die hier überall rumliegen und die etwas nach Hühnchen schmecken und eine lokale Spezialität sind, Hummer, Shrimps, Red Snapper … Es war ein fürstliches Mahl und wir sind ein Verdauungskoma ohne Gleichen gefallen, das bis zum nächsten Tag angehalten hat. Naja, noch nicht gleich. Denn als wir hier im Hotel ankamen, habe ich den Schock der Woche bekommen: An der Wand zu unserem Hoteleingang, an der alle anderen schon vorbeigelaufen sind, saß es: Die gefürchtete Tarantel! Riesig groß, behaart, schwarz, mit ausgestreckten Beinen und mitten in einem Lichtkegel, wie ein Star auf der Bühne. Oh Mann, ich bin so erschrocken! Das war wesentlich beängstigender als der Hai! Unsere beiden Jungs haben sich (aus Idealismus oder Schiss?) geweigert, sie zu töten, dass ich einen der Security – Männer vom Hotel geholt habe, der mir sagte, dass die Vieher auch noch giftig sein können und man sie wirklich besser beseitigt. Und das hat er dann auch getan. Dr. S. und ich haben dem guten Mann daraufhin zum Geburtstagskuchen eingeladen. Also Hai und Tarantel an einem Tag, das war aufregend…Und dann kam die Glovers-Diskussion wieder auf. Die Taucher wollten noch eine weitere Tour machen und man kann von hier aus unter anderem mit einem Tauch-Trip dorthin fahren und spart sich somit das teure Boot. Allerdings war es schon Donnerstag und das Boot zurück, das kostenlos ist für Leute, die dort eine gesamte Woche verbringen, fährt schon am Samstag zurück. Es ist also eine kostspielige und eher umständliche Unternehmung für nur zwei Tage. Andernfalls muss man sich von dort aus dann selber ein Boot organisieren, das einen zurück zum Festland bringt. Also wurden alle (!) Möglichkeiten einer weiteren Planung der Reise(n) langwierig in Erwägung gezogen, alle Wege offengehalten, bis es dann endlich an eine Entscheidung ging: Die drei anderen sind auf den Tauchausflug gefahren, M. und S. haben sich auf Glovers Reef absetzen lassen und wollen irgendwann ein Boot mieten, um zurück zu kommen und Nino ist mit dem Trip wieder zurück nach Placencia gekommen, von wo unsere Reise morgen mit dem Schiff nach Honduras weitergeht. Denn dieses Schiff fährt auch nur einmal pro Woche und wir müssen mal wieder weiterziehen, damit wir rechtzeitig in vier Wochen in Panama sind. Denn von dort aus haben wir dann einen Flug nach Quito, von wo wir aus nach Peru fahren, um dort Weihnachten bei einer peruanischen Familie zu feiern.

Morgen also verlassen wir Belize, dieses so komische und kleine Land wieder. Belize ist echt lustig. Inmitten von lateinamerikanischen und spanisch-sprachigen Ländern, deren Kultur, Religion, Essen, Kleidung und Aussehen relativ ähnlich sind, etwa so wie in Nordeuropa, sticht dieses kleine Land heraus. Die Landessprache ist Englisch, die Bevölkerung ist hauptsächlich schwarz-afrikanischen Ursprungs, das Essen ist karibisch, das Leben ist viel teurer und irgendwie weniger entspannt als in Mexiko und Guatemala. Es ist uns hier leider außerordentlich oft passiert, dass uns die Leute übers Ohr hauen wollten oder es getan haben. Oft macht man was aus und dann erinnern sie sich nicht mehr daran oder es ist nun doch teurer oder anders. Das nervt ein wenig. Die Mexikaner sind da viel ehrlicher und die Preise für Touristen und Einheimische sind nicht so exorbitant unterschiedlich wie hier. Auch wird man hier als Mädel auf der Straße so krass angemacht, man kann kaum zehn Meter alleine laufen, ohne dass einem irgendwelche Aktivitäten angeboten werden, wobei das zusammen Schwimmen noch der harmloseste Vorschlag ist… Es gab insgesamt in diesem Land wesentlich mehr Dinge als in Mexiko, die mir nicht gefallen haben und ich glaube nicht, dass ich extra noch einmal hierher fahren würde, aber die schönen Strände und das besser werdende Wetter haben mich wieder entschädigt. Aber ich will nicht schimpfen, Belize hat auch gute Seiten. Das Meer ist sehr sauber und sie sind eines der ersten Länder, die Gebiete zu Naturreservaten und als geschützt deklarieren und das auch einhalten. Es gibt tolles Essen, exotisch mit Früchten zum Fisch, viel Meeresfrüchte und ein wenig abwechslungsreicher als mexikanische Tacos mit Rice and Beans. Und die Leute machen gute Musik. Wenn gespielt und getanzt wird, macht das richtig Spaß, die Rastafaris lächeln die ganze Zeit beseelt, freuen sich des Lebens und schenken guten Rum-Punch aus. Und es gibt Kokosnuesse im Ueberfluss!

Also soweit die Neuesten Nachrichten aus unserem aufregenden Leben und ich verbleibe bis auf bald mit einem dicken Bussi und Goodbye aus Belize!

Von San Cristobal (Mexiko) bis Placencia (Belize)

Guatemala!

Montag, November 26th, 2007

Von Belize City sind wir dann mit dem Bus über die Grenze zu Guatemala, Richtung Flores gefahren. Weil es mal wieder wie aus Kübeln geschüttet hat, war die Staubpiste, auf der wir durch den Urwald gefahren sind, dermaßen matschig, dass wir mit dem kleinen Bus einige Male fast steckengeblieben sind. Ich war schon drauf und dran, auszusteigen und anzuschieben. Doch das blieb uns zum Glück erspart.

Nach knapp sechs statt der geplanten drei Stunden sind wir dann doch in Flores, einer kleinen süßen Insel in einem tropischen See mitten in Guatemala angekommen. Flores liegt nur eine Stunde von Tikal entfernt, einer der bekanntesten und am besten erhaltenen Maya-Stätten in Mittelamerika. Wir haben am nächsten Tag erstmal einen Ausflug zum Markt gemacht und sind im knöchelhohen Schlamm rumgestapft.

Dort gab es mal wieder alles: rohe Hühnchen neben exotischen Früchten und Plastik in allen Formen und Farben. Ganz besonders schoen ist die allgegenwaertige Weihnachtsdeko. Ueberall kann man blinkende Figuren, Lichterketten oder Plastikbaeume kaufen.

Auch der Dorfplatz ist mit einem solchen Exemplar in Uebergroesse geschmueckt. Irgendwie komisch, wenn es dazu keinen Gluehwein gibt und man Flip Flops anhat…

Auf dem Dorfmarkt hat Nino sich am nächsten Tag zusammen mit dem Freund, den wir getroffen haben, eine kleine Machete gekauft, die wir ziemlich sicher nicht an einen Flughafen mitnehmen dürfen…Und dann haben wir auch endlich die Freunde S und M aus München getroffen, die per Mini-Flugzeug nach Flores durch einen Sturm geflogen kamen. Sie haben uns einen Laptop mitgebracht, den Nino noch in Deutschland gekauft hatte und damit war sein Tag gerettet!

Der erste Abend war super, wir hatten ja schon fast zwei Monate keine Leute mehr um uns herum, die wir besser kennen und das war auch mal wieder schön. Die haben nicht gefragt, was wir sonst so machen oder wo genau wir wohnen und so was. Kein Smalltalk und kein Abtasten, sondern nur Ratschen.

Zusammen sind wir dann nach Tikal in den Urwald gefahren, haben uns dort für eine Nacht in ein 4-er Zimmer mitten im Urwald eingemietet, wo es ab neun Uhr abends bis sechs Uhr früh keinen Strom gab. Am selben Tag haben wir uns die riesigen, mitten im dicksten Urwald gelegenen Ruinen noch bei Tageslicht angeschaut, Affen in den Baeumen beobachtet und ich bin mal wieder von Muecken zerstochen worden.

Doch die eigentliche Attraktion in Tikal ist der Sonnenaufgang. Den kann man sich von den obersten Stufen der hoechsten Ruine, ueber dem Dach aus Urwaldbaeumen ansehen. Wir sind also morgens um fünf in den stockdunklen Urwald gelaufen, mit einigen Taschenlampen bewaffnet, und mussten etwa eine halbe Stunde bergauf durch Dickicht laufen, bis wir an den Stufen der über 60 Meter hohen Pyramide angelangt waren. Die Brüllaffen haben geschrien, der Nebel ist aus den Wäldern aufgestiegen und hinter den Ruinen ist ganz langsam die Sonne aufgegangen. Ganz langsam ist der ganze Wald dann aufgewacht, die Voegel haben angefangen zu schreien, die Affen bruellen ohrenbetaubend und langsam waermt die Sonne die Luft auf. Da die Frühaufsteher alle ruhig sein sollten war das ein richtig erhebender Moment. Es war das erste Mal, dass ich bewusst so viele verschieden Geraeusche im Wald gehoert habe. Danach sind wir noch ein paar andere Pyramiden abgelaufen, haben uns die noch unentdeckten bewaldeten Huegel angesehen, die etwa 85% der Ruinen noch bedecken und sind um halb zehn totmüde wieder ins Bett gefallen. Mittags haben wir uns dann auf den Weg zurück nach Flores gemacht. Kurz bevor unser schleichend langsamer Bus endlich am Ziel angekommen ist, ist ein Reifen geplatzt und es musste erst der Reifen gewechselt werden. Wir standen mitten auf der einzigen Straße nach Flores und ich hatte einfach keine Lust, in der Mittagssonne zu braten, also habe ich den nächsten Pick-up angehalten. Ich habe in Mexiko immer die Leute auf der Ladefläche gesehen und dachte mir, das müsste doch hier auch gehen. Und es ging auch. Nur leider war genau der Pick-up, den ich mir ausgesucht hatte, ein Ziegen- oder Schweinetransporter und die Ladefläche voller Sch… Trotzdem sind alle Businsassen dann mit aufgesprungen und wir sind auf der Ladefläche bis nach Flores gekommen.

Also wir am nächsten Tag wieder nach Belize fahren wollten, hat sich ein privater Busfahrer für ganz schlau gehalten und versucht, uns über eine Stunde hinzuhalten, nur um noch ein paar dumme Touristen zu finden, die seinen teuren Preis zahlen. Wir aber hatten es ein wenig eilig und einfach kein Verständnis dafür, dass er uns da jetzt warten lassen will, obwohl wir einen Abfahrtstermin ausgemacht hatten und uns die Busse alle 20 Minuten vor der Nase wegfuhren. Nachdem der Busfahrer den Anschiss seines Lebens von einer aufgebrachten Dr. S. kassiert hat, hat er uns ganz kleinlaut aussteigen und in einen Bus mit Einheimischen umsteigen lassen. Das Geld haben wir wieder eingesammelt und sind wutenbrannt in den anderen Bus eingestiegen. Der hielt zwar alle paar Kilometer, um jemanden ein- oder aussteigen zu lassen, dafür konnten wir bei einem kurzen Stopp an einem Markt so ziemlich alles kaufen, was man so auf einer Busfahrt essen kann. Die Einheimischen haben uns ziemlich skeptisch betrachtet und als wir das obligatorische Jodelbär-Video gedreht haben, waren sie sich sicher, dass wir komische ausländische Leute sind. Nur die Kinder kommen immer an und schauen einen mit großen Augen an und betrachten die hellen Haare mit großem Interesse. Vor Nino haben sie glaube ich langsam Angst, der hat ja einen richtigen Bart, weil er sich seit unserer Abreise nicht mehr rasiert hat…Wenn die Leute uns sehen schwanken sie in der Nationalitätsfrage zwischen Südamerika (wenn sie Nino sehen) und Schweden (bei meinem Anblick). Einigen können sie sich meistens auf Australien – irgendwie komisch. Insgesamt war unser Aufenthalt in Guatemala zu kurz, wir haben eigentlich nur die Touristen-Route gemacht und kaum etwas Anderes mitbekommen. Doch was wir ganz bestimmt mitgenommen haben, man muss unheimlich aufpassen, dass man als Tourist dort nicht abgezockt wird. Die Leute sind schon nett, aber nur solange man ihnen Geld gibt. Das ist in Honduras anders, aber dazu erst spaeter. Es geht spannend weiter, also bleibt dran, bis bald, bussi bussi und adios!

Yo Mann…

Freitag, November 23rd, 2007

…Belize ist richtig Karibik mit Rastafari und Rum-Drinks. Wir sind mit dem Bus bis nach Belize City gefahren, mussten allerdings mit dem gesamten Gepäck an der Grenze aussteigen und selber über die Grenze laufen, damit wir ja keine Drogen einschmuggeln. Von Belize City sind wir dann mit einem kleinen schnellen Boot etwa eine Stunde auf eine kleine Insel im Norden vor der Küste gefahren.

 

Auf Caye Caulker, einem bekannten Taucher-Ziel, haben wir uns ein nettes kleines Hotel gesucht und wollten dann dort einige Tage bleiben. Schon in der ersten Nacht hat sich herausgestellt, dass wir wirklich mitten im Geschehen waren. Der einzige Nachtklub war genau neben unserem Hotel, die Raucher mussten raus und standen somit eigentlich vor unserer Tür. Nachts hat dann jemand seinen Freund Tom gesucht und dazu unermüdlich und rastlos an die Nachbartür gehauen. Zum Glück waren wir von der Fahrt dorthin so müde, dass wir trotzdem irgendwie geschlafen haben.

Als wir am nächsten Morgen den Strand gesucht haben, waren wir bitter enttäuscht, denn es gab keinen Strand, an dem man einfach ins Wasser gehen konnte. Der Strand bestand aus einer gebrochenen Betonmauer, die schon vor einiger Zeit von einem der vielen Hurrikanes zerstört worden ist und langsam vergammelt. Dort konnte man sich drauflegen oder setzen und von dort aus ins Wasser springen. Doch auch das war nicht ganz ungefährlich, denn in den schmalen Durchgang zwischen den beiden Inselhälften, die bei dem selben Hurrikane entstanden sind, dient den Fischern und Ausflugsbooten als schneller Durchgang und dementsprechend viele Boote rasen dort durch. Das Wasser war super. Warm und klar, aber beim Schnorcheln haben wir eigentlich nur ein paar Muscheln und kleinere Fische gesehen. Das Tauch- und Schnorchelparadies liegt an den Reefs um die Insel herum. Das bekannteste Taucherziel ist das Blue Hole, ein Weltkulturerbe, das Wissenschaftlern dazu dient, die Evolution zu erklären. Es ist ein runder Korallenkreis, der an zwei gegenüberliegenden Seiten geöffnet ist und der steil sehr tief ins Meer abfällt. Von oben sieht es aus wie ein dunkelblaues Auge mit hellem Rand.

Nino hat einen Tauchausflug in ein nahe gelegenes Naturreservat gemacht, dort Schildkröten, Rochen und einen Hai gesehen und wir wollten dann am kommenden Tag zusammen den großen Ausflug zum Blue Hole machen, er zum Tauchen, ich zum Schnorcheln. Die Fahrt alleine dorthin dauert schon fast drei Stunden mit einem kleinen schnellen Boot und so sollte es morgens sehr früh losgehen. Leider hat das Wetter nicht mitgespielt! Es hat geregnet was das Zeug hält! Die Tour war daher abgesagt und wir natürlich ziemlich enttäuscht, da wir am kommenden Tag fahren mussten, um Freunde aus München zu treffen, mit denen wir schon etwa zwei Wochen im fast verzweifelten Mail-Kontakt waren, weil das mit dem Treffen irgendwie doch nicht so unkompliziert mit den jeweiligen Plänen kombinierbar war.

Nino hat sich dann aber dazu entschlossen, dass er den Ausflug dennoch  machen will am kommenden Tag und wir dann halt einen Tag später loskommen. Schnorcheln ging da leider nicht mehr, da es anscheinend bei schlechtem Wetter zu gefährlich ist und ich wollte nicht einen teuren Ausflug machen, wenn ich dann nicht ins Wasser darf. Es sollte also am nächsten Tag um sechs losgehen. Ich lag immer noch im Bett (es hat mal wieder geregnet…), als Nino maßlos enttäuscht wieder zurückkam: Das Boot hatte einen Motorschaden gehabt und der Ausflug musste in der Früh abgesagt werden!

 

Später haben wir dann erfahren, dass ein anderer Anbieter am vorherigen Tag trotz schlechten Wetters rausgefahren ist und auf dem Rückweg in einen schlimmen Sturm gekommen ist, gekentert und aufs Riff aufgelaufen ist. Die Taucher, die völlig unterkühlt und dehydriert im Wasser getrieben haben, konnten von der Küstenwache gerettet und nach Belize City gebracht werden. Deshalb war das Boot kaputt. Und wir hatten mal wieder Glück im Unglück.Auch sonst haben wir versucht, aus dem total verregneten und stürmischen Aufenthalt auf dieser Trauminsel das Beste zu machen. Einen Tag hatten wir Glück und es gab einen Sonnenuntergang vom Feinsten. Das ist ja das Tolle auf so einer Mini-Insel. Man hat sowohl Sonnenaufgang, als auch –untergang innerhalb von 30 Metern Breite. Nachdem ich noch immer nichts essen konnte von meiner kleinen Ruhr aus Mexiko habe ich mich erstmal mit Rum-Punch wieder aufgepäppelt.

Als es mit dem Essen dann wieder ging, sind wir einen Abend zu Fran’s gegangen,  ein Grill auf dem Sand an der einzigen Straße mit ein paar Holzbänken, die mit versicherte, dass ihr Lobster in Knoblauch reine Medizin für meinen angeschlagenen Magen wäre. Und so wars dann auch. Seitdem bin ich genesen und ich glaube immer noch, es war die Kombi aus drei (!) großen Hummerschwänzen in Knoblauch und dem gut gemeinten Rum-Punch von Fran aus Caye Caulker!

Als uns dann langsam langweilig wurde auf der Insel, weil bei viel Regen und starken Stürmen nicht viel zu tun war, haben wir uns eine Angelschnur und Haken gekauft und haben angefangen, selber Fisch zu fangen. Leider hatten wir nur ein paar Hühnerknochen als Köder und so hat nichts angebissen… aber lustig wars allemal. Auch das Abendprogramm hat ordentlich was hergemacht. Im Nachtklub neben unserem Hotel war an einem Abend der große Karaoke-Abend und die Amis und Australier, die wir bei Fran kennengelernt haben, haben sich nicht lumpen lassen. Wir mussten nach ein paar Gläschen auch ran, aber ich verrate hier nicht, was wir gesungen haben.

Tulum ist in der Karibik…

Freitag, November 23rd, 2007

…und da wollten wir hin.

Dazu haben wir den 11-Std. Nachtbus aus Palenque  genommen und ich kam nach einer erholsamen Nacht morgens um sieben ausgeschlafen in Tulum an. Komischerweise kann ich in den großen Bussen wirklich gut schlafen. Seitdem ich ein Nackencroissant habe, sogar noch besser.

 Wir hatten uns das dann folgendermaßen vorgestellt: Wir kommen in der Karibik an, nehmen uns ein kleines Hütterl am Strand und bleiben dort erstmal gechillt ein paar Tage.  Aber es kam alles anders… Die Unterkunft, die wir uns ausgesucht hatten, weil sie unserem Budget entspräche, wurde gerade renoviert und war daher geschlossen. Andere Unterkünfte am Meer direkt waren so teuer und teilweise heruntergekommen, dass wir uns dazu entschlossen haben, im Ort, sechs Kilometer vom Strand entfernt, zu bleiben. Glücklicherweise haben wir dann, schon ein wenig enttäuscht, eine schöne Bleibe gefunden. Wir hatten einen kleinen Bungalow inmitten eines tropischen Gartens, in dem noch etwa sechs oder sieben kleinere andere Hütten standen. Im Haupthaus gab es eine schöne alte Küche und Sofas mit Bücherregalen und Kissen, wie daheim! Außer uns waren da noch ein australisches, ein irisches und ein ich-weiß-nicht-mehr-was Pärchen – und vier Schwaben! Die waren soo schlimm, dass wir in deren Anwesenheit nicht deutsch miteinander gesprochen haben -  und es immer noch nicht tun. Denn jetzt, zwei Wochen später, haben wir sie wieder getroffen – in Belize auf einer Dorfparty (dazu aber später…). Doch der Strand in Tulum hält jedes Versprechen, das Postkarten und Fotos geben können! So weit das Auge reicht nur superfeiner weißer Sand, hellblaues glitzerndes Wasser, das Korallenriff in Sichtweite, an dem sich die Wellen draußen brechen und hier und da eine schattenspendende Palme – ein Paradies!

 Unglaublich schön und dabei kaum bevölkert. Zwei Tage haben wir dort am Strand verbracht. Ich war stundenlang im Wasser, das wirklich badewannenwarm war und mit dieser Farbe von frisch gereinigtem Pool so unwirklich wirkt. Einen Tag war das Wasser bevölkert von Kite-Surfern und Seglern, die den ungewöhnlich guten Wind ausgenutzt haben.

 Aber wir haben nicht schon wieder nur faul am Strand abgehangen, sondern uns einen Nachmittag die Maya-Ruinen von Tulum angeschaut, die direkt ans ein felsiges Stück Küste gebaut wurden und sowohl als religiöse Stätten, als auch als einer der wichtigsten Häfen der Zeit gedient haben. Am Fuße der Ruinen gibt es einen kleinen weißen halbmondförmigen Strand, an dem man ins Wasser gehen kann und wir waren nur einige Meter von den berühmten Ruinen im hellblauen Wasser schwimmen. Das war auch der einzige Weg, sich bei mindestens 35 Grad einigermaßen abzukühlen. Am nächsten Tag haben wir einen Schnorchel-Ausflug gemacht. Es ging aber nicht ins Meer, sondern in das zweitgrößte zusammenhängende Höhlen-Cenoten-Gebiet der Welt.

Einige der Cenoten sind offen und hell, aber andere sind nur durch das Wasser begehbar und ziemlich dunkel und unheimlich. Die Verbindungen der einzelnen Hohlräume sind teilweise sehr eng und stockdunkel und es erfordert schon ein gewisses Maß an Konzentration, dort drin keine Platzangst zu bekommen. Teilweise hat man unter sich etwa sechzig Zentimeter Wasser und über sich nur noch 15 Zentimeter Luft, so dass man den Kopf nicht aus dem Wasser heben kann, ohne ihn sich anzustoßen. Zum Glück war die erste Hohlkammer, in der auch der Einstieg zu dem gesamten Labyrinth war, ziemlich hell und sonnendurchflutet, so dass es nicht zu gefährlich aussah von außen. Trotzdem hat es mich einige Minuten in Anspruch genommen, mich in das kristallklare Wasser zu begeben und den Kopf unter Wasser zu tauchen, denn überall um mich herum waren tausende kleine Fische, die ähnlich den Putzerfischen beim Hai, an meinem Bauch geknabbert haben.

 

Als ich mich dann akklimatisiert hatte, war die Sicht einfach berauschend. Das Wasser war so klar, dass man fast vergessen konnte, dass es keine Luft, sondern ein flüssiges Element ist. Wir haben mit der Unterwasser-Kamera super Bilder von den Höhlenformationen, den vielen Fischen und uns gemacht. Manchmal musste ich mich schon sehr zusammenreißen, wenn es wieder durch ein Stück stockdunkles Wasser ging, in dem man seinen Kopf kaum aus dem Wasser heben konnte, weil es so eng war.

Nach einer Stunde im Wasser habe ich dann so gefroren, dass meine Hände und Lippen ganz blau angelaufen sind und ich mich erstmal in der Sonne aufwärmen musste. Am kommenden Tag wollten wir dann eigentlich ganz früh aufbrechen und Richtung Belize weiterziehen. Aber ich konnte am nächsten Tag einfach nicht aufstehen, ich hatte eine Amöben-Ruhr und war schon beim Arzt deswegen und die Medikamente haben mir dann den Rest gegeben. Das ist ziemlich ätzend und ich werde daher nicht näher darauf eingehen… Nur konnte ich ein paar Tage nichts essen und trinken. Nach insgesamt drei Wochen Krankheit und dann nochmal drei Tagen Behandlung war dann alles vorbei und wir sind weitergefahren nach Belize.

Das Nachtleben von San Cristobal und die alten Mayas

Dienstag, November 6th, 2007

Heute sind wir in Palenque und schon wieder auf dem Weg, weiter Richtung Karibik.

In San Cristobal hatte wir noch einen sehr lustigen Abend mit den beiden Amis Kyle und Kevin, die uns dann am nächsten Morgen verlassen haben. Das Nachtleben in Mexiko ist ein wenig anders als bei uns, aber sehr lustig. Erst haben wir uns die Umzüge der verkleideten Schauspieler auf dem Hauptplatz von San Cristobal angeschaut, dann sind wir ein wenig um die Häuser gezogen und schliesslich in einer Diskothek gelandet. Es war sehr klein und eng und die Leute haben, mal abgesehen von unseren beiden Amis, alle getanzt. Kein Rumgestehe an der Bar oder so. Beim Tanzen haben wir erstaunlich schnell Freunde gefunden und uns noch köstlich amüsiert.

Am nächsten Tag sind wir dann mit dem Bus fünf Stunden Richtung Palenque gefahren, eine Stadt, die durch die alten Maya-Ruinen grosse Berühmtheit erlangt hat.

Wir haben dort mitten im Dschungel gewohnt, in einer kleinen Hütte mit Palmendach und Moskitonetz. Die Matratze war so dünn, dass man sich nicht auf die Seite legen konnte, aber die Geräuschkulisse aus dem Urwald war umso beeindruckender. In der ersten Nacht bin ich nachts um vier von komischen Schreien aufgewacht und bin mit bis jetzt nicht sicher, ob das Affen oder ein Wildschwein war. Auf jeden Fall laut…!

Gestern haben wir dann die Ruinen besucht. Die etwa 1400 Jahre alten Bauten, die einmal eine ganze Stadt darstellten mit Regierungsgebäuden, Kriegszentrum, Wohnvierteln und Tempeln, ist relativ gut erhalten, wenn auch zum Teil schlecht renoviert. Zwischen den alten Steinen und Bildern sieht man den Stahlbeton blitzen und die Stufen sind touristengerecht begradigt. Aber dennoch ist eine solche Ansammlung von alten Steinen mitten im Urwald beeindruckend und lässt eine uralte Kultur erahnen. Das Areal ist so gross, dass wir etwa vier Stunden dort unterwegs waren.

Anschliessend sind wir mit einer Tour weiter zu grossen Wasserfällen in der Gegend gefahren, in denen man normalerweise schön baden kann. Allerdings wollten wir gestern nicht baden, denn es herrscht hier gerade eine kleine Kältewelle, die wohl eine Folge der vielen Regenfälle und des allgemein schlechten und unstabilen Wetters in der Region ist.

Die schweren Überschwemmungen in der Region Tabasco und Chiapas, dem Bundesstaat, in dem auch wir sind, sind nur einige hundert Kilometer von uns entfernt. Aber wir befinden uns in den Bergen und bekommen dadurch zum Glück hier gar nichts mit.

Die Temperaturen und die Niederschläge spielen gerade verrückt und die Einheimischen führen das auf den allgemeinen Klimawandel zurück. Leider bekommen wir nur per Internet in deutschen Medien wirklich gute Information zu dem Unglück hier. Das hiesige Fernsehen sendet etwa hundertmal am Tag Bilder von Überschwemmungen, untermalt mit Horrorfilm-Musik, gibt aber kaum wirklich Informationen über die Situation dort. Den Rest der Sendezeit füllen Spenden-Shows, die mit irgendwelchen Promis aufwarten und diese im Fernsehen zum Beispiel Karaoke singen oder Kuchen backen lassen. Also nicht sehr hilfreich. Aber wir konnten uns so weit informieren, dass wir wissen, dass unser nächstes Ziel, Tulum, keine Gefahr birgt.

Heute haben wir den Tag in der kleinen Stadt Palenque verbracht, eine Stadt wie viele andere in Mexiko. Das Leben der Menschen findet auf der Strasse statt, sie essen dort an kleinen Ständen die Kinder pennen oder spielen auf dem Gehsteig und es wird viel Zeug verkauft, das niemand braucht. Auf den Stassen fühlen wir uns tagsüber absolut sicher und erleben eigentlich nur nette und hilfsbereite Menschen.

 

Tulum liegt an der Atlantikküste, in der Nähe von Cancun, und soll die schönsten Strände des Landes bieten. Wir werden dort ein wenig schnorcheln und weitere Ruinen besichtigen. Und da ist es dann auch wieder warm!

Bis bald aus der Wärme, bussi bussi und goodbye on the carribbean side of life!

Ausserhalb der Zivilisation

Freitag, November 2nd, 2007

Genau das waren wir die letzte Woche. An einem wunderschönen Ort, wo Internet, Handyempfang und Telefon noch Fremdworte zu sein scheinen.

Eigentlich wollten wir schon früher aus Puerto starten, aber irgendwie hat es uns dort noch so gut gefallen, dass wir noch ein wenig länger geblieben sind. Die Wellen waren super für uns, das Wetter war besser und wir haben nette Leute kennen gelernt dort.
Schliesslich sind wir dann doch mit zwei lustigen Amerikanern aus San Diego, Kyle und Kevin, mit Hilfe ihres Autos zu viert im vollbepackten Innenraum gestartet und haben für nur ein paar Kilometer etwa zwei Stunden an unser Ziel gebraucht.

Das Ziel war die Barra de la Cruz, ein winziger Ort, an einem wunderschönen langen weissen Strand gelegen. Dort gibt es einen sagenhaften Surfspot, einen rechtsbrechenden langen und regelmässigen Pointbreak, der vor zwei Jahren erst als solchen entdeckt wurde, als Quicksilver seine Surftour der Pros dort abgehalten hat. Das allerdings stelle ich mir dort ziemlich schwer vor: Die Strassen sind nicht geteert, löchrig und nur mit einem geländegängigen Fahrzeug zu bewältigen. Es gibt keinen schönen Steg an den Strand und der Sand ist sauheiss tagsüber.

 

Die Welle bricht ein ganz schönes Stück vom einzigen Restaurant am Strand entfernt und für Kamerateams etc. ist der Ort sicherlich nicht konzipiert. Doch aufgrund des Ruhmes durch die Surftour hat der Ort den Ruf eines einsamen Breaks. Doch genau dieser Ruf zieht wiederum die Surfer aus aller Welt an.

Das einzige, was hier abschreckend sein könnte, sind die kusierenden Geschichten über die Invasion der im sumpfigen Unterholz lebenden Milliarden von Moskitos. Bevor wir ankamen, haben wir schon Horrorgeschichten gehört über die schrecklichen Horden von Stechmücken und uns daher mit Räucherspiralen und Mückenspray eingedeckt. Als dann noch einer der Jungs erzählt hat, er hätte in einem Ort ganz in der Nähe sich schon einmal mit Dengue-Fieber angesteckt, war ich erst ein wenig abgeneigt, habe mir aber eingeredet, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Doch das wurde es – allerdings nur in Bezug auf die Mücken.

Wir haben in ganz einfachen Cabanas geschlafen, die mit Palmenblättern gedeckt waren, keine Betten, sondern nur Feldbetten hatten und so genannte Örtlichkeiten, die ich in Deutschland nicht einmal in Betracht gezogen hätte auch wenn es mich zerrissen hätte! Aber dort blieb mir keine Wahl und so ging auch das für eine Woche gut. Ein kleinen Tiefpunkt hatte ich, als einer unserer Nachbarn mir von einer handtellergrossen Tarantel in seiner Hütte erzählte… Dagegen war der nächtliche Angriff von hunderten von Ameisen auf einen der Amis, mit denen wir unterwegs waren fast nicht mehr erwähnenswert. Aber ich habe es überlebt, mit etwa dreihundert Mückenstichen aber ohne wirkliche Gefahren.


Auf dem Weg dorthin mit dem vollbepackten Auto sind wir wieder einmal vom heimischen Militär aufgehalten und durchsucht worden. Die amerikanischen Jungs haben, einer weisen Eingebung folgend, Pornoheftchen unter dem Fahrersitz liegen gelasse, die extra für diesen Zweck mitgenommen wurden, und auch wirklich sehr hilfreich waren und die Durchsuchungszeit extrem verkürzt haben. Die schwer bewaffneten Militärs sind meist ziemlich jung, ich glaube noch jünger als ich und solche Heftchen wohl ziemlich rar hier. Bietet man einem von ihnen unter der Hand einer der Schundteile an, dann lassen sie die Rucksäcke meist in Ruhe, ratschen noch ein wenig mit einem und lassen einen dann fahren. Uns ist das zumindest schon zweimal so passiert und die Jungs haben damit schon gute Erfahrungen gemacht.

Als wir den ersten Tag in Barra an den Strand gekommen sind, hat es mir schier die Sprache verschlage. Ein kilometerlanger weisser Strand, an dem kein einziger Mensch ist. Eine wunderschöne  und riesige Bucht mit glasklarem Wasser, im Hinbtergrund die Berge mit einer vor grün nur so strotzenden Vegetation und die perfekte Welle genau vor der Nase. Die fünf oder sechs Leute, die dort über den Tag verteilt gesurft sind, waren allesam nett und gegenüber einem Mädchen sehr nachsichtig.

Ausser uns waren zu dem Zeitpunkt nur noch ein französisches Pärchen, ein Ami, drei Australier und zwei Israelis im Ort. Das weiss ich nur so gut, weil wir uns dort innerhalb einer Woche die ganze Zeit auf die Füsse gestiegen sind. In den drei Restaurants ist man sich eigentlich jeden Abend begegnet und als die heimische Baseball-Mannschaft die Ortsmeisterschaften gewonnen haben, sind natürlich alle am Abend auf den Dorfplatz zum Tanzen gegangen.

Ansonsten waren unsere Tage eher einförmig. Morgens sind wir meist schon ziemlich früh mit den Jung zum Strand, der ein paar Meter von unseren Cabanas entfernt war, sind surfen gegangen, haben uns während der Siesta in unsere Hängematten gelegt, gelesen und selbstgemachte Sandwiches gegessen, ein bisschen geschlafen und dann wieder surfen gegangen. Abend kamen dann die Mücken und wir sind wieder zurück zu den Cabanas und haben uns dann meistens für die beste Pizza Mexikos, bei Carlos, entschieden.

Einen Abend, nachdem das Surfen für die Checker nicht gut, weil zu klein war, haben wir angefangen, drei Amerikanern bei einigen Flaschen Bier, das Spiel Three-Man beizubringen. Als sie es konnten, waren sie schon so betrunken, dass wir aufhören mussten. Danach haben alle geschworen, dass sie unbeding kommendes Jahr auf die Wiesn kommen… mal sehen.

Während der ganzen Woche hatten wir Temperaturen von mindestens 28 Grad – nachts! Tagsüber hatte es um die 40 Grand und der Sand war so heiss, dass man barfuss gar nicht darauf laufen konnte. Der Strand hat geflirrt, wenn man drüber geschaut hat und der Wind vom Meer glich eher einem warmen Fön. Die ersten zwei Tage habe ich noch geschwitzt und fand es anstrengen bei diesen Temperaturen überhaupt etwas zu machen, aber nach einiger Zeit war es gar nicht mehr schlimm. Man verlangsamt einfach alles. Man geht langsamer, ist nicht so hektisch und manche reden auch langsamer (was mir noch nicht gelungen ist).

Wenn wir nicht gesurft sind oder in der Hängematte hingen, sind wir alle nacheinander mal angeln gegangen. Kevin hatte eine Angel mit mehreren unterschiedlichen Ködern dabei und wir haben uns einfach in die Fluten gestellt und diese ausgeworfen. In der Bucht waren eine Unmenge von Fischen! Beim surfen sind sie direkt neben einem aus dem Wasser gesprungen (leider nur aus dem Wasser und nicht gebraten in den Mund wie im Schlaraffenland…) und die heimischen Fischer haben nur mit einer Spule und einem Haken bewaffnet haufenweise Fische am Strand ans Land gezogen. Doch bei uns wollte es nicht so richtig klappen. Kevin hat einen wirklich grossen gefangen, aber er ist ihm nochmal vom Haken gesprungen.  Nino hat einen ganz kleinen gefangen, den wir dann verschenkt haben, weil er für vier wirklich nicht als Abendessen ausreichend war. Also sind wir wieder zu Carlos!

Zum Glück gab es in Puerto Escondido ein Cafe, in dem man sein eigenes, ausgelesenes Buch gegen ein neues eintauschen konnte. Ich habe gleich zwei neue Bücher mitgenommen und eines davon war – auf deutsch!- “Ich bin dann mal weg” von Hape Kerkeling. Ein autobiographischer Reiseroman, in dem er von seinen Erfahrungen auf dem Jakobsweg berichtet. Das Buch war irgendwie so passend in der Situation. Ich musste zwar nicht so viel laufen wie er (das hatte er sich ja selber ausgesucht), aber die Erfahrungen mit sich selbst und vor allem im Kontakt mit anderen Menschen, die auch auf einer Reise sind, sind sehr nachvollziehbar.  Es passieren einem einfach lustige, skurrile und auch gefährliche Sachen, die einem daheim erspart geblieben wären, die man aber dennoch nicht missen will. Das Buch ist ziemlich glaubens- bzw. religionslastig, was unsere Reise nicht ist, aber die Erfahrungen der Reise sind ähnlich.

Gestern sind wir dann nach ein paar wundervollen Tagen dort wieder mit den beiden Amis und ihrem bis unters Dach vollbepackten Auto Richtung San Cristobal de las Casas gestartet. Die Stadt liegt im zentralen Hochland von Chiapas, dem südlichsten Bundesstaat Mexikos auf 2100 m Höhe.

 

Mit etwa 121.100 Einwohnern ist sie für uns jetzt eine absolute Grossstadt! Es gibt einfach alles hier wieder. Ich habe mich nach knapp drei Wochen in der Pampa schon wieder auf eine Stadt gefreut, obwohl ich jetzt schon wieder ans Meer will, weil es hier einfach s….kalt ist! Es hat um die 15 Grad und ich bin so verwöhnt von der Hitze, dass ich total friere und mir die ganze Zeit die Nase läuft!

Das Bergland um San Cristobal ist hauptsächlich von Mayas bewohnt und die indigene Traditionen und Lebensweisen werden zum grossen Teil noch bewahrt und gepflegt. Leider lässt sich das in der Stadt selber nur daran sehen, dass überall einheimische Frauen und Kinder geflochtene Armbänder und Mützen verkaufen. Doch die Menschen aus den umliegenden Dörfern sprechen zum Teil nicht einmal Spanisch oder nur als zweite Sprache. Die traditionellen Sprachen sind hier noch sehr lebendig.

Heute ist der 2. November, der “Day of the Dead”, also Fronleichnam und die Stadt bereitet sich auf ein grosses Fest heute abend vor. Überall wird geschmückt und Musik vorbereitet. Gestern abend sind schon die ganzen Kids in Halloween-Masken durch die Strassen gezogen und haben kleine Umzüge organisiert. Heute abend wird sich die ganze Innenstadt in eine grosse Fiesta verwandeln, überall wird es Mezkal und Tacos geben und es wird getanzt werden! Viva Mexiko!!!

Morgen brechen wir dann nach Palenque auf, wo wir den Tempel und die berühmten Maya-Stätten besichtigen werden und einige Ausflüge in den umgebenden Dschungel machen werden. (Infos zu Palenque: http://de.wikipedia.org/wiki/Palenque).

Ich freue mich, wieder in wärmere Gefielde zu kommen und verbleibe mit einem herzlichen Busssi bussi und hasta luego!

Noch mehr Bilder gibt es hier:

Mexiko (Puerto Escondido – San Cristobal de Las Casas

Ein Herz für Tiere…

Mittwoch, Oktober 24th, 2007

…das muss man hier echt haben. Denn es gibt wirklich viele von ihnen. Mache sind ja wirklich schön oder nützlich und süss, aber andere sind auch ein wenig nervig oder sogar gefährlich.

Nach einigen Nachfragen kläre ich das mal auf: Da wir eigentlich jeder einen Blog haben, es aber kaum Sinn macht, die selben Erlebnisse doppelt zu formulieren, damit wertvolle Reisezeit zu vergeuden und Ihr wohl auch keine Lust habt, alles doppelt zu lesen, schreiben wir abwechselnd den Blog (wobei ich ein wenig im Vorsprung bin) und publiziern ihn bei uns beiden. Teilweise wird es dazwischen auch persönliche Einträge geben, aber die Facts werden nur einmal beschrieben. Es ist daher ganz normal, dass der selbe Text in beiden Blogs steht.

Ab heute gibt es auch ein Fotoalbum, wir wollen ja keinem die zahlreichen Eindrücke verwehren und im Text lassen sich leider nicht so viele Fotos unterbringen. Also schaut rein und geniesst! Der Link ist unter dem Text eingefügt.

Wir sind nun seit einer Woche in Puerto Escondido und fühlen uns schon langsam richtig heimisch hier. Da gerade kaum Touristen hier sind, kennen wir die meisten Leute entlang des Strandes schon, haben feste Gewohnheiten entwickelt und uns in unserem Hütterl heimisch eingerichtet. Es wird also Zeit, weiterzuziehen. Morgen wollen wir Richtung Süden weiter und ein paar andere Spots erkunden. Vielleicht nehmen uns zwei Amerikaner mit Auto ein Stück weit mit, sonst gibt es eine weitere Bus-Episode auf unserer Tour.

Gestern haben wir eine Tour gemacht, auf der wir Hochseefischen waren, Delphine und Schildkröten gesehen und selbst Fische gefangen haben. Wir sind schon morgens um sechs aufgestanden, es war noch stockdunkel draussen und haben uns mit zwei Fischern getroffen, die uns mit auf ihr Boot genommen haben. Als die Sonne aufgegangen ist, waren wir schon auf dem Meer und sind an Stränden und Buchten vorbeigetuckert. Wir haben riesige Schildkröten gesehen, die in der Sonne auf dem Wasser trieben und sich kaum erschreckt haben, wenn wir nahe an sie heran gefahren sind. Wenn wir dann zu nahe kamen, sind sie irgendwie ungelenk abgetaucht und waren verschwunden. Ich glaube, dass wir leider eine von ihnen mit dem Boot überfahren haben, denn sie ist nicht mehr abgetaucht, nachdem wir vorbei waren… Als wir schon so weit draussen waren, dass wir das Land nur noch als Schatten gesehen haben, ist plötzlich einer der Fischer aufgestanden und hat in eine Richtung gedeutet. Und dort war ein ganzer Schwarm Delphine! Mit Babies und richtig grossen Exemplaren. Sie sind in den riesigen Wellen gesurft und haben gespielt. Zwei von ihnen kamen zum Boot und sind eine ganze Weile neben dem Bug hergeschwommen, sind hochgesprungen und haben mit der Bugwelle gespielt. Sie waren so nah, dass wir sie fast anfassen konnten. Und immer wieder haben wir in der Ferne einige von ihnen springen gesehen oder nur ihre Rückenflosse irgendwo zwischen den Wellen. Das war wirklich beeindruckend, diese wilden und schönen Tiere so nah zu sehen. Die Fischer erzählten, dass sie eine Woche vorher sogar Orka-Wale gesehen haben, die in einer riesigen Herde an der Küste entlang vorbeigezogen sind. Die hätte ich auch gerne gesehen, aber da waren wir wohl zu spät dran.

Und dann haben wir die Angeln rausgeholt, riesige Dinger mit Schnüren so dick wie kleine Seile. Wir haben verschiedene Köder an ihnen befestigt und sie in eine Vorrichtung am Boot befestigt. Als die Angel ausgeworfen war, haben wir sie hinter dem Boot hergezogen und einfach abgewartet, während wir immer weiter raus gefahren sind. Und auf einmal hat sich eine der drei Angeln durchgebogen. Nino hat das Ding in die Hand bekommen und sollte den Fisch reinholen. Und das war gar nicht so einfach, denn die Fische sind gross und sie wehren sich! Als der Fisch im Boot war, hat der Fischer ihn vom Haken genommen, und mit einem ordentlichen Schlag auf den Kopf zur Ruhe gebracht. Das gesamte Boot war überzogen mit Blutspritzern, wir inklusive… Aber es blieb uns gar keine Zeit, uns sauber zu machen, denn der nächste Fisch hatte schon angebissen. Ich habe die Angel in die Hand bekommen und ihn reingezogen. Wieder gabs ein Blutbad und einen Schlag auf den Kopf, dann war Ruhe. Und so haben wir etwa acht grössere und kleinere schwarze Thunfische gefangen, die hier sehr häufig sind. Die Grösseren waren bestimmt 80cm lang!

Nach vier Stunden sind wir wieder ans Land gekommen und nach Hause gefahren. Die Fische durften wir behalten und wir haben uns einen von den Grossen und einen Kleineren ausgesucht. Am Nachmittag gab es dann Thunfisch-Steaks vom Grill mit Reis. Als Nino den Fisch ausgenommen hat, hat er noch so stark gezuckt, das wir ihn kaum ruhig auf einen Teller legen konnten. Ich hoffe, er war auch wirklich tot… Das Fleisch ist im rohen Zustand ganz dunkelrot, ich habe so ein dunkles Fleisch noch gar nie gesehen bei einem Fisch. Und es wird beim Braten oder Grillen grau-braun und sieht dann eher aus wie Fleisch. Aber es schmeckt nach Fisch und zwar hervorragend! Wir haben noch einen aus dem Hostel eingeladen, mit uns zu essen, da der Fisch wirklich soo riesig war und haben ihn trotzdem nicht ganz geschafft. Jetzt liegt noch ein grosses Steak im Kühlschrank und darauf freue ich mich schon nachher…

Und dann hatte ich diese Woche noch ein weiteres Tier-Erlebnis der besonderen Art: Vor drei Tagen sassen wir abends draussen und haben ein Bierchen gezischt. Ich wollte etwas aus dem Zimmer holen und gehe im Dunklen rein und hole es. Als ich auf dem Weg zurück zur geöffneten Türe bin, sehe ich aus dem Augenwinkel etwas an der Wand neben meinem Bein. Im ersten Moment dachte ich , es sei einer der vielen Geckos, die überall an den Wänden sitzen. Doch auf den zweiten Blick erschien mir der Schatten irgendwie zu dunkel und gross. Als ich das Licht angemacht habe, habe ich es gesehen: ein riesiger dunkelbrauner Skorpion sass direkt neben unserem Bett! Mir ist wirklich das Blut in den Adern gefroren! Ich war im ersten Moment so erschrocken, dass ich gar nicht reagiert habe und erst nach einigen Sekunden laut losgeschrien habe. Alle verfügbaren männlichen Hostel-Bewohner kamen, um sich das Exemplar anzuschauen und mir zu versichern, dass es wirklich ein grosser ist. Ein paar von ihnen haben das Vieh dann mit einer aufgeschnittenen Plastik-Flasche eingefangen, wobei er sich ziemlich gewehrt hat und mit seinem Stachel die Flasche attackiert hat. Als er endlich in dem Gefäss sass, haben ihn nochmal alle bewundert, bis er dann unter der Machete des Besitzers sterben musste. Seitdem gehe ich im Dunkeln nicht mehr im Zimmer rum, sondern mache gleich Licht und trage auch immer Schuhe.

Die Frau des Besitzers hat mir erzählt, dass diese Tiere relativ häufig sind in Mexiko, aber nicht tödlich, zumindest nicht für Erwachsene. Der Stich ist einem Wespen-Stich ähnlich und tut wohl sehr weh. Man bekommt einen Tag Kopfschmerzen und ein taubes Gefühl im Mund, aber man stirbt nicht daran. Mexikaner, die hier leben, sehen etwa fünf von ihnen pro Jahr. Aber für mich war es das erste Mal und daher wirklich erschreckend.

Die häufigsten Tiere sind und bleiben aber die Mücken! Egal ob tagsüber, abends oder nachts, sie sind immer da und überall. Wir schlafen unter einem Mückennetz, sind immer eingesprüht mit Autan etc. und haben trotzdem an jeder nur erdenklichen Stelle Stiche. Ich teste immer noch, welchen Geruch diese Biester nun wirklich nicht mögen, damit sie mich verschonen, aber noch habe ich das Wundermittel nicht gefunden.

Etwa genauso präsent sind die Hunde, die überall auf der Strasse, am Strand und in den Gärten liegen, laufen, chillen und sch… Viele von ihnen sehen wirklich abgelotzt aus, haben kahle Stellen, humpeln oder haben nur ein Ohr. Normalerweise sind sie genauso entspannt wie die Leute hier, lassen sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen und bellen nicht. Man muss nur aufpassen, dass man nicht auf sie drauftritt, wenn man in der Dunkelheit draussen rumläuft. Doch diese Woche war einer von ihnen wohl ein wenig angespannt. Als wir abends am Stand laufen waren, hat mit auf einmal einer von ihnen verfolgt, mich angebellt, geknurrt und nach meinen Wadeln geschnappt. Ich habe ihn angeschrieen und versucht, böse zu schauen und mit den Arme gewedelt, aber das hat ihn erstmal nicht interessiert. Eine mexikanische Familie, die das ganze Spektakel verfolgt hat, hat auch ganz erschrocken geschaut und Angst bekommen. Das scheint wirklich nicht oft zu passieren. Schlussendlich hat er es sich aber dann doch anders überlegt und mich in Ruhe gelassen. Ich glaube ich bin selten so gerannt wie da… Aber ich habe auch schon einen Hunde-Freund. Er kommt immer, wenn wir am Strand sind, egal ob abends oder tagsüber, legt sich dicht an uns, teilweise unter unsere Hängematten, oder leht sich bei uns an. Er hat ein steifes Bein und kann nicht richtig laufen, aber er liebt uns. Wir nennen ihn Gonzo und er wird uns ziemlich fehlen, wenn wir weiterziehen, das treue Tier :) !

Ansonsten verbringe ich die Tage damit, ein leider schlechtes Buch zu lesen, in der Hängematte zu liegen oder am Strand. Manchmal fahren wir mit einem Sammeltaxi, einer Art Pickup mit Bierbänken auf der Ladefläche für 20 cent in den Ort und gehen auf dem Markt frisches Obst und Gemüse einkaufen. Dort gibt es alles: Kleidung, Elektrik, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Krabbeltierchen und exotisch riechende Säfte. Wir kochen relativ viel selber im Hostel auf einer Küche im Freien. Nicht nur weils billiger ist, sondern weil das Einkaufen auf dem Markt so viel Spass macht. Auch die Restaurants sind nicht so enorm teuer, für ein Hauptgericht zahlt man zwischen zwei und vier Euro. An Strassenständen ist es sogar noch billiger. Fisch und Meeresfrüchte gibts schon für acht bis zehn Euro. Insgesamt kommen wir hier ziemlich günstig über die Runden. Für unser Hostel mit einger Hütte mit Bad zahlen wir in der Nacht keine zehn Euro – für zwei. Letztens haben wir ein Huhn auf dem Markt gekauft (ich glaube, es hat fast noch gelebt…) und uns daraus einen Eintopf gekocht, den wir mit Tortillas gegessen haben, und dafür gerade mal drei Euro gezahlt. Es lässt sich also auch mit kleinem Budget relativ konfortabel und gut leben hier.

Gestern abend waren wir auf der einzigen Party der Stadt, wo wirklich jeder (!) dann auch hingeht. Das war lustig, da wir schon langsam einige Leute hier kennen und dort getroffen haben. Glücklicherweise war die Party direkt neben unserem Hostel und wir hatten einen kurzen Heimweg. Dort war alles Open Air. Eine Bar stand im Garten eines alten Hauses mit Innenhof, in dem der DJ und eine weitere Bar waren. Der Boden war sandig und dreckig, alle sind mit FlipFlops rumgelaufen und die Cocktails waren billig und zwei für einen. Irgendwann war es so voll, dass sie das Gartentor zugemacht haben und niemand mehr reinkam. Wir hatten auf jeden Fall Spass, auch wenn die Musik teilweise eher – naja – dem Regionalgeschmack entsprach… Doch zwischen den ganzen entspannten und legeren Leuten, die eher unschick gekleidet und weder geschminkt noch irgendwie hergerrichtet waren, hat man immer mal wieder einen wasserstoffblonden Kopf gesehen, an denen Mädels hingen, die dort Highheels und meistens ziemlich schlimme und knappe Kleidchen trugen. Es hat sich durch unsere Ami-Nachbarn herausgestellt, dass diese Mädels aus Norwegen kommen und hier irgendwas studieren. Wir waren jedenfalls ein bisschen irritiert über so viel Tussi an einem so unpassenden Ort dafür.

Bei mir hat sich das “Fertigmachen” für eine Party schon jetzt stark reduziert. Gestern habe ich ausnahmsweise  mal die Haare gekämmt, was bei mir hier eigentlich eh keinen Sinn macht, dann das Salz in der Luft lässt die irgendwie selbstständig werden. Zudem habe ich weder Kleidchen noch Schühchen dabei in meinem 35-Liter Home und so war meine einzige Vorbereiteung, mir einen anderen Bikini drunterzuziehen und die Zähne zu putzen. Könnte ich mir so in München nicht vorstellen, finde es hier total normal und überhaupt nicht schlimm. Je mehr Tage vergehen, desto weniger Luxus brauche ich. Und die Ansprüche an Sauberkeit und Ordnung schwinden eher stündlich denn täglich. Und: es ist super. Ich habe nur fünf T-Shirts und Tops und die lasse ich jetzt mal in einer Wäscherei waschen. Das muss reichen für die kommenden zwei Wochen. Denn der Ort, an den wir nun wollen, ist noch weniger touristisch als alles, was wir bisher gesehen haben. Barra de la Cruz ist ein Strand etwas weiter südlich von hier, an dem zwei Spots liegen. Einer ist bei grossem Swall für die Experten, der andere eher für Anfänger beschrieben. Da die Welle am Playa Zicatela, wo wir gerade sind, bisher kaum für Nicht-Experten fahrbar war und wir zum surfen immer ein wenig weiter an einen ziemlich belebten Spot fahren mussten, sind wir nun auf der Suchen nach einer Anfänger-Welle, an der wir ein wenig üben können.

Ich freue mich jetzt schon wieder darauf, dass es weiter geht. Es war super schön und enspannend, endlich an einem Ort angekommen zu sein, sich ein wenig erholen zu können und endlich nach den ganzen stressigen Vorbereitungen mal zur Ruhe zu kommen, aber jetzt ist es auch schön weiterzuziehen und wieder einen neuen Ort zu erkunden, andere Leute kennen zu lernen und einfach weiter auf der Reise zu sein.

Ach, und der Jodelbär ist natürlich auch mit dabei, er ist immer ganz aufgeregt, wenns weitergeht und jodelt sich ordentlich einen ab. Schaut einfach unter Blogs und dann Jodeltier on tour!

Ich habe vorhin die Info bekommen, dass es in München geschneit hat und muss an dieser Stelle sagen, dass ich mich ja immer über den ersten Schnee des Jahres freue, aber diesmal nur für Euch. Ich vermisse die weissen Klümpchen hier ÜBERHAUPT NICHT!

 

Obwohl das Wetter hier die letzten Tage auch nicht soo besonders war. Es fängt immer mal wieder an zu regnen, obwohl die Regenzeit längst vorbei sein sollte. Heute gab es ein richtiges Gewitter und es bläst ganz schön. Es hat dann nur noch 25 Grad und ich bin mit Pulli unterwegs heute. Auch die Wellen sind leider aufgrund des Windes unruhig und schlecht in ihrer Form. Das Wasser ist für uns immer noch sehr warm, es hat etwa 24 Grad. Doch die Fischer, mit denen wir draussen waren, schimpfen über das kalte Wasser, denn es hat hier normalerweise mindestens 28 Grad! Durch den vielen Regen und den Wind hat sich das Meer umgewälzt und das kältere Wasser aus tieferen Schichten ist nach oben gekommen. Am Strand liegen überall tote Kugelfische herum, die in dem kalten Wasser erfroren sind und dann angespült werden – kein Witz! Die Einheimischen sagen, dass das Wetter dieses Jahr verrückt spielt. Eigentlich darf es in dieser Region nach dem 4. Oktober nicht mehr regnen, doch auch hier macht sich die Klimaerwärmung langsam bemerkbar. Dadurch regnet es nicht nur mehr, sondern auch manchen Fischarten sterben aus oder können weniger gefangen werden.

Ich glaube, es ist genug gesagt für heute. Ich sitze die gesamte Zeit über in einem Internet-Cafe im Ort, in dem sich etwa zehn Rechner befinden und neben mir spielt einer ein Kampf-Spiel – in voller Lautstärke. Bisher sind mindestens vierhundert Fabelwesen oder so gestorben… Und es ächzt und stöhnt die ganze Zeit. Ich glaube, das reicht mir jetzt. Aus dem teilweise sonnigen Mexiko verbleibe ich mit vielen Grüssen und bussi bussi und bis bald!

Hier gehts zu noch mehr Fotos:

Mexiko (von Mexiko City bis Puerto Esondido)

Chillen in Puerto Escondido

Freitag, Oktober 19th, 2007

Hier ist es wirklich sehr gechillt… Waren gestern das erste mal surfen, leider sind die Wellen nicht so gut und es war eher weniger von Erfolg gekrönt, aber Spass hat es trotzdem gemacht. Die Locals sagen, dass die Wellen ab morgen abend besser werden sollen und wir warten einfach ab. Dazwischen liegen wir in den Hängematten rum, laufen am Strand entlang und lernen nette Leute kennen.

Gestern haben wir nachmittags einen kleinen Ausflug ins nächste Örtchen gemacht und dort im Supermarkt eingekauft, als wir an einem Restaurant vorbeikamen, das ein super Mittagsmenü angeboten hat. Mit Fisch und Suppe und einfach allem. Das Essen war auch noch ganz gut, aber danach habe ich den Fisch noch den gesamten Tag nachgeschmeckt, irgendwie nicht so gut… Da hilft natürlich nur Tequila, um den Magen wieder ins Gleichgewicht zu bringen, also haben wir kurzerhand mit den australischen Jungs, die auch bei uns wohnen, eine Flasche geleert. Meinem Magen gehts wieder besser, aber jetzt ist es der Kopf.

Wir planen einen Ausflug mit einem kleinen Boot in die kleinen Buchten, bei dem man Delphine, Schildkröten und andere Tiere beobachten kann. Einer der Tourguides hat uns auch eine Tour angeboten, bei der man in einem Kanu eine Lagune erkundet und Krokodile und Schlangen sehen kann. Ich war nicht so begeistert, als er sagte, er würde die dann auch so nahe holen, dass man die anfassen kann.

Ansonsten passiert gerade nicht so viel, wir lesen und schlafen viel, liegen am Strand und geniessen die Ruhe hier.

Mit dem Bus durch Mexiko…

Mittwoch, Oktober 17th, 2007

… ist eine besonders aufregende Erfahrung. Aber dazu spaeter mehr.

Nach zwei Tagen Mexiko City haben wir beschlosssen, nach Taxco weiterzufahren, eine bekannte Silber-Stadt etwa zwei Stunden sued-westlich der Stadt. Nachdem wir mit einem desorientierten Taxifahrer und einem Surfbrett, das etwa 40cm aus dem Beifahrerfenster herausschaute, zum Busbahnhof gekommen sind, hatten wir total Glueck, denn der naechste Bus in die Richtung ging sofort.

Tacxo ist bekannt fuer seine Silbervorkommen und dementsprechend viele Shops und Verkaufsstaende gab es auch. Der Ort sieht insgesamt so aus, als ob dort normalerweise sehr viele Touristen sind, aber als wir da waren, haben wir ausser uns nur noch zwei andere weisse Touris gesehen und sonst nur Mexikaner.

Mit den Rucksaecken am Busbahnhof angekommen, haben wir uns nach einem guenstigen Hostel durchgefragt und erfahren, dass wir nur immer geradeaus den Berg nach oben gehen sollten. Bepackt mit dem Surfbrett haben wir den Tipp dann auch befolgt und uns auf einmal mitten in einem Gemuesemarkt befunden! Die Gaenge waren so eng, dass die Verkaeufer zum Teil ihre Sachen ein wenig auf die Seite schieben mussten, als wir beide da ankamen. Und natuerlich waren wir die Attraktion des Tages! Ich glaube, am Abend kannte uns jeder in dem Ort… Der Markt war ein unendliches Labyrinth von Gasse, Treppen und Plastikplanen, unter denen einfach alles verkauft wurde.

 

Von Plastikspielzeug ueber Kleidung, bis zu lebenden Huehnern oder riesigen Schweinehaelften. Dazwischen verstecken sich exotische Obstsorten, die wir natuerlich alle probieren mussten, sehr zum Vergnuegen der Verkaeuferin, und Staende, an denen man fuer ein paar Pesos hervorragende Tortillas mit scharfer Sosse aus der Hand essen kann. 

Besonders interessant fand ich die Staende mit Obst, an denen es auch kleine Plastiktueten gab, in denen etwas eingepackt war, das auf den ersten Blick wie Nuesse aussah Bei naeherere Betrachtung haben sich diese “Nuesse” aber als kleine Kaefer, auch Wanzen genannt, herausgestellt. Auf unsere Frage, was man denn mit denen mache, haben wir die Antwort bekommen, dass man die mit Chilli isst…! Genauso wie die fritierten Grashuepfer, die daneben lagen… Und die Wanzen werden mit Kraeutern und Chilli zusammen zu der guten gruenen Salsa verarbeitet, die ich persoenlich besonders zum Fruehstueck sehr gerne esse… Lecker! Hoffentlich stimmts nicht – der hat so gelacht, als er uns das erzaehlt hat.

In Taxco waren wir nur eine Nacht, dann haben wir den Bus nach Acapulco genommen. Von Acapulco hatte ich immer so ein Postkarten-Bild im Kopf: Schoener weisser Strand, grosse Hotels, riesige Klippen und azurblaues Wasser. Ich kann hier nur sagen: Acapulco ist NICHT meine Stadt. Angefangen hat es damit, dass wir irgendwo in der Altstadt am Busbahnhof ankamen, es hatte etwa 35 Grad im Schatten und der Taxifahrer wollte ein Vermoegen fuer eine Fahrt zum Zocalon, dem Zentrum der Altstadt, wo wir absteigen wollten. Also sind wir gelaufen – und das etwa 40 Minuten. Niemand konnte uns so ganz genau sagen, wo wir denn nun hinmuessen. Dann haben wir uns zwei kleine Hotels angeschaut, die ganz ok waren und nicht zu teuer, als uns ein “Touristenguide” angesprochen hat und uns ein nettes kleines Hostel in Strandnaehe versprochen hat, das zwar ein klein wenig teurer war, aber sonst ganz ok klang. Also sind wir – gutglaeubig – da hin und es war natuerlich ein Fehler: Das Hotel war noch teurer als versprochen, in mindestens zweiter Reihe und so klimatisiert, dass ich gefroren habe. Also haben wir uns kurzerhand wieder auf dem Strip von Acapulco, mitten zwischen den ganzen riesigen Hotels auf die Strasse gestellt und sind mit dem naechsten Bus wieder zurueck gefahren.

 

Das dauerte allerdings ziemlich lange, denn der Verkehr auf der einzigen Strasse entlang des Meeres ist enorm! Die Abgase verdunkeln die glitzernden Fassaden der grossen Hotels und der unzaehligen Fast-food-Ketten, die eines neben dem anderen sich an der Strasse aufreihen. Und es ist weit. Ich hatte eine andere Vorstellung von der Groesse Acapulcos. Es ist riesig! Der Strip ist einige Kilometer lang und dicht besiedelt und bevoelkert. Und das obwohl man uns immer gesagt hat, dass gerade nichts los sei. Wir merken das auch bei den Preisen fuer Hostels und Taxis, da kann man ordentlich handeln, weil die sonst gar keine Gaeste haben. Gut fuer uns. Aber zurueck zu Acapulco und unseren ersten Eindruecken davon: Als wir endlich wieder zurueck in der Altstadt waren, haben wir uns in ein kleines Hostel eingemietet, vor dem eine Schaar von etwa fuenfzehn Kindern gespielt hat und die Mama uns das Zimmer gezeigt hat. Wir waren also nach zwei Stunden wieder genau dort, wo wir gestartet waren… Den Abend haben wir dennoch an der Party-Meile von Acapulco (das einzig gute an dieser Stadt) verbracht und uns ein wenig treiben lassen. Am naechsten Tag haben wir ausgeschlafen und wollten eigentlich mal an den Strand gehen. Ein Fehler, wenn man nicht Bewohner eines der riesigen Hotels ist. Der Strand ist nicht nur total mir Schirmen und Liegen vollgestellt, sondern auch dreckig und versifft. Ueberall liegen Plastikflaschen rum, die gesamten Abwaesser der Hotels fliessen am Strand ins Meer und es riecht wie in einer Klaeranlage. (Auf den Fotos sieht das irgendwie jetzt ganz gut aus…)

 

Nach einem zweistuendigen Marsch auf der Suche nach unbezahltem Schatten sind wir schnell einmal reingesprungen in die Bruehe und haben uns auf den Weg zurueck gemacht. Nachmittags sind wir dann an einen kleinen Strand, weit weg von den Hoteltuermen gefahren, an dem die Einheimischen ihren Sonntagsauflug gemacht haben. Und abends hat mich Acapulca dann endlich ein wenig versoehnt, als wir uns die Klippenspringer angesehen haben. Mit einem kuehlen Bierchen standen wir auf einer Aussichtsplattform und haben zugesehen, wie die Jungs sich 45 Meter von einem Felsen in eine schmale und gefaehrliche Felsspalte ins Meer stuerzen. Als wir am kommenden Morgen um sechs Uhr frueh auf dem Weg zum Bus waren, war ich eigentlich nur froh, aus dieser Stadt weg zu kommen. Die entspricht einfach ueberhaupt nicht meiner Vorstellung von dem Paradies, das ich hier suche.

Die Busfahrt von Acapulco nach Puerto Escondido dauert normalerweise sieben Stunden. Wir sind um halb acht losgefahren, damit wir noch tagsueber ankommen und uns in Ruhe eine Cabana am Meer suchen koennen. Angekommen sind wir um elf – abends. Von Acapulco nach Puerto Escondido gibt es nur eine einzige Strasse und die waere in Deutschland als Landstrasse gekennzeichnet. Die beiden Spuren haben die Breite einer einzigen Spur bei uns und immer mal wieder ist ein Stueck nicht geteert. Trotzdem fahren die Busse und auch alle anderen Autos mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 kmh entlang. Das ist zuerst aufregend, aber man gewoehnt sich an das Gefuehl.

Nur ein paar Kilometer hinter Acapulco war auf einmal die Strasse gesperrt und uniformierte Maenner mit Maschinengewehren haben den Bus aufgehalten und durchsucht. Das mexikanische Militaer versucht auf diese Weise, den Handel mit Drogen und Waffen an der Westkueste von Mexiko einzudaemmen. Da die Polizei korrupt und in den Handel involviert ist, muss das Militaer diese aussichtslose Arbeit erledigen. Der Mann, der uns “bewacht” hat, war ziemlich interessiert, wollte unsere Paesse sehen, damit er unsere Namen vorlesen konnte und hat uns ein wenig ueber die Polizei und Drogen in Deutschland ausgefragt. Als einige Gepaeckstuecke kontrolliert waren und der Bus einmal durchgecheckt war, durften wir weiterfahren. Aber der Auftritt war schon ein wenig beaengstigend. Mit den gezueckten Waffen und der raue Ton. Zudem hat der Mililtaer uns empfohlen, die Strecke auf keinen Fall nachts zu fahren. Auch unser Busfahrer hat davon gesprochen, dass er nicht spaeter als zwoelf fahren will, da es zu gefaehrlich sei. Aber wir waren ja tagsueber unterwegs und somit sollte nichts passieren.

Leider hatten wir das Pech, dass in einem kleinen Oertchen auf der Strecke die einzige Strasse dort wegen eines Streikes der Lehrer gesperrt war und wir sieben Stunden im Stau standen… Erst fast vier Stunden mitten auf der Strasse , dann an einem Busbahnhof etwa einen Kilometer weiter. Als es dann schon dunkel wurde, sind wir endlich weitergefahren. Leider hat es dann dermassen zu Schuetten angefangen, dass man nichts mehr sehen konnte. Aber der Busfahrer hatte wohl den Ehrgeiz, auf der schmalen Strasse jetzt keine Minute mehr zu verlieren und ist gerast wie ein Irrer. Ich habe angefangen, wie die Mexikaner es bei jeder Gelegenheit tun, das Kreuzzeichen zu machen und zu beten… Schlussendlich sind wir heil angekommen, und haben, obwohl mitten in der Nacht noch ein Hotelzimmer in der Altstadt gefunden. Totmuede sind wir ins Bett gefallen. Nix mit Strand und Chillen bis dahin…

Am naechsten Morgen sind wir sehr frueh aufgestanden und haben uns zu Fuss auf die Suche nach einer schoenen Huette gemacht, in der wir nun eine Woche bleiben werden. Nach einigem Hin und Her haben wir uns letztendlich eine kleine Huette am Strand ausgesucht, die eine Terrasse mit Haengematte, einen kleinene Innenhof mit Palmen und eine Kochgelegenheit im Freien besitzt. Es ist einfach, aber mir gefaellts. Insgesamt stehen in dem Hof fuenf solche Huetten, in denen noch andere Backpacker wohnen. Und der Strand ist nur zehn Meter entfernt. Die Wellen waren gestern riesig, zu maechtig fuer uns und wohl auch viele andere, denn es waren nur ganz vereinzelt Surfer im Wasser. Baden durfte man ueberhaupt nicht, da die Stroemung viel zu stark war. Nachmittags haben wir uns Fahrraeder ausgeliehen und sind die Gegend ein wenig abgefahren – ein schweisstreibendes Unterfangen bei ca. 35 Grad! Der Strand ist mehrere Kilometer lang und weiss – und ohne Muell und Abwaesser. Wunderschoen! Vereinzelt stehen mit Palmenblaettern gedeckte Huetten am Strand, zwischen Palmen haengen Haengematten und es ist kaum etwas los. Zum Teil ist der Strand menschenleer und riesengross. So hatte ich mir das vorgestellt! Paradise!

Der Ort selbst ist ein wenig weiter entfernt und hier am Strand von Zicatela stehen nur einige kleine Gebaeude, in denen es ein paar Restaurants, Shops und Cafes gibt. Die Strasse ist nur etwa 300 Meter lang geteert, danach verwandelt sie sich in eine Staubpiste, die entweder Staubwolken hinterlaesst oder wie heute morgen Matsch-Felder erzeugt wenn es regnet. Die Hostels und Cabanas sind zum grossen Teil leer, es ist keine Saison hier und auch in den Cafes und Restaurants ist die Stimmung entspannt und ruhig.

Als wir abends zum Sonnenuntergang, den man von hier aus sehr gut beobachten kann, an den Strand gegangen sind, konnten wir dem Spektakel folgen, wie die kleinenen Baby-Schildkroeten nach dem Schluepfen ueber den Strand gekrochen und in der Brandung verschwunden sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das alle ueberleben, denn die Wellen sind echt riesig und stark, aber ich hoffe es natuerlich.

In den Haengematten vor unserem Huetterl liegend haben wir den Tag dann ausklingen lassen und das erste Mal so richtig entspannt.

Die kommende Woche werden wir noch hier bleiben, surfen gehen und die entspannte Stimmung auf uns wirken lassen. Nach diesen aufregenden Erlebnissen der letzten, unserer ersten Woche, muss ich jetzt erstmal alles verarbeiten und mich ein wenig akklimatisieren. Ich freue mich jetzt auf den ersten Surftag und verbleibe mit einem gechillten bussi bussi und goodbye!

Arrrrrriva Mexiko!

Freitag, Oktober 12th, 2007

Mexikanisches EssenNachdem wir völlig angekommen sind, haben wir uns gleich ins Getümmel gestürzt. Schon beim Frühstück hat das Hostel uns eine erste kostenlose Stadtführung angeboten und wir haben das historische Stadtzentrum erkundet. Die verfallenen Pyramiden, die Cathedrale, absinkende Bauten und belebte Strassen.

Unser Guide hat uns dann in eine typisch mexikanisches “Restaurant” mitgenommen. Ein Hauseingang, in dem drei Mammas an plastikbezogenen Tischen blaue Tortillas zu Quesedillas verarbeitet haben. Dazu gabs eingelegten Kaktus, der wie grüne Paprika schmeckt. Wir sassen auf einer einzigen Bank entlang des Eingangs und haben unsere Bestellung, zum Beispiel Huhn und Käse oder Kürbisblüten auf einem roten Plastikteller bekommen. Es war hervorragend – que rico! Und hat pro Portion nur neun Pesos gekostet, gerade mal 55 Cent!

Nachmittags haben wir uns die Stadt aus der Vogelperspektive angeschaut. Der Torre Latino hat 44 Stockwerke und lässt einen Blick über die ganze Stadt zu. Da wir gutes Wetter und wenig Smog hatten, konnten wir sogar die Berge sehen, die Mexiko einrahmen.

Blick vom Torre Latino N und F auf dem Torre Latino

Morgen werden wir weiter Richtung Taxco ziehen und von dort aus gehts dann ans Meer. Doch davor sehen wir erstmal, was der Abend noch bringt…

Friedl in den Strassen von Mexiko City

So long an thanx for all the fish…

Scheiden tut weh…

Freitag, Oktober 12th, 2007

Die letzten Tage waren ziemlich stressig. Und dann waren da noch die vielen Abschiede von Freunden und Familie.

Diese Verabschiedungen waren wohl der unschönste Teil dieses Projektes Weltreise, da man in diesem Moment nur das Gefuehl hat etwas zu verlieren, ohne dass das Neue schon begonnen hat. Daher also ziemlich traurig das Ganze. War zwar zu erwarten, trifft einen dann aber trotzdem unvorbereitet.

Doch dann erwarteten uns erstmal 24 im Flugzeug und Flughafen Heathrow. In London hat es allen Erwartungen zum Trotz nicht geregnet!!  Bei unserer Ankunft in Mexiko City waren wir also erstmal ziemlich erschöpft und müde. Gegen acht Uhr abends (Ortszeit) haben wir mexikanischen Boden unter den Füssen gehabt. Beim Landeanflug bekommt man einen Eindruck davon, wie gross diese Stadt eigentlich ist. Über 25 Mio. Menschen leben hier in einer einzigen Stadt!!! Und die ist zwischen Bergen auf 2200m Höhe eingeklemmt, von oben einfach Wahnsinn! Da die Luft ziemlich dünn ist, ist der Landeanflug eine Attraktion der besonderen Art: Kurz bevor man den Boden berührt, gibt der Pilot nochmal Vollgas und man hat das Gefühl durchzustarten.

Taxi in Mexiko City

Mit dem Taxi standen wir dann – erwartungsgemäss – erstmal im Stau. Weil der Taxifaherer trotz Erkundigungen bei seinen Kollegen nicht ganz genau wusste, wo das Hostel ist, in das wir wollten, hat er uns der Einfachheit halber irgendwo in der Nähe rausgelassen. Mit vollem Gepäck gings dann zu Fuss durch eine Geisteraustreibung in der Nähe der Cathedrale Richtung Hostel. Das Hostel ist günstig, extrem zentral und echt zu empfehlen. Auch wir haben hier einen guten Tipp schon in Deutschland bekommen. Gracias!

Blick von der Dachterrasse

Nach dem Check-in, haben wir uns erstmal ein wohl verdientes Corona auf der Dachterrasse gegönnt und denn Start des Projektes Weltreise damit besiegelt. Zu dem Zeitpunkt war es in Deutschland schon fünf Uhr morgens und wir über 24 Std. auf Achse. Die Nacht war dementsprechende komatös – im 6-Bett-Zimmer!

Bussi Bussi und bleibt dran!

Last days…

Dienstag, Oktober 2nd, 2007

…es sind die letzten Tage in München!

 Leider muss ich gerade noch ziemlich viel arbeiten und habe nur begrenzt Zeit, mich noch persönlich von allen Freunden zu verabschieden. Danke für die schönen Einladungen!!!

                                                          

Aber es ist schön wenn man merkt, wie viele Menschen doch Anteil nehmen an dem Projekt und sich noch gerne persönlich verabschieden wollen.

Vor drei Wochen gabs die Abschiedsparty, die zu einem rauschendne Fest ausgeartet ist und einige sichtbare Spuren in der Wohnung hinterlassen hat. Doch nachdem wir da nun eh ausziehen müssen, können wir das verschmerzen…

Neben dem Umzug, einem weiteren Flohmarkt-Samstag und Geburtstagen und anderen Festen, ist jetzt natürlich auch noch die Wies’n (das Oktoberfest, für die Preußen unter Euch) in München. Und das darf man sich natürlich nicht entgehen lassen, muss dem Gott des Bieres und des gebratenen Händels opfern und damit auf Gesundheit und Glück im kommenden Jahr hoffen. Also einfach ein Pflichttermin!!!

In einer Woche sitze ich im Flieger und werde hoffentlich alles erledigt haben, was gerade noch so ansteht und mich auf Mexiko City freuen. Weil wir erst abends ankommen, haben wir schon ein Hostel reserviert, das als DAS Hostel in Mexiko gilt und das man anscheinend unbedingt gesehen haben muss. Nach einem Tag Sightseeing und Stadtrundfahrt (Touri-Programm) gehts dann weiter Richtung Süden, Richtung Meer und Strand…

Bis dahin heißt es jetzt noch durchhalten, Dirndl bügeln und Wohnung endlich ausräumen.

Bleibt dran, es wird interessant!

Bussi, bussi und goodbye von fraidl.